Mediengedöhns im … äh … Herbst, Teil 1

Gnarf gnarf. Das Blog liegt mal wieder brach ohnegleichen. Deshalb jetzt endlich mal ein Versuch, diesen Artikel hier in die Welt zu werfen, ich teile einfach mal auf und mache hier jetzt Bücher und Filme/Serien und dann einen weiteren Artikel mit gespielten Spielen und gehörten Podcasts, so.

Also. Medien von September bis … jetzt so.

Gelesen

An Büchern habe ich nur Roma Nova gelesen, und das habe ich ja neulich schon ausführlichst besprochen.

Ansonsten war ich leider wieder sehr lesefaul, was Bücher angeht. Ich hoffe, das ändert sich vielleicht doch noch, jetzt, wo ich diverse gemütliche Sitzgelegenheiten im neuen Wohnzimmer habe. Aber bisher war ich einfach weiterhin zu unmotiviert.

Allerdings möchte ich es beibehalten, im Mediengedöhns einige besonders im Gedächtnis gebliebene und lesenswerte Artikel zu verlinken, die ich in den letzten 2 Monaten gelesen habe.

Da ist zum Beispiel die Reportage über das Team, das den CumEx-Skandal recherchiert hat. Mit falschen Identitäten, Gesichtsmasken, einem übergelaufenen Insider und allem, was man sonst eher in einem Fernsehkrimi vermutet. Nur dass es hier echt ist. (Warum dieses Verbrechen in der breiten Öffentlichkeit so weitgehend unbeachtet bleibt – es ist mir ein Rätsel.)

Sehr, sehr lesenwert ist dieser Essay über das Erstarken der Rechten, den Wandel der Gesellschaft und wie das alles zusammenhängt.

Und passend dazu: Die Hans-Bremse, ein spannender Artikel über Frauen in der deutschen Politik. Woher der Titel kommt? Es gab von 1949 bis heute mehr verbeamtete Staatssekretäre namens Hans als Frauen in diesem Amt.

Dinge, über die man nie nachdenkt, und die dann doch einleuchten und nach einer sehr sinnvollen Änderung klingen: HBO hat jetzt eine Intimitäts-Koordinatorin am Set. Was das ist? Jemand, die drauf achtet, dass die Schauspieler sich mit den Sexszenen wohlfühlen.

Frauen müssen Wut zeigen dürfen, ohne dadurch als inkompetent, hysterisch oder lächerlich hingestellt zu werden. Jawoll, verdammt noch mal!

Politik und Fiktion gehen nie getrennte Wege: Das Märchen von der unpolitischen Fiktion.

Vordergründig ein Artikel zur Throne Room Scene aus The Last Jedi, vor allem in den letzten Absätzen aber eine Abhandlung darüber, warum man Dinge auch nicht mögen kann, wenn man sie mit eigenen schlechten Erfahrungen verbindet. Sehr spannend.

Und zum Schluss zweimal Fotos:

Portraits in Text und Bild von den großartigen Teilnehmerinnen der World Nomad Games.

Und ein Street Fotografer auf den Spuren der Vergangenheit.

Filme und Serien

Zweimal im Kino gewesen, beide Male sehr beeindruckt gewesen. Und zwar einmal zu Gundermann. Ja, den Namen kannte ich vorher auch nicht, auch wenn die Chance bei mir größer gewesen wäre, dass ich von dem schonmal gehört hätte, handelt es sich doch um einen bekannten DDR-Musiker. Allerdings war der in meines Vaters Ostrock-Sammlung nicht zu finden – mag damit zusammenhängen, dass nach der Wende rauskam, dass er für die Stasi gearbeitet hat. Und damit sind wir auch schon beim Film angekommen, denn der dreht sich unter anderem darum. Gerhard Gundermann (was ein Name!) war überhaupt eine ziemlich faszinierende Gestalt: Baggerfahrer im Tagebau und Musiker gleichzeitig, wegen Querulantentums aus der SED geworfen und später trotzdem von der Stasi angeworben. Der Film spielt in zwei Zeitebenen, einmal in den 70ern, als die Karriere von „Gundi“ so langsam in Fahrt kam, und einmal in den 90ern, als er nach der Wende fast noch richtig berühmt geworden wäre, bevor dann die Sache mit der Stasi rauskam.

Vor allem aber ist Gundermann mal wieder ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Geschichten von denjenigen erzählen zu lassen, die sie erlebt haben. Es gab schon einige berühmt gewordene Filme über das Leben in der DDR, zumeist jedoch erzählt von westdeutschen Regisseuren und Autoren. Die vermutlich nie einen Film über Gundermann gemacht hätten, weil sie ihn schlicht nicht kannten. Aber hier jetzt: ostdeutscher Regisseur, ostdeutsche Drehbuchautorin, und das merkt man. Ich habe von der DDR ja nicht sonderlich viel mitbekommen, beim Mauerfall war ich gerade mal 4. Aber wie z. B. diese Hochhaussiedlung in Hoyerswerda im Film aussieht – ja, genau so war das. (Lustigerweise wohnten Freunde meiner Eltern nach der Wende in genau dieser Stadt, in genauso so einer Hochhaussiedlung, es kam mir alles sehr vertraut vor.) Es sind ganz viele kleine Szenen, die ein Bild von der DDR zeichnen, das mir aus den Erzählungen meiner Verwandten vertraut vorkommt. Am schönsten finde ich das bei der Szene gelungen, in der, kleiner Spoiler, Gundermann seinem Kumpel die Frau ausgespannt hat und mit der jetzt zusammenzieht. Und dann treffen sich die beiden Typen, vor dem Hochhaus, jeder mit seinem Umzugskarton, denn natürlich tauschen sie jetzt einfach die Wohnungen, Betrug hin, Verrat her, man kam ja nicht so einfach an Wohnraum, da musste man halt praktisch denken. DAS war echt so der Moment, in dem ich dachte, „boah, da weiß jemand, wovon er erzählt“. Ich behaupte, dass es so eine Szene in einem DDR-Film von einem rein westdeutschen Teamnicht gegeben hätte.

