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Rezension: Die Verlorene Puppe

puppe_cover2-191x300Disclaimer: Ich kenne die Autoren persönlich und sie waren so nett, mir ein Exemplar des Buches zuzuschicken.

Disclaimer 2: Ich versuche die Rezension spoilerfrei zu halten, was auf dem Klappentext steht, kommt hier aber auch vor.

Mit Die Verlorene Puppe von Judith und Christian Vogt ist vor ein paar Wochen der neueste Roman in der Welt von Eis und Dampf erschienen. Eis und Dampf ist ein Steampunksetting, angesiedelt in einem alternativen Europa, in dem seit Jahrhunderten eine Eiszeit herrscht und in dem Luftschiffe, Dampfmaschinen und das Streben nach technischen Errungenschaften den Weg darstellen, wie der Kontinent auf den ewigen Winter reagiert. Neben inzwischen zwei Romanen, einer Kurzgeschichtenanthologie und einem Groschenheft gibt es auch ein Rollenspiel-Settingbuch, in dem Welt nach FATE-Regeln bespielbar wird.

Ich habe letztes Jahr schon den ersten Roman, Die zerbrochene Puppe, gelesen und war da schon ziemlich begeistert von der Welt. Nun also Roman Nummer 2 – und dieser erweitert die bekannte Weltbeschreibung gleich mal ordentlich. Es geht nämlich für die Protagonisten über den Atlantik in bisher unentdecktes Land.

Wo in der zerbrochenen Puppe mit dem deutsche Künstler Nathan von Erlenhofen, der wissenschaftlichen Entdeckung seiner Frau Æmelie und dem Krieg der Lufthanse gegen die Friesen noch eher sehr klassische und europäische Themen im Mittelpunkt standen, geht es in der verlorenen Puppe von Anfang an noch fantastischer und (im positiven Sinne) abgedrehter zu. Im Mittelpunkt steht der Zirkus Apocalástico, der mit seinem bunten Luftschiff durch Europa und Afrika tourt und, wie es beim Zirkus so ist, ein buntes Sammelsurium an Menschen vereint. Verschiedenste Artisten aus aller Welt, ein leicht verrückter Zirkusmagier, eine bärtige Dame, ein echtes Mammut … eine absolut bunte Truppe eben, die mir auch gleich im ersten Kapitel ziemlich ans Herz gewachsen ist. Die Hauptfiguren sind Ferenc Badi, ein Roma-Trapezkünstler, und Yue, eine chinesische Akrobatin. Und die werden zusammen mit dem Rest vom Zirkus während eines Auftritts von seltsamen maskierten Fremden überfallen und gezwungen, selbige mit ihrem Luftschiff in deren Heimat zu bringen – über den Atlantik. Gleichzeitig ist auch ein Luftschiff der Friesen auf dem Weg zum selben Kontinent – an Bord unter anderem die Protagonisten aus dem Vorgängerroman. Deren Geschichte nimmt aber den kleineren Teil des Romans ein und wird vor allem in Logbucheinträgen des Schiffes erzählt.

Die Welt jenseits des Atlantik ist in der Welt von Eis und Dampf bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen, denn niemand, der dorthin aufgebrochen ist, ist je zurückgekehrt. Doch wie die Protagonisten des Romans feststellen müssen, liegt das nicht nur an den Gefahren der Reise, sondern vor allem an den Völkern, die den fremden Kontinent beherrschen. Wer hier jetzt „die zivilisierten Europäer entdecken die Wilden“ erwartet, könnte falscher nicht liegen, denn die Autoren präsentieren eine zwar fremdartige, teilweise äußerst blutrünstige, aber in jedem Fall hoch entwickelte Kultur auf dem amerikanischen Kontinent. Über die jetzt viel zu verraten, ist schwer, wenn man nicht den Inhalt des Buches vorwegnehmen will. Ich fand jedenfalls die Beschreibungen der Völker – die, soweit ich es mitbekommen habe, auch inspiriert von den tatsächlichen historischen Gegebenheiten sind – sehr gelungen und faszinierend.

