Monatsarchiv: November 2015

Pegida-Man killed the Rollenspieltour

Wir waren ja gerade in Dänemark. Wir, das sind ich, der beste Mitbewohner von allen sowie 5 Leute aus meiner Oldschool-DSA-Runde, in der ich vor Jahren regelmäßig spielte, deren Mitglieder ich jetzt aber meistens nur noch zu anderen Anlässen sehe – oder aber einmal im Jahr zur Rollenspieltour, wenn wir zusammen eine Woche nach Dänemark in ein Ferienhaus fahren und da 6 Tage am Stück spielen. Dieser Urlaub entfaltet meist das Phänomen, dass man währenddessen das Gefühl hat, sich nur mal grade kurz hingesetzt zu haben und dann ist die Woche auch schon wieder vorbei. Gleichzeitig kommt es einem bei der Heimkehr vor, als wäre man 6 Wochen mindestens weggewesen. Eigentlich also eine sehr tolle Sache. Dieses Jahr hatten wir auch ein sehr schönes, großes Haus auf Rømø mit einem großartigen Swimmingpool, dazu kam für Mitte November echt gutes Wetter mit zweimal Sonnenschein am Strand – eigentlich also eine perfekte Woche.

Eigentlich.

Leider war da dieser eine Mitspieler, der mir die Woche so gründlich verleidet hat, dass ich am liebsten nach 2 Tagen wieder abgereist wäre. Und weil ich nun schon einige Tage wieder zu Hause bin und mich das Thema immer noch beschäftigt, blogge ich jetzt drüber.

Dieser besagte Mitspieler hatte schon immer nen gewissen Spleen und Ansichten, die ich nicht immer teilen kann. Zum Beispiel ist er ein ziemlicher Militärfreak und steht total auf Geschichten irgendwelcher Schlachten, sammelt allen möglichen Kram wie irgendwelche Waffen-Replikas etc., definiert sich vor allem über seinen Job und war noch nie das, was er selber abfällig als linker Gutmensch bezeichnen würde. Aber gut. Menschen sind nunmal verschieden und mit vielen Dingen kann ich schlicht leben. Mitspieler A raucht Kette, Mitspieler B verschätzt sich manchmal mit dem Alkohol und redet dann wirres Zeug, Mitspieler C hat öfter mal die Angewohnheit, aus Prinzip gegen alle Vorschläge und Ideen der anderen zu sein und Mitspieler D schläft am Spieltisch öfter mal ein. Mitspieler E hat einen meiner Meinung nach miesen Musikgeschmack, Mitspieler F belegt seine Pizza immer mit echt ekligen Kombinationen und Mitspieler G fällt Leuten öfter ins Wort. Alles nervige Dinge, aber eben Kleinigkeiten, die ich hinnehme und akzeptiere, weil Menschen eben nicht perfekt sind und die Sympathie trotz allem überwiegt. So auch bei dem besagten Mitspieler, mit dem mich z. B. von 2004-2009 eine lange DSA-Kampagne verband, während der ich auch gut mit ihm klarkam, auch wenn es immer eine „Rollenspiel-Freundschaft“ war und man sich außerhalb dessen selten bis nie traf.

Und dann kommt dieser eine besagte Mitspieler und haut gleich am ersten Abend in Dänemark irgendwelche Pegida-Parolen raus. Die Lügenpresse und die uns überrennenden „Asylanten“ und die linken Gutmenschen, die vor den Messehallen am Sonntag Obst verteilen, werden sich ja noch wundern, wenn erstmal der Bürgerkrieg ausbricht, weil die Deutschen nicht mehr hinnehmen, dass „die da“ uns überrennen. Jo, und dann stehste da. Am Anfang war ich mir noch nicht mal sicher, ob er den Müll von sich gibt, um zu provozieren (was er durchaus auch manchmal tut). Aber bald war klar, dass dem nicht so ist. Anscheinend hat er in den zwei Jahren, die ich ihn nicht gesehen hatte (letztes Jahr war er nicht dabei) einen gewaltigen geistigen Rechtsruck vollzogen. Die übrigen Mitfahrer reagierten eigentlich alle recht ähnlich drauf wie ich – eine Mischung aus ungläubigem Staunen bis Entsetzen einerseits und dem Wunsch, sich den Urlaub nicht verderben zu lassen andererseits. Bereits am ersten Abend wurde Pegida-Man aufgefordert, das Thema bleiben zu lassen, weil die Meinungen da doch zuweit auseinandergehen. Selbst das fand ich eigentlich schon unerträglich, denn eigentlich möchte ich nicht mit jemandem um ein Thema herumschweigen, der rassistisch und rechtsextremistisch ist. Eigentlich möchte ich mit so jemandem noch nicht mal im selben Zimmer sein. Und schon gar nicht eine Woche lang auf engstem Raum in einem Ferienhaus.

