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Mediengedöhns im März 2019

Der März ist um, Medien wurden konsumiert, hier kommt das Mediengedöhns:

Gelesen

Endlich habe ich Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie zu Ende gelesen. Und boah, was für ein Buch. Also nicht nur eine tolle Geschichte und wunderbar geschrieben, sondern ich habe auch richtig viel gelernt dabei, denn, Überraschung, als Weiße Mitteleuropäerin hat man schlicht mal gar keine Ahnung von der Lebensrealität einer in Amerika arbeitenden Nigerianerin. Und von der kriegt man eine ganze Menge mit. Und über Nigeria auch. Und über die verschiedensten Formen von Rassismus, der in den USA noch immer alltäglich ist. Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen und möchte jetzt dringend noch mehr von Adichie lesen.

Und es gab natürlich auch wieder diverse interessante Artikel in den Weiten des Internets.

Den Gender Pay Gap kennt ihr hoffentlich schon, war ja im März auch gerade wieder Thema. Weniger bekannt, aber ebenso wichtig: Der Gender Data Gap. Dazu erschien ein sehr guter Artikel im Guardian, und man möchte mal wieder fassungslos den Kopf schütteln über die Tatsache, dass 50 % der Weltbevölkerung offensichtlich immer noch die seltsame Ausnahme darstellen, auf die man keine Rücksicht nehmen muss, wenn man Autos, Smarthpones oder Sicherheitskleidung herstellt.

Der Feder & Schwert-Verlag hat ein neues Programm namens Wicked Queens, in dem feministische SFF erscheinen wird. Sehr cool, Daumen hoch – und mehr dazu in diesem Interview mit Kathrin Dodenhoeft bei Tor-Online.

Im März war ja auch Fasching – glücklicherweise in Hamburg ja eher nicht so ein Thema – und es ging auch mal wieder darum, ob es okay ist, wenn Kinder sich als „Indianer“ oder „Chinesen“ verkleiden. Spoiler: Nein, das ist rassistische Kackscheiße, und wenn jetzt noch einer fragt, wen in Deutschland ein „Indianer“-Kostüm denn überhaupt stört: Diesen Menschen hier zum Beispiel.

Fantastischer Artikel über „Konserative“, die den Begriff ad absurdum führen.

Ein schöner Beitrag zum Thema Feminismus und wieso er auch für Männer gut ist.

Drüben bei den Apalkawolken geht es um queere Repräsentation und die Frage, warum diese immer sofort mit Sex gleichgesetzt wird.

Das unfassbare Interview mit Axel Voss zum Thema Uploadfilter habt ihr ja sicher schon alle gelesen, aber nur zur Sicherheit nochmal der Link. He does not know how to internet. (Und nun haben wir den Salat.)

Verfahren über häusliche Gewalt in der Praxis. Deckt sich mit meinen Erfahrungen.

Und zum Schluss noch: Die Politik ist bürgerverdrossen. Besser kann man es wohl nicht zusammenfassen.

Geschaut

Am Eröffnungstag zu Captain Marvel im Kino gewesen – also aus Interesse am Film, aber auch, weil ich am Tag danach auf die HeinzCon gefahren bin und daher am Wochenende sonst keine Zeit mehr war. Und sehen wollte ich den Film ja dringend und möglichst ohne Spoiler gelesen zu haben. Also, Captain Marvel, nach nur 20 Filmen des MCU dann doch mal einer mit einer weiblichen Superheldin als Hauptfigur, und natürlich war der Aufruhr der Internet-DudeBros so groß, dass Rotten Tomatoes erstmalig die Option, einen Film vor Veröffentlichung zu bewerten, gesperrt hat. (Ich frage mich da: Warum gab es die je, also für Zuschauer, die Kritiker sehen die Filme ja teilweise früher, aber … warum gab es je die Möglichkeit, Filme nach dem Trailer und ein paar Infos bewerten zu können? Sehr seltsam.) Aber das nur am Rande. Der Film selber hat mir sehr gut gefallen – sehr MCU-typisch beschwingt und lustig, Carol Danvers ist eine großartige Protagonistin, es gab eine niedliche Katze, tolle Musik, sehr viele 90er-Jahre-Musik und Nick Fury als Sidekick war auch super. (Aber viel zu wenig Coulson!!!) Ich prophezeie ja nach der 80er-Nostalgiewelle jetzt das selbe mit den Neunzigern. In den Trailern war schon ein anderer Film zu sehen, der da auch voll drauf abzielt (Name leider vergessen. Irgendwas mit Skateboards.). Der Film hatte sogar einen Plottwist, den ich nicht habe kommen sehen, fand ich auch gut. Und insgesamt fand ich den einfach sehr toll, lustig, empowering und cool. Bin schon sehr erfreut darauf, Captain Marvel bald wieder in Endgame zu sehen.

Auf Netflix geschaut: Die neueste Staffel Grace and Frankie, ich musste jetzt direkt mal nachschauen: Es ist schon die 5. Staffel. Und eine weitere ist schon bestellt. Ganz schön beachtlich, wenn man bedenkt, dass alle 4 Hauptdarsteller*innen schon über 80 sind. Ich mag die Serie nach wie vor unglaublich gerne, man sieht so selten überhaupt mal ältere Personen in den Medien, die nicht irgendwie als lustiger Sidekick oder bemitleidenswertes hutzeliges Mütterchen dargestellt sind. Und die komplizierte Freundschaft der beiden alten Damen ist auch einfach großartig. Außerdem find ich auch die Plots um die Kinder immer super, vor allem Brianna ist einfach so toll und immer wieder umwerfend komisch. Insgesamt wirklich immer noch eine tolle Serie. Außerdem möchte ich sehr gerne in diesem Beachhaus wohnen, oder noch besser, in dem unglaublich schicken Haus von Saul und Robert. Alternativ nehm ich auch einfach nur diese unglaubliche Eingangstür.

Ebenfalls geschaut: Staffel 2 von Black Lightning. Eher so nebenbei zum Essen und nicht total gebannt. Die Serie ist schon cool und ich mag Familie Pierce ja schon sehr, aber der Plot schlägt manchmal doch ein paar seltsame Kapriolen, der Antagonist ist so übertrieben BÖÖSÄÄH, dass es mich teilweise echt genervt hat. Und das Pacing ist manchmal auch etwas schräg und naja, die Kostüme sind schon sehr comicartig, ich mag da ja die etwas solidere Herangehensweise des MCU lieber. Aber trotzdem kann man Black Lightning schon ganz gut gucken, diesmal waren es auch mehr so mehrere kleine Handlungsbögen innerhalb der Staffel. Mein Highlight sind auch einfach immer Anessa und Jennifer und deren tolle Schwestern-Beziehung, bzw. generell so diese ganze Familiendynamik, die man ja im Superheldengenre eher selten hat.

Speaking of Familien und Superhelden: Dann war da ja noch The Umbrella Academy, eine recht neue Netflix-Adaption der gleichnamigen Comics. Der Trailer sah irgendwie einfach nur seltsam und abgedreht aus und ich hatte auch gar nicht so Lust auf die Serie, aber dann haben wir doch reingeschaut und sie auch doch recht fix durchgesuchtet. The Umbrella Academy dreht sich um eine sehr dysfunktionale Familie, die aus sieben Geschwistern besteht, die von einem reichen Exzentriker adoptiert und zu Superhelden ausgebildet wurden, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Im Alter von ca. 30 (würde ich schätzen) sind die Geschwister alle zerstritten, haben ihre eigenen Probleme, haben gar keine Kräfte oder sind verschwunden bzw. einfach schon tot. Dann stirbt der Vater (das ist die 1. Szene der Serie) und alle müssen sich wieder zu Hause einfinden und damit umgehen. Und dann passiert natürlich ganz viel und sie müssen sich mit zeitreisenden Attentätern, internen Streitigkeiten, einer Androidin mit Fehlfunktionen und dem Ende der Welt herumschlagen. Die Serie ist ziemlich schräg, teilweise recht splatterig, hat unfassbar viele zu cooler Musik inszenierte Kampfszenen und Montagen und hat mir insgesamt recht gut gefallen. Leider sind halt von den 7 Geschwistern 5 Männer, und die beiden weiblichen Charaktere sind auch etwas klischeehaft geraten. Dafür fand ich aber die männlichen Charaktere teilweise sehr erfrischend anders, und ein paar ausgefallenere weibliche Figuren (Cha-Cha z. B.) gab es dann schon doch noch. Außerdem musste ich ja nach der Staffel mal nachlesen, wie das eigentlich im Comic ist und oh boy, da hat die Serie ehrlich gesagt schon noch einiges an Diversifizierung geleistet. Im Comic sind nämlich die aus der ganzen Welt zusammenadoptierten Kinder einfach mal alle Weiß *augenroll*, und der Umgang mit den weiblichen Charakteren ist da mal richtig beschissen. Während es in der Serie so ein paar eher uncoole Gaslighting-Dinge und klischeehafte Tropes gibt, aber insgesamt ging das für mich noch klar. Auch wenn ich wirklich immer denke: „Boah, genderswapped doch einfach mal nen Charakter wie Luther, wie spannend wär das bitte!“. Im Gegensatz zu gefühlt meiner ganzen Twitter-Timeline fand ich das Ende auch nicht cliffhangerig, sondern eigentlich nen schönen runden Abschluss. Eine zweite Staffel würde ich mir aber auch gerne ansehen.

Gehört

Zwei neue Podcasts auf der Liste:

Nämlich einmal Rice and Shine, ein vietdeutscher Podcast über das Leben als Kind vietnamesischer Einwanderer. Sehr cool, bisher sehr interessant und sympathisch. Bonuspunkte für das tolle Titel-Wortspiel. Und wenn Podcasts nicht so euer Ding sind – ein tolles Interview mit Vanessa und Mhin Thu gibt es auch zum Lesen.

Und dann noch: Darf sie das? Der Podcast von Nicole Schöndorfer erscheint einmal die Woche und hat immer ein kurzes, knackiges Thema aus dem Bereich Feminismus, sowie eine Analsyse der bescheuertsten Kommentare zur Folge der Vorwoche. Inhaltlich super, Bonuspunkte für Wiener Dialekt, der geht bei mir ja immer.

Gespielt

Im März war HeinzCon, da habe ich dieses Jahr einiges an neuen Spielen ausprobieren können. Aber auch sonst haben wir immerhin dreimal Samstags DSA gespielt und unseren aktuellen Abschnitt der Lamea-Kampagne beendet. Unser SL hat aus den verschiedenen Episoden in der Narkramar noch ein sehr tolles und episches Finale ersonnen, das (nach dem für mich etwas enttäuschenden Finale von Im Netz der Spinne) noch ein richtig toller und berührender Abschluss war. Danach haben wir noch einen Abend Nachklapp und Epilog gespielt und jetzt geht es zurück in aventurische Gefilde. Vermutlich steht als nächstes ein kurzes Abenteuer aus dem Director’s Cut der Quanionsqueste an und danach die Thorwalergruppe, die mal wieder in den Norden zieht.

Auch unsere City of Mist-Runde fand ohne Ausfälle statt. Nach einem Jahr hatten wir dann endlich mal unseren ersten Themebook-Wechsel, das war dann schon sehr cool, zumal es ungeplant durch einen Stop Holding Back-Move passierte. Ansonsten sind wir immer noch beim zweiten Fall, ich bin schon gespannt, wie lange der sich noch so hinziehen wird und wie er am Ende ausgeht.

In Hinsicht auf neue Spiele begann der März mit Lovecraftesque. Hat mich leider wirklich gar nicht überzeugt. Dass man quasi storymäßig unabgesprochen agiert und gegeneinander anspielt, um die eigene Idee durchzudrücken, gefällt mir ebensowenig wie die für mich sinnlos scharfe Trennung zwischen Quasi-Spielleiten und Charakter spielen – dass man sich den auch noch zu viert teilt, macht die Sache nicht besser. Nee, muss ich nicht nochmal haben.

Auf der HeinzCon ging es am Freitag los mit Bikers in Space (Arbeitstitel), einem FATE-meets-PbtA-System von den Vögten und Harald vom 3W6-Podcast. Man spielt quasi eine Motorradgang, nur dass sie nicht auf Motorrädern, sondern auf Raumjägern unterwegs sind und versuchen, möglichst viele andere Gangs plattzumachen – und das Ganze auf Social Media zu vermarkten. Wir hatten eine sehr große, sehr lustige Runde und viel Spaß mit übertrieben toxischem Verhalten, Eskapaden in der Dampfsauna und Liebesdrama. Achja, und Raumjägerkampf, aber, wenig überraschend fand ich den natürlich viel weniger spannend als die anderen Aspekte …

Dann habe ich Samstag im Ferienhaus eine Runde Itras By geleitet. Das hatte ich in der deutschen Übersetzung im Crowdfunding gebackt und es war kurz vor der Con angekommen. Und da es quasi gar keine Regeln hat und ich das Setting so toll finde, habe ich es direkt angeboten. Wir hatten dann eine kurze, aber dennoch denkwürdige Runde rund um eine Zaubershow, die Suche nach einer besonderen Pflanze und auffällig viele Kaninchen. Das System hat mich echt überzeugt, das Spielen mit den Entscheidungs- und Zufallskarten funktioniert super und es ist als regelleichtes Erzählsystem, in dem man vor allem gemeinsam eine surreale Geschichte erzählen will, wirklich gut geeignet. Muss ich dringend nochmal spielen.

Dann hat Judith abends für uns The Watch geleitet. Das ist ein PbtA, in dem man eine Gruppe von Kämpfer*innen im Kampf gegen den Schatten spielt, der ihre Heimat befallen hat und der zurückgedrängt werden soll. Wobei der Schatten quasi eine Allegorie auf toxische Männlichkeit ist, weshalb man auch nur Nicht-Männer spielt. Das Konzept und die Playbooks waren super, die konkrete Umsetzung fand ich, gerade für einen OneShot, echt gewöhnungsbedürftig. Man würfelt quasi erst aus, wie die gesamte Mission gelaufen ist und spielt dann einzelne Szenen davon in so Schlaglichtern aus. Das finde ich furchtbar unintuitiv und irgendwie muss man sich da glaube ich erst dran gewöhnen. Eigentlich ist es auch auf Kampagnenspiel ausgelegt, was es vielleicht etwas besser macht, aber … so richtig sehe ich den Sinn dahinter nicht. Es war zwar trotzdem eine coole Session und einige Aspekte des Systems (dass man z. B. besser wird, wenn man sich so voll ins Kriegstrauma reinwirft, dann aber auch sehr schnell mit dem Charakter am Ende ist) haben mir gut gefallen. Hm. Ich bin schon sehr gespannt auf die OneShot-Folgen dazu, die gerade erscheinen und würde das gerne nochmal versuchen, da es ja doch auch sehr coole und positive Aspekte hatte. Aber es ist ein bisschen mühsam reinzukommen und ich verstehe nicht so richtig den Sinn hinter der Herangehensweise.

