Monatsarchiv: September 2018

Rezension: Roma Nova

Disclaimer 1: Ich habe ein Rezensionsexemplar erhalten. Ob das hier damit jetzt unter Werbung fällt, muss vermutlich jeder selbst entscheiden. Fühlt euch hiermit darauf hingewiesen.

Disclaimer 2: Ich kenne die Autorin. Wir ham da so nen Podcast zusammen. Ich würde trotzdem sagen, wenn ich das Buch doof fände. Ja ja, das müsst ihr mir jetzt einfach glauben.

Was wäre, wenn Rom keine Stadt, sondern ein Planet wäre, Gladiatorenkämpfe ein Hightech-Spektakel und der Spartacus-Aufstand eine Science Fiction-Geschichte? Das ist so ungefähr die Grundprämisse von Judith Vogts Roman Roma Nova, der auch keine ganz gewöhnliche Entstehungsgeschichte hat. Das Buch war eine Auftragsarbeit für einen Filmproduzenten, schaffte dann doch noch den Weg in den Buchhandel und wer weiß, vielleicht wird es ja irgendwann wirklich noch verfilmt. Auf jeden Fall gibt es sensationell coole Konzeptzeichnungen, die man sich hier angucken kann. Dort steht auch noch mehr dazu, wie es überhaupt zum Buch kam.

Das Setting von Roma Nova geht also nicht von der Prämisse aus, dass Rom nie aufgehört hat zu existieren und irgendwann den Weltraum erobert hat, sondern versetzt das römische Imperium einfach in ein SciFi-Setting. Rom ist zwar eine Stadt, nimmt aber den ganzen Planeten ein. Der Rubicon ist kein Fluss, sondern ein Asteroidengürtel, die römischen Kolonien sind andere Planeten und der gefürchtete Hades ist ein mysteriöses, von einem Schwarzen Loch dominiertes Weltraumphänomen. Es gibt alles, was man aus dem alten Rom so kennt, aber halt in einer SciFi-Variation: Prätorianer mit Energiefeldern als Schilden, Raumschiffe mit Rammspornen und Arenakämpfe, die an eine Mischung aus Castingshow und Hunger Games erinnern. Die Patrizier Roms nehmen ihre Tabula zur Hand – dahinter verbirgt sich dann aber eine Art Tablet/Smartphone mit Internet, Chatprogrammen und Fernsehsendern. Aber trotz dieser HighTech-Gesellschaft ist die Gesellschaft Roms so, wie man sie aus der Antike kennt. Reiche Patrizierfamilien streiten um Ansehen und politische Macht, es gibt – logischerweise, beim Thema Spartacusaufstand – Sklavenhaltung, Frauen gehören ihrem Vater, bis sie an ihren Ehemann übergeben werden und haben insgesamt wenig zu melden. Die Intrigen der Oberschicht vermischen sich hin und wieder mit den Machenschaften von Unterweltkartellen – und dazwischen wollen die meisten einfachen Bürger Roms einfach nur überleben. Und vielleicht das neue Spartacus-Parfüm zum Namenstag.

In dieses Antike-meets-SciFi-Setting mischt sich dann auch noch ein Schuss Fantastik und Übernatürliches, was vielleicht erstmal seltsam klingt, für mich aber sehr gut funktioniert hat. Immerhin war die römische Antike vom Glauben an diverse Götter, Heilige und Heroen bestimmt, und von da ist es nur ein kurzer gedanklicher Schritt zu Seherinnen mit prophetischen Fähigkeiten, mechanischen Herzen, die ihren eigenen Willen haben, und gruseligen kleinen Mädchen, hinter denen sich etwas ganz anderes verbirgt. Gerade der Mix aus Raumschiffen, Energieschilden und Hightech auf der einen und der römisch-antiken Glaubenswelt auf der anderen Seite hat dafür gesorgt, dass das Setting mich extrem begeistert hat. Ich glaube, ich habe alle 50 Seiten „ich will da ein Rollenspiel zu…“ vor mich hingemurmelt. Allein die verschiedenen Verbrecherkartelle in Rom! Die Cyprioten, die quasi Technomancer sind! Die verschiedenen Planeten mit ihren Eigenheiten! Rom als planetenumspanende Cyberpunkstadt! Der Hades! Ich habe da dringenden Bedarf an einem weiteren Roman oder einer Kurzgeschichtensammlung oder einem Rollenspielsettingband. Oder allem davon! Noch ist in die Richtung nichts angekündigt, aber ich darf ja hoffen.

