Schlagwort-Archive: Buchbesprechung

Rezension: Roma Nova

Disclaimer 1: Ich habe ein Rezensionsexemplar erhalten. Ob das hier damit jetzt unter Werbung fällt, muss vermutlich jeder selbst entscheiden. Fühlt euch hiermit darauf hingewiesen.

Disclaimer 2: Ich kenne die Autorin. Wir ham da so nen Podcast zusammen. Ich würde trotzdem sagen, wenn ich das Buch doof fände. Ja ja, das müsst ihr mir jetzt einfach glauben.

Was wäre, wenn Rom keine Stadt, sondern ein Planet wäre, Gladiatorenkämpfe ein Hightech-Spektakel und der Spartacus-Aufstand eine Science Fiction-Geschichte? Das ist so ungefähr die Grundprämisse von Judith Vogts Roman Roma Nova, der auch keine ganz gewöhnliche Entstehungsgeschichte hat. Das Buch war eine Auftragsarbeit für einen Filmproduzenten, schaffte dann doch noch den Weg in den Buchhandel und wer weiß, vielleicht wird es ja irgendwann wirklich noch verfilmt. Auf jeden Fall gibt es sensationell coole Konzeptzeichnungen, die man sich hier angucken kann. Dort steht auch noch mehr dazu, wie es überhaupt zum Buch kam.

Das Setting von Roma Nova geht also nicht von der Prämisse aus, dass Rom nie aufgehört hat zu existieren und irgendwann den Weltraum erobert hat, sondern versetzt das römische Imperium einfach in ein SciFi-Setting. Rom ist zwar eine Stadt, nimmt aber den ganzen Planeten ein. Der Rubicon ist kein Fluss, sondern ein Asteroidengürtel, die römischen Kolonien sind andere Planeten und der gefürchtete Hades ist ein mysteriöses, von einem Schwarzen Loch dominiertes Weltraumphänomen. Es gibt alles, was man aus dem alten Rom so kennt, aber halt in einer SciFi-Variation: Prätorianer mit Energiefeldern als Schilden, Raumschiffe mit Rammspornen und Arenakämpfe, die an eine Mischung aus Castingshow und Hunger Games erinnern. Die Patrizier Roms nehmen ihre Tabula zur Hand – dahinter verbirgt sich dann aber eine Art Tablet/Smartphone mit Internet, Chatprogrammen und Fernsehsendern. Aber trotz dieser HighTech-Gesellschaft ist die Gesellschaft Roms so, wie man sie aus der Antike kennt. Reiche Patrizierfamilien streiten um Ansehen und politische Macht, es gibt – logischerweise, beim Thema Spartacusaufstand – Sklavenhaltung, Frauen gehören ihrem Vater, bis sie an ihren Ehemann übergeben werden und haben insgesamt wenig zu melden. Die Intrigen der Oberschicht vermischen sich hin und wieder mit den Machenschaften von Unterweltkartellen – und dazwischen wollen die meisten einfachen Bürger Roms einfach nur überleben. Und vielleicht das neue Spartacus-Parfüm zum Namenstag.

In dieses Antike-meets-SciFi-Setting mischt sich dann auch noch ein Schuss Fantastik und Übernatürliches, was vielleicht erstmal seltsam klingt, für mich aber sehr gut funktioniert hat. Immerhin war die römische Antike vom Glauben an diverse Götter, Heilige und Heroen bestimmt, und von da ist es nur ein kurzer gedanklicher Schritt zu Seherinnen mit prophetischen Fähigkeiten, mechanischen Herzen, die ihren eigenen Willen haben, und gruseligen kleinen Mädchen, hinter denen sich etwas ganz anderes verbirgt. Gerade der Mix aus Raumschiffen, Energieschilden und Hightech auf der einen und der römisch-antiken Glaubenswelt auf der anderen Seite hat dafür gesorgt, dass das Setting mich extrem begeistert hat. Ich glaube, ich habe alle 50 Seiten „ich will da ein Rollenspiel zu…“ vor mich hingemurmelt. Allein die verschiedenen Verbrecherkartelle in Rom! Die Cyprioten, die quasi Technomancer sind! Die verschiedenen Planeten mit ihren Eigenheiten! Rom als planetenumspanende Cyberpunkstadt! Der Hades! Ich habe da dringenden Bedarf an einem weiteren Roman oder einer Kurzgeschichtensammlung oder einem Rollenspielsettingband. Oder allem davon! Noch ist in die Richtung nichts angekündigt, aber ich darf ja hoffen.