Am Sonntag hat es dann noch für 2 Nanogames gereicht: Sprachlos von Christian, ein Spiel, in dem man sich spielerisch mit Diskussionskultur und Sprachbarrieren befasst (sehr cool!) und Vor der Schlacht, mein Nano-Game aus Roll Inclusive. Wir hatten eine grandiose Runde mit einem Haufen Dungeon-Monstern, die gegen eine generische Helden-(LARP-)Gruppe kämpften und der theaterspielende zweiköpfige Oger, der Gallertwürfel mit Dunkelangst und die technikaffine Mumie werden mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Es war sehr cool, mein Spiel so in Action zu sehen und ich bin sehr froh, dass auch diesmal, wie auch schon im Playtest, eine echt coole Story dabei raus kam.

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Mediengedöhns im Februar 2019

Der Februar ist um, Medien wurden konsumiert, you know the drill.

Gelesen

Leider kann ich noch nicht ganz abschließend über Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie schreiben, weil mir noch ungefähr 90 Seiten fehlen. Ich lese schon den ganzen Februar dran, das Buch hat 460 Seiten in so ungefähr Schriftgröße 9. Allerdings kann ich schon mal grob sagen: Bitte kaufen. Bitte lesen. Was für ein großartiges, augenöffnendes und wunderbar geschriebenes Buch.

Hier nun wieder eine bunte Auswahl an Artikeln:

Die Zeit schreibt über Gendermedizin. Das Thema macht mich echt sowas von wütend. Aber besser keinen Herzinfarkt kriegen vor Wut, sonst werde ich vermutlich mit ein paar Beruhigungsmitteln wieder nach Hause geschickt.

In der Süddeutschen gibt es einen Artikel über obdachlose Familien. Man bekommt keine bessere Laune durchs Lesen.

Und wenn man dann noch nicht deprimiert genug ist, kann man sich noch durchlesen, wie es den Leuten ergeht, die für Facebook gemeldete Inhalte durchsehen müssen. (englisch)

„Wenn der Mainstream fortschrittlicher ist als die, die besonders laut vorgeben, ihn zu bekämpfen, dann leben wir wirklich in besonderen Zeiten.“ Großartiger Artikel.

Schnell mal lieber was nettes und nerdiges:

Ein englischer Artikel über die Rolle der Zuschauer*innen bei Star Wars. Sehr spannend.

Und ein schöner Rollenspielartikel bei Donnerhaus über das Thema, wie man NSC lebendig wirken lässt.

Bei Bento gibt es einen großartigen Artikel über die Bullshitigkeit von Afrikareisen mit vorgefertigtem Ergebnis.

Ein wunderbarer Comic über Tone Policing. Und wenn ihr nicht wisst, was das ist: Im Artikel wird es erklärt.

Und zum Schluss noch zwei tolle Dinge auf Tor-Online:

Judith schreibt eine Reihe über Science Fiction von Frauen. Den Anfang macht ihre Vorstellung von N. K. Jemisin (deren Buch als nächstes auf meinem Stapel liegt).

Und hier ein tolles Interview mit Kathrin Dodenhoeft vom Feder und Schwert-Verlag über die großartige Idee, eine neue Reihe an Büchern mit feministischer SFF herauszubringen, die unter Wicked Queen laufen wird. Ich freu mich drauf!

Gesehen

Eher ungeplant angefangen, Russian Doll zu gucken. Eigentlich nur weil da Natasha Lyonne mitspielt, die ich bei Orange is the New Black schon großartig finde. Dann aber sehr schnell fasziniert gewesen von der Serie und die 8 Folgen in 2 Tagen weggeschaut. Russian Doll ist so eine Art Groundhog Day-Geschichte – die Hauptfigur Nadia erlebt ihren Geburtstag immer und immer wieder, weil sie nämlich dummerweise an diesem Abend oder am nächsten Tag stirbt und dann immer wieder zum selben Moment der Party zurückspringt. Da sie diesen Zustand natürlich gern ändern will, geht sie der Sache auf den Grund, stirbt dabei noch ein bisschen mehr, trifft skurrile Leute und muss ihre Vergangenheit aufarbeiten. Das klingt so zusammengefasst nicht besonders spannend, aber die Serie ist einfach toll erzählt, die Charaktere sind verschroben-liebenswert und es ist alles sehr New York, sehr komisch und sehr traurig und dabei sehr stylisch. Außerdem merkt man, dass Drehbuch und Regie von drei Frauen stammen. Insgesamt eine tolle Serie, ich kann sie nur empfehlen. Auch wenn man dann erstmal drei Wochen einen Ohrwurm von dem Lied hat, das auf der Party läuft. Hier übrigens noch ein sehr spannender Artikel über die männlichen Charaktere der Serie.

Dann war da die dritte Staffel von True Detecive. Nun ja. Staffel 1 fand ich ja grandios, Staffel 2 hat mir auch ganz gut gefallen, auch wenn der gefühlte Rest des Internets das anders so. Staffel 3 war dann aber irgendwie leider nicht mehr meins, auch wenn die beiden Hauptdarsteller schon sehr gute Schauspieler sind. Ich hatte durchgehend das Gefühl, dass erstens 50 % mehr Themen und Inhalte in den 8 Folgen stecken, als es ihnen gutgetan hat, und dass zweitens versucht werden sollte, wieder mehr so etwas wie die erste Staffel zu machen, damit wieder mehr Leute es gut finden. Das gipfelte dann in Folge 6 oder 7 in einer total plumpen Anspielung auf Staffel 1, die mich nur noch mit den Augen rollen ließ. Aber auch sonst war viel von der ersten Staffel wiederzufinden: Wieder zwei Polizisten, die als Partner unterwegs sind, wieder mehrere Zeitebenen, wieder ein Fall, der nochmal neu aufgerollt wird. Dazu kommen dann noch die schwierige Ehe des Hauptcharakters, seine Erinnerungsprobleme, irgendein Plot um seine Tochter, der angeteasert wird und sich dann in nichts auflöst, die Freundschaft seines Partners mit dem Vater des Mordopfers, ein Erzählstrang um ein Fernsehinterview mit dem Hauptcharakter, der am Ende auch so gar nix zur Gesamthandlung beiträgt, ein wenig am Rande das Thema Rassismus bei der Polizei … kein Wunder, dass der eigentliche Fall irgendwie zur Nebensache verkommt und am Ende in der letzten Folge in einem ungefähr 10-minütigen Monolog eines erst zu diesem Zeitpunkt aufgefundenen Zeugen aufgeklärt werden muss. Dass es nur einen nennenswerten weiblichen Charakter gab, nämlich die Ehefrau der Hauptperson, die dann aber vor allem herhalten musste, um zu zeigen, wie er so drauf ist, hat auch nicht wirklich geholfen. Zumal eine Staffel mit ihrer Geschichte (sie stellt selbst Nachforschungen an und schreiben ein Buch über den Fall) die sehr viel interessantere gewesen wäre. Puh. Also, nee. Das war wirklich keine gute Staffel. Ein paar nette Ideen und Bilder, gute Schauspieler, aber insgesamt wirklich enttäuschend.

Total begeistert hat mich dann wieder The Dragon Prince. Die zweite Staffel ließ ja zum Glück nur ein halbes Jahr auf sich warten. Und ach, wo soll ich anfangen, ich liebe die Serie einfach. Sie ist wunderschön und märchenhaft, trotzdem überraschend, unglaublich divers, hat tolle Musik und sieht einfach wunderschön aus. Ich möchte bitte Staffel 3 bis 80, jetzt. Und den Soundtrack.

Auch nach wie vor richtig cool: The Gifted. Leider in Deutschland bisher eher etwas untergegangen, da es nur bei Sky verfügbar war. Aktuell läuft es glaube ich irgendwo im Free TV. Also Staffel 1 … ach, ein Elend ist das mit den Serien, die nicht auf vernünftigen Streamingdiensten laufen. Jedenfalls: Auch Staffel 2 von The Gifted hat mir richtig gut gefallen. Matt Nix hat einfach ein Händchen für Drama, gutes Pacing und spannende Actionszenen. Und auch der Plot hatte echt so einige überraschende Wendungen zu bieten, außerdem hat die Serie immer tolle Musik-Outros, und gutaussehende Darsteller*innen und Liebesdrama und mal wieder eine absolute bad-ass-Rolle für Amy Acker.  Also wenn ihr Superheldenserien mögt – es lohnt sich reinzuschauen.

Und diesmal auch noch zwei kurze YouTube-Videos:

Eine Gesangslehrerin macht so Reaction Videos zu bestimmten Musikstücken, und zwar in diesem Video zu Ghost Love Score von Nightwish. Lustigerweise habe ich dadurch erst rausgefunden, dass Nightwish inzwischen tatsächlich mit Floor Jansen noch eine andere Sängerin hat, die sehr großartig ist. Und das Lied ist immer noch großartig.

Und dann noch ein kurzes Interview mit der Schauspielerin Selma Blair über ihre MS-Erkrankung. Sehr bewegend – und leider passend zum Artikel über Gendermedizin weiter oben.

Gehört

(Sehr oft Ghost Love Score. Und einmal auch beim Schreiben meine gesamte Nightwish-Sammlung von vorne bis hinten einmal durch.)

Neu in der Podcast-Liste: Voyage to the Stars, ein Impro-Comedy-Podcast in space. Aktuell hör ichs vor allem wegen Felicia Day, aber es ist schon auch sonst ganz cool gemacht.

Ebenfalls neu: A Horror Borealis, ein Actual Play zu Monster of the Week. Bisher auch ganz cool.

Gespielt

Zwei Abende DSA im Februar, immer noch Myranor, immer noch Im Netz der Spinne. Das ist immer noch spaßig und ich bin gespannt, wie das Abenteuer so ausgeht.

In einer über die 3W6-Community organisierten Online-Runde habe ich dann auch noch Swords without Master gespielt. Das ist ein … interessantes System, das ohne Werte auskommt und sich der Darstellung von conan’esker Sword and Sorcery verschrieben hat. Es wird zwar gewürfelt, aber hauptsächlich, um die Stimmung zu bestimmen, in der erzählt wird – mit noch ein paar Ausnahmen dazu, deren Details ich aber schon wieder vergessen habe. Man erstellt jedenfalls Charaktere aufgrund eines Eidolon, was ungefähr ALLES sein kann. Ein Bild, ein Gegenstand, ein Lied, ein Zitat … oder, in meinem Fall, ein Essen. Dann verpasst man diesen Charakteren noch ein paar ebenfalls mit Worten ausgedrückte Eigenschaften und Gegenstände und dann wird in verschiedenen Phasen gespielt und dabei die Geschichte und die Welt weiter ausgebaut sowie verschiedene interessante Aspekte und Mysterien die Story aufgeschrieben. Sobald man davon genug beisammen hat, geht es zum Finale, wo dann möglichst alle Fäden verknüpft werden. (Wenn ihr mehr zum Spiel wissen wollt, empfehle ich euch die schöne Folge des 3W6-Podcasts dazu.)

Für mich fühlt sich Swords without Master irgendwie fast weniger wie ein Spiel an, das man um seiner selbst Willen spielt, sondern ein wenig wie Rollenspiel-Bootcamp. Erschaffe einen Charakter aus irgendeinem Gegenstand! Benenne interessante Gegenstände! Stell gute Frage, um die Welt auszugestalten! Schreibe auf, was an der Geschichte interessant ist und führe die verschiedenen Fäden zusammen! Und dazu noch 50 Liegestütz! Okay, ist etwas übertrieben, und klingt negativer als ich es meine – denn ich finde solche Übungen eigentlich total super und sinnvoll, da man sich beim Spielen ja immer noch verbessern kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit Sword and Sorcery eher wenig am Hut habe, aber tatsächlich fand ich das Spiel vor allem eine gute Übung in verschiedensten Aspekten des Erzählens und Rollenspielens. Es war eine coole Runde und es kam auch eine interessante und gute Geschichte dabei heraus, von daher kann ich es eigentlich nur empfehlen, sich mal eine Session dieses Systems zu geben. Man kann es für wenig Geld hier kaufen.

Und dann habe ich sogar mal wieder geleitet (auch wenn ich das ja immer eher schrecklich finde), nämlich: Kids on Bikes. Thematisch lässt sich das ganz gut mit „das Rollenspiel zu Stranger Things“ zusammenfassen. Okay, eins der Rollenspiele, die in die Richtung gehen, es gibt ja z. B. auch noch Tales from the Loop, das ich aber noch nicht kenne. Jedenfalls hatte ich das wirklich ganz tolle Actual Play des OneShot-Podcasts dazu gehört und wusste dann: Das muss ich haben. Und spielen. So dringend, dass ich das sogar anbiete zu leiten.

Kids on Bikes erschien erst 2018 und das merkt man auf eine sehr positive Weise. Die Zeichnungen im Buch und die Beispiele sind divers, es werden Sicherheitsmechanismen vorgestellt und es finden sich sehr schöne Überlegungen zum Umgang mit dem Spielen von neurodiversen oder körperlich eingeschränkten Charakteren. Dafür also schon mal ein Pluspunkt. Das Spiel ist tatsächlich mal ein neueres Rollenspiel, das nicht das PbtA-System benutzt, sondern ein eigenes Regelsystem hat. Das gefällt mir sehr gut und man könnte es sogar auch für andere Settings adaptieren, wenn man mal ein sehr regelleichtes System sucht. Im Prinzip hat man nur 6 Fertigkeiten und würfelt mit einem Würfel drauf – je besser der Wert, desto höher der verwendete Würfel. Man hat also auf die schlechteste Fertigkeit einen W4 und auf die höchste einen W20 und damit würfelt man dann gegen eine Schwierigkeitsstufe an und je weiter man drüber oder drunter ist, desto besser oder schlechter ist das Ergebnis. Außerdem hat man so genannte Adversity Tokens (also in etwa: Unglückspunkte), die man erhält, wenn man eine Probe nicht schafft. Mit denen kann man seinen Wurf verbessern oder seine Stärken ausspielen, von denen jeder SC zwei hat. Beispielsweise kann man mit „gut vorbereitet“ für einen Punkt einen passenden Gegenstand im Rucksack haben, oder bekommt mit „trainiert in X“ einen Bonus auf eine Fertigkeit. Und das war auch schon fast alles – Charaktere können sich noch gegenseitig helfen und es gibt ein paar Sonderdinge für den Kampf, aber viel mehr ist da nicht an Regeln. Die Charaktere basieren alle auf einem Klischee und es gibt sie als Kinder, Teenager und Erwachsene. Wie es die meisten aktuellen Systeme so tun, werden auch hier die SC mittels einiger Fragen verknüpft. (Cool: Es gibt diese Fragerunden in 3 verschiedenen Intensitäten, von „wir wollen so schnell wie möglich losspielen“ bis zu „wir wollen gründliche ne Kampagne vorbereiten“.) Man sollte dabei, so hat unsere Runde ergeben, ruhig dafür sorgen, dass die SC sich zumindest teilweise schon sehr gut kennen und auch miteinander rumhängen, sonst kann es eine Weile dauern, bis alle miteinander im Spiel sind.