Wäre ich mit dem eigenen Auto dagewesen, wäre das noch nicht mal so wild gewesen, dann hätte ich jederzeit die Möglichkeit gehabt, mich da rauszuziehen. Allerdings war ich mit 2 anderen Leuten zusammen in einem fremden Auto angereist und hätte somit höchstens bitten können, mich zum nächsten Bahnhof zu fahren. Aber eigentlich wollte ich ja nicht nach Hause, ich wollte ne tolle Rollenspielwoche in Dänemark haben, zusammen mit den netten Leuten, die ich sonst kaum sehe. Also den anderen 5 netten Leuten, Pegida-Man mal ausgenommen.

Und so gingen die ersten Tage dann ins Land. Leider hielt sich Pegida-Man nicht an unseren Wunsch, das Thema bleiben zu lassen und kam immer und immer wieder damit an – zum Glück meistens nach dem Spiel, so dass ich einfach ins Bett gehen konnte. Der beste Mitbewohner von allen hat noch regelmäßig gegen anargumentiert, aber das war tatsächlich recht vergebliche Liebesmüh. Ich selber sagte wenig und verließ meist den Raum, wenn wieder die üblichen Parolen kamen. Feige, nicht wahr? Irgendwie schon, und ich bin nicht stolz drauf. Hätte ich mich nicht eigentlich hinsetzen müssen, all die Fakten, die ich in Dutzenden von Blogartikeln gelesen habe, auspacken, ihn einfach in Grund und Boden argumentieren? Nachfragen und immer wieder nachfragen, wieso er so denkt, wieso er solche Angst vor den Geflüchteten hat, wieso er glaubt, das würde sein Leben negativ beeinflussen? Hätte ich vielleicht. Bestimmt sogar. Aber es ging nicht. Ich war einfach so fassungslos, so stinksauer, so völlig schockiert davon, wie jemand so blöd sein kann, den rechtspopulistischen Müll von Pegida und AfD zu glauben, so engstirnig, so … unmenschlich. Immer wenn das Thema wieder hochkam, ging mein Puls schlagartig in die Höhe, meine Hände fingen an zu zittern, ich wollte einfach nur weg aus der Situation.

Nach drei Tagen bin ich dann ein bisschen ausgerastet. Nun ist das ja so, dass ich manchmal auch nur denke, ich wäre gerade sehr deutlich geworden, das aber nur in meinem Kopf so ist und ich eigentlich doch noch sehr normal klinge, weil ich Lautstärke hasse und selten sehr laut reden möchte und kann und dann deswegen in meinem Kopf viel unfreundlicher bin als in Wirklichkeit. Aber der Herr Mitbewohner hat mir nachher gesagt, dass das Ausrasten diesmal auch nach außen hin sichtbar wurde und wohl alle Anwesenden ein wenig verdutzt waren ob meines … ähm … Ausbruchs.

Jedenfalls kam grad wieder mal das leidige Thema auf, ich stand schon auf und ging in Richtung Küche, um lieber zu kochen als mir diese unsäglichen Sprüche anzuhören. Und Pegida-Man dann so, aus wirklich tiefster Überzeugung: „Ich will aber keine scheiß-Kanacken in Deutschland.“ Darauf ich, auf dem Hacken stoppend und mich ihm zuwendend: „Und ich will keine Scheiß-Nazis in meinem Ferienhaus, aber offensichtlich konnte ich mir das auch nicht aussuchen.“ Irgendwer aus dem Off: „Und jetzt sollten wir das Thema mal wirklich lassen“. Und ich: „Ja, wir lassen das Thema jetzt bitte bleiben, und zwar für den Rest der Woche, ich will deine Scheiß-Nazi-Parolen nicht mehr hören, und wenn dir das nicht passt, fahr nach Hause!“ Danach ging ich in die Küche, rührte im Essen herum, hörte meinen Herzschlag bis in die Ohrenspitzen hämmern und verschwand dann erstmal im Poolraum und schwamm 20 Bahnen, um mich wieder abzuregen.