Aber erstmal zurück zum Roman: Im Mittelpunkt stehen die Gladiatoren der großen Arena Roms, die Patrizierfamilie der Mariner und Morisa, eine versklavte Seherin aus dem Volk der Thraker. Diese will sich an Familienoberhaupt Lucius Marinus nicht nur rächen, weil er sie seit Jahren als Sklavin hält und missbraucht, sondern auch, weil er ihren Ehemann Drennis ebenfalls versklavt und als Gladiator in die Arena befördert hat – wo er unter dem Namen Spartacus Ruhm und Ansehen der Mariner-Familie mehren soll. Da kommt es nur gelegen, dass Lucius mit seinem Party-Raumschiff gerade so weit draußen in der Galaxis kreist, dass ein Schiff des Hades die Prätorianer und Gäste mal so richtig aufmischen kann. Morisa nutzt also die Gelegenheit, nicht nur ihre Freiheit zu erlangen, sondern auch noch Einfluss auf einige wichtige Personen auszüben, die Spartacus auf Umwegen in die Freiheit verhelfen sollen. Der bekommt währenddessen gerade ein künstliches Herz eingepflanzt, um zum Star der Arena aufzusteigen. Und wenn das jetzt schon nach viel Action klingt: Das ist gerade einmal der Auftakt des Romans und damit geht es erst richtig los.

Auf den etwa 600 Seiten entwickelt Roma Nova dann eine Geschichte, die mich beim Lesen sehr mitgerissen hat: Das Leben der Gladiatoren in ihrem Zwiespalt aus Freundschaft und Konkurrenz, die spektakulären Kämpfe, die politischen Intrigen der Patrizier, die Mythen der künstlichen Herzen und des Hades, die ungewöhnliche Liebesgeschichte … es ist eine vielschichtige und actionreiche Handlung mit spannenden Protagonisten. Spannend sollte hier nicht mit sympathisch verwechselt werden, denn viele der Charaktere sind nicht unbedingt so drauf, dass ich gerne einen Tee mit ihnen trinken würde. Aber genau das macht für mich Roma Nova auch so glaubwürdig – die Protagonisten sind in ihrem Handeln, Glauben und Denken eben verstrickt in die Zwänge und Moralvorstellungen der römischen Gesellschaft und erliegen ihren eigenen Schwächen ebenso wie den unsichtbaren Fäden der Marionettenspieler im Hintergrund. Trotzdem macht es Spaß, mit ihnen mitzufiebern. Die meisten der Charaktere fand ich auch wirklich sehr cool, gerade bei den Gladiatoren gab es einige schräge Gestalten, aber auch die Patriziertochter Constantia, die unfreiwillig aus ihrem Leben ausbricht und das dann doch ganz gut findet, hat mir gut gefallen. Einzig der Handlungsstrang um Marius Marinus, den jüngsten Sohn der Familie, hat mich nicht ganz so sehr begeistert. Lange war mir nicht klar, auf was er sich denn da eingelassen hat, und letztendlich waren die Auswirkungen auf die gesamte Geschichte auch eher gering. Zwar bringt dieser Aspekt der Story noch mehr von den coolen Unterwelt-Dingen Roms ins Spiel, aber der Fokus des Romans liegt halt doch ganz klar woanders, sodass einfach zu wenig Platz war, seine Pläne und Geschäftspartner so richtig gut rüberzubringen. Auch das Ende seines Handlungsstrangs versandet dann eher – schreit natürlich nach einer Fortsetzung, aber darauf ist das Buch ja eigentlich gar nicht angelegt. Auch einige andere Nebenfiguren kriegen keinen so richtig runden Abschluss, da hätte für mich gerne noch ein paar Szenen mehr drin sein dürfen, die auch den eher unwichtigen Figuren noch einen Ausklang gönnen. Aber das tut dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch, denn gerade die Geschichte um Morisa, Drennis, Ianos und Constantia fand ich bis zum Ende hin großartig.