Sehr interessant ist auch der Umgang mit Personen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Die gibt es nämlich nicht als Spielercharaktere, sondern nur als NSC – und sie werden von der Gruppe gemeinsam gespielt. Tatsächlich habe ich das nicht so weit getrieben, wie das System es vorschlägt, das möchte nämlich, dass jede*r Mitspielende ein Charaktermerkmal des NSC ausdenkt und diese*n dann spielt, sobald dieses Merkmal im Mittelpunkt steht. Und das war mir irgendwie zu … seltsam, auch wenn ich das vielleicht nochmal irgendwann ausprobieren würde. In jedem Fall bestimmen die Spielenden aber, was für eine Art von Kräften der NSC besitzt und wann er diese einsetzt. Dazu gibt es auch Punkte, über die alle gemeinsam verfügen und die man ausgeben muss, wenn der NSC was Übernatürliches tun soll. Das finde ich einen sehr coolen Mechanismus, denn damit wird die übernatürlich begabte Person nie jemand, die den anderen die Show stiehlt, sondern kann einfach so eingesetzt werden, wie es alle am besten finden.

Ähnlich wie bei PbtA ist Kids on Bikes auch eher so angelegt, dass man spielt um herauszufinden, was passiert. Es gibt zwar auch einen Zusatzband mit Szenarien sowie einen kostenlosen Schnellstarter mit einer ausgearbeiteten Stadt, aber grundsätzlich ist vorgesehen, dass man die Zeit, in der man spielt (es müssen nicht die Achtziger sein) sowie die Kleinstadt, in der die Charaktere wohnen, gemeinsam erstellt. Dazu gibt es eine Reihe von Fragen, es empfiehlt sich auch durchaus, eine kleine Karte zu zeichnen. Dann steuert noch jede*r Mitspielende ein Gerücht bei, das es in der Stadt gibt. Und aus diesen Informationen baut man dann quasi das Abenteuer. Dabei ist aber auch durchaus vorgesehen und erwünscht, dass viel Input von den Spielenden kommt.

Die Runde war dann auch ganz cool – wir hatten lustige Locations und wilde Gerüchte, ich konnte sogar fast alle davon einbauen und es gab sogar ein recht klassisches Finale mit Endkampf um das seltsame Alienartefakt und so.

Ich würde das ja auch gerne mal spielen und nicht nur leiten, vielleicht ergibt sich noch mal eine Runde. Ich find Kids on Bikes jedenfalls ein wirklich cooles Gesamtpaket und ein wirklich gutes Beispiel für ein modernes, erzähllastiges Rollenspiel. Wer mal reingucken will, findet die Promo-Regeln inkl. spielfertigen Charakteren und einem ausgearbeiteten Setting mit Plothooks hier unter „Ashcan Rules“.

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Mediengedöhns im Januar 2019

Huch, da war der erste Monat des Jahres schon wieder vorbei. Also dann auf zu den konsumierten Medien!

Gelesen

Tatsächlich endlich das Buch beendet, das ich um Weihnachten rum angefangen hatte (und seitdem kein neues aufgeschlagen, weil Sträss. Grrr.) Gelesen hab ich Zoo City von Lauren Beukes. Es hat mir sehr gut gefallen – Urban Fantasy mit einem faszinierenden Setting, einer saucoolen Protagonistin und toller Sprache. Es ist fast ein bisschen schwer darüber zu schreiben, ohne etwas zu spoilern, weil der Roman seine Hintergrundwelt der Leserin erst ganz langsam offenbart, teils in der Geschichte selbst, teils in Einschüben wie fiktiven Drehbüchern, Filmreviews und Interviews. Ganz grob gesagt geht es darum, dass die Story zwar in unserer Welt spielt, allerdings aus nicht ganz klaren Gründen Personen, die Schuld auf sich geladen haben, kurz nach der Tat Gesellschaft von einem Tier bekommen, mit dem sie eine Art telepathische Verbindung haben. Von dem können sie sich auch aus Gründen (TM) nicht ohne weiteres trennen. Dafür bekommen sie aber übernatürliche Fähigkeiten. Diese Personen, meist Zoos oder Animalled genannt, sind in den meisten Ländern von der Gesellschaft ausgestoßen und leben unter sich, auch wenn sie hin und wieder wegen ihrer Fähigkeiten oder für ein „exotisches Flair“ auch mal von den besser gestellten Leuten angeheuert werden. In Johannesburg, wo die Geschichte spielt, heißt der Stadtteil der Zoos jedenfalls Zoo City (daher auch der Titel). Südafrika ist auch ein großartiger Schauplatz, zumal auch diverse (süd)afrikanische Mythen, Aberglauben usw. mit eingebracht werden, die in Verbindung mit den Tierbegleitern und den magischen Fähigkeiten stehen. (Wie gut das alles recherchiert ist, kann ich natürlich nicht sagen, aber die Autorin stammt aus Südafrika, von daher hoffe ich, dass das schon alles so passt).

Zinzi December jedenfalls, die Protagonistin, ist großartig. Ihr Tierbegleiter ist ein Faultier (Liebe!) und ihre Fähigkeit ist es, verschwundene Dinge zu finden, wie man schon auf den ersten Seiten erfährt. Zinzi ist verschlagen, sarkastisch, in einer seltsamen Beziehung zu einem verheirateten Mann und cleane Drogensüchtige. Sie hat Geldprobleme, ein zu großes Mundwerk und letztendlich auch ein zu gutes Herz. Kurz gesagt, ich liebe Zinzi! Aber auch der Rest des Buches ist sehr cool, von den wirren der Detektivgeschichte, in die Zinzi gerät, über die ebenfalls sehr originellen Nebencharaktere bis hin zu den Informationsschnipseln über die Animalled. Auch sprachlich fand ich den Roman super. „Morning has broken and there’s no picking up the pieces“ – wenn so eine Formulierung schon auf Seite 1 steht, dann weiß man, dass es gut weitergeht. Also große Empfehlung.

Kommen wir zu interessanten Artikeln im Januar:

Etwas zum Thema Fanfiction und den unterschiedlichen Bewertungen von Literatur von männlichen und weiblichen Autor*innen. Hier das englische Original, da die Übersetzung.

Und passend dazu ein Interview mit Simone Buchholz zum Deutschen Krimipreis und dem Herabschauen des Feuilletons auf Literatur von Frauen.

Und apropos Frauenstimmen: Warum sind eigentlich die Default-Settings von Alexa, Siri und Co immer weiblich?

Shut up and write – Chimamanda Ngozi Adichie schreibt über Kunst, Feminismus und die Frage, ob sie sich als „afrikanische Autorin“ bezeichnet (englisch).

I Was A Cable Guy. I Saw The Worst Of America. Großartige Geschichte mit irren Details (englisch).

Ein Interview mit der mir bis dahin unbekannten Viv Albertine, das allein schon ausreicht, um mich zum Fan zu machen.

Healing Alone, ein beeindruckender Comic über junge Ärzte und die Probleme der Medizin (englisch).

Yelp-Reviews und der bescheuerte Begriff der Authentizität. Nichts ist unpolitisch, nicht mal Restaurantbewertungen, haben das jetzt alle verinnerlicht? Prima. Weitermachen.

Und zum Schluss: Lasst uns mal über Zahlen reden – Comicautorin Carolin Reich schreibt über ihre Verdienste, fand ich sehr interessant. Außerdem hab ich dann angefangen ihren Webcomic Vom Anfang zu lesen und der ist auch klasse.

Geschaut

Mal wieder einen Film, nämlich Ex Machina. Ihr wisst schon, der andere Film, in dem Domhnall Gleeson hinter Oscaar Isaacs Droiden her ist. (Der Witz stammt von Tino, ich lache immer noch drüber, danke.) Äh, ja, und so kam ich auch drauf den zu gucken, als ich mich mit einer Bekannten darüber unterhielt, dass man eigentlich ja viel mehr Dinge mit Oscar Isaacs gucken müsste. Konsequenterweise haben wir uns dann gleich verabredet, um Ex Machina zu gucken (gibts für ein paar Euro auf Amazon Prime zu leihen). Und auch wenn der Grund vielleicht ein bisschen albern war: Guter Film. Die beiden männlichen Hauptdarsteller sind zum Glück so anders als ihre Star Wars-Charaktere und spielen ihre Rollen auch so gut, dass das höchstens kurz irritierend ist. Und Alicia Vikander in ihrer Rolle als Androidin Ava (warum heißen weibliche Droiden IMMER Ava oder Aida oder so?) war auch echt gut. Allerdings leidet der Film vielleicht ein bisschen darunter, dass er von 2015 ist und zwischendurch Westworld, Person of Interest und Agents of Shield das Thema KI, Androiden und Menschlichkeit doch sehr gut und facettenreich bearbeitet haben, will sagen: 2015 bei Kinostart wirkte der Film vermutlich noch innovativer und interessanter als Anfang 2019. Macht aber nichts, das Kammerspiel im Hightech-Haus des Androiden-Erfinders hat mir trotzdem gut gefallen.

Dann hab ich na-tür-lich Black Mirror – Bandersnatch geschaut. Gespielt? Keine Ahnung. Wem das nichts sagt, das ist eine interaktive Folge der britischen Serie Black Mirror, in der man als Zuschauerin selbst entscheiden kann, was die Hauptfigur tun soll. Ebenso wie in den alten Abenteuerspiele-Büchern aus den 80ern, und genau da setzt die Folge auch an, da es um einen Programmierer geht, der das Abenteuerbuch Bandersnatch als Computerspiel adaptieren will. Genauso wie im von ihm entwickelten Spiel hat die Spielerin/Zuschauerin 10 Sekunden Zeit, um zu entscheiden, was Protagonist Stefan jetzt zum Frühstück isst, welche Musik er hört – und ob er weiter am Spiel arbeitet, auch wenn es ihn sichtlich in den Irrsinn treibt. Dabei kann man die Entscheidungen auch nochmal revidieren, bestimmte Punkte führen wieder zum Anfang der Geschichte und irgendwann hat man dann ein Ende erspielt und der Abspann läuft – aber es hätte eben auch alles noch anders kommen können. Insgesamt gibt es wohl um die 5 Stunden Material, aus denen sich die Folge zusammensetzt, und 5 verschiedene Enden, wobei diese auch noch variieren können. Der Wiederguckwert ist jedenfalls groß, weil ich mich am Ende ja schon fragte, ob jetzt alles anders gekommen wäre, wenn Stefan am Anfang doch die anderen Cornflakes gegessen hätte.

Bandersnatch ist, soweit ich es mitbekommen habe, eher gemischt aufgenommen und von manchen Rezensent*innen auch regelrecht zerrissen worden. Ich kann das nicht so wirklich nachvollziehen. Ja, die Folge springt auf die 80-Jahre-Nostalgiewelle auf, und dass man davon vielleicht genug hat, kann ich abstrakt zwar nachvollziehen, andererseits war das aber eben auch die Zeit der Abenteuerbücher und ersten Rollen- und Computerspiele. Und ja, die Folge ist schon sehr, sehr meta auf allen Ebenen – nicht nur das Computerspiel, das so heißt wie das Buch, das so heißt wie die Folge, nicht nur der gleiche Entscheidungsmechanismus in fiktivem Spiel und realer Folge, nein, die Meta-Ebene scheint noch an weiteren Stellen durch, die ich jetzt aber nicht spoilern will. Ich mag ja sowas, ich liebe Meta-Humor und das Durchbrechen der vierten Wand, aber es hätte in der Tat nicht so überstrapaziert werden müssen. Andererseits verstehe ich irgendwie den Wunsch der Verantwortlichen, möglichst viel von dem zeigen zu wollen, was mit dem Format möglich ist, weil ja nicht feststeht, ob es noch eine weitere Folge dieser Art geben wird. Der weitere große Kritikpunkt, den ich gelesen habe, war, dass man zu oft zu den selben Ausgangspunkten zurückkommt und die verschiedenen Varianten der Story sich nicht so sehr unterscheiden. Da frage ich mich dann schon, was im Vorfeld die Erwartungen waren – wer schon mal ein Computerspiel mit ähnlichen Entscheidungsoptionen (z. B. die Dragon Age-Reihe) gespielt (oder in einem der älteren oder neueren Abenteuerspielbücher/Solo-Abenteuer) geblättert hat, sollte eigentlich wissen können, dass so ein Format begrenzte Möglichkeiten hat. 5 verschiedene Enden sind schon relativ viel, finde ich, zumal das Ganze ja auch recht aufwändig produziert ist. Beispielsweise sieht man während der 10 Sekunden Entscheidungszeit nie ein Standbild, sondern immer eine Szene, die weiterläuft, während der Charakter mit der Entscheidung ringt.

Letztendlich finde ich Bandersnatch zwar wirklich nicht perfekt, aber mich begeistert die Idee des Formats genug, um über die Schwächen in der konkreten Umsetzung hinwegzusehen. Neue Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen, finde ich immer gut, und Geschichten mit Einbindung der Zuschauer sogar noch besser. Klar, Bandersnatch hat erstens auf Nummer Sicher gesetzt und ist mit der Story kein großes Risiko eingegangen – 80er-Jahre-Setting, klassischer Protagonist, typische Tropes – und ist gleichzeitig ein bisschen sehr verliebt in seine eigene Meta-Ebene. Trotzdem fand ich es ein gelungenes Experiment, hätte durchaus Lust, nochmal von vorne anzufangen und hoffe, es kommen vielleicht noch weitere Formate, die in eine ähnliche Richtung gehen.

Und schlussendlich bin ich ja Rollenspielerin und freue mich über ein weiteres Medium, das man toll benutzen kann, um das eigene Lieblingshobby zu erklären. „Pen and Paper? Das ist so ähnlich wie Bandersnatch, aber du kannst alles machen.“ 😉

Kurz vor Weihnachten erschien die 2. Staffel von Marvels Runaways, die ich auch sehr schnell geschaut habe, da die erste Staffel mir sehr gut gefallen hat. Staffel 2 fand ich allerdings ein wenig mühsam. Ich mag die Charaktere zwar nach wie vor sehr gerne und es gab auch ein paar sehr coole Momente, aber irgendwie wusste die Staffel nicht so richtig, wo sie hinwill. Die Story eierte so hin und her, die Charaktere verkrachten sich ständig, um sich dann doch wieder zu versöhnen, das Pacing war teilweise arg seltsam … sehr schade, ich mag die Serie ja eigentlich gern. Vielleicht gibt es ja Staffel 3 und die wird wieder besser. Wenn nicht, wäre ich nach der jetzigen Staffel höchstens ein bisschen traurig um Niko, die einfach eine großartige Teen-Wicca-Gothix-Hexe ist.

Dann war da noch die 2. Staffel Broadchurch. Die war irgendwie auch wieder sehr spannend, auch wenn der Teil mit dem Gerichtsprozess halt … Fernseh-Gericht-Bla war und nicht schrecklich realistisch. Aber wenigstens wars britische Justiz, da kann man sich immer noch gegenseitig versichern, dass das da bestiiiiiimmt alles so läuft. Und ansonsten über die Perücken lachen. Äh, ja. Außerdem haben sie dann noch die 3 britischen Schauspieler, die nicht in Staffel 1 waren, für Staffel 2 auch noch gecastet – wobei James D’Arcy vermutlich während der Verhandlungen über die Rolle darauf bestanden hat, dass er nur mitspielt, wenn er in jedem einzelnen Shot unfassbar heiß aussehen darf *hust*.  Also das war schon ein erstaunliches Maß an Im-Muscleshirt-Holz-Hack-Szenen. Aber ich will mich nicht beschweren. Insgesamt weiß ich irgendwie auch nicht, wie die Serie es macht, dass man wie gebannt vorm Fernseher sitzt und wissen will, wie es weiter geht, wenn es doch „nur“ um das ganz normale Leben der Broadchurch-Bewohner und ein wenig Polizeiarbeit geht. Aber es gelingt irgendwie, ich hätte die 8 Folgen auch am Stück schauen können. Und dann noch die Landschaftsaufnahmen! Hach. Hm, sorry, fundierter wirds nicht mehr. Aber ich mochte auch diese Staffel.