Die Reise in die Fremde ist jedenfalls nicht das einzige Problem, was der Zirkus hat, denn wie sich bald herausstellt, sind längst nicht alle an Bord die einfachen Artisten, die sie vorgeben zu sein. Da gibt es Geheimnisse, überraschende Entdeckungen, unkonventionelle Verhörmethoden und immer wieder hochkochende Aggressionen, was das erste Drittel des Buches zu einem sehr gelungenen Closed-Room-Abschnitt macht, in dem alle zusammenarbeiten müssen, sich aber immer weiter gegenseitig misstrauen.

Auch an actionreichen Sequenzen spart das Buch nicht, von gefährlichen Reparaturarbeiten am Schiff inmitten eines Gewitters bis hin zu spektakulären Luftschiffschlachten. Diese Szenen sind auch immer so beschrieben, dass man sich beim Lesen sehr gut hineinversetzen und mitfiebern kann.

Vor allem gepunktet hat der Roman bei mir aber mit seinen beiden Protagonisten, deren Beziehung zueinander und den verschiedenen Geheimnissen und Enthüllungen, die damit verbunden sind. Darüber zu schreiben, ohne zu spoilern, ist allerdings auch fast schon unmöglich. Jedenfalls hat es mir gut gefallen, welche fast schon philosophische Ebene der Roman teilweise erreicht und wie viele tiefgreifende Ideen und Fragen mit dem Schicksal von Ferenc und Yue verbunden sind. Und natürlich, so nebenher bemerkt: Ein Roma (auf dessen Leben als „Zigeuner“ und die damit verbundenen Vorurteile und Anfeindungen auch immer wieder eingegangen wird) und eine Chinesin als Hauptfiguren haben mir als grundlegende „Designentscheidung“ auch sehr gut gefallen. Außerdem stellt die bunte Welt des Zirkus eine wohltuende kleine Oase in der ansonsten doch sehr viktorianischen Welt (was so Themen wie Rassismus und Frauenbild der 1890-er angeht) dar. Wobei die Zirkustruppe ja, wie schon erwähnt, alles andere als perfekt ist und die Illusion von der gemeinsam reisenden, eingefleischten Truppe von Außenseitern während des Buches immer mehr in sich zusammenfällt.

Nach dem fulminanten Ende des Romans hatte ich jedenfalls noch mehr Lust, mal ein paar Abenteuer in der Welt von Eis und Dampf im Rollenspiel zu erleben. Oder ein bis fünf weitere Romane zu lesen – genug Anknüpfungspunkte und spannende Nebenfiguren sind jedenfalls vorhanden.

Insgesamt hat mir Die verlorene Puppe noch etwas besser gefallen als der erste Roman (den man übrigens nicht kennen muss, um diesen hier zu verstehen), weil ich den Erzähler sympathischer fand, der Zirkus mir einfach unglaublich gut gefallen hat und ich das sozusagen umgedrehte Kolonialsetting unglaublich spannend und gut gemacht finde. Außerdem hat das Buch einen total großartigen Storytwist, über den ich hier jetzt nix weiter sage, der für mich aber sehr gelungen ist und gut funktioniert hat. Fazit also: Daumen hoch, 10 von 10 Zirkusluftschiffen, gehet hin und leset das!

Kaufen könnt ihr das Buch zum Beispiel hier (Verlags-Shop) oder da (Amazon-Link).

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Ahsoka: Not the novel I was looking for

[Ausnahmweise mal ein Eintrag auf Englisch, aus Gründen.]

I usually blog in German, but a lot of the great people I follow on  Twitter because they tweet and blog about Star Wars would not understand it. Because of that I decided to write my thoughts about the Ashoka novel in English. So here is my first English blog entry – please forgive me for making mistakes and not being super-eloquent, I’m not a native speaker 🙂 .

Warning: I talk about all the things that happen in the novel, so there’ll be spoilers.

The Ahsoka novel by E. K. Johnston is the book I was looking forward to since it was announced at SWCE this summer. Ahsoka is one of my favorite characters, not only in Star Wars but of all fictional characters I know. I really liked her in the Clone Wars show, I was superhappy she returned in Rebels and when season 2 of Rebels was nearing its end I basically cried every time she was on screen, because I had a bad feeling about the finale. That panel about the unfinished Clone Wars arcs made me really sad they were never finished, and I really hoped that some of the stuff that happened there would find its way in the novel.