Den Rest der Woche hielten sich dann die Bemerkungen – bis auf einige absolut kindische Aussetzer, z. B. beim DSA-Spielen darauf beharren, lieber den rechten Gang zu nehmen statt den linken, weil rechts ja immer besser ist – in Grenzen, Pegida-Man daddelte vor allem auf seinem Handy/Laptop herum, ich sah zu, dass ich bei jeder Gelegenheit aus dem Haus kam und ging nach dem Spielen möglichst sofort ins Bett, um Gespräche zu vermeiden. Ständig erwartete ich, dass wieder irgendein dämlicher Spruch kommt, ohne zu wissen, wie ich darauf reagieren soll. Es war eine absolut unentspannte Nummer und ich war dann einfach nur froh, nach Hause fahren zu können, obwohl der Rest des Urlaubs echt nett war.

Und nun? Fest steht, dass ich Pegida-Man nicht mehr sehen will. Spielabende, wo er dabei ist, werde ich nicht besuchen, Rollenspieltouren werden in Zukunft nur ohne ihn oder ohne mich stattfinden. Ob das heißt, dass ich in Zukunft zu Hause bleiben muss, wird sich zeigen, zumindest drei anderen Mitreisende wollen aber auch nicht mehr mit ihm zusammen los. Ich habe festgestellt, dass ich kaum in der Lage bin, auf einen Menschen mit diesen Ansichten anders als mit Unverständnis und Wut zu reagieren, und zwar in einem Ausmaß, das mich selbst überrascht hat.

Wie ich schon schrieb, Menschen sind nicht perfekt. Jeder meiner Freunde und Bekannten hat Angewohnheiten, Vorlieben und Ansichten, die ich nicht teile und die mich manchmal nerven. Trotzdem überwiegt fast immer die Sympathie für denjenigen und die Überzeugung, dass jeder so leben soll, wie es ihm gefällt. Aber bei Rassismus und Rechtsextremismus und dem Nachgröhlen von Nazi-Parolen ist Schluss. Mit so jemandem will ich nicht befreundet sein, nicht lose bekannt, nicht mal in ein und dem selben Raum, und zwar auch nicht dann, wenn er seine Ansichten nicht laut äußert – es ist schlimm genug, sie zu haben.

Disclaimer: Tatsächlich habe ich hier im Blog noch über die aktuelle politische Situation in Deutschland geschrieben und das hier soll auch weiterhin kein Polit-Blog oder so werden. Ganz grob gesagt denke ich, dass durch die vielen Geflüchteten etliche Herausforderungen auf Deutschland und uns alle zukommen, denen wir uns aber stellen müssen, denn die Menschen, die hier Zuflucht suchen, abzuweisen, kann keine Alternative sein. Für sehr, sehr viele interessante Links zum Thema verweise ich einfach mal auf die Linksammlungen von Herrn Buddenbohm, der regelmäßig interessante Artikel und Berichte verlinkt. Des Weiteren verlinke ich auch mal auf die Seite Blogger für Flüchtlinge – dort könnt ihr Geld spenden oder euch informieren, wo ihr in eurer Nähe Sachspenden abgeben oder mithelfen könnt.

Disclaimer 2: Dem entsprechenden Mitspieler ist der Link zu diesem Blog bekannt, auch wenn ich sehr bezweifle, dass er hier mitliest.

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#12von12 im November 2015

Gestern war der 12. des Monats, und somit wieder Zeit für 12 Fotos vom Tag. Die ganze Sammlung findet man hier.

Wie es der Zufall wollte, war ich schon wieder am 12. des Monats im Urlaub und konnte so eine Mischung aus nerdigem Rollenspielzeugs im Ferienhaus und tollen Strandfotos schießen.

Morgens also … äh … so gegen 14 Uhr, nachdem ich am Tag zuvor bis 7 Uhr wachgewesen war, wankte ich aus dem Bett und in unser Ferienhaus-Wohnzimmer. Auf dem Tisch lag noch die Battlemap des letzten Abends nebst einigen Heldenfigürchen:

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Normalerweise hasse ich ja Bodenpläne und solche langwierigen Kämpfe mit Figuren, aber meine Dänemark-Gruppe steht leider total drauf und wollte mehrheitlich damit spielen. Schnarch. Das Ding unten links ist übrigens kein Riesenpenis, sondern ein Feuerwühler, der uns angegriffen hat (so eine Art riesiger, brennender Wurm).