Und dann, bleiben wir bei britischen Serien: Dann war da noch Sex Education. Mal wieder eine Serie, von deren Existenz ich überhaupt nix wusste, bevor nicht meine halbe Twittertimeline darüber redete. Und dann musste ich natürlich voll peer pressure-mäßig auch reingucken, weil hey, britische Serie und Highschoolsetting UND Gillian Anderson, wer kann dazu schon nein sagen? Dass die Serie britisch ist, sieht man dann auch gleich in der ersten Szene, wenn bei den zwei vögelnden Teenagern das Mädel oben ohne herumspringen darf. Macht aber nüscht, man bekam in dem Fall auch wirklich genug (halb)nackte Männer zu sehen. Es geht jedenfalls so im Großen und Ganzen um Otis, dessen Mutter Sextherapeutin ist und der im Lauf der ersten Folge von einer Mitschülerin dazu angestiftet wird, gegen Geld Sexberatung in der Schule anzubieten, weil er sehr viel über das Thema weiß und all die Teenager um ihn herum natürlich diverse Probleme und Fragen haben. Dass er selber von Sex so gar nix wissen will, kommt erschwerend hinzu.

Die Serie ist zwar teilweise ein wenig mit blöden Klischees beladen, aber andererseits doch so divers, erfrischend und offen, dass ich sie in ihren 8 Folgen echt ins Herz geschlossen habe und hoffe, dass es eine zweite Staffel gibt. Und es geht auch durchaus nicht nur ums Vögeln, sondern auch um Freundschaft, Eltern-Kind-Beziehungen, Schulprobleme, Mobbing usw. Aber wenn es um Beziehungsdinge geht, macht die Serie meiner Meinung nach sehr viel richtig und man sieht auch, dass sich die Welt in den letzten Jahren zum Glück doch weitergedreht hat. Es gibt kaum eine klassische Coming-Out-Story, sondern es geht um Probleme, die über das hinausgehen, beispielsweise gibt es ein lesbisches Pärchen, das schon bei Staffelbeginn zusammen ist, aber einfach keinen guten Sex zusammen hat. Es gibt ganz selbstverständlich homosexuelle und bisexuelle Charaktere, sowohl bei den Teenagern, als auch bei deren Eltern. (Vielleicht werden in Staffel 2 ja auch nochmal weitere Teile des LGBTIQ+-Spektrums beleuchtet, das wäre schön.) Es gibt auch keine einzige dämliche Typ-nötigt-Frau-zu-erstem-Sex-Geschichte. Und vor allem wird auch nie ein weiblicher Charakter irgendwie dafür in irgendeine blöde Ecke gestellt, dass sie gerne Sex hat. Dazu gibt es hier auch noch einen schönen Artikel in der Vogue (Achtung, bisschen spoilerig). Sex Education ist jedenfalls unterhaltsam, teilweise sehr lustig, teilweise sehr rührend oder traurig. Gillian Anderson ist natürlich fantastisch in ihrer Rolle, aber auch die anderen Schauspieler sind super. Bitte gerne noch viele Staffeln mehr davon!

Dann habe ich noch die vier Folgen Short Trek gesehen, also die Kurzepisoden zu Star Trek Discovery, die zwischen Staffel 1 und 2 ausgestrahlt wurden, auf dem deutschen Netflix aber erst zum Staffelbeginn von Staffel 2 verfügbar waren. Die waren auch alle nett bis sehr cool, wobei ich hier vor allem die Folge herausheben würde, die mit der Serienhandlung eigentlich gar nix zu tun hat: Calypso spielt zwar auf der Discovery, aber weit in der Zukunft. Es ist eine ganz wundervolle kleine Kurzgeschichte, die man auch gucken kann, ohne jemals eine Folge Star Trek gesehen zu haben. Tolles Ding. Die Short Treks findet ihr auf Netflix übrigens unter „Trailer und mehr“. Intuitiv, nicht wahr? :p

Gehört

An dieser Stelle möchte ich nochmal den relativ neuen Podcast Session Zero empfehlen. In den eher kurz gehaltenen, englischsprachigen Folgen sprechen 2 Psycholog*innen über Rollenspiel, Psychologie und welche Erkenntnisse z. B. aus Gruppentherapien auch auf die Rollenspielgruppe übertragbar sind. Das ist sehr interessant und behandelt z. B. auch solche Themen wie Gruppendynamik, implizierte Erwartungen an Spieler und SL und so weiter. Die Folgen haben auch immer nur so 20 Minuten und sind sehr gut so zwischendurch hörbar.

Gespielt

Weiter DSA, immer noch die Lamea-Kampagne, immer noch reisen die SC durch die Narkramar. Und immer noch gibt es dort noch mehr lustigen und skurrilen und überdimensionierten Kram zu finden (ja, DSA hat auch Dune-Riesenwürmer, man muss nur lange genug in diese Wüste reisen). Zwischendurch haben wir sogar mal ein Mini-Game aus dem Ultimate Charakter Backstory Guide eingeschoben, mit dem man ein irgendwie relevantes Gespräch am Lagerfeuer (oder ähnlichen Situation) ausspielen kann. Das war auch nett. Wir haben insgesamt den Narkramar-Teil noch ziemlich ausgebaut, weil wir alle nicht so richtig genug von dem Setting kriegen, und spielen daher aktuell noch Im Netz der Spinne. Mal sehen, wie lange uns das noch beschäftigen wird.

Außerdem ging es natürlich auch in City of Mist weiter. Wir haben nach dem „Weihnachtsspecial“ eine neuen Fall angefangen und bisher war das recht lustig – mit einer Misswahl, einem Haufen Whoo-Girls in der Bar und einer Liebesgeschichte, der wir hoffentlich zu einem Happy End verhelfen können. Außerdem hat mein SC jetzt aus Gründen das neue Powertag „Dress-up Enthusiast“. Mal sehen wie es weitergeht. Und wie viele NSC wir diesmal umbringen…

Außerdem haben wir letzten Freitag Juggernaut gespielt. Das ist ein spielleiterloses Freeform-Spiel von Jason Morningstar, das so ähnlich ist wie Winterhorn, für mich aber sehr viel bessr funktionierte als dieses. Man spielt eine Testkommission, die im Jahr 1950 Juggernaut testet, eine Art aus Dechiffriermaschinen hervorgegangenen Supercomputer, der die Zukunft vorhersagen kann. Juggernaut hat immer recht, daher müssen alle Ereignisse, die die gezogenen Spielkarten vorgeben und die am Tag des Tests stattfinden, auch im Spiel vorkommen und von den Spielenden eingebaut werden. Das hat nicht immer perfekt funktioniert, aber in den meisten Fällen schon und es war doch eine recht coole Session. Da es noch mehr Karten zur Auswahl gibt, kann man das auch nochmal spielen. Würde ich auch gerne. Außerdem habe ich es sehr gefeiert, dass Tim nicht nur das Spiel, sondern auch noch zum Setting passende Donuts mitgebracht hat. Und dass alle voll motiviert waren, sich eine Krawatte umzubinden. (Ich hatte zum ersten Mal eine um. Ist eigentlich ganz schick.)

Außerdem haben wir noch eins meiner Spiele für Roll Inclusive getestet, aber dazu dann vielleicht mal mehr, wenn der Band erschienen ist.

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Mediengedöhns im Juli 2018

Gefühlt habe ich gerade erst das letzte Mediengedöhns verfasst, aber da ist der Juli schon wieder so vorbeigeflufft. Also schon wieder Zeit für den nächsten Artikel.

Gelesen

Nix wirklich gelesen. Eine weitere Kurzgeschichte aus A Certain Point of View, die ersten vier Kapitel des dritten Age of Steam-Bands von Devon Monk (Toll – jetzt hab ich beim Nachschlagen des Titels der Reihe festgestellt, dass diese auf 7 Bände ausgelegt war, aber nach 3 Bänden kein weiterer erschienen ist. Toll. Nun weiß ich gar nicht, ob ich das Buch noch zu Ende lesen mag … vermutlich schon, weil es doch ziemlich gut anfing, aber … whyyy? Muss man denn immer erst warten, bis eine Reihe komplett erschienen ist? *seufz*). Ansonsten gefühlte 700 Artikel zum Thema Rollenspiel und Gleichberechtigung und Diversität und so. Kommen demnächst auch noch als Link unter der nächsten Podcastfolge.

Filme und Serien

Ich war im Kino und habe Herr der Ringe gesehen – alle drei Filme im Original in der Special Extended Edition, von 10 Uhr morgens bis kurz vor Mitternacht. Warum? Weil mein Stammkino das anbot, ich die Filme immer noch liebe und ich zum Glück Leute kenne, die irre genug sind, mit mir einen gesamten Sonntag im Kino zu verbringen. Das war sehr nett (und ich danach sehr platt).

Im selben Kino am letzten Sonntag gesehen: Antman and the Wasp. Antman fand ich ja schon überraschend unterhaltsam und die Fortsetzung hat mir auch gefallen. Vor allem ragt er für mich dadurch heraus, dass es gelingt, eine spannende Geschichte zu erzählen, ohne einen klassischen Comicbook Villain als Gegner einzuführen. Bis auf einen geprellten Gangster, der den Helden das Leben schwermacht, gibt es eigentlich keinen Antagonisten, nur Personen mit verschiedenen Problemen, Motivationen und Bedürfnissen. Das ist mal eine wohltuende Abwechlsung und kommt auch ziemlich gut – welcher Bösewicht hätte sich auch nach Infinity War mit Thanos messen können? Und die Dynamik zwischen Scott, Hope und Hank reicht auch fast schon aus, um den Film zu tragen, aber es gibt ja auch noch weitere tolle Nebenfiguren wie Luis und Ghost und Cassie. Tatsächlich mal eine sehr coole Kinderrolle. Aber die coolste Person im Film ist auf jeden Fall Hope! Was für eine großartige, kompetente, gelassene, arschcoole Superheldin! Bitte mehr davon. Ansonsten arbeitet der Film wieder sehr schön mit den Schrumpf- und Vergrößerungstechniken und ist optisch auf jeden Fall sehr cool. Auch der Ghost-Effekt sieht klasse aus. Es gab auch wieder etliche gute Lacher, und diesmal zum Glück nicht ganz so viele, die auf „Scott Lang ist ein sozialer Trampel“ basierten. So. Also ein weiterer gelungener Film und ich möchte jetzt bitte eine Fortsetzung mit vor allem den drei weiblichen Charakteren, um das mal spoilerfrei auszudrücken. Achja: Die Post-Credit-Szene hat mich total kalt überrascht, obwohl sie im Nachhinein eigentlich zu erwarten war. Aber boah ey!

(Und jetzt müssen wir alle bis nächsten März ohne MCU-Filme klarkommen. Krasser Shit! Immerhin kommt im Herbst ja noch der animierte Spiderverse-Film, den will ich auf jeden Fall auch sehen.)

Serien gabs auch. Nämlich estmal die 2. Staffel GLOW. Ich schwöre, ich wollte sie mir einteilen und nicht so schnell gucken, aber meine Fresse, diese Serie saugt einen ja geradezu ein. Wir haben die 10 Folgen sehr schnell durchgesuchtet. Und hach, die Serie ist immer noch SO toll. Die Charaktere! Die Kostüme! Die Musik! Und diese ganzen unglaublich tollen und differenzierten zwischenmenschlichen Momente, die genauso viel Platz haben wie Komik und Wrestling-Moves. Ach, so schön. Guckt das, alle.

Und guckt auch alle Avatar – The Last Airbender! Da hab ich jetzt die zweite Staffel beendet und ich sitze eigentlich immer noch nach jeder Folge mit offenem Mund da und murmel „diese Serie ist SO GUT“ vor mich hin. Alles ist so gut! Die Charaktere, die Story, die Musik, selbst die Gags, die manchmal schon eher auf jüngeres Publikum ausgelegt sind, finde ich fast immer richtig lustig. Und gleichzeitig ist alles so tragisch und ich will doch nur, dass die alle glücklich sind, ey! Außerdem möchte ich Katara heiraten. Mehrfach pro Staffel. Ach was, pro Folge. Hach. Und jetzt nur noch eine Staffel – noooo! So ein Mist. Ich glaube, die Serie werd ich auf jeden Fall nicht nur einmal gucken.

Dann noch die zweite Staffel Brooklyn 99 gesehen, das ist weiterhin schräg und lustig und hat liebenswert-chaotische Charaktere. Auch eine schöne Serie. Macht mir aber weniger GEFÜHLE als die anderen. Aber das muss ja auch mal sein, dass man einfach mal was gucken kann, ohne danach irgendwo was in Capslock hinschreiben zu müssen.

Gespielt

Beim DSA jetzt endlich wieder bei der Fortsetzung der Lamea-Kampagne angekommen. Nachdem vom letzten zum aktuellen Abenteuer ein Zeitsprung von 4 Monaten stattfand, haben wir diesmal versucht, das Ganze etwas experimenteller anzugehen, indem wir in der Gruppe ca. 15 Sachen festgelegt haben, die sich auf dem Schiff geändert haben und dann in Flashbacks erzählt haben, wie es dazu kam. Das klingt jetzt cooler als es in der Umsetzung lief, irgendwie dauerte es dann doch 3 Abende statt einen und wurde zu klassisch ausgespielt, aber naja. War trotzdem ein guter Versuch, vielleicht klappt es das nächste Mal ja noch etwas flüssiger. Inzwischen sind wir nun auch schon mitten im nächsten Abenteuer und machen gerade irgendwie zum dritten Mal innerhalb gar nicht so langer  Zeit den „wir müssen in der Arena kämpfen, um unser Ziel zu erreichen!“-Plot. In inzwischen der dritten verschiedenen Gruppe. Lustig. Naja, das Trope kommt halt nicht von ungefähr.

Per Hangout gespielt: Den ersten von zwei Terminen Monster of the Week, einem weiteren PbtA-Systemen, das stark an Serien wie Buffy oder Supernatural angelehnt ist. Wir hatten uns eine lustige Kombination aus Mensch mit übernatürlichen Kräften, Dämon und Engel gebastelt und waren auch fast zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um schon großartig in der Aufklärung eines mysteriösen Todesfalls bei einem Rockkonzert voranzukommen. Nächste Woche gibts das Finale, dann vielleicht nochmal mehr dazu.