Was Roma Nova für mich besonders stark macht, ist, wie politisch aktuell es sich anfühlt. SciFi hin und Gladiatoren her, viele Themen des Romans gehen über den eigentlichen Plot hinaus und ließen mich beim Lesen unwillkürlich immer wieder über aktuelle Politik und die darüber geführten Diskussionen nachdenken. Natürlich ist das Rom, das im Buch entworfen wird, in vielen Punkten anders als unsere heutige Gesellschaft. Aber viele der Konflikte und gesellschaftlichen Konstrukte gehen dann eben doch auf Einstellungen und Ansichten zurück, die auch heute immer noch verbreitet sind. Klar, heute gehört eine Frau nicht mehr ihrem Vater, bis er sie ihrem Ehemann übergibt – aber den unsäglichen Brauch, bei den Eltern der Braut um Erlaubnis für die Hochzeit zu fragen, gibt es eben doch immer noch. Klar, es kämpfen hier keine Gladiatoren live vor der Kamera um ihr Leben – aber ist es so viel anders, sich anzugucken, wie die Leute im Dschungelcamp Würmer fressen müssen oder sich darüber das Maul zu zerreißen, dass Schauspielerin X auf unvorteilhaften Paparazzi-Fotos ganz klar Cellulite hat?

Die in Roma Nova entworfene Gesellschaft ist nicht besonders nett. Da baut ein Konsul eben Scheiße und sorgt für den Tod unschuldiger Bürger – nicht so schön für ihn, aber natürlich verliert er maximal seinen Posten und wird ins Innenministerium befördert muss auf ein anderes Amt umziehen, oder sein Ruf ist ein bisschen in Gefahr, oder er muss mal ein paar mildtätige Gaben an die Armen spendieren und sich dabei filmen lassen. Trotzdem geht es ihm weiter gut, er hat nichts zu verlieren – die Mächtigen kreisen in ihrer eigenen Sphäre und sind unantastbar. Ebenso krass ist der Unterschied zwischen Sklaven und Bürgern Roms – während es für die Bürger Roms kein Problem ist, dass Sklaven sich zur Unterhaltung gegenseitig abschlachten, dass sie verkauft, missbraucht und vergewaltigt werden, haben die römischen Bürger ihre Rechte und auch die politische Oberschicht weiß, dass ein Bürgerkrieg droht, wenn die Prätorianer nicht nur Sklaven, sondern auch Römer töten, egal, wie niedriggestellt diese auch sein mögen. Diese Unterscheidung in zwei distinktive Gruppen, von denen die eine Menschenrechte hat und die andere eben nicht, ermöglicht erst die Grausamkeiten, die auch in unserer Zeit noch immer vorherrschen. Erst, wenn man vor sich selbst und seiner Peer Group gerechtfertigt hat, dass illegale Einwanderer eben keine Menschenrechte haben, kann man Kleinkinder in Käfige sperren und das als Lösung eines Problems ansehen.