Trotz der Jahreszeit war das Wetter echt gut in der Woche, zwei Tage hatten wir richtig Sonne und um die 15 Grad. So auch gestern – also erstmal nen Kaffee im Freien trinken.

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Die Schaukel gehörte auch zu unserem Ferienhaus, was ein tolles Außengelände hatte und überhaupt sehr schick war. Aber wir waren ja zum Rollenspielen da, daher hingen wir die meiste Zeit halt doch auf dem Sofa. Und konsumierten so einiges an Getränken:

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Die Woche Rollenspiel-Urlaub ist ja auch die quasi einzige Zeit im Jahr, wo ich mal nennenswert Alkohol trinke und seltsamerweise vertrage ich ihn dort auch viel besser. An einem Abend hab ich drei Martini getrunken – das ist so viel wie für andere Leute ne halbe Flasche Schnaps :p .

Das Häuschen nochmal von außen:

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War diesmal wirklich sehr luxuriös, zumal wir mit 7 Leuten in einem Haus für 12 Personen waren.

Wenn man so spät aufsteht und noch was vom tollen Wetter haben will, muss man sich regelrecht beeilen, noch vor dem Sonnenuntergang aus dem Haus zu kommen. Also schnell ins Auto und an den Strand von Lakolk gefahren … gerade rechtzeitig zu einem wunderschönen Sonnenuntergang.

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Der Strand ist übrigens riesig. Riiiiiesig. Superlang und so breit, dass man erst mal mit dem Auto ein Stück ans Wasser heranfahren muss, wenn man nicht eine halbe Stunde zu Fuß unterwegs sein will. Zur Verdeutlichung: Kleine Lena, großer Strand.

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Ich habe sehr viele Fotos gemacht, es war einfach ein unglaublich toller Anblick. Hier noch eins:

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Dann ging es zurück ins Haus und nochmal in den Pool. Ja, den POOOOOOL! Den hatte das Haus nämlich auch noch und der war wirklich super und groß genug zum Schwimmen. Was ich auch tatsächlich jeden Tag getan habe, hurra. Hier ist noch die Abdeckung drauf, aber so etwa sah das aus:

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Nach dem Abendessen ging es dann ans Spielen und da es der letzte Abend war, haben wir statt DSA mal wieder was Neues ausprobiert, nämlich das Star Wars – Am Rande des Imperiums – Einsteigerset. Erstmal die Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Archetypen …

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Am Ende wurde es dann die oben liegende Kopfgeldjägerin, die mir auch sehr viel Spaß gemacht hat. Vor allem mit Martini und Pralinen dazu:

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Das Würfelsystem fand ich irgendwie merkwürdig. Einerseits ganz cool, andererseits hat unser SL die verschiedenen Bedeutungen der Erfolgs- und Misserfolgssymbole weggelassen (was vermutlich für den Einstieg nicht so übel war, aber halt dieses Element nicht auch mit vorstellte). So hatten wir am Ende quasi nur Erfolge und Misserfolge, so dass mans theoretisch auch mit Ubiquity hätte spielen können. Anyhoo. Aber lustig sehen sie aus, die Würfel:

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Das Einsteigerset ist ansonsten wirklich sehr hochwertig gemacht, mit tollen, farbigen Charaktermappen, mehreren farbigen Handouts (Stadtplan, Cantina, Raumschiffgrundriss) und die Auswahl der Charaktere sowie deren weitere Hintergrundgeschichte ist super und bietet noch jede Menge Plothooks für weitere Abenteuer, auch wenn das wohl aus Zeitgründen schwer wird, nochmal weiterzuspielen. Und es war ja auch der letzte Abend – was auch hieß, dass das Essen wegmusste. Daher: Hilfe, eine Wurst-Käse-Platte bedroht die Stadt!

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Wir spielten dann so bis 1.30 Uhr, schnackten noch bis 3 und dann fiel ich ins Bett … und konnte nicht schlafen, weil ich einen verdammt üblen Ohrwurm von der Cantina-Musik hatte…

Inzwischen bin ich nun wieder daheim. Und muss jetzt mal ganz dringend Fallout 4 antesten …

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Mediengedöhns im September und Oktober 2015

Der Oktober ist vorbei (auch wenn das Wetter draußen ja nicht auf Anfang November schließen lässt), also gibt es mal wieder eine – diesmal sehr überschaubare – Liste der geschauten und gelesenen Dinge.