Im Würfel und Zucker habe ich Anfang Juli eine Runde DREAD gespielt, bekannt vermutlich vor allem unter „Das Rollenspiel mit dem Jenga-Turm“. Die Runde hatte sich auf der NordCon sehr spontan ergeben, als wir bei der Abschlussveranstaltung im Publikum saßen. Es war dann eine sehr nette und coole Runde, wir haben das SciFi-Szenario aus dem Grundbuch gespielt und es war schon krass, wie sehr sich die Anspannung im Raum gehalten und gesteigert hat, wenn man wieder Steine aus dem wackelnden Turm prökeln musste. Tatsächlich haben wir da eher konserativ agiert und gar nicht so viel gezogen, sondern viele Sachen auch so hingenommen, weil sie auch cool und spannend waren, zumal unser SL auch noch so geheime Handouts zum Verteilen vorbereitet hatte. Und auch die Charaktererschaffung mit dem Fragebogen fand ich wirklich sehr cool. Würde ich gerne nochmal spielen.

Ebenso cool fand ich Society of Dreamers, davon hab ich aber ja schon im letzten Blogeintrag geschrieben. Ein weiteres tolles Erzählspiel, was komplett ohne Würfel oder sonstige  Zufallsmechanismen auskommt (das Oujia-Bord dient ja auch nur als Anregung). Das würde ich auch total gerne nochmal spielen um zu schauen, wie sehr sich die Runden so unterscheiden.

So. Alles etwas kurz gehalten heute, die Hitze, ihr versteht.

Im August gibt es übrigens wieder die Blogaktion RPGaDay mit 31 rollenspielbezogenen Fragen. Ich überlege, ob ich die wieder gesammelt einmal die Woche beantworte oder ob ich die Aktion zum Anlass nehme, mal zu versuchen, hier mal wieder sowas wie tagebuchbloggen zu etablieren und jeden Tag was zu schreiben. Ich bin da noch unentschlossen, es ist ja auch eigentlich zu heiß für jede Art von Entscheidungsfindung, außerdem hab ich eigentlich doch gar keine Zeit … aber vielleicht mach ich es trotzdem. Stay tuned.

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Mediengedöhns im Mai und Juni 2018

Tja. Wer das Bloggen lange vernachlässigt, hat einen riesigen Berg Mediendinge abzutragen. Aber ich möchte ja dann doch wieder aufs Laufende kommen, also denn.

Bücher

Nachdem ich Claudia Grays Star Wars- Roman alle drei so wunderbar fand, wollte ich dann auch mal was anderes von ihr lesen und habe mir A Thousand Pieces of You gekauft. Das ist der erste Band einer Young-Adult-Trilogie (Firebird-Trilogie, auf Deutsch scheint es die noch nicht zu geben). Die Hauptfigur ist sehr YA-typisch eine junge Frau namens Marguerite Caine, deren Eltern eine Möglichkeit gefunden haben, mittels eines Artefakts zwischen verschiedenen Paralleldimensionen hin- und herzureisen. Kurz nach der bahnbrechenden Entdeckung stirbt aber ihr Vater bei einem verdächtig wirkenden Autounfall und sie bricht auf, um seinen Tod zu rächen. Blöderweise hat sich der Assistent ihres Vaters, den sie hinter dem Mord vermutet, schon in die nächste Parallelwelt verzogen und sie muss also hinterher. Daraus entspinnt sich dann eine Geschichte mit etlichen Verwicklungen und Wendungen, die mehrere Parallelwelten vorstellt. Ich habe irgendwie ein bisschen meine Probleme mit dem Buch gehabt, denn einerseits las es sich wirklich gut weg und war spannend und die Protagonistin war auch durchaus recht sympathisch. Andererseits gab es auch so mehrere Punkte, die mich genervt haben. Erstmal ist Marguerite natürlich die einzige in der Familie, die keine brillante Wissenschaftlerin ist, sondern eine ebenso brillante Künstlerin. Okay, ich geb zu, müsste ich ein Buch schreiben, das sich mit Dimensionsreisen beschäftigt, würde ich auch zusehen, dass mein POV-Charakter nicht zu viel von Physik versteht. Aber so ein bisschen blöd wars halt schon, Mädchen können kein Physik und so. Wobei das auch wieder relativiert wird, denn es gibt noch eine ältere Schwester, die immerhin Meeresbiologin ist. Und die Wissenschaftlereltern sind auch trotzdem eher so hippieske Spinner (ich hab sie mir immer so vorgestellt wie die Hippie-Eltern von Gertrude aus Marvels Runaways) und sehr herzlich und nicht unnahbar abgehoben oder so. Also gemischte Gefühle bei diesem Teil des Buches. Und dann kam sehr schnell und sehr unerwartet ein wildes Love Triangle angesprungen, das mich fürchterlich irritiert hat. Vielleicht, weil ich dachte „ächt jetzt, 10 Jahre nach Twilight ist das immer noch ein Ding??“ und vielleicht auch, weil Claudia Gray solche lovetriangelesken Dinge in ihren SW-Romanen einfach komplett unterlassen hat. Ist jetzt auch nicht so, dass ich für diese Art von romantisch-dramatischen Verwicklungen total unempfänglich wäre, wenns denn gut gemacht ist, aber irgendwie hat es mich hier genervt. Weil die Protagonistin einfach SEHR viel drüber nachdenkt, welchem der beiden Männers sie denn jetzt vertrauen kann und welchem nicht und wen sie lieber mag und bei welcher Gelegenheit sich wessen Hände berührt haben, statt über den sehr viel spannenderen Kram mit Dimensionsreisen und bösen Wissenschaftlern und so. Also das war so ein bisschen nervig, dafür waren dann die Romance-Szenen schon wirklich sehr schön geschrieben und generell, wie auch schon bei Lost Stars oder dem Leia YA-Roman: Claudia Gray schafft es total gut, einen mitfühlen und mitleiden zu lassen. Und Marguerite ist halt schon auch kein Mäuschen, das so durch die Story stolpert, sondern schon cool und clever und mitfühlend und selbstbewusst. Das hat mir dann doch wieder gefallen und am Ende gibt es in der Story auch noch zwei schöne und gut vorbereitete Twists. Tatsächlich hab ich mir Band 2 noch nicht bestellt, also so ganz dringend will ich es nicht weiterlesen (Band 1 ist aber auch zum Glück einigermaßen abgeschlossen), aber irgendwann bestimmt. Also wer eine nette und mitreißende YA-Geschichte haben will und ein Love Triangle nicht ganz furchtbar findet, kann da gut zugreifen. Wer Hard SciFi über Dimensionsreisen will …. eher nicht.

Im Urlaub am Pool und am Strand verschlungen: Die letzten Wächter, den sechsten und nun wohl wirklich letzten Teil der Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko. Irgendwie kam da ja immer noch ein Teil und noch einer und noch wieder einer, nachdem ich dachte, es sei eine Trilogie. Aber obwohl es mittlerweile wohl ein Spin-off mit neuen Charakteren gibt, ist Band 6 jetzt wirklich der letzte dieser Geschichte. Ich mag ja die Reihe wegen ihres coolen und ungewöhnlichen Magiesystems, der ganzen Magierbürokratie und ihrem unverkennbaren russischen Einschlag. Ob das Bild, das Lukianenko von Moskau zeichnet, jetzt realistisch ist, weiß ich nicht, aber es wird einfach immer wieder sehr deutlich, dass die Story nicht in einer austauschbaren amerikanischen Metropole spielt, sondern in Russland. Anton Gorodezki ist als Protagonist zwar manchmal etwas anstrengend, aber ich glaube, das soll so sein – und irgendwie macht es auch immer wieder Spaß, seinen manchmal etwas altmodischen und verqueren Gedankengängen zu folgen. Spannend ist das Buch auch allemal, denn es gibt eine wüste Prophezeiung, das drohende Ende der Welt, überraschende Enthüllungen und die Wiederkehr so manches alten Charakters aus Band 1-5. Und das Ende fand ich auch gelungen – eine schöne Kulmination aller Bücher, nicht zu happy, nicht zu tragisch. Jetzt, wo mal klar ist, dass es sich hier nicht um eine Reihe ohne Abschluss handelt, würde ich sie definitiv empfehlen, wenn man Urban Fantasy mag und mal was anderes an kulturellem Hintergrund haben will.

Sehr viel weniger leichte Urlaubslektüre: Human Acts von Han Kang. Ein unglaubliches Buch über ein finsteres Kapitel in der Geschichte Südkoreas, über das ich noch rein gar nichts wusste. Es lohnt sich, das Vorwort der Übersetzerin ins Englische zu lesen, das nochmal sehr viel zu den Hintergründen der Geschichte erklärt. Es geht jedenfalls um die Studenten- und Arbeiterdemonstrationen in der Provinz Gwangju im Jahr 1980, die vom damals herrschenden Militärregime auf grausamste Weise niedergeschlagen wurden. Ausgangspunkt ist eine Gruppe Studenten und Schüler, die in diesem Chaos versuchen Gutes zu tun und die Leichen der Getöteten aufbahren, damit ihre Familien sie identifzieren können. Damit geht die Geschichte los, und dann zieht sie sich durch die Jahre und Jahrzehnte und folgt immer wieder dieser Handvoll Menschen, bis in die Gegenwart des Buches und bis hin zur Autorin selbst, die als Ausklang erzählt, wie sie auf die Geschichte des Schülers Dong Ho aufmerksam wird und anfängt Spuren zu suchen. Wie schon The Vegetarian ist das Buch teilweise poetisch, teilweise unfassbar brutal, allerdings Human Acts noch wesentlich politischer. Der Roman hat nicht ganz 250 Seiten, und es lohnt sich, sie zu lesen, wenn man nicht allzu zart besaitet ist, denn Schilderungen von Folter und Gefängnissen kommen durchaus vor. Aber es lohnt sich sehr. Nicht nur, weil man als Mitteleuropäer jetzt eher wenig über Südkorea und seine Geschichte weiß, sondern auch, weil der Schreibstil wirklich wunderschön und poetisch und gelungen ist. Allein die Erzählperspektiven sind absolut faszinierend. Große Empfehlung. Auf Deutsch heißt das Buch übrigens Menschenwerk.

Hinterher dann noch was Leichtes: Besieged von Kevin Hearne, eine Sammlung von Kurzgeschichten im Iron Druid-Universum. Der Band ist teilweise so ein bisschen Buch 8.5 der neunteiligen Reihe und enthält sowohl Verbindungselemente zum letzten Band (den ich noch lesen muss) als auch ein paar Geschichten aus der Vergangenheit der etwas langlebigeren Protagonisten. Die Geschichten haben mir alle gut gefallen, sehr süß ist zum Beispiel die um eine Unterrichtseinheit für Druidenschüler. Es war schön, mal wieder in die Welt einzutauchen und ich bin mal sehr gespannt auf den letzten Band. Reichlich lustige Momente hatte das Buch natürlich auch. Achja, und so auf Meta-Ebene ist meine persönliche Lieblingsgeschichte glaub ich schon die, in der ein Charakter durch den Besuch eines BDSM-Clubs lernt, was Konsens in Beziehungen eigentlich ist und erkennt, dass es in seiner nicht wirklich welchen gibt und Konsequenzen zieht. Das war großartig.

Filme und Serien

Dreimal im Kino gewesen, davon zweimal zu Solo – A Star Wars Story. Man sieht also, ich fand ihn nicht völlig schlecht. Allerdings auch nicht so richtig toll. Wie Kat Kuhl in meinem Lieblings-StarWars-Podcast so schön sagt: „The parts that didn’t suck were really fun.“ Sprich, ich habe einige Sachen sehr abgefeiert und mich über andere sehr geärgert. Geärgert halt über die Tatsache, dass vorher ganz groß angekündigt wurde, dass es endlich mal eine schwarze Frau in einer Hauptrolle UND eine weibliche Droidin mit Freiheitsbestreben geben wird – und dann wurden beide Charaktere so blöd und lieblos behandelt, damit es mehr Screentime für Woody Harelson und Paul Bettany geben konnte. Wo-hoo. Bevor ich da jetzt weiter aushole – lest einfach Judiths Artikel dazu auf Tor-Online, da steht quasi alles drin, was ich auch sagen würde. Allerdings hatte der Film schon auch positive Seiten, ich mochte Qi’ra als Femme Fatale, die auch eher zwielichtig und moralisch flexibel sein darf, ohne dafür abgestraft zu werden. Ich mochte auch vor allem, wie sehr sie alle möglichen Dinge aus dem Kanon eingebunden haben, vor allem natürlich, ich wills immer noch nicht spoilern, DIE Szene am Ende. Da bin ich im Kino schon so ein bisschen ausgeflippt. Aber auch die Erwähnung von Bossk und Aurra Sing und der Ghost-Schiffklasse … das war schon sehr schön. Tatsächlich hatte ich von Solo sogar noch weniger erwartet, weil die Produktionsgeschichte ja nun schon sehr …. bewegt war. Ich war dann positiv überrascht, dass trotz allem ein kohärent erzählter Film dabei rausgekommen ist. Alden Ehrenreich fand ich im Trailer ja furchtbar, im Film selber dann aber durchaus in Ordnung. Und Donald Glover als Lando war SO gut. Der hätte noch viel mehr Screentime haben dürfen. Insgesamt schon ein okayer Star War, auf meiner persönlichen Skala irgendwo oberhalb der Prequels und unterhalb vom Rest. Und wann kommt jetzt eigentlich Enfys Nest: A Star Wars Story?

Dann war ich noch in Oceans 8, da haben wir ja übrigens auch im Podcast drüber geredet, falls euch Rollenspiel nicht so interessiert, Filmgelaber aber schon. 😉 Ab Minute 24 ungefähr. Aber hier auch nochmal: Nettes Popcornkino, wunderschönste Cate Blanchett, viele coole Frauen, die sehr professionell und kameradschaftlich zusammenarbeiten, nette Musik, schöne Kostüme. Konnte man gut gucken, aber letztendlich kein Film, den ich jetzt 5 x anschauen würde. (Längere Ausführungen zum Thema Genderswapped Remakes und so spare ich mir jetzt mal, ich hab da neulich nämlich was Längeres zu verfasst und das erscheint die Tage auch, und dann kann ich das einfach verlinken. So.)

Kommen wir zu den Serien:

Die 5. Staffel Agents of Shield ist inzwischen ja auch schon länger durch. Puh, und zum ersten Mal dachte ich beim Staffelfinale mehr so „hmja“ als „OMG toll“, was aber vor allem daran liegt, dass a) den Serienmachern keine Info zum Ausgang von Infinity War gegeben wurde und sie so auch nichts entsprechendes einbauen konnten und b) den Serienmachern auch nicht gesagt wurde, ob sie noch ne Staffel kriegen, so dass das Finale so konzipiert wurde, dass es als Serienende funktionieren würde, aber nicht zwangsläufig muss und das war dann irgendwie so ein Mittelding und für keine von beiden Optionen so riiiichtig gut. Aber das betrifft eigentlich nur die letzten 1-2 Folgen, den Rest der Staffel fand ich wieder sehr gut! Vor allem die erste Hälfte, die war fantastisch. Lucasfilm hat ja eine live action Star Wars-Serie angekündigt und in der ersten Hälfte dieser AoS-Staffel war ich gar nicht sicher, ob ich nicht vielleicht gerade diese Serie schon sehe. 😉 Wilde Dinge! In space! Und wieder so viele coole Charaktermomente und -entwicklung und alles. Und die zweite Hälfte dann, mit diesem Zeitreise-Prophezeiungs-Kram, die war schon auch toll, auch wenn ich die ganze Zeit gehofft hab, es kommt noch so ein „we have to go back“-Moment, wo sie merken, dass wieder alles auf die falsche Version der Zukunft hinausläuft und dann so eine coole Montagen-Folge mit ganz vielen Zeitschleifen-Durchläufen kommt. War leider nicht so, aber trotzdem wurde das Thema schon halbwegs gut und ohne allzu große Widersrprüche (die mir aufgefallen wären) behandelt. Insgesamt liebe ich die Serie einfach immer noch unglaublich sehr und ich freue mich, dass sie wenigstens noch 13 Folgen bekommen haben. Und da das dann schon nach „letzte Staffel“ klingt, machen sie hoffentlich noch was richtig cooles draus.