Unter der Oberfläche der spannenden Geschichte brodeln da einfach unglaublich viele spannende Fragen und aufgezeigte Probleme. Kann man als privilegiertes Mitglied einer Gesellschaft etwas gegen deren Grundsätze tun? Sollte man es, auch wenn es das eigene Leben schlechter machen wird? Kann es zwischen Sklaven und ihren Besitzern je zu einer aufrechten Freundschaft kommen? Wieso stehen nicht alle Sklaven auf und wenden sich gegen ihre Besitzer, wo sie doch die Macht dazu hätten? Auch der ganze Komplex von Männlichkeit und Sexualität ist meiner Meinung nach gelungen abgedeckt, zumal mir nicht sehr viele andere Bücher einfallen, in denen Männer sich über ihre Kampffähigkeiten hinaus auch noch als irgendwie begehrenswert für irgendeine Zielgruppe vermarkten müssen, um Erfolg zu haben. Und auch so Dinge wie „natürlich schadet es dem Ruf eines Gladiators nicht, mit einem anderen Mann zu vögeln und sich dabei filmen zu lassen und das Video zu verbreiten – aber puuuuuh, er hat sich in die passive Rolle beim Sex begeben und das ist so weibisch und schadet seinem Ruf“ – eine absolut ins Setting passende Szene, die aber trotzdem Fragen zum Thema (toxische) Maskulinität aufwirft und deshalb auch über die eigentliche Story hinaus relevant ist. In eine ähnliche Richtung geht der Konflikt von Lucius Marinus und Spartacus, die sich vermutlich ähnlicher sind, als sie selber zugeben würden und die zeigen, dass ein gewaltsamer Konflikt im Grunde genommen immer gleich endet – egal, wie viele Sklaven, Soldaten und Unschuldige mit hineingezogen werden.

Insgesamt hat mich dieser Aspekt des Romans sehr beeindruckt. Er zeigt einmal mehr, wie gut und wichtig es ist, politische und gesellschaftliche Themen auch in der Science Fiction und Fantasy aufzuwerfen (zumal es keine nicht politische Unterhaltungsliteratur gibt, wozu ich demnächst nochmal einen Artikel verlinken werde). Dass das Ende des Romans dementsprechend auch eher realistisch ausfällt und zwar so mancher Charakter zu einem Happy End findet, aber sich nichts Grundsätzliches ändert, ist dann umso passender und war bei der historischen Vorlage natürlich auch irgendwo zu erwarten.

Ceterum censeo: Roma Nova ist ein spannender Roman mit einem saucoolen Setting – unterhaltsam und gleichzeitig mehr als nur eine aufregende Geschichte, da die beschriebene Gesellschaft des römischen Weltraumreiches in vielen Punkten zum Nachdenken anregt. Große Empfehlung.

(Und jetzt bitte Teil 2, lieber Bastei-Lübbe-Verlag, in dem Gaia Sabina endlich Twitter erfindet.)

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Mediengedöhns, Rezension

Rezension: Die Geister des Landes 3 – Aus der Tiefe

Gdl coverTreffen sich ein Werwolf, eine Hexe und eine Juffer im Puff, um die Welt zu retten. Naja, oder zumindestens die Eifel. Und nein, diese Situation ist jetzt keine von mir erdachte Überspitzung, diese Szene gibt es wirklich im dritten und finalen Band der Geister des Landes-Trilogie von Judith C. Vogt. Aus der Tiefe ist schon vor mehreren Wochen erschienen und netterweise habe ich wieder ein Rezensionsexemplar erhalten.

.

Previously on …

Wir erinnern uns: In der Eifel erwachen die Sagengestalten, unheimliche Männer und Frauen ohne Gesicht planen üble Dinge, und die drei Nerds Dora, Gregor und Edi werden von Fiona, die prophetische Träume hat, in all das hineingezogen. Am Anfang von Band 3 sind die vier Jugendlichen bereits ein eingeschworenes Team, auch wenn es immer wieder mal Streit, romantische Zerwürfnisse und anderen Ärger gibt. Und nun ist endlich die Zeit gekommen, um den Gesichtslosen endgültig das Handwerk zu legen oder dabei unterzugehen.

Finale, oooh-ohhhh…

Wenn das Erzähltempo schon in Band 1 und 2 hoch war, so legt die Autorin gerade zu Anfang von Aus der Tiefe nochmal eine ganze Schippe drauf. Im ersten Drittel des Buches überstürzen sich die Ereignisse geradezu und es passieren auch jede Menge Dinge, die ich so wirklich nicht erwartet hätte. Aber da ich hier nichts spoilern will, belasse ich es mal bei diesem vagen Hinweis. Ich WTF-te beim Lesen jedenfalls öfter vor mich hin, aber auf die gute Art und Weise, da die Wendungen zwar überraschend sind, aber dabei trotzdem plausibel und nachvollziehbar bleiben.