Bücher

Endlich habe ich mal wieder ein Buch durchgelesen, sogar sehr fix, am Freitag angefangen, am Sonntag fertig gewesen. Dabei habe ich wieder gemerkt, wie nett es eigentlich ist, sich abends mit einem Buch ins Bett zu legen und zu lesen. Ich hoffe, ich werde das dann auch öfter mal wieder tun. Gelesen habe ich jedenfalls Die Glücklichen von Kristine Bilkau, auf Empfehlung von Herrn Buddenbohm. Das Buch dreht sich um ein junges Akademikerpaar, dass sich mit ihrem kleinen Sohn behaglich eingerichtet hat in der schönen Wohnung im durchgentrifizierten Viertel. Dann verlieren beide ihren Job und ihr ganzes Leben gerät ins Straucheln, sie wissen nicht, ob sie die Wohnung halten können, ob sie umziehen müssen, wie es weitergehen soll. Das ist jetzt einerseits eher nicht mein Thema (da Single, kinderlos und nicht akademisch), andererseits natürlich doch irgendwo, denn steigende Mieten und die Angst, irgendwann nach sonstwo ziehen zu müssen, weil das Geld nicht mehr reicht, das ist natürlich etwas, das mich auch beschäftigt. Außerdem ist das Buch so gut geschrieben, dass ich mit den beiden Protagonisten komplett mitfühlen konnte, auch ohne große Gemeinsamkeiten mit ihnen zu haben. Die Sprache ist gleichzeitig sehr schlicht gehalten, folgt oft dem Gedankenstrom der Figuren, das lässt sich alles schnell und mühelos lesen und erzeugt dabei eine teilweise echt beklemmende Stimmung. Manchmal möchte man die Figuren des Romans links und rechts ohrfeigen und ihnen zurufen, dass sie gefälligst endlich mal vernünftig miteinander reden sollen, gleichzeitig ist aber immer nachvollziehbar, wieso sie genau das eben nicht tun. Dabei fand ich gerade Isabell, die weibliche Protagonistin, wirklich sehr gut ausgearbeitet und ihr Problem, zu viel Angst zu haben und zu sehr an Dingen festzuhalten, kenne ich teilweise auch von mir selbst, das ging mir dann durchaus nahe beim Lesen. Gutes Buch in jedem Fall, würde ich weiterempfehlen.

Filme und Serien

Irgendwie schaue ich gerade ein paar Serien zu Ende, die ich vor längerer Zeit angefangen habe. Das wäre einmal Being Erica – eine leider fast unbekannte kanadische Serie, die wirklich ganz großartig ist und die mehr Leute schauen sollten. Auch wenn man sie leider schwer irgendwo kaufen kann, leider. In Being Erica geht es um eine junge Frau namens Erica Strange, die mit ihrem Leben nicht klarkommt und einen mysteriösen Therapeuten trifft, der ihr hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Die „Therapiesitzungen“ bestehen daraus, dass Erica in ihre eigene Vergangenheit geschickt wird, damit sie Dinge, die sie bereut, wieder gutmachen kann. Das klingt so als Prämisse irgendwie gaga, die Serie ist aber wirklich unaufgeregt, witzig, warmherzig und macht Spaß zu schauen. Die ersten drei Staffeln liefen damals irgendwo im Fernsehen, die vierte leider nicht, deswegen habe ich die jetzt nach Jahren erst aufgetrieben und nun endlich zu Ende geschaut. Auch die vierte und letzte Staffel ist wieder ein absoluter Genuss gewesen (ich hab auch immer nur eine Folge auf einmal geschaut, da die Staffel leider nur 11 Folgen hat). Das Ende war auch super … nicht zu übertrieben kitschig, aber doch schön und ein guter Abschluss. Also, wer die Serie nicht kennt, es lohnt sich mal reinzuschauen.