Mehr Marvel: Die zweite Staffel von Luke Cage ist ja auch draußen und ich hab sie ziemlich schnell durchgesuchtet. Und holy shit! Was für eine Staffel. Ich war wirklich total geflasht. Die erste Staffel fand ich ja schon nach einem mühsamen Anfang total gut, und die 2. Staffel baut total darauf auf und nutzt aus, dass schon so viele Figuren eingeführt und etabliert wurden. Man sollte übrigens Defenders schon vorher geschaut haben, glaube ich, denn auch darauf baut die Staffel doch sehr auf. Sehr cool fand ich die jamaikanisch-stämmigen Gang-Mitglieder als neue Gegenspieler, schon allein wegen ihres Dialekts. Aber auch darüber hinaus ist die Geschichte, die sich mit ihnen entwickelt, sehr gut. Tatsächlich dreht sich unglaublich viel in der Staffel gar nicht so sehr um Luke, sondern um Mariah Dillard, äh, Stokes, äh, Dillard und ihre Geschichte und Familie und die Geschichte des Clubs Harlem’s Paradise, der auch wieder DER zentrale Ort der Serie ist. Dort wird auch sehr viel Platz eingeräumt, um Musik von unterschiedlichsten Künstlern zu präsentieren, weit mehr als das in anderen Serien so üblich ist. Fand ich aber großartig, zumal viele der Songs auch richtig gut sind und ich sie sonst vermutlich nie gehört hätte. Die Schauspieler sind auch wieder durch die Bank richtig großartig, und auch Figuren, die in Staffle 1 etwas zu kurz kamen (Shades!) werden jetzt richtig interessant. Crossovers zu den anderen Serien gibt es reichlich, unter anderem eine ganze Folge mit Danny Rand, in der ich ihn erstmalig nicht nervig fand. Das macht vage Hoffnung für die zweite Staffel Iron Fist … . Ja, und dann war da noch die letzte Folge, die mich echt ziemlich sprachlos zurückgelassen hat. 12 Folgen lang wird ein Konflikt aufgebaut und eskaliert und beendet und dann kommen die Folgen davon und DANN kommt ein doch sehr unerwarteter Twist, der mich extrem gespannt auf Staffel 3 macht. Insgesamt alle Daumen hoch – eine meiner liebsten MCU-Netflix-Staffeln bisher.

Dann, endlich auf Netflix und deshalb auch endlich mal angefangen, weil vorher gar nicht wirklich außer „die eine Animationsserie, an der Filoni vor Star Wars gearbeitet hat“ registriert: Avatar – The Last Airbender. Alter! Wo war diese Serie all mein Leben? Bzw. wo war ich all mein Leben, statt diese Serie zu gucken? Was für eine großartige Fantasy-Serie, was für tolle Charaktere, war für Worldbuilding und Storytelling und aaaaaah! Ich bin Star Wars Rebels und Clone Wars sehr dankbar dafür, dass ich nicht mehr automatisch „was für Kinder“ denke, wenn ich animierte Serien sehe, sonst wäre mir das entgangen. Ich könnte die ganze Serie auch schon locker durch haben, aber ich teile sie mir gerade ein bisschen ein, weil sie ist so gut und es gibt nur 3 Staffeln. Aber hach. Ich liebe sie alle so sehr. Und Katara ein bisschen mehr. *fangirlt hemmungslos herum* Die erste Staffel war jedenfalls verdammt großes Kino und das Finale unglaublich gut. Und die ganzen coolen Nebencharaktere und Schauplätze und überhaupt. Meine Fresse. (Und man kann irgendwie immer sehr gut sagen, welche Folge jetzt von Filoni ist. Das war schon lustig. „Guck mal, ein riesiger Wolf – I see what you did there, Dave!“) Äh, ja. Jedenfalls neue große Serienliebe, demnächst dann noch mehr dazu, wenn ich durch bin.

Vor langer Zeit mal angefangen, dann mehr so mittelgut gefunden und nun nach dem Schrei des Internets, die Serie dürfte nicht sterben, doch mal weitergeschaut: Brooklyn 99. Und ja, ich muss sagen, inzwischen ist die mir schon ans Herz gewachsen. Skurrile und doch liebenswerte Charaktere, viele wirklich sehr lustige Momente, aber zwischendurch auch immer wieder schöne zwischenmenschliche Dinge. Und Captain Holt ist ja wohl eine absolute Ikone. Guck ich auch weiter, bin schon in Staffel 2 angekommen.

Und zum Schluss war da noch die zweite Staffel von Westworld. Da könnte man jetzt sehr viel drüber schreiben, aber das hier wird auch so schon wieder länger und länger. Tatsächlich fand ich die Staffel in den ersten Folgen nicht so gut wie die erste, einfach weil so ein bisschen diese Faszination fehlte, nachdem man jetzt ja schon mit dem Konzept Park-Westerndinge-Hosts und so vertraut war. Außerdem waren gerade in der Dolores-Plotline in der ersten Hälfte der Folge ein paar irgendwie doofe und mMn überflüssige Elemente drin. Aber während ich diesen Teil der Handlung mehr so naja fand, kamen dann vor allem in Maeves Geschichte so großartige Elemente und Ideen, dass die Serie sich auf jeden Fall auch weiterhin ihren Platz unter den hochqualitativen Fernsehserien sichern kann. Und dann kam Kiksuya, die achte Folge. WAS. FÜR. EIN. MEISTERWERK. Allein für diese Folge werde ich die Serie glaub ich für immer toll finden, egal wo sie noch hinläuft. Und danach kam ja noch das Finale, was durchaus wieder ein paar Überraschungen bereithielt. (Übrigens kann ich all die Leute nicht nachvollziehen, die sich in den sozialen Medien gegenseitig versichern, dass sie alle die Serie seit 2 Staffeln gucken und nicht wissen, was eigentlich passiert. Ich meine, die Erzählstruktur ist nicht linear und ein paar Sachen sind etwas verwirrend am Anfang, aber am Ende von Staffel 2 war doch eigentlich alles aufgeklärt und nachvollziehbar – bis auf die Sachen, die für Staffel 3 bewusst offengelassen wurden. Nun ja.) Und generell natürlich wieder einfach toll anzusehendes Fernsehen – gute Darsteller, großartige Kulissen und Kostüme und die Musik von Ramin Djawadi ist weiterhin herausragend. Ich freu mich auf Staffel 3.

Gespielt

Gespielt wurde auch. So einiges. Ich sag ja, die letzten 2 Monate hatten es in sich.

Also, beim DSA haben wir Tag der Jagd gespielt, ein schon etwas älteres Abenteuer im Kosch, aus der Stromschnellen-Anthologie. Das einzige mir bekannte Abenteuer mit der eigenen Kategorie „Humor“. Und es war dann auch sehr ulkig, zumal wir es in einer eh schon recht comedy-lastigen SC-Konstellation gespielt haben. Gegen Ende hatte es ein paar komödiantische Schlenker zu viel, aber insgesamt ein großartiges Abenteuer. Das mir vermutlich immer als „Das Abenteuer, bei dem wir so viel Wurst aßen“ in Erinnerung bleiben wird, denn das Buch schlägt vor, man könne doch am Spieltisch passendes Essen verzehren, wie halt Wurst und Käse und Nüsse und so. Das gipfelte dann in zwei Abende mit SEHR überbordenden Wurstplatten und mir wird schon bei der Erinnerung daran ein bisschen schlecht. Das Abenteuer ist trotzdem empfehlenswert.

Auf der NordCon gespielt:

  • Malmsturm, aber irgendwie nicht so richtig, weil der SL das Setting beiseite ließ und mehr so ne Art daran angelehntes FATE-Setting aus Input der Spieler erschuf. War aber eine nette Runde und ich habe das Gefühl, FATE wieder etwas besser kapiert zu haben.
  • No Return, ein komplett im Eigenverlag erschienenes deutsches Endzeit-Postapokalypse-RPG. Das ist ja schonmal sehr cool. Das Setting klang auch ganz interessant, die Regeln waren auch okay, nur das Einsteiger-Con-Abenteuer war dann doch wieder ein ziemlich langweiliges „erforsche Gebäude X und treffe auf Zombies“-Ding. Was ja nun so gar nicht meins ist. Schade. Trotzdem ein cooles Projekt.
  • Splittermond, in einer extrem fluffigen regelarmen Runde, in der es hauptsächlich darum ging, ein Liebespaar aufzudecken und deren Liebe gegen die widrigen Umstände zu verteidigen. War zwar eigentlich ein bisschen unpassend zum Setting, weil in Lorakis nun eigentlich Homosexualität kein Problem ist, aber irgendwie war die Geschichte so nett und die Gruppe so gut drauf, dass es mir dann auch egal war.
  • Ein ruhiges Jahr: Auf der Con gekauft, am selben Abend noch gespielt. Ein ruhiges Jahr ist ein spielleiterloses Landkarten-Siedlungsaufbau-Spiel, das etwas darunter litt, dass es spät war und wir albern waren. Eigentlich ist es nämlich schon höchst interessant, dass man auch die Kommunikationsprobleme in einer Gemeinschaft mit ausspielt. Muss ich dringend noch ein weiteres Mal spielen.

Kurz nach der Con dann im Würfel und Zucker gespielt: Winterhorn. Ein ebenfalls spielleiterloses Spiel, in dem man Regierungsbeamte und Polizisten spielt, die gegen eine politische Aktivistengruppe ermitteln. Dabei werden auch viele tatsächlich genutzte Vorgehensweisen vorgestellt, die Mechaniken greifen tatsächlich sehr gut ineinander und am Ende bekommt man dann durch die Codes auf den benutzten Aktionskarten eine Art Endbericht heraus. Tatsächlich haben wir nach dem Spiel noch lange diskutiert. Also darüber, ob das Spiel jetzt quasi  bei uns einen Aha-Effekt über das Vorgehen von Regierungen ausgelöst hat (nö), ob wir schockiert waren über die Skrupellosigkeit der Methoden (nö) und ob es nicht seltsam ist, die Aufgabe des Spiels moralisch gar nicht zu hinterfragen (vielleicht, aber wenn ich mich treffe, um ein Spiel zu spielen, sage ich gewöhnlich nicht nach 10 Minuten „lass mal gut sein“, wenn mich nicht irgendwas stört, und dafür war das Spiel dann einfach zu „theoretisch“ und zu weit weg von den betroffenen Aktivisten). Ja, hm. Ich glaube, die Runde litt daran, dass wir nur drei Leute waren, denn wir waren auch ständig viel zu früh fertig mit der Besprechung unserer Spielzüge. Und irgendwie waren wir alle einfach nicht die Zielgruppe, glaub ich. Also was das „aha, sowas machen Regierungen also“ angeht. Wussten wir nämlich alle schon. Insgesamt trotzdem ein gutes und sicherlich wertvolles Spiel, aber vielleicht halt eher für andere Spieler geeignet, was den Lern-und Moraleffekt angeht.

Und dann noch, in 2 Online-Terminen über Google Hangout: Worlds in Peril, ein weiteres Superhelden-PbtA-System. Der Two-Shot mit fertigen SC hat sehr viel Spaß gemacht, der Schurke, den wir gejagt haben, war sehr cool, das Zusammenspiel hat gut funktioniert und am Ende haben alle Spieler gemeinsam entschieden, dass wir jetzt nicht den Schurken davon abhalten, in die ägyptische Unterwelt zu gehen, sondern einfach mitkommen. sehr schön fand ich auch, wie unser SL immer wieder erzählt hat, wie jetzt das Comic-Panel zur aktuellen Szene aussehen würde, das war sehr stimmungsvoll.

Ansonsten hat sich meine City of Mist-Runde jetzt endlich hinreichend oft getroffen, um mit Charaktererschaffung, Verknüpfung und dem einführenden A day in the life durchzusein – Dienstag gehts dann richtig los. Hurra! Meinen SC hab ich ja im vorletzten Beitrag schon gezeigt. Ich mag aber die ganze Runde sehr und finde die SC alle sehr cool und spannend. Werde berichten, wie es läuft.

Und ein bisschen Secret of Mana haben wir auch noch weitergespielt, nach wie vor ist das cool und macht Spaß und muss dringend mal weitergespielt werden.

So. Uff. Das wars mal wieder. Bis zum nächsten Mal, diesmal hoffentlich Ende des Monats und mit weniger ausuferndem Inhalt. Jaja, das sage ich immer…

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Mediengedöhns im März und April 2018

Ja, seufz, schon wieder ewig nicht gebloggt. Nerv, nerv. Ich war mal wieder krank. Und im Stress. Und überhaupt. Deswegen gibt es jetzt schon wieder einen riesigen Berg an konsumierten Medien, der sich da so auftürmt … also will ich mal versuchen ihn abzutragen.

Bücher

Judith-Vogt-Wochen auf dem Lesestapel! Ich habe nämlich nicht nur die schon ausführlich rezensierten befangirlten Die 13 Gezeichneten gelesen, sondern auch noch den ebenfalls kürzlich erschienenen Splittermond-Roman Phönix und Affe. Eine sehr, sehr spaßige Angelegenheit mit ganz viel Kung-Fu (das auf Lorakis irgendwie anders heißt), einem stummen Helden mit tragischer Vorgeschichte, der über Tattoos kommunziert, viel Einblick in die Provin Zhoujiang, viele schöne mystische Sachen. Ich finde ja Splittermond vom Regelsystem her schön, hatte aber noch nicht so viel Gelegenheit, mir auch die Welt mal genauer anzusehen. Da war der Roman ein sehr schöner Einstieg, zumal Zhoujian als asiatisch angehauchtes Setting auch sehr gut rüberkam. Wer also mal in das Splittermond-Setting reinlesen will, ohne einen eigentlichen Hintergrundband zu lesen, oder wer einfach farbenfrohe und gut geschriebene Wuxia-Fantasy mag, kann hier unbesorgt zugreifen.