Ansonsten hat der Film natürlich viel Musik, komplett neu eingespielt und eingesungen von Hauptdarsteller Alexander Scheer und seiner Band (gibt es auch als Album). Ich mochte die Lieder und vor allem die Texte fast alle sofort im Kino, ein paar hab ich mir auch danach nochmal angehört. Sind einige Ohrwürmer dabei und einige wirklich tolle Lyrics.

ich mache meinen frieden mit dir, du großer gott
ich nehm‘ was du mir bieten kannst, leben oder tod
ich will mich nicht mehr drängeln und will mich nicht verpissen
und wer mich angeschissen hat will ich auch nicht mehr wissen
so fülle meinen becher, ich trink ihn bis zur neige
nun gib mir schon mein kreuz, oder eine geige

(Gundermann, „Ich mache meinen Frieden“, vom Album „Der 7. Samurai, 1993)

Der Hauptdarsteller, ich kannte ihn vorher nicht, weil ich ja kaum deutsche Filme gucke, ist jedenfalls auch sensationell. Optisch wurde er wirklich krass dem echten Gundermann angepasst, und sächseln kann er auch gut. Achja, das war auch noch so ein Aspekt des Films, den ich sehr mochte: Fast alle Hauptfiguren sächseln mehr oder weniger. Und das ist einfach so und wird nicht einmal benutzt, um sie irgendwie blöd, lächerlich oder sonstwie negativ darzustellen. Super waren dann auch noch die unglaublichen und wirklich beeindruckenden Panorama-Aufnahmen aus dem Tagebau. Insgesamt also wirklich eine große Empfehlung für einen vielleicht ungewöhnlichen, aber in jeder Hinsicht beeindruckenden Film.

Ich verlinke hier einfach auch nochmal das Interview mit dem Regisseur, nach dessen Lektüre ich dringend ins Kino wollte.

Und dann war ich noch in #FemalePleasure, (pro Tipp: Beim danach googlen das Häschtäg nicht vergessen…) davon habe ich neulich schon im Podcast erzählt. Großartiger Dokumentarfilm über fünf Frauen, die aus den Zwängen von Patriarchat und Religion ausbrechen und sich dafür einsetzen, anderen Frauen (und Männern) zu helfen. Der Film zeigt bemerkenswerte Parallelen aller fünf Weltreligionen auf, die alle mehr oder weniger die Rolle der Frau abwerten und Strukturen schaffen, die Macht zementieren und Missbrauch fördern, mal mehr und mal weniger. Dabei schafft die Doku es, einen gelungenen Tonfall einzuschlagen, der weder in rührseliges „diese 5 haben es geschafft, alles gut, keine weitere Tätigkeit nötig“ noch in fatalistisches „Menschheit kacke, bitte Komet, jetzt“ abdriftet, sondern mehr so in Richtung „der Anfang ist gemacht, jetzt müssen mehr Leute mit anpacken, um die Gesamtsituation zu verbessern“ geht. Hier ist die Homepage mit einem Trailer und einer Übersicht der vorgestellten Frauen. Läuft aktuell noch in den Kinos, nächstes Jahr kommt wohl die DVD (und hoffentlich auch die Verfügbarkeit über Streamingdienste). Wirklich sehr empfehlenswerte Doku, ich bin froh, dass ich mich noch zum Kinobesuch aufgerafft habe.

Und damit zuuuurüüüück zur Popkultur: Die dritte und letzte Staffel von Avatar – The Last Airbender habe ich inzwischen auch gesehen. Hach. So viel Liebe. Noch nicht mal unbedingt für das Finale, das war zwar nett und episch und so, aber im Prinzip wurde alles Wichtige ja vorher schon geklärt und musste dann nur noch ausgefochten werden. Aber die Folgen vorher! Da waren so viele großartige Sachen dabei, ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. (Auf Twitter entspann sich da neulich eine sehr lustige Diskussion, in der alle versuchten, möglichst ohne Spoiler ihre Lieblingsfolge zu nennen und ein Gif dazu zu posten.) Jedenfalls eine fantastische Serie, ich werd die bestimmt noch ein weiteres Mal gucken. Aber erstmal Legend of Korra.

Und tatsächlich hab ich von Legend of Korra auch schon Buch 1 und 2 gesehen, irritierenderweise bei Amazon Prime beides unter „Staffel 1“ geführt. Aaaaaah Korra. So. Viel. Liebe. Ich glaube, es gefällt mir fast noch besser als Avatar, weil die Charaktere ein bisschen älter sind und die Geschichte weniger klassisches Heldenreise-Weltretten ist. Außerdem finde ich es einfach so großartig, wie Personen und Familien und Themen aus Avatar weiterentwickelt werden und was da alles draus gemacht wird. Und dass es nicht nur um die jugendlichen Helden geht, sondern auch relativ viel um die ältere Generation, also die Kinder der Avatar-Protagonisten, finde ich absolut toll. Wann sieht man schonmal so viele coole Charaktere, die so um die 50 sind? Und dann noch der Jugendstil-Look. Und die unglaublich tolle Musik! Und Korra ist einfach so herrlich anders als Aang und dann auch noch ALL DAS LIEBESDRAMA, ich liebe es (und es passt hier auch viel besser – Aang fand ich für den ganzen Liebeskrempel ja immer etwas SEHR jung). Ich bin sehr gespannt auf den Rest der Serie.

Und jetzt komm mir keiner mit „da gibts doch ne neue Serie von den Avatar-Machern“, denn natürlich hab ich auch The Dragon Prince schon gesehen. Alle 9 Folgen an einem Tag, denn ich wollte nur mal reinschauen und konnte dann nicht mehr aufhören. Auch wieder wirklich sehr toll gemacht, wunderbare diverse Charaktere (Amaya!!!), tolles Worldbuilding und bisher eine schöne, spannende Geschichte, auch wenn sie noch nicht ganz die Epik von Avatar erreicht. Ist aber auch kein Wunder, war ja nur eine halbe Staffel – ich hoffe, die 2. kommt bald und mit mehr Folgen.

Und weil ich gerade so schön drin bin in animierten Serien, habe ich neulich, als ich migränig daheim herumlag, an einem Tag alle 13 Folgen der neuen SheRa-Serie geschaut. Aaaaaah! Schon wieder so viel Liebe. Ich kenne die alte Serie überhaupt nicht, die neue hat mich aber echt begeistert. Tolle Charaktere in toller diverser Optik, schöne Story, ganz viel Fokus auf Freundschaft und gegenseitiges Unterstützen, so viel queerer (Sub)-Text, dass ich nur am Grinsen war, und dann gab es EINE PROM-FOLGE. Mit Kleid-Aussuch-Montagen, Eifersuchtsdrama und plotrelevanter Tanzsszene, und allein dafür hat die Serie sich schon gelohnt, aber generell lohnt die sich, weil … einfach toll und bunt und bunt und divers und hach. Guckt das mal.