Aber erstmal zurück zum Roman: Im Mittelpunkt stehen die Gladiatoren der großen Arena Roms, die Patrizierfamilie der Mariner und Morisa, eine versklavte Seherin aus dem Volk der Thraker. Diese will sich an Familienoberhaupt Lucius Marinus nicht nur rächen, weil er sie seit Jahren als Sklavin hält und missbraucht, sondern auch, weil er ihren Ehemann Drennis ebenfalls versklavt und als Gladiator in die Arena befördert hat – wo er unter dem Namen Spartacus Ruhm und Ansehen der Mariner-Familie mehren soll. Da kommt es nur gelegen, dass Lucius mit seinem Party-Raumschiff gerade so weit draußen in der Galaxis kreist, dass ein Schiff des Hades die Prätorianer und Gäste mal so richtig aufmischen kann. Morisa nutzt also die Gelegenheit, nicht nur ihre Freiheit zu erlangen, sondern auch noch Einfluss auf einige wichtige Personen auszüben, die Spartacus auf Umwegen in die Freiheit verhelfen sollen. Der bekommt währenddessen gerade ein künstliches Herz eingepflanzt, um zum Star der Arena aufzusteigen. Und wenn das jetzt schon nach viel Action klingt: Das ist gerade einmal der Auftakt des Romans und damit geht es erst richtig los.

Auf den etwa 600 Seiten entwickelt Roma Nova dann eine Geschichte, die mich beim Lesen sehr mitgerissen hat: Das Leben der Gladiatoren in ihrem Zwiespalt aus Freundschaft und Konkurrenz, die spektakulären Kämpfe, die politischen Intrigen der Patrizier, die Mythen der künstlichen Herzen und des Hades, die ungewöhnliche Liebesgeschichte … es ist eine vielschichtige und actionreiche Handlung mit spannenden Protagonisten. Spannend sollte hier nicht mit sympathisch verwechselt werden, denn viele der Charaktere sind nicht unbedingt so drauf, dass ich gerne einen Tee mit ihnen trinken würde. Aber genau das macht für mich Roma Nova auch so glaubwürdig – die Protagonisten sind in ihrem Handeln, Glauben und Denken eben verstrickt in die Zwänge und Moralvorstellungen der römischen Gesellschaft und erliegen ihren eigenen Schwächen ebenso wie den unsichtbaren Fäden der Marionettenspieler im Hintergrund. Trotzdem macht es Spaß, mit ihnen mitzufiebern. Die meisten der Charaktere fand ich auch wirklich sehr cool, gerade bei den Gladiatoren gab es einige schräge Gestalten, aber auch die Patriziertochter Constantia, die unfreiwillig aus ihrem Leben ausbricht und das dann doch ganz gut findet, hat mir gut gefallen. Einzig der Handlungsstrang um Marius Marinus, den jüngsten Sohn der Familie, hat mich nicht ganz so sehr begeistert. Lange war mir nicht klar, auf was er sich denn da eingelassen hat, und letztendlich waren die Auswirkungen auf die gesamte Geschichte auch eher gering. Zwar bringt dieser Aspekt der Story noch mehr von den coolen Unterwelt-Dingen Roms ins Spiel, aber der Fokus des Romans liegt halt doch ganz klar woanders, sodass einfach zu wenig Platz war, seine Pläne und Geschäftspartner so richtig gut rüberzubringen. Auch das Ende seines Handlungsstrangs versandet dann eher – schreit natürlich nach einer Fortsetzung, aber darauf ist das Buch ja eigentlich gar nicht angelegt. Auch einige andere Nebenfiguren kriegen keinen so richtig runden Abschluss, da hätte für mich gerne noch ein paar Szenen mehr drin sein dürfen, die auch den eher unwichtigen Figuren noch einen Ausklang gönnen. Aber das tut dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch, denn gerade die Geschichte um Morisa, Drennis, Ianos und Constantia fand ich bis zum Ende hin großartig.