So of course I preordered it and startet reading as soon as it arrived. I must admit I never really read the part of the announcement that said it was going to be a Young Adult novel, I only read that in the review on Wookiegunner (which I skimmed to avoid spoilers while I still waited for my copy to arrive). I was somewhat astonished that the book did not seem very long and the layout was very spacy. But anyhoo, Ahsoka! So I finished it in a week.

I share a lot of Johnamaries opinions in the Wookiegunner review. Yes, Ahsoka sounds like Ahsoka, which made me really glad. I could imagine most of the dialouges in her voice while reading. I also liked how she got her white lightsabers and I think the whole journey she goes on is somewhat meant to be and leads her to becoming the person she is in Rebels. The book was a fast read, there was some good humor and also some drama in it.

But I also see a lot of problems with the novel. It’s not that I don’t liked it at all, but I was hoping it would be great and ended up somewhat disappointed.

First of all, there is the setting. All of the plot takes place on some dull Outer Rim planets and moons with no interesting structure or design. The people Ahsoka meets are mostly human. The planets are either deserted or the reader never gets to know more about them or they do superexciting stuff like … agriculture. I understand that Ahsoka can not flee the Empire to a well-known planet everyone would expect her to, but, holy kriff, was Raada DULL. Especially when you compare it to Gorse and Cynda in A New Dawn, where the story of „The Empire preys on a planet for resources and its people suffer from it“ was done so much more interestingly and set in a much cooler location.

Then there were the characters. I liked Ahsoka, I liked Bail Organa … and then it got lest interesting, because there was hardly a chance to get to know the other characters very well. Kaeden and Miera, the two sisters who Ahsoka befriends on Raana, had the most screentime (booktime?) besides Ahsoka herself, but while I kind of liked how they struggled with each other and the question if Ahsoka could be trusted, there was not so much else going on with them. I missed something interesting or quirky or surprising, altough I really liked Kaedens crush on Ahoksa (I wish there had been a bit more focus on that part). Some other characters like Selda, the Togrutan barkeeper, or Fardi, the rebellious smuggler, seemed interesting, but they appeared to shortly to really find out more about them. And when it comes to the bad guys – I found none of them interesting. The imperial clerk who organized the Raada operation was rather boring, the stormtroopers and their officers had no one who stood out at all and even the Inquisitor who tried to kill Ahsoka in the end was … well, just another Inquisitor. Sadly the book provided no more informations on him and his brothers and sisters that went further than the ones already known from Rebels.  (I’d really like some more information on the Inquisitors, by the way.)

What bothered me most is the way the book focuses on the different parts of the story. There are chapters and chapters where basically nothing happens except Ahsoka trying to live a normal life while still thinking a lot about the Clone Wars and her losses. Which is okay, but the way it came up again and again seemed a bit repetitive to me. The most frustrating part for me was when she finally decides to help people and use her powers to do some good in the Outer Rim – and then this part is summarized in just one page, while there were 5 or 6 chapters about agriculture and doing nothing and finding places to hide food. Argh. The pacing did not work at all for me, the rather boring stuff on Raada got lots of pages while the interesting parts were described in a lot less words. At the end of the book, Ahsoka finally became Fulcrum – and with that ends the story, leaving the stuff I would really wanted to know about unwritten.

I don’t really get why that specific point in Ahsokas history was chosen to be the main focus of the story. It would have been possible to tell what she was doing in her early Fulcrum years and describe what happened before in flashbacks or the interludes. Ah, the interludes. I liked some of them, like the one who gave a glimpse of the Siege of Mandalore storyarc from Clone Wars. But some of them seemed rather random to me. I don’t know why Obi-Wans life on Tattoine needed to be in this book, for example.