So und dann war da natürlich noch das MCU, was auf Netflix weiterging. Und jetzt reihenweise abgesetzt wird, gnarf.

Die zweite Staffel Iron Fist haben vermutlich viele erst gar nicht angefangen, weil die erste so schlecht war. Was der zweiten unrecht tut, denn die ist wirklich verdammt cool und hat mich am Ende ungläubig, aber hocherfreut zurückgelassen. Eigentlich macht die Staffel wirklich alles richtig. Danny entwickelt sich konsequent weiter und ist wesentlich weniger nervig und blöd als in Staffel 1, sondern kämpft mit seinem Dasein als Iron Fist und seiner Vergangenheit. Genauso wie Ward, der versucht, ein besserer Mensch zu werden, und dabei ziemliche Mühe hat. Es gibt Folgen, die sind so großartig deutlich in ihrer „toxic masculinity schadet Männern übrigens ebenso sehr wie Frauen“-Botschaft, ich hab es echt gefeiert. Und dann sind da natürlich Colleen Wing und Misty Knight, die einen guten Teil der Staffel als großartiges, kompetentes und witziges Duo unterwegs sind. Verdammt, Disney, wenn ihr schon alles absetzt auf Netflix, dann gebt mir wenigstens die Daughters of the Dragon-Serie auf eurem Streaming-Dienst, ey! In jedem Fall – die Staffel hat nur 10 Folgen, was ihr merklich gut tut, und auch wenn es nach der Staffel nicht weitergeht, kann und sollte man sie trotzdem schauen, wenn man das MCU generell mag. Es hört nicht so richtig mit einem Cliffhanger auf, sondern mehr mit einem einigermaßen okayen Abschluss, aber vielen Andeutungen, was noch kommen könnte. Das geht schon als Schlusspunkt. Sehr viel besser als der Cliffhanger in der 2. Luke Cage-Staffel, der jetzt nie aufgelöst wird … hab ich schon erwähnt, wie ich diese Lizenz-Geschacher-Absetzungsscheiße hasse???

So und dann war da noch Daredevil, Staffel 3. Meiner Ansicht nach auch die beste Staffel der Serie, weil sie es endlich hinbekommt, nicht das Finale total zu verkacken, das war in den ersten beiden Staffeln ja jedesmal der Tiefpunkt der Staffel für mich, vor allem in Staffel 2. Diesmal klappt aber auch das, und die Staffel ist total großartig. Fisk ist wieder dabei, es gibt eine Karen-Rückblicksfolge, es gibt ein paar neue, tolle Charaktere, es gibt noch irrwitzigere Hallway-Fights … tolle Sache. Und das Ende war für mich perfekt als Serienabschluss, auch wenn es bitter ist zu lesen, dass Staffel 4 schon komplett geplant war, als die Absetzung beschlossen wurde. Hab ich schon erwähnt….etc.pp???

Und dann natürlich noch: Die vierte Staffel von Better Call Saul. Irgendwie ist man bei der Serie ja schon fast gewohnt, dass sie eine irrsinnige Qualität in jeglicher Hinsicht hat. Trotzdem haben einige Folgen, Szenen und vor allem Montagen der 4. Staffel da nochmal eine ganze Schippe draufgelegt. Better Call Saul hat weiterhin ein gemächliches Tempo, viel Zeit für Charakterstudien und ist für mich gleichzeitig immer noch in jeder Folge von der ersten bis zur letzten Minute spannend. Unglaubliche Serie, ich hoffe, sie bekommt wenigstens noch eine Staffel. Von mir aus dürfen es aber auch gerne noch mehr sein.

Ich hab das dumpfe Gefühl, was vergessen zu haben, wenn es mir noch einfällt, wird es nachgeliefert.

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Rezension: Roma Nova

Disclaimer 1: Ich habe ein Rezensionsexemplar erhalten. Ob das hier damit jetzt unter Werbung fällt, muss vermutlich jeder selbst entscheiden. Fühlt euch hiermit darauf hingewiesen.

Disclaimer 2: Ich kenne die Autorin. Wir ham da so nen Podcast zusammen. Ich würde trotzdem sagen, wenn ich das Buch doof fände. Ja ja, das müsst ihr mir jetzt einfach glauben.

Was wäre, wenn Rom keine Stadt, sondern ein Planet wäre, Gladiatorenkämpfe ein Hightech-Spektakel und der Spartacus-Aufstand eine Science Fiction-Geschichte? Das ist so ungefähr die Grundprämisse von Judith Vogts Roman Roma Nova, der auch keine ganz gewöhnliche Entstehungsgeschichte hat. Das Buch war eine Auftragsarbeit für einen Filmproduzenten, schaffte dann doch noch den Weg in den Buchhandel und wer weiß, vielleicht wird es ja irgendwann wirklich noch verfilmt. Auf jeden Fall gibt es sensationell coole Konzeptzeichnungen, die man sich hier angucken kann. Dort steht auch noch mehr dazu, wie es überhaupt zum Buch kam.

Das Setting von Roma Nova geht also nicht von der Prämisse aus, dass Rom nie aufgehört hat zu existieren und irgendwann den Weltraum erobert hat, sondern versetzt das römische Imperium einfach in ein SciFi-Setting. Rom ist zwar eine Stadt, nimmt aber den ganzen Planeten ein. Der Rubicon ist kein Fluss, sondern ein Asteroidengürtel, die römischen Kolonien sind andere Planeten und der gefürchtete Hades ist ein mysteriöses, von einem Schwarzen Loch dominiertes Weltraumphänomen. Es gibt alles, was man aus dem alten Rom so kennt, aber halt in einer SciFi-Variation: Prätorianer mit Energiefeldern als Schilden, Raumschiffe mit Rammspornen und Arenakämpfe, die an eine Mischung aus Castingshow und Hunger Games erinnern. Die Patrizier Roms nehmen ihre Tabula zur Hand – dahinter verbirgt sich dann aber eine Art Tablet/Smartphone mit Internet, Chatprogrammen und Fernsehsendern. Aber trotz dieser HighTech-Gesellschaft ist die Gesellschaft Roms so, wie man sie aus der Antike kennt. Reiche Patrizierfamilien streiten um Ansehen und politische Macht, es gibt – logischerweise, beim Thema Spartacusaufstand – Sklavenhaltung, Frauen gehören ihrem Vater, bis sie an ihren Ehemann übergeben werden und haben insgesamt wenig zu melden. Die Intrigen der Oberschicht vermischen sich hin und wieder mit den Machenschaften von Unterweltkartellen – und dazwischen wollen die meisten einfachen Bürger Roms einfach nur überleben. Und vielleicht das neue Spartacus-Parfüm zum Namenstag.