Außerdem guck ich gerade wieder Glee. Da war ich irgendwann in Staffel 4 ausgestiegen, dann gabs das allerdings beim finnischen Netflix und ich habs im Urlaub immer vorm Einschlafen geschaut. Und nun wollte ich die Serie dann doch auch mal zu Ende gucken. Staffel 4 und 5 habe ich inzwischen komplett gesehen. Ja, gut, was soll man sagen – es ist halt Glee. Junge, gutaussehende Menschen spielen nicht sehr tiefgreifende Charaktere in einer teils hanebüchenen Story und singen und tanzen dazu. Nicht mehr, nicht weniger. Wobei es irgendwie sehr schräg war, dass erst ein Haufen neuer Charaktere eingeführt wird, die den Plot in der High School bereichern sollen (was sie nur zum Teil tun) und die dann in der Hälfte der 5. Staffel sang- und klanglos (hahahaaa…) verschwinden, weil sich die Handlung dann nur noch auf die „alten“ Charaktere konzentriert. Die wohnen dann alle zusammen in New York und basteln mehr oder weniger erfolgreich an ihrer Karriere. Und bedienen das lustige Liebeskarussell. Anyhoo. Ein paar gute Lieder waren wieder dabei, die meisten sagen mir eher nix, weil ich ja null Ahnung mehr von aktueller Musik habe. Immerhin, ich hab durch die Serie zum ersten Mal so Lieder wie „Wrecking Ball“ oder „Gangam Style“ gehört… . Jetzt guck ich noch Staffel 6 zu Ende, die hat nur 12 oder 13 Folgen und dann reichts auch mit Glee.

Wenden wir uns also wieder anspruchsvolleren Serien zu, in diesem Fall: Narcos. Diese Netflix-Serie dreht sich um den kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar und die ihn jagenden DEA-Agenten. Sie spielt in etwa von 1979 bis 1984 und ist irgendwie eine Mischung aus normaler Serie und Doku, zumindest kommt es ein wenig so rüber. Als Voice-Over erzählt einer der DEA-Agenten rückblickend über die damaligen Ereignisse, und das auf eine sehr sarkastische Art, was mir ja immer sehr gut gefällt. Zu diesem Stil passt dann auch, dass die Kolumbianer (und weiteren Südamerikaner) konsequent spanisch sprechen und das auch nicht synchronisiert ist. Man liest also tendenziell recht viele Untertitel, aber ich fand das gut. Dadurch kommt z. B. auch die Verlorenheit des frisch aus L.A. nach Bogota versetzten DEA-Agenten rüber, der die Sprache erst lernen muss. Tatsächlich war es erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, immer mitzulesen, aber man gewöhnt sich doch recht schnell dran. Die Serie ist tatsächlich recht ungewöhnlich erzählt und hat nicht so den klassischen Spannungsbogen, da sie sich ja an den tatsächlichen Begebenheiten orientiert. Dafür ist die Thematik aber so spannend und die Szenerie so faszinierend, dass ich trotzdem die 10 Folgen recht schnell weggeschaut habe, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Die Schauspieler sind allesamt gut und gerade der Darsteller von Pablo Escobar sieht diesem verdammt ähnlich, was man weiß, weil in der Serie auch immer wieder echte Videos und Fotos eingeblendet werden. Thematisch geht es halt um Escobar und sein Drogenkartell, die ihn jagende DEA und auch immer wieder die kolumbianische Politik, die versucht, des Drogenhandels irgendwie Herr zu werden. Ich weiß nicht, wie gut die Serie ist, wenn man sich schon viel mit der Thematik beschäftigt hat, für mich, die ich quasi nix darüber wusste, war es sehr spannend und ein Einblick in eine sehr ungewöhnliche Szenerie. Etwas doof sind natürlich die recht wenigen weiblichen Figuren, wobei man sich da meines Erachtens schon bemüht hat, so viele wie möglich unterzubringen, ohne es unglaubwürdig zu machen. Den Bechdel-Test besteht trotzdem nur eine von 10 Folgen. Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, war das meines Erachtens viel zu oft strapazierte Element, dem sympathischen Ermittler ein Haustier zu geben und das dann nach einer Folge grausam von den Drogenkartell-Menschen umbringen zu lassen, um zu zeigen, wie ernst die Lage ist. Okay, das ist wohl auch so ein persönliches Problem von mir, aber Gewalt gegen Tiere kann ich wirklich nicht sehen und das verdirbt mir dann die ganze Folge. Meh. Insgesamt aber trotzdem eine sehr empfehlenswerte Serie, wenn man sich für die Thematik interessiert.

Spiele

Ja, ja, ihr ahnt es. Dragon Age Inquisition. Aber ich bin jetzt fast 2 x komplett durch, dann kann ich nochmal was Längeres dazu schreiben. Und nächste Woche kommt Fallout 4, dann spiel ich auch mal wieder was anderes.

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