The novel was less sad or dark than I exspected – maybe because it is an YA-novel, maybe because there is no scene showing Ahoska directly after Order 66. It is fine with me that she found her way of dealing with it all, because that is one thing that makes her a great character. But all of her thoughts about Anakin and Obi-Wan and losing them never really got to me. There were some parts that were done great like her reaching for her lightsabers that are no longer there, or all about how she gets her new lightsabers, but the book did not manage to get me really close to her. One of the things I find so fascinating about Ahsoka is that she went through so much (fighting in a war while still being a teenager, giving up her place in the Jedi order, surviving Order 66) and still managed to be such a kind person with so much inner peace. I hoped the novel would give some insight about this and how she manages that, but there is just the usual „the Force gives her peace“-explanation – which would be perfectly sufficient for a Jedi, but as we all know, Ahsoka is no Jedi. I also would have liked to learn more about her connection to the Force which seems very special to me. That she could destroy an Inquisitor’s lightsaber by sheer will, take out the crystals and make them light again seems to be something not everyone could do, and the white color of the sabers also seems to be a hint of her being different from other force users. Maybe this all is connected to what might happen to her after the season 2 finale of Rebels – but there is no clue in the novel about it apart from the fact she is able to turn the crystals.

Concerning the purpose of the book to get new readers interested in Star Wars (which I assume is one of the reasons it was published as a YA novel): I don’t know how good the novel works for someone who does not know Clone Wars and/or Rebels. I guess the most of the mentioned names and places are very well known if you ever heard of Star Wars. To be honest I sometimes got annoyed when Anakin or Obi-Wan or R2D2 got mentioned for the umphiest time, because it sometimes felt a bit like name-dropping. In any case, I think it is possible to understand the plot of the novel even when you are new to Star Wars, but it has, of course, more impact when you know the rest of the story. I don’t know if the locations like Raada were chosen to make it easier to understand the story and the world if you don’t know the SW galaxy at all. But even in that case it should have been possible to pick a more interesting planet and explain its features on some of the many pages the novel spent talking about farming and hiking.

So in the end I closed the book with the feeling that this was just not the Ahsoka novel I was hoping for. The stuff that really interests me, like Ahsokas special connection to the force or how exactly she survived Order 66 or what her work as Fulcrum was like, was not there, while the plot that was there never managed to get me really interested. I missed some cool and interesting supporting characters or some new and great locations. There was too little sense of wonder, which normally comes easy in the strange and wondrous place that is the galaxy far, far away.

As a conclusion: The Ahsoka novel did not make me as happy as hoped it would. It felt like a reeeeally long prologue to a story that was not told. At least not yet. I hope the success of the book will mean more Ahsoka content for us, maybe a second novel or a comic or finally that Siege of Mandalore-movie on Netflix or whatever. I am happy the novel is such a big success because I am sure a lot of work went into it and a lot of people enjoyed it even if I did not like it as much as I had hoped.

So see you soon, Snips. And may the force be with us.

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Captain America: Civil War (mit und ohne Spoiler)

So, der Film kriegt jetzt seinen eigenen Blogeintrag, statt im Mediengedöhns abgehandelt zu werden. Mein Kopf ist schon wieder zu voll mit Gedanken dazu.

Nachdem ich also eigentlich erst nach dem 3. Mai ins Kino gehen und vorher noch die 19. Folge Agents of Shield abwarten wollte, die vermutlich wieder ein Lead-in beinhaltet, war ich dann letztendlich doch viel zu neugierig und musste gestern schon ins Kino gehen. Natürlich auch, um nicht noch verspoilert zu werden.

Ich versuch mich dann erstmal an einem spoilerfreien Eindruck:

Civil War ist in der Tat eher Avengers 2.5 als Cap3, das ist einerseits ganz cool und andererseits ein bisschen schade, weil Steve Rogers in seinem eigenen Film doch ein bisschen zu kurz kommt. Civil War greift sowohl Handlungsstränge aus The Winter Soldier als auch aus Age of  Ultron wieder auf und läuft, wie man sich schon denken kann, auf den Konflikt zwischen Captain America und Iron Man hinaus – wobei zum Glück die Promobilder mit „Team Cap“ und „Team Stark“ doch recht übertrieben waren und es jetzt nicht darum geht, dass sich die beiden Teams da jetzt 2 Stunden lang die Köpfe einhauen. Wobei es natürlich wieder jede Menge Actionsequenzen gibt, die auch gut in Szene gesetzt und durchaus unterhaltsam sind. Es gibt aber gerade in der ersten Hälfte auch doch erstaunlich viele ruhigere Momente, auch zu Charakteren, für die ich es gar nicht so erwartet hätte (z. B. mehrere Szenen mit Vision und Scarlet Witch). Und auch nach dem finalen Konflikt nimmt der Film sich Zeit für ein wenig Ausklang. Klar, noch mehr charakterzentrierte Szenen wären auch schön gewesen, ich find das toller als Kämpfe, aber es ist und bleibt nun mal eine Comicverfilmung und dafür war die Anzahl der ruhigeren Momente schon okay.