In dieses Antike-meets-SciFi-Setting mischt sich dann auch noch ein Schuss Fantastik und Übernatürliches, was vielleicht erstmal seltsam klingt, für mich aber sehr gut funktioniert hat. Immerhin war die römische Antike vom Glauben an diverse Götter, Heilige und Heroen bestimmt, und von da ist es nur ein kurzer gedanklicher Schritt zu Seherinnen mit prophetischen Fähigkeiten, mechanischen Herzen, die ihren eigenen Willen haben, und gruseligen kleinen Mädchen, hinter denen sich etwas ganz anderes verbirgt. Gerade der Mix aus Raumschiffen, Energieschilden und Hightech auf der einen und der römisch-antiken Glaubenswelt auf der anderen Seite hat dafür gesorgt, dass das Setting mich extrem begeistert hat. Ich glaube, ich habe alle 50 Seiten „ich will da ein Rollenspiel zu…“ vor mich hingemurmelt. Allein die verschiedenen Verbrecherkartelle in Rom! Die Cyprioten, die quasi Technomancer sind! Die verschiedenen Planeten mit ihren Eigenheiten! Rom als planetenumspanende Cyberpunkstadt! Der Hades! Ich habe da dringenden Bedarf an einem weiteren Roman oder einer Kurzgeschichtensammlung oder einem Rollenspielsettingband. Oder allem davon! Noch ist in die Richtung nichts angekündigt, aber ich darf ja hoffen.

Aber erstmal zurück zum Roman: Im Mittelpunkt stehen die Gladiatoren der großen Arena Roms, die Patrizierfamilie der Mariner und Morisa, eine versklavte Seherin aus dem Volk der Thraker. Diese will sich an Familienoberhaupt Lucius Marinus nicht nur rächen, weil er sie seit Jahren als Sklavin hält und missbraucht, sondern auch, weil er ihren Ehemann Drennis ebenfalls versklavt und als Gladiator in die Arena befördert hat – wo er unter dem Namen Spartacus Ruhm und Ansehen der Mariner-Familie mehren soll. Da kommt es nur gelegen, dass Lucius mit seinem Party-Raumschiff gerade so weit draußen in der Galaxis kreist, dass ein Schiff des Hades die Prätorianer und Gäste mal so richtig aufmischen kann. Morisa nutzt also die Gelegenheit, nicht nur ihre Freiheit zu erlangen, sondern auch noch Einfluss auf einige wichtige Personen auszüben, die Spartacus auf Umwegen in die Freiheit verhelfen sollen. Der bekommt währenddessen gerade ein künstliches Herz eingepflanzt, um zum Star der Arena aufzusteigen. Und wenn das jetzt schon nach viel Action klingt: Das ist gerade einmal der Auftakt des Romans und damit geht es erst richtig los.

Auf den etwa 600 Seiten entwickelt Roma Nova dann eine Geschichte, die mich beim Lesen sehr mitgerissen hat: Das Leben der Gladiatoren in ihrem Zwiespalt aus Freundschaft und Konkurrenz, die spektakulären Kämpfe, die politischen Intrigen der Patrizier, die Mythen der künstlichen Herzen und des Hades, die ungewöhnliche Liebesgeschichte … es ist eine vielschichtige und actionreiche Handlung mit spannenden Protagonisten. Spannend sollte hier nicht mit sympathisch verwechselt werden, denn viele der Charaktere sind nicht unbedingt so drauf, dass ich gerne einen Tee mit ihnen trinken würde. Aber genau das macht für mich Roma Nova auch so glaubwürdig – die Protagonisten sind in ihrem Handeln, Glauben und Denken eben verstrickt in die Zwänge und Moralvorstellungen der römischen Gesellschaft und erliegen ihren eigenen Schwächen ebenso wie den unsichtbaren Fäden der Marionettenspieler im Hintergrund. Trotzdem macht es Spaß, mit ihnen mitzufiebern. Die meisten der Charaktere fand ich auch wirklich sehr cool, gerade bei den Gladiatoren gab es einige schräge Gestalten, aber auch die Patriziertochter Constantia, die unfreiwillig aus ihrem Leben ausbricht und das dann doch ganz gut findet, hat mir gut gefallen. Einzig der Handlungsstrang um Marius Marinus, den jüngsten Sohn der Familie, hat mich nicht ganz so sehr begeistert. Lange war mir nicht klar, auf was er sich denn da eingelassen hat, und letztendlich waren die Auswirkungen auf die gesamte Geschichte auch eher gering. Zwar bringt dieser Aspekt der Story noch mehr von den coolen Unterwelt-Dingen Roms ins Spiel, aber der Fokus des Romans liegt halt doch ganz klar woanders, sodass einfach zu wenig Platz war, seine Pläne und Geschäftspartner so richtig gut rüberzubringen. Auch das Ende seines Handlungsstrangs versandet dann eher – schreit natürlich nach einer Fortsetzung, aber darauf ist das Buch ja eigentlich gar nicht angelegt. Auch einige andere Nebenfiguren kriegen keinen so richtig runden Abschluss, da hätte für mich gerne noch ein paar Szenen mehr drin sein dürfen, die auch den eher unwichtigen Figuren noch einen Ausklang gönnen. Aber das tut dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch, denn gerade die Geschichte um Morisa, Drennis, Ianos und Constantia fand ich bis zum Ende hin großartig.

Was Roma Nova für mich besonders stark macht, ist, wie politisch aktuell es sich anfühlt. SciFi hin und Gladiatoren her, viele Themen des Romans gehen über den eigentlichen Plot hinaus und ließen mich beim Lesen unwillkürlich immer wieder über aktuelle Politik und die darüber geführten Diskussionen nachdenken. Natürlich ist das Rom, das im Buch entworfen wird, in vielen Punkten anders als unsere heutige Gesellschaft. Aber viele der Konflikte und gesellschaftlichen Konstrukte gehen dann eben doch auf Einstellungen und Ansichten zurück, die auch heute immer noch verbreitet sind. Klar, heute gehört eine Frau nicht mehr ihrem Vater, bis er sie ihrem Ehemann übergibt – aber den unsäglichen Brauch, bei den Eltern der Braut um Erlaubnis für die Hochzeit zu fragen, gibt es eben doch immer noch. Klar, es kämpfen hier keine Gladiatoren live vor der Kamera um ihr Leben – aber ist es so viel anders, sich anzugucken, wie die Leute im Dschungelcamp Würmer fressen müssen oder sich darüber das Maul zu zerreißen, dass Schauspielerin X auf unvorteilhaften Paparazzi-Fotos ganz klar Cellulite hat?