In der Mitte des Buchs wird das Tempo dann gedrosselt, die Handlung fächert sich auf und jeder der vier Protagonisten geht seine eigenen Wege. Außerdem passiert, was nach mehreren Monaten, in den die Sagengestalten durchs Land toben, passieren muss – es werden mehr Leute auf das Geschehen aufmerksam. Die vier Jugendlichen sehen sich mit Polizisten, Lehrern, Elternteilen und anderen Erwachsenen konfrontiert, von denen einige Helfer, die anderen eher Hindernisse darstellen. Ich finde es gut, dass diese logische und im Prinzip überfällige Entwicklung im Buch ihren Platz hat, es nimmt aber halt ein wenig die Geschwindigkeit und das „the four of us against the world“-Gefühl raus.

Das Finale findet dann an mehreren Schauplätzen und auf mehreren Ebenen statt. Jede der vier Hauptfiguren hat ihren eigenen Kampf auszufechten. Auch das war irgendwie anders, als ich es im Vorfeld erwartet hatte – ich hatte ja irgendwie mit einem coolen Dora-Edi-Fiona-Gregor-Slow-Motion-Walk in die Zentrale des Bösen gerechnet. Tatsächlich ist im Finale dann jeder erst einmal auf sich gestellt, was mir, als die Erwartungshaltung überwunden war, auch ziemlich gut gefallen hat. Es gibt also nicht den einen großen Showdown, sondern es passiert an verschiedenen Schauplätzen ziemlich viel, es gibt Action und Drama und am Ende dann doch – so viel sei verraten – ein ziemliches Happy End.

Durch die vier parallel ablaufenden Handlungsstränge musste ich tatsächlich, als ich das Buch zuklappte, erstmal kurz durchatmen und im Kopf sortieren, was im Finale nun alles passiert ist. Da geht es nämlich wirklich drunter und drüber. Wie ich das Ende nun finde? Da bin ich etwas zwiegespalten – einerseits freut es mich für die Charaktere, mit denen ich 3 Bücher lang mitgefiebert habe, dass alles am Ende doch gut wird, andererseits steh ich ja eher auf Enden, in denen eben nicht alles gut ist. Also wenns nach mir gegangen wäre, hätte das Ende ruhig noch etwas weniger glücklich sein können. Aber andererseits ist die Trilogie ja auch eine Jugendbuchreihe und vielleicht sieht die Zielgruppe das dann eben doch sehr viel anders als ich.

Apropos Jugendbuch: Nach wie vor finde ich, man kann die 3 Bücher auch als Erwachsener wunderbar lesen, weil es einfach nicht so wahnsinnig viele Dinge gibt, die man mit 16 vielleicht toll, mit 30 aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit scheiße findet. Es gibt keine „sie ist so toll und jeder liebt sie, aber sie merkt gar nicht, welchen Einfluss sie auf ihre Umwelt hat“-Protagonistin (ja, weibliche Form, in männlich kenn ich sowas gar nicht), es gibt zwar Liebeskuddelmuddel, aber kein Love Triangle, das sich über 3 Bände zieht. Und trotzdem sind die vier Hauptfiguren ganz unverkennbar noch sehr jung, was zum Glück aber eher amüsant als irgendwie nervig ist.

Wunderbares Lieblingszitat hierfür:

„Er war so verwegen, dass er auf ihre Schuhspitzen statt auf seine eigenen starrte.“

Etwas verschwommen, aber: Da steht mein Name :)

Etwas verschwommen, aber: Da steht mein Name 🙂

Last but not least ist da natürlich der Nerd-Content. Der ist auch im finalen Band wieder reichlich vorhanden, auch wenn die vier selbsternannten Helden nun wirklich keine  Zeit mehr haben, Rollenspiel zu machen. Das Buch geht schon sehr gut damit los, dass eins meiner Lieblingszitate aus Doctor Who als Einleitung verwendet wird (auch wenn – Achtung supernerdklugscheißen – „A good man goes to war“ in der Serie nicht von River zitiert wird). Auch im Rest des Buches wimmelt es vor nerdigen Zitaten und Anspielungen, was mich beim Lesen mehr als einmal schmunzeln ließ. Außerdem entdecken die 4 Nerds auch immer mehr das Internet für sich und weiten den Kampf gegen die Unscheinbaren auf die sozialen Medien aus. Highlight des ganzen Online-Krams war es natürlich, meinen eigenen Twitternamen im Buch zu entdecken! Ich hatte schon völlig vergessen, dass Judith mal gefragt hatte, wer sich denn freiwillig meldet, um erwähnt zu werden. Insofern war das eine schöne Überraschung beim Lesen 🙂 .

