Monatsarchiv: Februar 2014

April, April

Gestern begab es sich also, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Lesung war. Jaaah, wirklich zum ersten Mal. Warum, weiß ich selber nicht so richtig. Nun war es aber soweit und das kam so: Isabel Bogdan, deren Blog ich seit langem begeistert verfolge, verloste Karten für die gestrige Lestung im Literaturhaus. Ich beteiligte mich also an dem Gewinnspiel und gewann tatsächlich 2 Karten (worüber ich mich, da ich noch nie irgendwas gewonnen habe, sehr gefreut habe) und ging dann also mit dem Herrn Mitbewohner gestern hin. Angelika Klüssendorf las aus ihrem neuen Roman „April“, der – wenn ich gestern richtig zugehört habe – heute erscheint. Nun ist es ja so, dass ich bei aller Lesefreude und Bücherregalanbaubedarf nicht so wirklich Ahnung davon habe, wer gerade literarisch was tut, wer angesagt ist und über wen die Presse schreibt. Bücher finde ich entweder über Empfehlungen von Freunden, im Forum (TM) oder in diversen Blogs (wie z. B. dem von Isa), manchmal auch über die Amazon-Empfehlungen. Dann gibts natürlich die Autoren, die ich so gut finde, dass ich nach und nach alles von ihnen lesen möchte. Allerdings haben irgendwelche Literaturpreise und dergleichen eher selten Einfluss auf meine Buchwahl. So habe ich dann auch erst bei der Lesung festgestellt, dass Frau Klüssendorf schon mehrere Roman und Sammlungen mit Erzählungen veröffentlicht hat. Wuppala.

„April“ jedenfalls ist der Titel des Romanes und der Name, den sich die Protagonistin selbst gegeben hat. Es gibt einen 2011 erschienenen Roman, „Das Mädchen“, in dem die Kindheit jener Protagonistin erzählt wird – laut Aussage der Autorin gestern soll man die Bücher aber auch getrennt voneinander lesen können. So ganz grob gesagt geht es in den beiden Büchern eben um jenes Mädchen, dass in der DDR aufwächst, eine schrecklicke Kindheit mit gewalttätigiger Familie und Kinderheim erlebt und sich dann, im zweiten Buch, als junge Erwachsene durchs Leben schlägt. Nun hab ich (noch) keines der beiden Bücher gelesen und verweise daher einfach mal auf Isas Blog, in dem sie „Das Mädchen“ und „April“ rezensiert hat. Genauso wie ihre Figur kommt auch Angelika Klüssendorf aus der ehemaligen DDR und die Geschichte ist wohl zumindest zu Teilen autobiographisch. So etwas finde ich meistens spannend und mit „Krokodil im Nacken“ von Klaus Kordon und „Goldener Reiter“ von Michael Weins habe ich Ende letzten Jahres schon zwei Romane in die Richtung gelesen. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, glaube ich sogar, dass ich auf beide ebenfalls über Isas Blog gestolpert bin *g*.

Gestern Abend jedenfalls, um mal zur Lesung zurückzukommen, betrat ich dann also zum ersten Mal das Literaturhaus in Hamburg. Allein für die Optik hat sich der Besuch ja schon gelohnt – nachdem man erstmal in einer kleinen Bar noch etwas zu Trinken erwerben kann, kommt man dann für die Lesung in einen absolut umwerfenden Saal, so richtig mit riesigen Kronenleuchtern, kleinen Engelchen an der Decke, Stuck, Säulen, tralala. Wirklich sehr schön. Ein Teil von mir wollte gleich zurück zur Kasse laufen und nachfragen, ob man den Saal nicht vielleicht mieten kann und dann darin irgendein historisches Tanz-Event oder sowas organiseren. Ich konnt mich dann aber noch beherrschen. Und dann ging es auch los. Neben der Autorin selbst war auch ein Moderator anwesend, der Frau Klüssendorf vorab und zwischendrin zu „April“ und anderen Büchern befragte. Dann wurde zwei mal gelesen und am Ende gab es auch noch ein paar Minuten Gespräch mit der Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen. Nun schien es mir so zu sein, dass der Moderator und die Autorin irgendwie nicht so ganz miteinander kompatibel waren. Es ging schon damit los, dass er erzählte, dass das „Mädchen“ ja schon in anderen, früheren Erzählungen aufgetaucht sei, was sie sofort verneinte. Auch im weiteren Gespräch kam es manchmal zu Missverständnissen – das lustigste war eine Szene, die er aus „April“ noch im Kopf zu haben meinte, die aber gar nicht drinsteht. Da wurde dann auch im Publikum schon geschmunzelt bis gekichert. Generell erging sich der Moderator für meine Verhältnisse ein wenig zu viel in Interpretationen und Analysen des Buches, auch wenn ich einige Fragen (Wieso ist der Roman im Präsens geschrieben? Woher der Name „April“? usw.) doch sehr spannend fand. Allerdings hätte die Autorin schon ein wenig mehr zu Wort kommen dürfen. Sie schien wenig Interesse daran zu haben, ihr eigenes Werk auseinanderzupflücken, berichtete aber doch Interessantes, z. B., dass sie ihre Texte 50-100 Mal überarbeitet, bis am Ende eine sehr verdichtete Sprache herauskommt. „Beim ersten Entwurf neige ich zum Kitsch“ war eins der schönen Zitate, die ich mir gemerkt habe. Auch ihr Wunsch, noch einen dritten Band zu schreiben, damit die Gesamtausgabe im Schuber erscheinen kann, fand ich sehr liebenswert.

Die vorgelesenen Passagen von „April“ haben mir jedenfalls gut gefallen. Wirklich eine ganz schnörkellose, dichte und irgendwie kühle Sprache, die aber trotzdem zur Folge hatte, dass ich die beschriebenen Szenen sofort vor Augen hatte. Da das Buch nun gerade erst erschienen ist und das Hardcover noch relativ teuer ist, habe ich soeben erstmal „Das Mädchen“ bestellt und bin sehr gespannt drauf.

Nach der Lesung war nur kurz Gelegenheit, Isa zu treffen und sich bei ihr für die Karten zu bedanken. Ich bin immer ein bisschen nervös, wenn ich Leute treffe, deren Blog ich so gerne lese und die meiner Meinung nach so viel schlaue Sachen da reinschreiben, aber sie war supernett (ihr Mann auch) und wir haben uns noch kurz über die Lesung unterhalten, ehe dann alle wieder nach Hause aufbrachen. Der Herr Mitbewohner und ich machten noch einen kurzen Abstecher an die Alster und bewunderten kurz den Ausblick aufs nächtliche Hamburg, dann ging es über einen kleinen Umweg über die Wandelhalle (zwecks spätabendlichem Stop bei PizzaHut) wieder heim, wo schon die sehr empörte Katze ihr viel zu lange abwesendes Personal begrüßte.

Also. Schön wars. Das würde ich auf jeden Fall gerne mal wieder machen.

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