Die in Roma Nova entworfene Gesellschaft ist nicht besonders nett. Da baut ein Konsul eben Scheiße und sorgt für den Tod unschuldiger Bürger – nicht so schön für ihn, aber natürlich verliert er maximal seinen Posten und wird ins Innenministerium befördert muss auf ein anderes Amt umziehen, oder sein Ruf ist ein bisschen in Gefahr, oder er muss mal ein paar mildtätige Gaben an die Armen spendieren und sich dabei filmen lassen. Trotzdem geht es ihm weiter gut, er hat nichts zu verlieren – die Mächtigen kreisen in ihrer eigenen Sphäre und sind unantastbar. Ebenso krass ist der Unterschied zwischen Sklaven und Bürgern Roms – während es für die Bürger Roms kein Problem ist, dass Sklaven sich zur Unterhaltung gegenseitig abschlachten, dass sie verkauft, missbraucht und vergewaltigt werden, haben die römischen Bürger ihre Rechte und auch die politische Oberschicht weiß, dass ein Bürgerkrieg droht, wenn die Prätorianer nicht nur Sklaven, sondern auch Römer töten, egal, wie niedriggestellt diese auch sein mögen. Diese Unterscheidung in zwei distinktive Gruppen, von denen die eine Menschenrechte hat und die andere eben nicht, ermöglicht erst die Grausamkeiten, die auch in unserer Zeit noch immer vorherrschen. Erst, wenn man vor sich selbst und seiner Peer Group gerechtfertigt hat, dass illegale Einwanderer eben keine Menschenrechte haben, kann man Kleinkinder in Käfige sperren und das als Lösung eines Problems ansehen.

Unter der Oberfläche der spannenden Geschichte brodeln da einfach unglaublich viele spannende Fragen und aufgezeigte Probleme. Kann man als privilegiertes Mitglied einer Gesellschaft etwas gegen deren Grundsätze tun? Sollte man es, auch wenn es das eigene Leben schlechter machen wird? Kann es zwischen Sklaven und ihren Besitzern je zu einer aufrechten Freundschaft kommen? Wieso stehen nicht alle Sklaven auf und wenden sich gegen ihre Besitzer, wo sie doch die Macht dazu hätten? Auch der ganze Komplex von Männlichkeit und Sexualität ist meiner Meinung nach gelungen abgedeckt, zumal mir nicht sehr viele andere Bücher einfallen, in denen Männer sich über ihre Kampffähigkeiten hinaus auch noch als irgendwie begehrenswert für irgendeine Zielgruppe vermarkten müssen, um Erfolg zu haben. Und auch so Dinge wie „natürlich schadet es dem Ruf eines Gladiators nicht, mit einem anderen Mann zu vögeln und sich dabei filmen zu lassen und das Video zu verbreiten – aber puuuuuh, er hat sich in die passive Rolle beim Sex begeben und das ist so weibisch und schadet seinem Ruf“ – eine absolut ins Setting passende Szene, die aber trotzdem Fragen zum Thema (toxische) Maskulinität aufwirft und deshalb auch über die eigentliche Story hinaus relevant ist. In eine ähnliche Richtung geht der Konflikt von Lucius Marinus und Spartacus, die sich vermutlich ähnlicher sind, als sie selber zugeben würden und die zeigen, dass ein gewaltsamer Konflikt im Grunde genommen immer gleich endet – egal, wie viele Sklaven, Soldaten und Unschuldige mit hineingezogen werden.

Insgesamt hat mich dieser Aspekt des Romans sehr beeindruckt. Er zeigt einmal mehr, wie gut und wichtig es ist, politische und gesellschaftliche Themen auch in der Science Fiction und Fantasy aufzuwerfen (zumal es keine nicht politische Unterhaltungsliteratur gibt, wozu ich demnächst nochmal einen Artikel verlinken werde). Dass das Ende des Romans dementsprechend auch eher realistisch ausfällt und zwar so mancher Charakter zu einem Happy End findet, aber sich nichts Grundsätzliches ändert, ist dann umso passender und war bei der historischen Vorlage natürlich auch irgendwo zu erwarten.

Ceterum censeo: Roma Nova ist ein spannender Roman mit einem saucoolen Setting – unterhaltsam und gleichzeitig mehr als nur eine aufregende Geschichte, da die beschriebene Gesellschaft des römischen Weltraumreiches in vielen Punkten zum Nachdenken anregt. Große Empfehlung.

(Und jetzt bitte Teil 2, lieber Bastei-Lübbe-Verlag, in dem Gaia Sabina endlich Twitter erfindet.)

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#12von12 im September 2018

Am 12. des Monats werden traditionell 12 Fotos des Alltags gemacht und getwittert, gebloggt, ge-instagrammt und so. Und die Sammlung findet sich wie immer hier.

(Es gibt übrigens jeden Monat wieder Leute, die Fotos auf Instagram posten und auf Twitter sieht man dann nur, dass da was gepostet wurde, aber nicht das Bild. Macht mich irre. Ich klick dann da aus Trotz nicht drauf. Pffft!)

Okay, also gestern. Es war ein ganz normaler Arbeitsmittwoch, daher auch Bilder eines ganz normalen Arbeitstages.

Der Tisch im Wohnzimmer, mit dem Restgeschirr der City of Mist-Runde vom Dienstag. Den Blick in den grünen Innenhof werde ich vielleicht schon ein wenig vermissen.

Um 9 im Büro gewesen. Dieses Einblatt lebt seit 10 Jahren in unserem Büro und war mal sehr viel kleiner. Inzwischen wurde es schon zweimal geteilt. Der neue Standort am Fenster in der neuen Kanzlei scheint ihm jedenfalls zu gefallen, es hat gerade sensationelle 6 Blüten gleichzeitig.

Kaffee und Wasser zum Frühstück. Der Chef hat einen ganzen Karton Jacobs Krönung in „kräftig“ gekauft und der ist echt bitter, aber da er einen ganzen Karton gekauft hat, müssen wir jetzt leider sehr lange diese Sorte trinken.