Die ganze Geschichte mit „Die Avengers sollen von der Regierung kontrolliert werden“ hätte für mich auch ruhig noch etwas mehr thematisiert werden, als es letztendlich der Fall war, das ging ein wenig unter. Und so ein kleiner Schlusspunkt für Steve, der seine Geschichte abrundet, wäre auch nett gewesen. Sonst habe ich aber wirklich nicht viel zu meckern. Die neuen Charaktere wurden gut eingeführt – wobei ich Black Panther absolut groaßartig finde und von ihm jetzt sehr gerne mehr sehen will, Spiderman war so … okay. Ist irgendwie schon immer der Superheld, mit dem ich am wenigsten anfangen kann (das mag aber auch an diesen vielen schlächten Filmen liegen), dafür war die Umsetzung hier aber ganz niedlich. Der übliche Marvel-Humor war natürlich auch wieder vorhanden, hat für mich aber die ernsteren Szenen und Sequenzen nicht kaputt gemacht.

Und jetzt:

THERE WIL BE SPOILERS!!

Ich hatte vorher ja extra nochmal die ersten 2 Cap-Filme angeschaut, was sich auch als ganz gute Entscheidung herausgestellt hat. Einerseits führt einem das noch mal vor Augen, wie stark das Band zwischen Steve und Bucky ist und wieso Steve alles dafür tun würde, um Bucky zu retten. Andererseits ist es auch gut, sich nochmal ins Gedächtnis zu rufen, dass a) Steve seit Winter Soldier mehr oder weniger sicher weiß, dass Hydra Tonys Eltern umbringen ließ und b) dass nach dem Fall von Shield Steves Misstrauen gegen Behörden und Regierungen jeglicher Art noch gestiegen ist.

Wie oben schon geschrieben, hatte ich auch eigentlich erwartet, dass der Film noch mehr auf die ganze Problematik eingeht, dass die Weltregierungen die Avengers kontrollieren wollen. Das kam irgendwie vor, dann wurde einmal drüber geredet, dann explodierte das Gebäude, in dem die Konferenz stattfand und fürderhin wurden alle, die so tendenziell dagegen waren, verfolgt. Aber halt auch nicht von einem irgendwie länderübergreifenden Gremium, sondern nur vom amerikanischen Secretary of State. Das fand ich ein wenig schade – man hätte da mMn gern auch noch abweichende Meinungen anderer Länder einbringen können oder allgemein mehr Szenen zu dem Thema. Keine Ahnung, ob im nächsten Avengers-Teil nochmal was dazu kommt.

Gut fand ich, dass der große Team vs. Team-Kampf nur einmal stattfand und das auch eher in der Mitte des Films, so dass sich das Finale dann auf Steve, Tony und Bucky konzentrierte. Der Kampf auf dem Flughafen war auch wesentlich weniger ernst und wirkte auch nicht so, als ob sich da jetzt Todfeinde gegenüber stehen. Auch durch Spidermans überdrehte Sprüche, den Riesen-Antman und dergleichen war das zwar ein actionreiches Highlight, aber halt nicht so superdramatisch. Man kann sich zumindest noch vorstellen, dass das Team wieder zusammenfindet, sofern Cap und Stark sich zusammenraufen. Sehr gut fand ich auch, dass War Machines Verletzung nicht durch jemanden von der „Gegenseite“ ausgelöst wurde, sondern durch The Vision – der sich dann auch gleich damit auseinandersetzen muss, dass er (zum vermutlich ersten Mal) einen Fehler gemacht hat.