Was Roma Nova für mich besonders stark macht, ist, wie politisch aktuell es sich anfühlt. SciFi hin und Gladiatoren her, viele Themen des Romans gehen über den eigentlichen Plot hinaus und ließen mich beim Lesen unwillkürlich immer wieder über aktuelle Politik und die darüber geführten Diskussionen nachdenken. Natürlich ist das Rom, das im Buch entworfen wird, in vielen Punkten anders als unsere heutige Gesellschaft. Aber viele der Konflikte und gesellschaftlichen Konstrukte gehen dann eben doch auf Einstellungen und Ansichten zurück, die auch heute immer noch verbreitet sind. Klar, heute gehört eine Frau nicht mehr ihrem Vater, bis er sie ihrem Ehemann übergibt – aber den unsäglichen Brauch, bei den Eltern der Braut um Erlaubnis für die Hochzeit zu fragen, gibt es eben doch immer noch. Klar, es kämpfen hier keine Gladiatoren live vor der Kamera um ihr Leben – aber ist es so viel anders, sich anzugucken, wie die Leute im Dschungelcamp Würmer fressen müssen oder sich darüber das Maul zu zerreißen, dass Schauspielerin X auf unvorteilhaften Paparazzi-Fotos ganz klar Cellulite hat?

Die in Roma Nova entworfene Gesellschaft ist nicht besonders nett. Da baut ein Konsul eben Scheiße und sorgt für den Tod unschuldiger Bürger – nicht so schön für ihn, aber natürlich verliert er maximal seinen Posten und wird ins Innenministerium befördert muss auf ein anderes Amt umziehen, oder sein Ruf ist ein bisschen in Gefahr, oder er muss mal ein paar mildtätige Gaben an die Armen spendieren und sich dabei filmen lassen. Trotzdem geht es ihm weiter gut, er hat nichts zu verlieren – die Mächtigen kreisen in ihrer eigenen Sphäre und sind unantastbar. Ebenso krass ist der Unterschied zwischen Sklaven und Bürgern Roms – während es für die Bürger Roms kein Problem ist, dass Sklaven sich zur Unterhaltung gegenseitig abschlachten, dass sie verkauft, missbraucht und vergewaltigt werden, haben die römischen Bürger ihre Rechte und auch die politische Oberschicht weiß, dass ein Bürgerkrieg droht, wenn die Prätorianer nicht nur Sklaven, sondern auch Römer töten, egal, wie niedriggestellt diese auch sein mögen. Diese Unterscheidung in zwei distinktive Gruppen, von denen die eine Menschenrechte hat und die andere eben nicht, ermöglicht erst die Grausamkeiten, die auch in unserer Zeit noch immer vorherrschen. Erst, wenn man vor sich selbst und seiner Peer Group gerechtfertigt hat, dass illegale Einwanderer eben keine Menschenrechte haben, kann man Kleinkinder in Käfige sperren und das als Lösung eines Problems ansehen.

Unter der Oberfläche der spannenden Geschichte brodeln da einfach unglaublich viele spannende Fragen und aufgezeigte Probleme. Kann man als privilegiertes Mitglied einer Gesellschaft etwas gegen deren Grundsätze tun? Sollte man es, auch wenn es das eigene Leben schlechter machen wird? Kann es zwischen Sklaven und ihren Besitzern je zu einer aufrechten Freundschaft kommen? Wieso stehen nicht alle Sklaven auf und wenden sich gegen ihre Besitzer, wo sie doch die Macht dazu hätten? Auch der ganze Komplex von Männlichkeit und Sexualität ist meiner Meinung nach gelungen abgedeckt, zumal mir nicht sehr viele andere Bücher einfallen, in denen Männer sich über ihre Kampffähigkeiten hinaus auch noch als irgendwie begehrenswert für irgendeine Zielgruppe vermarkten müssen, um Erfolg zu haben. Und auch so Dinge wie „natürlich schadet es dem Ruf eines Gladiators nicht, mit einem anderen Mann zu vögeln und sich dabei filmen zu lassen und das Video zu verbreiten – aber puuuuuh, er hat sich in die passive Rolle beim Sex begeben und das ist so weibisch und schadet seinem Ruf“ – eine absolut ins Setting passende Szene, die aber trotzdem Fragen zum Thema (toxische) Maskulinität aufwirft und deshalb auch über die eigentliche Story hinaus relevant ist. In eine ähnliche Richtung geht der Konflikt von Lucius Marinus und Spartacus, die sich vermutlich ähnlicher sind, als sie selber zugeben würden und die zeigen, dass ein gewaltsamer Konflikt im Grunde genommen immer gleich endet – egal, wie viele Sklaven, Soldaten und Unschuldige mit hineingezogen werden.