Kalt war es außerdem. 15 Grad, dann musste die Heizung doch mal wieder angestellt werden. (Schwere Irritation bei der Twittertimeline in Süddeutschland, wo es fast 30 Grad waren offenbar. Neid.)

In der Mittagspause kurz zu Rewe, was zu essen kaufen. Diese Woche hab ich irgendwie total verschlafen, rechtzeitig Zutaten für meinen üblichen Mittagspausensalat zu kaufen, deswegen gabs keinen.

Dafür dieses Supermarkt-Sushi hier, mit gekochtem Lachs und Avocado. Sehr lecker.

Chefin kam aus der Pause wieder und hatte Tulpen gekauft. WTF, im September. Abr hübsch sind sie.

Heimweg. So sieht es gerade auf meiner Straße aus. Immerhin bauen sie, weil sie die Straße in einer Veloroute umwandeln, das ist ja an sich positiv. Und die 10 Tage dauernde Vollsperrung ist auch inzwischen aufgehoben, nur an zwei Stellen wird noch gebaut. Die vielen Baustellen sind zwar total nervig, aber die Straßenbauarbeiter haben echt reingeklotzt und die Sperrung so kurz wie möglich gehalten. Um mal nicht immer nur zu meckern. 😉

Yoga gemacht. Und damit ich nicht immer nur die Matte fotografiere … hallo, Füße.

Blumenkohl gekocht fürs Abendessen.

Hier das Rezept für ein sehr schnelles Blumenkohlgratin: Einen ganzen Blumenkohl in Salzwasser weichkochen, in eine Auflaufform werfen, 100 g in Stücke geschnittenen Kochschinken dazuwerfen, nen kleinen Schluck Milch dazu. Mit Muskat und Pfeffer würzen, alles einmal durchmatschen. 100 g geriebenen Gouda draufwerfen und dann in den Ofen stellen, bis der Käse geschmolzen ist. Nom nom. Ergebnis:

GRATÄNG!

Dann hab ich noch One day at a time geschaut und dabei all unsere Schnaps-,  Likör-, Wein- und sonstwas-Gläser in Papier gewickelt und eingepackt.

Und dann noch mein aktuelles Buch im Bett zu Ende gelesen und dann geschlafen.

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Mediengedöhns im August 2018

Nach all dem Rollenspiel- und Tagebuchblogkrams jetzt mal wieder ein Mediengedöhns.

Gelesen

Ich lese immer noch Roma Nova, aber da ich im Moment nur in der Bahn oder der Mittagspause dazu komme, habe ich noch 100 Seiten vor mir. Deswegen später mehr dazu.

Ansonsten einige empfehlenswerte Artikel gelesen:

Kelly Marie Trans bewegendes Statement zu ihrem Rückzug aus den sozialen Medien und dem Umgang mit ihrer Herkunft (englisch).

Einsamkeit als Antrieb für Extremismus. Sehr interessanter Artikel (englisch).

Herzkrankheiten bei Frauen und warum man bei weiblichen Ärzten bessere Chancen auf die richtige Diagnose hat. Krasse Zahlen.

Sehr gutes Interview mit Claudia Roth.

Lesenswerte Reportage über Sigmund Jähn, den ersten (Ost)deutschen im All.

Gesehen

Tatsächlich krass viele Filme gesehen im August. Drei Stück! Sonst guck ich ja mehr so Serien.

Und zwar einmal war das das spontane Jumanji-Doublefeature, das zustandekam, weil wir Besuch hatten und nen Film gucken wollten und dann zufällig der neue Jumanji-Film auf Amazon Prime im Angebot war. Und da ich den alten nie gesehen hatte und es den auch online gab, haben wir dann gleich beide geschaut.

Jumanji von 1995 kannte ich natürlich so grob von der Thematik her, ohne ihn je gesehen zu haben. Allerdings dachte ich immer, dass das so läuft wie bei dem neuen Film und die Hauptfiguren in die Jumanji-Welt gesaugt werden. Ich war dann ganz überrascht, dass stattdessen die Jumanji-Viecher und -Pflanzen in die Realität kommen. Fand ich aber ziemlich gut gemacht, sogar die Special Effects sind auch nach 23 Jahren noch einigermaßen erträglich. Ansonsten fand ich den Film wirklich nett und unterhaltsam, teilweise etwas viel Slapstick-Humor, der aber auch durchaus gute Gags dabei hat. Robin Williams in der Hauptrolle natürlich toll, auch wenn es immer traurig ist, Schauspieler zu sehen, die schon gestorben sind. Und für einen doch recht alten Film auch immerhin mit genauso viel weiblichen wie männlichen Hauptfiguren, besonders, dass mit Sarah auch eine nicht mehr ganz junge (für Hollywoodmaßstäbe, die Schauspielerin war Mitte 30….) Frau dabei ist, fand ich gut (auch wenn sie jetzt keine sonderlich tolle oder originelle Figur ist). Am Ende natürlich alles sehr superhappy, gut ausgegangen, wild time travel appears und so. Aber konnte man immer noch gut gucken. Wobei mir auffiel, wie viel Zeit sich der Film gerade am Anfang nimmt. Die ersten 20 Minuten – das würde man heute vermutlich in der Hälfte der Zeit als Montage machen. Wenn überhaupt.

Und danach dann gleich Teil 2, Jumanji – Welcome to the Jungle. Hatte mich bei Ankündigung nicht so interessiert, aber der Trailer war dann ja doch ziemlich cool und naja, Karen Gillan und Jack Black gehen immer für mich. Der Film hat mir dann sogar noch besser gefallen, denn er war nicht nur echt unterhaltsam, sondern natürlich auch insgesamt moderner und mit cooleren Locations und so. Und dass die Charaktere diesmal in ein Videospiel gesaugt und dementsprechend auch von den Figuren dieses Spiels verkörpert werden, ist schon echt gut. Vor allem Jack Black, der ein 16-jähriges Mädchen spielt, das sich entsetzt im beleibten Körper eines mittelalten Wissenschaftlers wiederfindet, ist wirklich großartig. Ja okay, ein paar weniger Peniswitze hätten es sein können, aber naja. Aber auch sonst nimmt der Film so klassische Video-Tropes wirklich herrlich auf die Schippe, ob es nun abstruse Fähigkeiten und Schwächen, NPCs mit einem beschränkten Repertoire an Sätzen oder Cut-Scenes sind. Die eigentliche Story schreitet schnell voran, ist nicht super-überraschend, hat aber ein paar nette Wendungen und Charaktermomente drin. Und das Ende war dann schon wirklich sehr süß und herzerweichend. Zwischendurch haben wir auch wirklich viel gelacht. Also durchaus eine Empfehlung von mir.