Wunderbares Lieblingsnerdzitat:

„Später. Später irgendwann, so, wenn alles in die Luft fliegt und wir an vereisten Klippen hängen. Dann sage ich: Ich liebe dich! Und sie sagt: You know nothing, Gregor Unger!“

Fazit

Es gilt, was eigentlich auch schon für Band 1 und 2 galt: Die Geister des Landes ist unterhaltsame und spannende Lektüre, von Nerds für Nerds und mit vielen interessanten Einblicken in die Sagenwelt der Eifel. Aus der Tiefe ist ein gelungener Abschluss der Trilogie – und ein bisschen traurig war ich schon, dass ich mich nun von Dora, Gregor, Edi und Fiona verabschieden muss.

Vielen Dank an Judith C. Vogt und den Ammianus-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bücher, Rezension, Uncategorized

Rezension: Die Geister des Landes I – Das Erwachen

coverMan nehme: Beschauliche Orte in der Eifel, alte Sagen, eine Portion Fantasy und vier mehr oder weniger nerdige Teenager. So oder so ähnlich könnte man wohl die Zutaten beschreiben, aus denen Judith C. Vogt ihre Jugendbuchreihe Die Geister des Landes gebastelt hat. Erschienen sind bisher Teil 1 (Das Erwachen) und Teil 2 (Gesichtslos). Netterweise hat Judiths Verlag mir ein Exemplar des ersten Bandes zur Verfügung gestellt, auf dass ich euch nun mit dieser Rezension erfreue. Vielen Dank dafür!

Inhalt

Die 17-jährige Fiona hat seltsame Träume von mysteriösen Gestalten, die das Umland unsicher machen. Umso schlimmer ist es, dass ihre nächtlichen Visionen sich zunehmend als wahr erweisen und in der Eifel seltsame Dinge vor sich gehen. In ihrer Verzweiflung wendet sich Fiona an drei ihrer Mitschüler, die daraufhin versuchen, die außer Kontrolle geratene Sagenwelt wieder in Ordnung zu bringen. Die drei Nerds Doro, Gregor und Edi schlagen sich mit Sumpfmonstern, Fisch-Zombies und unheimlichen Pilzen herum, während ihre Familien sich langsam fragen, was die drei eigentlich ständig im Wald machen und wieso sie so oft völlig lädiert nach Hause kommen. Nach und nach stellt sich heraus, dass etwas Größeres hinter den Vorkommnissen steckt. Fiona, die eigentlich mit ihren drei Verbündeten gar nicht so viel zu tun haben wollte, gerät immer tiefer in die Geschehnisse. Im Laufe des Buches gesellen sich neue Verbündete, aber auch neue und noch gefährlichere Gegner hinzu. Am Ende steht schließlich ein Showdown, der sehr spannend und dramatisch daherkommt; spätestens da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Bei all der Action kommen aber auch die persönlichen Beziehungen zwischen den Figuren nicht zu kurz. Was wäre auch eine Gruppe von vier Teenagern ohne ein bisschen Liebesdrama?

Obwohl das Buch unter Jugendliteratur läuft, hatte ich beim Lesen doch das ein oder andere Moment ein Gruselgefühl, vor allem bei gewissen schwer wiederzuerkennenden Personen (wers gelesen hat, weiß, was ich meine). Und es geht auch alles andere als zimperlich zu. Oft kommen die Protagonisten nur ganz knapp mit der geistigen und körperlichen Gesundheit davon.