Insgesamt hat mich dieser Aspekt des Romans sehr beeindruckt. Er zeigt einmal mehr, wie gut und wichtig es ist, politische und gesellschaftliche Themen auch in der Science Fiction und Fantasy aufzuwerfen (zumal es keine nicht politische Unterhaltungsliteratur gibt, wozu ich demnächst nochmal einen Artikel verlinken werde). Dass das Ende des Romans dementsprechend auch eher realistisch ausfällt und zwar so mancher Charakter zu einem Happy End findet, aber sich nichts Grundsätzliches ändert, ist dann umso passender und war bei der historischen Vorlage natürlich auch irgendwo zu erwarten.

Ceterum censeo: Roma Nova ist ein spannender Roman mit einem saucoolen Setting – unterhaltsam und gleichzeitig mehr als nur eine aufregende Geschichte, da die beschriebene Gesellschaft des römischen Weltraumreiches in vielen Punkten zum Nachdenken anregt. Große Empfehlung.

(Und jetzt bitte Teil 2, lieber Bastei-Lübbe-Verlag, in dem Gaia Sabina endlich Twitter erfindet.)

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#12von12 im September 2018

Am 12. des Monats werden traditionell 12 Fotos des Alltags gemacht und getwittert, gebloggt, ge-instagrammt und so. Und die Sammlung findet sich wie immer hier.

(Es gibt übrigens jeden Monat wieder Leute, die Fotos auf Instagram posten und auf Twitter sieht man dann nur, dass da was gepostet wurde, aber nicht das Bild. Macht mich irre. Ich klick dann da aus Trotz nicht drauf. Pffft!)

Okay, also gestern. Es war ein ganz normaler Arbeitsmittwoch, daher auch Bilder eines ganz normalen Arbeitstages.

Der Tisch im Wohnzimmer, mit dem Restgeschirr der City of Mist-Runde vom Dienstag. Den Blick in den grünen Innenhof werde ich vielleicht schon ein wenig vermissen.

Um 9 im Büro gewesen. Dieses Einblatt lebt seit 10 Jahren in unserem Büro und war mal sehr viel kleiner. Inzwischen wurde es schon zweimal geteilt. Der neue Standort am Fenster in der neuen Kanzlei scheint ihm jedenfalls zu gefallen, es hat gerade sensationelle 6 Blüten gleichzeitig.

Kaffee und Wasser zum Frühstück. Der Chef hat einen ganzen Karton Jacobs Krönung in „kräftig“ gekauft und der ist echt bitter, aber da er einen ganzen Karton gekauft hat, müssen wir jetzt leider sehr lange diese Sorte trinken.

Kalt war es außerdem. 15 Grad, dann musste die Heizung doch mal wieder angestellt werden. (Schwere Irritation bei der Twittertimeline in Süddeutschland, wo es fast 30 Grad waren offenbar. Neid.)

In der Mittagspause kurz zu Rewe, was zu essen kaufen. Diese Woche hab ich irgendwie total verschlafen, rechtzeitig Zutaten für meinen üblichen Mittagspausensalat zu kaufen, deswegen gabs keinen.

Dafür dieses Supermarkt-Sushi hier, mit gekochtem Lachs und Avocado. Sehr lecker.

Chefin kam aus der Pause wieder und hatte Tulpen gekauft. WTF, im September. Abr hübsch sind sie.