Und dann war ich ja noch im Kino zu BlackKklansman. Und boah, was ein Film. Basierend auf der wahren Geschichte und dem Buch von Ron Stallworth erzählt er die Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich telefonisch in die Ränge des Ku Klux Klan einschleicht und dann zu den Treffen aus offensichtlichen Gründen einen weißen Kollegen schicken muss. Ich habe im Nachhinein ein paar Artikel dazu gelesen und die ganzen irren Dinge, die in dem Film passieren, sind offensichtlich auch wirklich so gelaufen – hätte man sich auch nicht irrer ausdenken können. Der Film ist jedenfalls meiner Meinung nach wirklich extrem gut gemacht. Neben dem KKK thematisiert er auch die Black Power-Bewegung, ohne diese als komplett gut und unproblematisch hinzustellen. Und bei den KKK-Mitgliedern ist das alles auch schon sehr gelungen, wie die als die Monster dargestellt werden, die sie sind, ohne total ins Übertriebene abzugleiten.

Tatsächlich ist Blackkklansman zwischendurch auch einfach immer wieder einfach nur spannend und auch saulustig, wenn z. B. Ron sich am Telefon vom KKK-Oberchef erklären lässt, dass dieser ja sofort hören würde, wenn er mit einem Schwarzen telefoniert und Ron und seine zuhörenden Kollegen sich vor Lachen kaum noch halten können. Und zwischendurch kommen dann auch immer wieder total bedrückende und schreckliche Szenen, wenn z. B. die KKK-Mitglieder Birth of a Nation schauen und johlend den Hitlergruß machen, während Ron vom Fenster aus schockiert beobachtet, was passiert. Die Schauspieler sind auch alle durch die Bank super, John David Washington kannte ich vorher noch gar nicht, er spielt die Hauptrolle aber sehr gut. Und Adam Driver geht sowieso immer.

Und dann kommt das Ende des Films und … ich will jetzt nix spoilern, aber ich sag mal so: Der Film tut einem nicht den Gefallen, auch nur für einen Moment zu denken, dass er nur ein Stück Historie zeigt, die nichts mit der Gegenwart zu tun hat. Das geht am Anfang mit einem Fernsehclip los, der auch von den Sarrazins und Gaulands dieser Zeit stammen könnte und zieht sich dann bis zum Ende durch. Nach den letzten Minuten des Films war der Kinosaal still. Totenstill. Das habe ich in der Form noch nie erlebt. Ganz große Empfehlung jedenfalls, geht ins Kino, solange er noch läuft.

Passt thematisch auch zur ersten Serienstaffel, die ich diesen Monat gesehen habe, nämlich Orange is the new Black, Staffel 6. Die hatte am Ende nämlich auch einen absolut passend platzierten aktuell relevanten Moment drin, der mich sehr getroffen hat. Ansonsten war die Staffel auch wieder gut. Ein paar schöne neue Charaktere und interessante Pairings bei den alten. Und halt jetzt mal eine Staffel lang alles im Hochsicherheitstrakt. Da war schon viel Interessantes bei, die Serie ist weiterhin wunderbar divers und vielschichtig und biete eine gute Abwechslung zwischen Drama und Komik. Klar, manche Charaktere und Stories fand ich besser als andere, aber insgsamt ist die Serie einfach weiterhin echt gut.

Auch auf Netflix auf Twitter-Empfehlung geschaut: Die erste Staffel von One Day at a Time. Eigentlich eine typische Sitcom, die aber wirklich großartig diverse Charaktere und wirklich viele sehr ans Herz gehende Momente hat. Die Folgen haben 30 Minuten Länge, das irritiert mich immer total, weil ich bei Serien eigentlich nur 40 oder 20 kenne. Aber immerhin hat man damit etwas länger was von den Staffeln, die leider immer nur 13 Folgen umfassen. Es geht jedenfalls um eine alleinerziehende Mutter mit Army-Vergangenheit und kubanischem Migrationshintergrund, die mit ihrer Mutter und ihren beiden Kindern zusammenlebt und sich so durchs Leben schlägt. Die Serie spricht viele aktuelle Themen an, ist ziemlich lustig und oft auch traurig und perfekt, wenn man was Gucken möchte, was jetzt nicht totale Konzentration erfordert, aber trotzdem gut ist. Staffel 2 gibt es auch auf Netflix, Staffel 3 ist wohl gerade in Produktion, nachdem die Serie zum Glück verlängert wurde.

Und zum Schluss noch: Nanette. Das ist eine Aufzeichnung eines Live-Auftritts der gleichnamigen Show von Hannah Gadsby, einer australischen Komikerin. Die in diesem Programm unter anderem erzählt, wieso sie jetzt aufhört, Comedy zu machen. Und wieso sie jahrelang vor allem Witze über sich selbst gemacht hat. Und welche Geschichten wirklich hinter ihren Nummern stecken. Fängt lustig an, wird auch zwischendurch immer wieder mal lustig, klatscht dem Zuschauer aber so viele krasse Sachen und so wichtige Statements um die Ohren, dass man am Ende da sitzt und denkt „scheiße, darüber muss ich jetzt lange nachdenken“. Ganz ganz dringende Empfehlung. Nehmt euch die 69 Minuten Zeit.

Gespielt

Da ich im August so viel gebloggt habe, habe ich über die meisten Spiele ja schon berichtet. Als da waren:

  • Die FFG Star Wars Force and Destiny Einsteigerbox – ich finde die immer noch super, auch wenn man das Abenteuer mit SL-Erfahrung etwas anpassen kann und sollte. Und ich würde so gerne mal eine Kampagne spielen mit den Archetypen aus der Box. Die sind großartig.
  • One Last Job – spaßiges Ding für einen One-Shot, leider von der Regelmechanik her nicht so richtig gelungen. Würde ich das nächste Mal entweder leicht abändern oder aber Vorgaben machen, damit nicht wieder ein unüberwindbarer Gefahrenpool entsteht.
  • Kagematsu: War ein spannendes Experiment, über das ich demnächst im Podcast mehr erzähle.
  • The Sprawl: Tolle Runde, die meine Vorurteile gegen das Spiel widerlegen konnte, da es run-basiert war und trotzdem viel Spaß gemacht hat. Gerne wieder.
  • Monster of the Week: Eine Online-Runde, deren 2. Abend lange unter dem Terminfindungsfluch stand. Aber inzwischen konnten wir sie zu Ende spielen. Schönes PbtA-System, würde ich gerne nochmal spielen.