Das Buch hat, obwohl es der erste Band einer Trilogie ist, durchaus erstmal ein abgeschlossenes Ende – danach folgt aber noch ein Epilog, der definitiv neugierig auf Teil 2 macht.

Sprache

Ein bisschen ist „Das Erwachen“ schon ein Buch von Nerds für Nerds – jedenfalls tauchen an allen Ecken und Enden Anspielungen auf Bücher, Serien und Filme auf, die ein Leser, der Gefallen an Jugendlichen beim Kampf gegen wildgewordene Sagengestalten findet, tendenziell kennt. Noch dazu sind fast alle Protagonisten – so wie die Autorin selbst auch – Rollenspieler, so dass es auch hin und wieder eine Szene am DSA-Spieltisch gibt. Dazu kommen diverse Frotzeleien und Zickereien zwischen den Figuren. Insgesamt, und darauf kommt es ja an, nimmt man den Personen ihre Sprache ab. Klar, es sind Teenager und daher ist der ganze Stil eher flapsig-jugendlich gehalten, gerade das macht aber die Geschichte auch aus. Generell ist das Buch sehr dialoglastig, es wird so gut wie alles in Gesprächen zwischen den Figuren erzählt, ergänzt von etlichen Actionszenen und einigen ruhigen Momenten. Mir hat das aber durchaus gefallen, da man oft das Gefühl hat, mit den vier wild diskutierenden Leuten am Tisch zu sitzen. Und in den Szenen, wo es um Leben und Tod geht, ist dann auch Schluss mit doofen Sprüchen.

Interessant fand ich den erzählerischen Kniff am Anfang: In der ersten Szene des Buches beschließt Fiona, ihre nerdige Mitschülerin Doro um Hilfe zu bitten  – in der nächsten Szene sind Doro, Gregor und Edi schon seit Wochen dabei, Fionas Träumen nachzugehen. Hier wurde das ganze Prozedere, wie genau es dazu kam, einfach ausgelassen. Vielleicht etwas ungewöhnlich, aber dadurch, dass Fiona zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Teil des Freundeskreises ist, verpasst man keine Charakterentwicklung.

Erster Satz

„Die Hunde bellten gegen die harte Winterluft an.“

Zitate

„Du brauchst gar nicht so zu glotzen, Gollum.“

„Es ist okay, sich zu fürchten, aber es ist nicht okay, davonzulaufen!“

„Und in der Schule warteten ihre neuen Freunde auf sie. Buffy und ihre aufgedrehten Kollegen.“

Empfehlung?

Ich habe ja keine Ahnung von Jugendbüchern und deren Freigabe, es steht auf dem Buch auch keine Altersempfehlung drauf. Manche Szenen (vor allem die mit Dora am Henzenloch und die mit Fiona am Computer) fand selbst ich beim Lesen relativ übel und ich habe keine Ahnung, ab welchem Alter man das lesen sollte oder dürfte. Davon abgesehen, würde ich das Buch auf jeden Fall empfehlen – es ist spannend und liest sich sehr schnell weg, die vier Hauptfiguren sind gut geschrieben und es gibt auch immer wieder etwas zu lachen. Mit Protagonisten, die sozusagen „Held wider Willen“ sind, kann ich sowieso immer etwas anfangen. Wenn man mit jugendlichen Protagonisten und einem ebensolchen Schreibstil nichts anfangen kann, sollte man vielleicht eher nicht zugreifen. Leute, die in der Eifel wohn(t)en und die beschriebenen Orte und Geschichten kennen, haben vermutlich noch mehr Freude an der Geschichte – ich zumindest finde es immer super, wenn in einem Buch Örtlichkeiten auftauchen, die ich selber schon besucht habe. Aber für alle Nicht-Kenner der Eifelmythen gibt es hinten im Buch auch noch eine Sammlung der wichtigsten Sagengestalten.

Generell also Daumen hoch – ich les dann bald mal den zweiten Teil.

Für alle, die jetzt interessiert sind: Eine Leseprobe gibt es hier. Außerdem wurde „Das Erwachen“ vom Hochschulradio Aachen als Hörbuch vertont.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bücher, Rezension, Rollenspiel, Uncategorized