Filme und Serien

Nach über 10 Jahren und 17 Filmen kulminierte das Marvel Cinematic Universe nun jüngst in Avengers: Infinity War. Ich bin zum Glück unverspoilert ins Kino gekommen und bin sehr glücklich darüber, denn der Film hält doch so einige Überraschungen bereit. (Ich bemühe mich auch, hier nicht zu spoilern.) Überhaupt bin ich sehr, sehr glücklich mit dem Film, auch wenn ich am Ende doch ziemlich verheult im Kinosessel saß. Infinity War ist einfach ein gigantischer Pay-Off der sorgfältigen Vorbereitung und der über Jahre hinweg angelegten Erzählung. Ich finde es immer noch faszinierend, wie toll und verflochten und verbunden das Kino-MCU ist (die Einbindung der Serien hat ja leider mehr und mehr nachgelassen, was ich immer noch sehr schade finde), während die Filme trotzdem jeder auch für sich alleine ganz gut funktionieren. Zumindest bisher, ich habe mich schon kurz gefragt, ob man Infinity War verstehen würde, wenn man die anderen Filme jetzt gar nicht oder nur zum Teil kennt. Die grundlegende „wer ist Thanos, was sind Infinity-Steine, welche gibt es und wieso will er sie haben“ wird auf jeden Fall im Film selber erklärt, es wird aber jetzt nicht jeder Charakter nochmal eingeführt – was auch einfach nur lächerlich gewesen wäre bei dem riesigen Cast. Von daher kann man sich vielleicht schon fragen „warum hat Thor jetzt kurze Haare und was machen er und Hulk in einem Raumschiff“, aber tatsächlich glaube ich auch nicht, dass allzuviele Leute einfach mal so auf Verdacht ins Kino gehen und sich den Film anschauen, ohne überhaupt irgendwas vom MCU gesehen zu haben.

Hah, zufällig finde ich jetzt gerade auf Twitter ein wunderbares Chart zu den Filmen. Unter einer strunzdummen Kritik, dass der Film ja die Charaktere nicht einführt. (Zefuq.) Bitteschön:

Jedenfalls. Ich dachte im Vorfeld ja, dass es vermutlich schon krass schwierig werden wird, all die verschiedenen Charaktere so im Film unterzubringen, dass sie einigermaßen Screentime haben und das trotzdem nicht bemüht wirkt. Tatsächlich macht der Film das sehr gut und zwar einfach auf die Art und Weise, dass er vor allem Thanos als zentralem Charakter folgt und ihn immer auf die Charaktere treffen lässt, die ihm dabei nunmal im Weg stehen. Außerdem haben vor allem die Figuren etwas mehr Screentime, die für das Thema Thanos und Infinity Stones auch relevant sind – also Vision, Gamora, Dr. Strange, Loki/Thor. Dabei haben mich die Team-Ups, die der Film vornimmt, öfter man überrascht, sie funktionieren aber meiner Meinung nach ziemlich gut. Auch warum jetzt wer wann wohin reist, macht durchgehend Sinn. Klar, einige Charaktere haben schon weniger zu tun und weniger Screentime als andere und ich hätte gerne von allen noch mehr gesehen, aber insgesamt ist das für so einen Haufen an Figuren schon wirklich gut gelöst. Zumal all die Screentime für Thanos diesem wirklich zugute kommt und ihn zu einem interessanten, durchdachten Gegenspieler macht, dessen Handeln man irgendwo sogar nachvollziehen kann, auch wenn ich ihn trotzdem ziemlich gehasst habe.

Spannend fand ich auch, dass der Film zu einem großen Teil gar nicht auf der Erde spielt, sondern verschiedensten Locations auf anderen Planeten etc. Optisch sind diese auch ein ziemlicher Hingucker – vermutlich noch mehr, wenn man nicht mit dieser beschissenen dunklen 3D- (in meinem Fall 2D)-Brille gucken muss. Musikalisch, nun ja. Das Avengers-Thema wird mehrfach verschieden und auch mMn sehr gelungen eingesetzt, ansonsten war der Soundtrack wieder mal eher nicht so einprägsam, was ich nach den coolen Soundtracks zu Thor 3 und Black Panther etwas schade fand.

Tja, viel mehr kann ich glaub ich gar nicht sagen zum Film, ohne zu spoilern. Er hatte wie immer den typischen Marvel-Humor, aber gleichzeitig auch viele epische und traurige und berührende Momente. Viele davon funktionieren vor allem deshalb, weil das MCU halt so aufgebaut wurde und man an all den Charakteren hängt. Nach dem Ende saß ich jedenfalls erstmal reichlich erschlagen da und jetzt erscheint mir die Wartezeit bis zu Teil 2 seeeehr lang. Gut gemacht, MCU!

Bleiben wir bei selbigem: Die 2. Staffel Jessica Jones wurde von mir natürlich auch verschlungen, sobald sie erschien. Diesmal wurde ja erfreulicherweise in allen 13 Folgen von Frauen Regie geführt, was man auch durchaus merkt, vor allem daran, dass irgendwelche nervigen Male Gaze-Tropes einfach mal komplett vermieden werden. Aber auch sonst hat die Staffel mir wieder sehr gut gefallen. Jessica macht eine ziemliche Entwicklung durch, wird schon wieder mit sehr viel Scheiße konfrontiert und lernt, dass es auf Dauer nicht geht, alle Leute immer nur wegzustoßen. Trish dreht ein bisschen total frei, was ich sehr spannend und auch toll gespielt fand. Und oh Gott, der Nebenplot von Hogarth. Ich liebe Hogarth so sehr! Und überhaupt, so viele weibliche Charaktere in jeglichen Schattierungen – mutig, traurig, verzweifelt, durchtrieben, bösartig, liebenswert, oberflächlich … es war wirklich schön zu sehen, dass in einer Serie mal nicht nur der männliche Hauptcharakter Abgründe haben darf, während die Frau neben ihm verständnisvoll die Hand auf die Schulter legt. Und dass weibliche Figuren nicht automatisch die besseren Menschen sind. Und überhaupt. Jessica Jones ist einfach großartig. Ich möchte Staffel 3. Und ein Hogarth-Spinoff.

Was mich zur Überleitung in das andere Comic-Universum bringt. Hogarth ist ja in der Serienversion eine lesbische Frau und damit kommt das MCU dann nach 18 Filmen und 9 Serien auf vier, in Zahlen 4, in Worten VIER Charaktere, die LGBTA+ sind. Vier. Und das auch nur, wenn man das jetzt nicht übermäßig kanonisch-vernetzte Runaways mitzählt, sonst wären es nur 2. Das nervt mich so derartig kolossal an. Und auch wenn ich das MCU wirklich viel viel cooler finde als den DC-Kram: DC macht das besser. Also in den seltsamen Filmen, die ich bis auf Wonder Woman ignoriere, jetzt nicht, aber bei den Serien auf jeden Fall. Und damit kommen wir zur nächsten Serie, nämlich Black Lightning, zu der ich genau so kam:

(Manchmal frage ich mich, ob Serien- und Filmemachern bewusst ist, dass es tatächlich SO leicht ist, Leute wie mich dazu zu bewegen, in eine neue Sache reinzuschauen.)

Anyhoo. Black Lightning ist jedenfalls auch sonst ziemlich cool. Die Optik ist DC-typisch wieder eher sehr bunt, aber das macht ja nix. Jedenfalls macht die Serie etwas, was andere Comic-Serien eher nicht machen, und stellt einen Superhelden hin, der einfach mal eine halbwegs intakte und funktionierende Familie hat. So mit Eltern, die sich auch nach der Trennung seit Jahren um ihre gemeinsamen Kinder kümmern, auch mal sehr erfrischend. Und überhaupt ist die Black-Lightning-Familie durchgehend sehr sympathisch und cool und ihnen liegt offenbar sehr viel aneinander. Aber auch die ganze Community, um die sich Black Lightning in seinem eigentlichen Job als Schulleiter kümmert, ist wichtig für die Serie. Auf der Gegenseite gibt es natürlich mal wieder fiese Gangster und noch fiesere Regierungstypen, die teilweise recht übertrieben sind, aber nun ja, es ist eine Comic-Serie, das muss wohl so. Tatsächlich gibt es schon so einige Parallelen zwischen Black Lightning und Luke Cage. Auch musikalisch ist die Serie sehr viel mit Hip-Hop untermalt, wobei ein Teil der Songs auch extra für die Serie geschrieben wurde. Also insgesamt ist Black Lightning jetzt halt keine total High Quality-Serie, aber sie ist unterhaltsam zu gucken, hat sympathische Charaktere und coole Musik. Und das reicht ja manchmal auch schon.

Dann war da noch die andere DC-Serie, die ich verfolge, nämlich Legends of Tomorrow. Alter, diese Serie. Ich bin echt froh, dass ich drangeblieben bin, obwohl ich die erste Staffel mehr so mittelprächtig fand. Seit der 2. Staffel hat sich die Serie einfach irgendwie gefunden und zieht seitdem ihr Konzept durch, das sich irgendwie mit „sympathisch-irre Crew tut aberwitzige Dinge und fällt von einer Popkultur-Anspielung in die nächste“ zusammenfassen lässt. Legends of Tomorrow macht einfach Spaß. Die Charaktere liegen mir alle am Herzen, der übergreifende Plot ist seit Staffel 2 auch ganz okay, ich muss mehrfach pro Folge laut lachen und bin einfach ein großer Fan dieser bunten und völlig durchgeknallten Geschichte. Zumal nun auch nicht alles Klamauk ist und gerade die zwischenmenschlichen Momente schon echt gut funktionieren. Dass Staffel 3 nun auch noch eine Liebesgeschichte eingebaut hat, die ich einfach nur unglaublich großartig finde, hat auch nicht gerade geschadet. Hachja. Ich freu mich schon auf Staffel 4.

Weiter gehts: GLOW (steht für Gorgeous Ladies Of Wrestling) ist eine Netflix-Serie über Frauenwrestling in den Achtzigern und ja, genauso hab ich auch geschaut, als ich zum ersten Mal davon hörte. Aber wie schlecht kann eine Serie schon sein, die Alison Brie als Hauptdarstellerin hat und vom selben Team wie Orange is the New Black stammt? Ich hab dann also im März endlich Zeit gehabt, die erste Staffel zu gucken und OMG ist diese Serie super. Es geht halt um einen Regisseur, der eine Fernsehshow über und mit Frauenwrestling drehen soll und vor allem um die Darstellerinnen, die bei der Sache aus verschiedensten Gründen mitmachen. Die Serie ist voll von unterschiedlichsten Frauencharakteren, wobei vor allem Alison Bries Ruth einfach so unglaublich gut gespielt ist, dass es eine Freude ist, dabei zuzusehen. Und Wrestling – vorher nie groß damit befasst – ist ja auch schon ein skurriler und irgendwie sehr cooler Sport.  Und das Ganze dann noch in den Achtzigern mit dem entsprechenden Look und der passenden Musik. Großartig. Zum Glück kommt im Juni schon die zweite Staffel.

Wieder Netflix-Eigenproduktion: Die dritte und letzte Staffel von Love. Auch so eine Serie, die man total schlecht erklären kann, die ich aber auch komplett am Stück hätte durchschauen können. In Love geht es also immer noch um Gus und Mickey, die sich in Los Angeles in einander verlieben, inzwischen irgendwie so halb zusammen wohnen, sich durch ihr Berufsleben kämpfen und so weiter.  Und natürlich ihre ziemlich durchgeknallte Freunde. Und den Dreh einer Mystery-Serie. Und einen völlig kaputten Radioshow-Typen. Und Familie. Und überhaupt. Auch die dritte Staffel war großartig, das Ende würde ich sogar als ziemlich großes Happy End bezeichnen und insgesamt lohnt sich die Serie auf jeden Fall, wenn man gerne einfach mal ein bisschen dem Leben anderer Leute zuschauen möchte.

Auch noch geschaut: Die dritte Staffel von Jane the Virgin. Die gemeinerweise nur 20 Folgen statt 22 hat und mich deshalb schockiert von „ich hab ja noch 2 Folgen“ in „OMG und mit DIESEM Cliffhanger hört das jetzt auf??“ stürzte. Argh! Nach wie vor ist Jane the Virgin so eine Serie, die ich schaue, wenn ich krank oder müde oder schlecht gelaunt bin und irgendwas nettes und leichtes gucken will, gleichzeitig bin ich aber immer wieder beeindruckt von den durchaus diversen ernsten Themen, die angesprochen werden. Außerdem versteht die Serie sich ja selbst als Telenovela, superschöne Darsteller, Cliffhanger und dramatische Wendungen inklusive, macht sich aber die ganze Zeit darüber lustig und baut auch immer wieder noch weitere abgefahrene Kunstgriffe ein, seien es jetzt Schwarzweiß-Stummfilm-Sequenzen, Gesangsnummern oder kleine Comicanimationen. Wundervolle Serie, ich hoffe, Netflix hat bald Staffel 4.

Huuuuh und als letztes muss ich jetzt wohl leider noch was zu Star Wars Rebels schreiben. Was jetzt ja … vorbei ist. Oh Gott. Es betrübt mich immer noch so sehr, dass es wirklich wirklich keine weitere Folge mehr gibt. (Auch wenn ich seit Donnerstag nicht mehr ganz so traurig bin, denn die neue animierte Star Wars-Serie klingt nicht nur nach dem, was ich sehr gerne wollte, sondern kommt zudem schon DIESEN HERBST!!!11elf.) Puh. Also. Staffel 4 war ja geteilt und die Hälfte lief schon letzten Herbst, während die letzten Folgen dann im März ausgestrahlt wurden. Wer hier schon länger mitliest, weiß ja, dass ich die Serie unglaublich liebe und die letzte Staffel hat auf alles nochmal eine Schippe draufgelegt. Die ersten Folgen schlossen noch ein paar Handlungsbögen ab, die offen waren: Mandalore und den Konflikt zwischen Mon Mothma und Saw Gerrera (der ja dann in Rogue One weitergeführt wird). Danach geht es für den Rest der Staffel zurück nach Lothal. Das sah ich am Anfang erstmal ein wenig skeptisch, es hätte ja schon noch andere Sachen gegeben, die ich gerne gesehen hätte. Aber letztendlich hat es sich ausgezahlt, dass vor allem Lothal und die Ghost Crew im Mittelpunkt standen, zumal auch andere bekannte Gesichter wieder auf Lothal auftauchten. Die letzten Folgen, also die nach der Winterpause, waren dann durchgehend einfach unglaublich. Da haben alle nochmal eine Schippe draufgelegt auf alles – Voice Acting, Musik, Animation, Sounddesign, Dialoge. Und abgefahrenem Force-Kram. Also wer schon denkt, dass The Last Jedi wilde Dinge mit der Macht anstellt, hat noch nicht Rebels geschaut. Ich fand es total großartig. Und das Finale. Meine Fresse, hab ich geheult. Und geheult. Und ein bisschen hysterisch gelacht, weil ich tatächlich ZWEI große Plot Points des Finales vorhergesehen habe. Also, Star Wars Rebels. Für mich eine der schönsten und besten Dinge, die Star Wars hervorgebracht hat. Ich muss dringend mal einen Rewatch machen. Und bin super gespannt auf die neue Serie. In Filoni I trust. Oder so ;).

(Apropos rewatch: Ich habe, als ich krank war, nochmal diverse MCU-Filme geschaut. Die beiden ersten Captain America-Filme sind immer noch meine liebsten MCU-Filme, wobei ich mich ehrlich nicht entscheiden kann, welchen ich lieber mag. Und ich hab nochmal alle Folgen The Get Down geschaut. So viel Liebe.)