Geschrieben

Diesen Artikel hier auf Tor-Online zum Thema Liebe im Superheldengenere

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#RPGaDay2018 und Tagebuchbloggen, Tag 31

Fiiii-naaaaa-leeee, ohooo.

Frage 31: Warum hast du bei #RPGaDay mitgemacht?

Ich wollte mal wieder mehr bloggen, finde solche Fragebögen, an denen sich viele Leute beteiligen, immer nett und diesmal waren auch die Fragen gut. In den Vorjahren hatte ich da manches doch sehr wiederholt und zielte viel auf so „dein liebstes XYZ“ ab.

Letztendlich frage ich mich, ob ich mir die langen Blogeinträge nicht hätte schenken können, da die meisten Reaktionen ohnehin auf Twitter kamen, wo ich ja immer nochmal eine kurze und bündige Zusammenfassung geschrieben hatte. Das überleg ich mir dann fürs nächste Jahr. Trotzdem insgesamt eine schöne Aktion.

Tagebuchblogcontent (und Fazit dazu)

Oh, Wunder, auch gestern habe ich gearbeitet. Auch gestern war ich saumüde. Auch gestern hab ich Yoga gemacht. Auch gestern hatte ich Migräne.

Meine Fresse. 31 Tage Tagebuchbloggen zeigen erst so richtig, wie verdammt langweilig und repetitiv mein Leben eigentlich ist. Hochachtung an all die Blogger, die es hinkriegen, ihren Alltag spannender zu verbloggen als ich. Ich konnte es schon selber nicht mehr lesen. Schreibe demnächst wohl doch lieber wieder über Medien und Rollenspiele und all so nen Kram. Puh.

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#RPGaDay2018 und Tagebuchbloggen, Tag 30

(Fast geschafft!)

Tag 30: Erzähle, was du darüber gelernt hast, deinen Charakter zu spielen.

Es findet nur das am Tisch statt, was du an den Tisch bringst. Warte nicht darauf, dass Spielleitung und Mitspielende die Dinge ansprechen werden, die du an deinem Charakter besonders interessant findest – also tu es selbst, wenn du es im Spiel haben willst. Gleichzeitig ist es völlig in Ordnung, wenn es Aspekte deines SC gibt, die nur für dich da sind.

Tagebuchblogcontent

Gestern war ich irgendwie noch müder und kaputter als sowieso schon immer.

Aufgestanden, Yoga, Arbeitsweg mit Podcasthören verbracht. Gearbeitet, ich könnte schon heute nicht mehr sagen, was genau eigentlich. Danach wollte ich schwimmen gehen, aber wegen Bauchweh-Kopfweh-Müde-Magnicht hab ich das gelassen. Auf dem Heimweg lecker Teigwaren bei einem türkischen Backshop gekauft. Zu Hause Migräne, Essen, 2 Folgen One day at a time auf Netflix, dann 2 Stunden Podcastschneiden und nebenher im  Telegram labern. Dann Bett. Spannend.

Umzugserledigungen: Nö.

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#RPGaDay2018 und Tagebuchbloggen, Tag 29

(Gestern war der erste Tag, an dem ich überhaupt keine Reaktion auf den RPG-Kram auf Twitter erhalten habe. Sind wohl alle langsam etwas durch mit dem Thema….?)

Tag 29: Erzähle von einer Freundschaft, die durch Rollenspiel entstanden ist.

Puh, da muss ich mich jetzt glaub ich wirklich enthalten oder einfach quasi alle meine Freunde aufzählen, weil bis auf wirklich sehr wenige Ausnahmen kenne ich eigentlich alle Leute, mit denen ich im RL und im Internet rumhänge, nur übers Rollenspiel. Kann man auch anders Leute kennenlernen?? So auf der Straße oder wie? Verrückt!

Tagebuchblogcontent:

Langsam sind die Sommerferien doch engültig vorbei und alle Urlauber wieder zurück. Merkt man im Büro, da ist jetzt nämlich wieder normal viel los. Sprich, ich schaffe nicht mehr alles weg und es bleibt auch mal was liegen, aber das finde ich jetzt nicht weiter schlimm nach der doch seeeehr ruhigen Zeit im Sommer. Allerdings muss dann auch mal eine ehemalige Mandantin Verständnis haben, dass es länger als nen Tag dauert, eine Akte aus dem Archiv zu holen und nachzugucken, wieso da die Bank noch nen Pfändungsvermerk auf ihrem Konto hat. Zumal es doch sehr erstaunlich war, dass sie nett und freundlich anfragte und meinte, sie wüsste gar nicht, was sie damals für eine Sache hier laufen hatte, während ich mich genau daran erinnerte, wie sie sich weigerte, eine moderate Rechnung zu bezahlen. Das Ganze war damals vor 6 Jahren dann bis zu Gericht und Anwaltskammer gegangen – aber während ich mich an diesen beleibe nicht einzigartigen Fall genau erinnern konnte, war ihr offenbar alles dazu entfallen. Ich will mal lieber nicht wissen, wie es bei der Frau im Leben sonst so aussieht, wenn das keine erinnerungswürdige Eskalation ist.

Leider auch gestern wieder viel Migräne. Sehr wütend und fassungslos gewesen über die Nachrichten aus Chemnitz, viel auf Twitter dazu gelesen und geschrieben. Es ist alles zum Kotzen.

Nach der Arbeit platt und migränig nach Hause geschleppt. Da wurde es dann zum Glück langsam besser. Eine Folge Neoscum angemacht, Geschirrspüler ausgeräumt, eingeräumt, Essen für heute mittag gemacht und gekocht (Tatar-Feta-Kichererbsen-Zeug. War lecker, aber mit dieser einen Pfeffermischung muss man seeeehr vorsichtig sein, es war mir fast schon zu scharf wieder). Mit dem Mitbewohner die neue Folge Better Call Saul geschaut, danach noch 30 Minuten vor Audacity gesessen. Dann Bett, wobei ich fast eine Stunde brauchte, um einzuschlafen.

Umzugserledigungen: Drei Kartons aus dem Keller geholt, zwei davon wurden schon befüllt, während ich kochte.

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