Heimweg. So sieht es gerade auf meiner Straße aus. Immerhin bauen sie, weil sie die Straße in einer Veloroute umwandeln, das ist ja an sich positiv. Und die 10 Tage dauernde Vollsperrung ist auch inzwischen aufgehoben, nur an zwei Stellen wird noch gebaut. Die vielen Baustellen sind zwar total nervig, aber die Straßenbauarbeiter haben echt reingeklotzt und die Sperrung so kurz wie möglich gehalten. Um mal nicht immer nur zu meckern. 😉

Yoga gemacht. Und damit ich nicht immer nur die Matte fotografiere … hallo, Füße.

Blumenkohl gekocht fürs Abendessen.

Hier das Rezept für ein sehr schnelles Blumenkohlgratin: Einen ganzen Blumenkohl in Salzwasser weichkochen, in eine Auflaufform werfen, 100 g in Stücke geschnittenen Kochschinken dazuwerfen, nen kleinen Schluck Milch dazu. Mit Muskat und Pfeffer würzen, alles einmal durchmatschen. 100 g geriebenen Gouda draufwerfen und dann in den Ofen stellen, bis der Käse geschmolzen ist. Nom nom. Ergebnis:

GRATÄNG!

Dann hab ich noch One day at a time geschaut und dabei all unsere Schnaps-,  Likör-, Wein- und sonstwas-Gläser in Papier gewickelt und eingepackt.

Und dann noch mein aktuelles Buch im Bett zu Ende gelesen und dann geschlafen.

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Mediengedöhns im August 2018

Nach all dem Rollenspiel- und Tagebuchblogkrams jetzt mal wieder ein Mediengedöhns.

Gelesen

Ich lese immer noch Roma Nova, aber da ich im Moment nur in der Bahn oder der Mittagspause dazu komme, habe ich noch 100 Seiten vor mir. Deswegen später mehr dazu.

Ansonsten einige empfehlenswerte Artikel gelesen:

Kelly Marie Trans bewegendes Statement zu ihrem Rückzug aus den sozialen Medien und dem Umgang mit ihrer Herkunft (englisch).

Einsamkeit als Antrieb für Extremismus. Sehr interessanter Artikel (englisch).

Herzkrankheiten bei Frauen und warum man bei weiblichen Ärzten bessere Chancen auf die richtige Diagnose hat. Krasse Zahlen.

Sehr gutes Interview mit Claudia Roth.

Lesenswerte Reportage über Sigmund Jähn, den ersten (Ost)deutschen im All.

Gesehen

Tatsächlich krass viele Filme gesehen im August. Drei Stück! Sonst guck ich ja mehr so Serien.

Und zwar einmal war das das spontane Jumanji-Doublefeature, das zustandekam, weil wir Besuch hatten und nen Film gucken wollten und dann zufällig der neue Jumanji-Film auf Amazon Prime im Angebot war. Und da ich den alten nie gesehen hatte und es den auch online gab, haben wir dann gleich beide geschaut.

Jumanji von 1995 kannte ich natürlich so grob von der Thematik her, ohne ihn je gesehen zu haben. Allerdings dachte ich immer, dass das so läuft wie bei dem neuen Film und die Hauptfiguren in die Jumanji-Welt gesaugt werden. Ich war dann ganz überrascht, dass stattdessen die Jumanji-Viecher und -Pflanzen in die Realität kommen. Fand ich aber ziemlich gut gemacht, sogar die Special Effects sind auch nach 23 Jahren noch einigermaßen erträglich. Ansonsten fand ich den Film wirklich nett und unterhaltsam, teilweise etwas viel Slapstick-Humor, der aber auch durchaus gute Gags dabei hat. Robin Williams in der Hauptrolle natürlich toll, auch wenn es immer traurig ist, Schauspieler zu sehen, die schon gestorben sind. Und für einen doch recht alten Film auch immerhin mit genauso viel weiblichen wie männlichen Hauptfiguren, besonders, dass mit Sarah auch eine nicht mehr ganz junge (für Hollywoodmaßstäbe, die Schauspielerin war Mitte 30….) Frau dabei ist, fand ich gut (auch wenn sie jetzt keine sonderlich tolle oder originelle Figur ist). Am Ende natürlich alles sehr superhappy, gut ausgegangen, wild time travel appears und so. Aber konnte man immer noch gut gucken. Wobei mir auffiel, wie viel Zeit sich der Film gerade am Anfang nimmt. Die ersten 20 Minuten – das würde man heute vermutlich in der Hälfte der Zeit als Montage machen. Wenn überhaupt.