Und dann habe ich ja nun schon ausdauernd von dem Actual Play A Woman with Hollow Eyes geschwärmt, was ich jetzt nochmal mit dem Hinweis wiederhole: Die Staffel ist beendet, man kann sich jetzt alle Folgen auf YouTube anschauen. Tut es!

Gespielt

Auf der Playstation: Secret of Mana. Zusammen mit dem Mitbewohner. Der es als Kind gespielt hat, während ich es gar nicht kenne. Wir sind jedenfalls doch recht erfolgreich und bisher nur einmal komplett gestorben. Und das Spiel macht total Spaß. Ich schreib nochmal was dazu, wenn wir durch sind.

Außerdem ungefähr 40 Minuten lang Assassin’s Creed Origins angespielt, auch auf der Playstation. Ich bin irgendwie verwirrt von dem Spiel, da es ja wirklich gar nix zum Charakter und zur Geschichte erklärt und man irgendwie random in einer Pyramide anfängt. Die Sequenz davor hab ich nicht wirklich kapiert. Joah und es war so ganz nett, aber bisher hatte ich noch keine Lust zum weiterspielen, zumal das alles aussieht, als ob es ein ewig langes Spiel mit ganz viel Open World-Kram und Crafting-Mist werden könnte und ich habe da gerade keine Lust drauf.

Außerdem DSA gespielt, endlich fertig mit Mengbilla und dann totales Konstrastprogramm: Winterlicher Kosch, ein Abenteuer um einen Feiertag und die Ferdoker Lanzerinnen und Fabelwesen. Wobei es zwischendrin aussah, als müssten wir eigentlich doch total heldenhaft Nekromanten jagen, aber das hat sich schon wieder erledigt. Jedenfalls macht das Abenteuer total Spaß, die Gruppe ist wesentlich harmonischer als die an Mengbilla verzweifelnden Königsmacherhelden und joah. Läuft. Achja, wir hatten dann noch 2 Abende, an denen wir beschlossen hatten, wie im Abenteuer vorgeschlagen zur Region passende Snacks zu verzehren. Das gipfelte in einer schlimmen, schlimmen Wurst-und-Käse-Orgie und ich kann jetzt glaube ich noch weitere 3 Monate keine Wurstplatte sehen, ohne leise zu wimmern.

Auf der HeinzCon haben wir eine Runde Fiasko gespielt, und zwar mal wieder Dysfunctions and Dragons. Das war auch wieder ziemlich lustig. Und dann haben wir noch das letzten Herbst angefangene StarWars-FATE-Abenteuer beendet. Und sonst kam ich leider gar nicht zum Spielen, weil alle Runden sich mit irgendwas überschnitten. Schön wars trotzdem auf der Con.

Uuuuund dann haben wir ja noch mit einer potenziellen neuen Runde ein potenzielles neues System gespielt, und das lief dann tatsächlich so gut, dass ich wohl ab nächste Woche tatsächlich eine hoffentlich regelmäßig stattfindende City of Mist-Runde habe!  Hurra!  Die Testrunde mit vorgefertigten Charakteren lief jedenfalls schonmal gut. Über „welchen Mythos nehme ich für meinen Charakter?“ kann man übrigens lange nachdenken. Sehr lange. Seeeeehr lange. Inzwischen habe ich so 4 konkrete Ideen. Mal sehen, welche davon es letztendlich wird. Und irgendwie sollte ich bis nächste Woche wohl auch nochmal das SC-Erschaffungs-Kapitel lesen. Hust. Aber ich freue mich sehr, dass es so aussieht, als könnte ich endlich mal ein weiteres System außer DSA regelmäßig spielen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es laufen wird.

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Gelesen: „Die 13 Gezeichneten“ von Judith und Christian Vogt

Disclaimer: Ich kenne beide Autoren persönlich und bekam von ihnen ein Exemplar des Buchs geschenkt. Mit Widmung und so. Das hält mich aber, wie üblich, nicht davon ab, eine Meinung zum Buch zu haben. Auch wenn sie positiv ausgefallen ist, weswegen ich das hier jetzt auch nicht Rezension nennen mag, sondern mehr so … Fangirling. Was solls.

Man nehme also: Eine belagerte Stadt, einen kleinen Haufen entschlossener Rebellen, einen gewieften Agenten der Geheimpolizei und Handwerks-Magie. Das mixe man zusammen, gieße eine ordentliche Portion Kämpfe, Geheimnisse und Dialogkunst hinzu und garniere alles mit einer Prise Humor und ein paar Häppchen uralten Übels: Fertig ist der Roman Die Dreizehn Gezeichneten, dem neuesten Werk des Autoren-Duos Judith und Christian Vogt. Naja, ein bisschen komplizierter war die Entstehungsgeschichte des Romans vermutlich schon. Sie hat auch sicherlich gaaaaar nichts mit der Vorliebe für Rebellen gegen böse Imperien Kaiserreiche zu tun …

Egal.

Also, Die 13 Gezeichneten.

Nein, die haben auch nichts mit den berühmten 7 Gezeichneten von DSA zu tun.

Jetzt aber.

Ach, halt: Ich versuche, nicht zu viel zu spoilern, aber ein paar Ereignisse aus dem ersten Drittel des Buches werde ich schon verraten müssen. Ich bemühe mich aber, keinem den Spaß am Selber-Lesen zu verderben.

So.

Das Cover ist übrigens auch sehr schick.

MEINE GÜTE LENA!

Tschuldigung. Also nun wirklich.

Der Roman ist der Auftakt zu einer Trilogie und spielt in Sygna, einer uralten Handwerkerstadt, die weithin berühmt für ihre Erzeugnisse ist. Das liegt an den magischen Zeichen, mit denen die Sygnaer Handwerker ihre Produkte besonders wertvoll, haltbar oder kunstfertig machen können: Schwerter, die nicht rosten, Kleidung, die nicht schmutzig wird, Verbände, die magisch die Heilung verstärken und so weiter. Um das Monopol der Zeichenhandwerkskunst zu wahren, dürfen jene, die sie beherrschen, die Stadt nicht verlassen. Ebensowenig darf ein Handwerker zwei Zeichenkategorien gleichzeitig lernen. So wurde lange die Einzigartigkeit der Sygnaer Zeichenkunst gewahrt – bis blöderweise die Armee des Kaiserreichs Aquintien die Stadt eroberte, der Zunftrat kapitulierte und ein Gouverneur als Herr Sygnas eingesetzt wurde, der die Zeichenmagie in Manufakturen einsetzt, um damit massenhaft Kriegsgerät für die weiteren Eroberungfeldzüge des Reiches herzustellen. Die Bevölkerung leidet unter der Besatzungsmacht, sieht sich aber den Soldaten des Kaisers weitgehend machtlos gegenüber, zumal die Zunftmeister mit ihnen kooperieren.

Auftritt: Die Rebellen von Sygna. Diese rekrutieren am Anfang des Buches, sehr zu dessen Ungemach, den Fechter Dawyd, der sich eigentlich aus allem raushalten wollte, dann aber doch nicht wegschauen kann, als aquinzische Soldaten einem Straßenmädchen die Hand abschlagen wollen. Und zack, ehe er es sich versieht, ist er mittendrin: In der Rebellion und in einer Geschichte um uralte Magie, die gefährlicher ist als es die Bewohner der Stadt selbst ahnen.

Ich mag ja Bücher (und Filme und Serien) mit schönen Ensembles wirklich sehr gerne, und wo mir schon der reisende Zirkus aus der verlorenen Puppe gut gefallen hat, wissen mich auch die Rebellen zu begeistern. Keiner von ihnen ist DER Protagonist, sondern es kommen alle zum Zug: Der hartgesottene Ignaz Dreifinger, der träumerische Dichter Ismayl, der draufgängerische Dawyd, das gerissene Straßenmädchen Jendra, der starke Neigel und die Pläne schmiedende Elisabeda. Alle haben ihre eigene Vorgeschichte, ihre eigene Sicht auf die Dinge und ihre eigenen Probleme. Da ist es natürlich vorprogrammiert, dass es auch unter den Rebellen immer wieder zu Streit kommt, wenn es darum geht, wie denn nun die Befreiung der Stadt vorangebracht werden soll und welche Opfer dafür in Kauf genommen werden können. Jeder Bürger, der in Mitleidenschaft gezogen wird, gefährdet den Aufstand, denn die kaiserlichen Truppen nutzen Propaganda und Steckbriefe, um die Auführer als Verbrecher hinzustellen, die den Bürgern Sygnas mehr schaden als es die Soldaten tun. Die Frage, ob das Ziel die Mittel rechtfertigt, ist durchaus wichtiger roter Faden im Buch – durchaus gelungen, wie ich finde, und weitaus besser als die Rebellen als die strahlenden Helden und die Besatzer als die abgrundtief Bösen hinzustellen.

Apropos böse: Dann war da ja noch der fiese Möpp, äh, also, der Gegenspieler der Aufständischen: Lysandre Rufin, Chef der Geheimpolizei, der nicht nur dazu da ist, um den Rebellen das Handwerk zu legen, sondern gleichzeitig noch fasziniert von der Magie der Zeichen ist und zusammen mit einem Gelehrten im Auftrag von Kaiser Yulian weitere Erkenntnisse sammelt. Rufin ist ein in meinen Augen großartiger Antagonist, denn er hat seine eigene Agenda und Weltsicht, die im Buch auch soweit rüberkommt, dass man nachvollziehen kann, wie er tickt. Er ist ein klassischer Ich-tue-was-nötig-ist-Schurke, der sich keine Sentimentalitäten leistet, aber auch nicht in unnötige Grausamkeiten abgleitet. Ich habe ihn beim Lesen natürlich mehrfach verflucht, aber meine Fresse, ist der gut geschrieben. I love to hate him!

Und dann war da als letzter nennenswerter Hauptcharakter noch Kilianna Erdhand, auch eine meiner Lieblingsfiguren: Die ist nämlich die Tochter des obersten Zunftmeisters, hätte also ein schönes und bequemes Leben, wenn sie denn wollte. Will sie aber nicht, sie will Gerechtigkeit für Sygna und Gleichheit für die Frauen und dass ihr Vater endlich mal mit der Faust auf den Tisch haut und dem Gouverneur klarmacht, dass die Sygnaer Bürger nicht endlos ausgebeutet werden können. Da er das nicht tut, muss sie dann eben selbst aktiv werden. Charaktere, die sich nicht auf ihren eigenen Privilegien ausruhen und anderen helfen und das Richtige tun wollen: Yay. Und für die Umsetzung: Mehr Yay. Killiana ist einfach super.

Die Magie der Zeichen ist auch ein faszinierendes Konzept, was zumindest ich jetzt noch nicht aus Dutzenden anderer Bücher kannte. Zumal die Zeichen sich nicht nur auf reines Handwerk im Sinne von „Dinge herstellen“ beziehen. Es gibt z. B. auch die Wortzeichen, die Dichter und Schauspieler benutzen und die dazu eingesetzt werden könnnen, Lügen glaubhafter klingen zu lassen oder eine Menschenmenge in Bann zu schlagen (ratet, hinter welchen Zeichen der fiese Möpp besonders her ist…); oder die Verborgenen Zeichen, die Diebe und andere zwielichte Gestalten benutzen, um sich in Schatten zu hüllen oder Geräusche verschwinden zu lassen. Bei allem ist auch ziemlich bemerkenswert, wie der Umgang mit dieser mächtigen Magie ist: Die Sygnaer wissen selber nicht mehr so richtig, woher die Zeichen gekommen sind. Die Vergangenheit der Stadt ist in den Katakomben versiegelt, die Benutzung der Zeichen streng reglementiert. Und das rächt sich genauso sehr wie der Drang der Aquintaner, alles ausbeuten und ausbuddeln zu wollen.

Über das, was im Buch genau passiert, will ich mich jetzt gar nicht weiter auslassen, um nicht zu viel zu verraten. Tatsächlich habe ich, wenn ich ans Buch zurückdenke (es ist schon ein paar Wochen her, dass ich es gelesen habe), auch eher das im Kopf, was über die Handlung hinausgeht: Die verschiedenen Charaktere und ihre Entwicklung, das Konzept der Zeichenmagie und die gesellschaftlichen Fragen, die der Roman aufwirft. Denn es ist immer wieder Thema, dass Kaiser Yulian mit seinem Umsturz in Aquintien eigentlich Gleichheit für alle wollte und dann doch zum Alleinherrscher wurde und, dass auch im Sygna vor der Besatzung nicht alles toll war, wenn man nicht zufällig ein Mann, ohne auffällige Hautfarbe und Mitglied in den Zünften war. Es ist natürlich auch kein Zufall, dass der „Cast“ des Buches nicht aus lauter weißen Dudes besteht, sondern sehr divers ist (und jeder Charakter, der eben nicht white male hetero ist, auch genau deswegen mit Problemen zu kämpfen hat, die die Kritik an der Sygnaer Gesellschaft deutlich machen). Aber auch andere übergreifende Fragestellungen, wie z. B. die, ob man eine gefährliche Vergangenheit lieber begraben oder bewahren sollte, ob es wichtiger ist, die Vergangenheit zu erforschen als die Zukunft zu gestalten und wie viele Opfer gebracht werden sollen und können, um der eigenen Stadt die Freiheit zu erkaufen,  ziehen sich durch das ganze Buch und machen es zu mehr als nur einer spannenden Geschichte.

Der Schreibstil ist, wie gewohnt bei den Vögten, auch wieder super, sowohl die Dialoge als auch die Beschreibungen der Stadt und die actionreichen Kampfszenen. Außerdem merkt man, wie gut Sygna durchdacht ist, denn selbst zu den obskuren Straßen- und Viertelnamen taucht immer irgendwo noch eine Erklärung auf, wo das herkommt und was es zu bedeuten hat.

So, hatte ich denn nun gar nix zu meckern? Ein bisschen schon: Das Ende ist schon wirklich SEHR offen, was einerseits natürlich schön ist und Lust auf Band 2 macht, mich andererseits aber auch ein bisschen unbefriedigt zurückgelassen hat, weil halt bei fast allen Handlungsfäden viele Fragen offen blieben. Und ein paar der geschilderten Verletzungen der Protagonisten waren irgendwie so krass, dass ich immer dachte „okay, der/die ist jetzt tot“ und dann gings ihnen 3 Tage später wieder super, das war mir auch bei aller Heilzeichenmagie manchmal etwas too much.

Ansonsten sind die 13 Gezeichneten jedenfalls ein sehr vernüglicher und spannender Roman, bei dem beim Lesen hinterher trotzdem noch was zum Nachdenken im Hirn zurückbleibt. Ich möchte Band 2! Jetzt!

So ganz nebenher bemerkt sei natürlich noch, dass es auf einer anderen Ecke der Welt noch die Beiden Reiche gibt – ein FATE-Setting mit Musketen, Kirchenschisma, slawisch inspirierten Mythen und Wort-Magie. (Übrigens machen mir die Zeichen auch, glaube ich, mehr Angst als anderen Lesern, denn die WORTE und ihre Nebenwirkungen durfte ich schon am Spieltisch kennenlernen.)

Den Roman findet ihr jedenfalls hier und das FATE-Setting Scherbenland dort.

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