Und danach dann gleich Teil 2, Jumanji – Welcome to the Jungle. Hatte mich bei Ankündigung nicht so interessiert, aber der Trailer war dann ja doch ziemlich cool und naja, Karen Gillan und Jack Black gehen immer für mich. Der Film hat mir dann sogar noch besser gefallen, denn er war nicht nur echt unterhaltsam, sondern natürlich auch insgesamt moderner und mit cooleren Locations und so. Und dass die Charaktere diesmal in ein Videospiel gesaugt und dementsprechend auch von den Figuren dieses Spiels verkörpert werden, ist schon echt gut. Vor allem Jack Black, der ein 16-jähriges Mädchen spielt, das sich entsetzt im beleibten Körper eines mittelalten Wissenschaftlers wiederfindet, ist wirklich großartig. Ja okay, ein paar weniger Peniswitze hätten es sein können, aber naja. Aber auch sonst nimmt der Film so klassische Video-Tropes wirklich herrlich auf die Schippe, ob es nun abstruse Fähigkeiten und Schwächen, NPCs mit einem beschränkten Repertoire an Sätzen oder Cut-Scenes sind. Die eigentliche Story schreitet schnell voran, ist nicht super-überraschend, hat aber ein paar nette Wendungen und Charaktermomente drin. Und das Ende war dann schon wirklich sehr süß und herzerweichend. Zwischendurch haben wir auch wirklich viel gelacht. Also durchaus eine Empfehlung von mir.

Und dann war ich ja noch im Kino zu BlackKklansman. Und boah, was ein Film. Basierend auf der wahren Geschichte und dem Buch von Ron Stallworth erzählt er die Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich telefonisch in die Ränge des Ku Klux Klan einschleicht und dann zu den Treffen aus offensichtlichen Gründen einen weißen Kollegen schicken muss. Ich habe im Nachhinein ein paar Artikel dazu gelesen und die ganzen irren Dinge, die in dem Film passieren, sind offensichtlich auch wirklich so gelaufen – hätte man sich auch nicht irrer ausdenken können. Der Film ist jedenfalls meiner Meinung nach wirklich extrem gut gemacht. Neben dem KKK thematisiert er auch die Black Power-Bewegung, ohne diese als komplett gut und unproblematisch hinzustellen. Und bei den KKK-Mitgliedern ist das alles auch schon sehr gelungen, wie die als die Monster dargestellt werden, die sie sind, ohne total ins Übertriebene abzugleiten.

Tatsächlich ist Blackkklansman zwischendurch auch einfach immer wieder einfach nur spannend und auch saulustig, wenn z. B. Ron sich am Telefon vom KKK-Oberchef erklären lässt, dass dieser ja sofort hören würde, wenn er mit einem Schwarzen telefoniert und Ron und seine zuhörenden Kollegen sich vor Lachen kaum noch halten können. Und zwischendurch kommen dann auch immer wieder total bedrückende und schreckliche Szenen, wenn z. B. die KKK-Mitglieder Birth of a Nation schauen und johlend den Hitlergruß machen, während Ron vom Fenster aus schockiert beobachtet, was passiert. Die Schauspieler sind auch alle durch die Bank super, John David Washington kannte ich vorher noch gar nicht, er spielt die Hauptrolle aber sehr gut. Und Adam Driver geht sowieso immer.

Und dann kommt das Ende des Films und … ich will jetzt nix spoilern, aber ich sag mal so: Der Film tut einem nicht den Gefallen, auch nur für einen Moment zu denken, dass er nur ein Stück Historie zeigt, die nichts mit der Gegenwart zu tun hat. Das geht am Anfang mit einem Fernsehclip los, der auch von den Sarrazins und Gaulands dieser Zeit stammen könnte und zieht sich dann bis zum Ende durch. Nach den letzten Minuten des Films war der Kinosaal still. Totenstill. Das habe ich in der Form noch nie erlebt. Ganz große Empfehlung jedenfalls, geht ins Kino, solange er noch läuft.

Passt thematisch auch zur ersten Serienstaffel, die ich diesen Monat gesehen habe, nämlich Orange is the new Black, Staffel 6. Die hatte am Ende nämlich auch einen absolut passend platzierten aktuell relevanten Moment drin, der mich sehr getroffen hat. Ansonsten war die Staffel auch wieder gut. Ein paar schöne neue Charaktere und interessante Pairings bei den alten. Und halt jetzt mal eine Staffel lang alles im Hochsicherheitstrakt. Da war schon viel Interessantes bei, die Serie ist weiterhin wunderbar divers und vielschichtig und biete eine gute Abwechslung zwischen Drama und Komik. Klar, manche Charaktere und Stories fand ich besser als andere, aber insgsamt ist die Serie einfach weiterhin echt gut.

Auch auf Netflix auf Twitter-Empfehlung geschaut: Die erste Staffel von One Day at a Time. Eigentlich eine typische Sitcom, die aber wirklich großartig diverse Charaktere und wirklich viele sehr ans Herz gehende Momente hat. Die Folgen haben 30 Minuten Länge, das irritiert mich immer total, weil ich bei Serien eigentlich nur 40 oder 20 kenne. Aber immerhin hat man damit etwas länger was von den Staffeln, die leider immer nur 13 Folgen umfassen. Es geht jedenfalls um eine alleinerziehende Mutter mit Army-Vergangenheit und kubanischem Migrationshintergrund, die mit ihrer Mutter und ihren beiden Kindern zusammenlebt und sich so durchs Leben schlägt. Die Serie spricht viele aktuelle Themen an, ist ziemlich lustig und oft auch traurig und perfekt, wenn man was Gucken möchte, was jetzt nicht totale Konzentration erfordert, aber trotzdem gut ist. Staffel 2 gibt es auch auf Netflix, Staffel 3 ist wohl gerade in Produktion, nachdem die Serie zum Glück verlängert wurde.

Und zum Schluss noch: Nanette. Das ist eine Aufzeichnung eines Live-Auftritts der gleichnamigen Show von Hannah Gadsby, einer australischen Komikerin. Die in diesem Programm unter anderem erzählt, wieso sie jetzt aufhört, Comedy zu machen. Und wieso sie jahrelang vor allem Witze über sich selbst gemacht hat. Und welche Geschichten wirklich hinter ihren Nummern stecken. Fängt lustig an, wird auch zwischendurch immer wieder mal lustig, klatscht dem Zuschauer aber so viele krasse Sachen und so wichtige Statements um die Ohren, dass man am Ende da sitzt und denkt „scheiße, darüber muss ich jetzt lange nachdenken“. Ganz ganz dringende Empfehlung. Nehmt euch die 69 Minuten Zeit.

Gespielt

Da ich im August so viel gebloggt habe, habe ich über die meisten Spiele ja schon berichtet. Als da waren:

  • Die FFG Star Wars Force and Destiny Einsteigerbox – ich finde die immer noch super, auch wenn man das Abenteuer mit SL-Erfahrung etwas anpassen kann und sollte. Und ich würde so gerne mal eine Kampagne spielen mit den Archetypen aus der Box. Die sind großartig.
  • One Last Job – spaßiges Ding für einen One-Shot, leider von der Regelmechanik her nicht so richtig gelungen. Würde ich das nächste Mal entweder leicht abändern oder aber Vorgaben machen, damit nicht wieder ein unüberwindbarer Gefahrenpool entsteht.
  • Kagematsu: War ein spannendes Experiment, über das ich demnächst im Podcast mehr erzähle.
  • The Sprawl: Tolle Runde, die meine Vorurteile gegen das Spiel widerlegen konnte, da es run-basiert war und trotzdem viel Spaß gemacht hat. Gerne wieder.
  • Monster of the Week: Eine Online-Runde, deren 2. Abend lange unter dem Terminfindungsfluch stand. Aber inzwischen konnten wir sie zu Ende spielen. Schönes PbtA-System, würde ich gerne nochmal spielen.

Geschrieben

Diesen Artikel hier auf Tor-Online zum Thema Liebe im Superheldengenere

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