Überhaupt, The Vision wie auch Scarlet Witch waren erstaunlich präsent im Film und ihre Verbindung zueinander (über Lokis Zepter bzw. den Stein) fand ich auch ziemlich interessant. Wobei Scarlet Witch für mich bislang leider der am wenigsten greifbare Charakter ist und ich gerne noch mehr von ihr sehen würde (zumal, wie Anna mir gestern auch nochmal erklärt hat, ihr Hintergrund in den Comics sehr interessant ist, aber aufgrund der Mutanten-X-Men-Studiobla-Geschichte nicht verwendet werden kann). Aber ein Scarlet Witch-Film dürfte wohl leider so ähnlich wahrscheinlich sein wie ein Black Widow-Film. Leider. Die anderen Charaktere tauchen teilweise nur sehr kurz auf, sind da aber gut in Szene gesetzt. Ant-Mans soziale Awkwardness, Hawkeye als Familienvater (und vermutlich auch leichten Vatergefühlen für Wanda), War Machine als treuer Soldat … das passt schon alles gut so und kommt auch in der kurzen Zeit, die der Film pro Charakter hat, rüber. Wobei man sich halt schon fragen kann, wieso genau Spiderman z. B. da jetzt in den Kampf rennt, nur weil Tony ihn nett fragt (oder vice versa mit Antman und Cap).

Die beiden neuen im Team: Black Panther fand ich, wie gesagt, sehr großartig. Toller Schauspieler, der Charakter wird hinreichend eingeführt und der Konflikt zwischen Krieger und König verspricht im Black Panther-Film auch noch interessant zu werden (und in dem möchte ich bitte mehr von seiner großartigen Leibwächterin sehen!). Sehr gut fand ich auch seine letzte Szene mit Zemo, in der sich zeigt, dass er schon während des Films eine gewisse Wandlung durchgemacht hat. Und außerdem ist sein Vibranium-Vollanzug halt schon cool. Bei Spiderman bin ich nicht ganz so begeistert, wobei ich mit dem halt auch noch nie was anfangen konnte. Seit dem ersten und ziemlich miesen Film mit Tobey Maguire hab ich Spiderman immer ignoriert. Dass er jetzt so jung und teeniemäßig dargestellt wird, find ich nicht schlecht, zumal ich da in dem Spiderman-Film so ne Art Mentor-Schüler-Beziehung zu Tony Stark kommen sehe, was ganz witzig werden kann. Den total überdrehten Spidey im Kampf mit seinem ganzen Gelaber hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber naja. Ich glaub, die Filmemacher wollten mit seiner recht langen Rekrutierungsszene schon auch irgendwo Publikum für den kommenden Film werben – hat auch funktioniert, ich bin zumindest nicht abgeneigt, mir den anzuschauen.

Kommen wir zum heimlichen Star(k) des Films: Tony. Irgendwie wurde der Charakter Tony Stark in dem Film für mich so greifbar und interessant wie in 3 Filmen Iron Man und 2 x Avengers nicht. Man sieht endlich mal mehr als nur den arroganten Playboy, und man merkt, dass die Ereignisse aus Age of Ultron ihre Spuren hinterlassen haben. Tony wirkt müde und zerschlagen und ernsthaft darum bemüht, die Welt auch abseits seines Iron-Man-Daseins zu verbessern. Da passt es dann auch, dass er sich die Vorwürfe einer Mutter, deren Sohn in Sokovia umgekommen ist, so sehr zu Herzen nimmt, obwohl man natürlich an sich auch argumentieren könnte, dass er und die Avengers schon mehrfach die Welt gerettet haben. Auch die Geschichte um seine Eltern und deren Ermordung durch Bucky fand ich sehr gut dargestellt und sehr emotional – gerade das „I don’t care. He killed my mom“ und das „You don’t deserve that shield. My father made that shield!“ fand ich wirklich sehr stark gespielt und geschrieben. (Wenn man vorher übrigens noch The Winter Soldier frisch gesehen hat, ahnt man schon bei der Anfangsszene mit dem Auto, dass hier die Ermordung der Starks gezeigt wird, da in Winter Soldier ein Zeitungausschnitt zum angeblichen Unfalltod zu sehen ist.) Die finale Konfrontation zwischen Tony und Steve war dann auch sehr verbittert und sehr emotional – zumal Steve ja erst im letzten Moment innehält und den Schild doch in den Anzug rammt, statt Tony damit zu töten.

Dann war da irgendwie auch noch ein Bösewicht, aber irgendwie war der diesmal halt gar nicht so wichtig. Zemo wird gut gespielt von Daniel Brühl, sogar mit einigen deutschen Sätzen (übrigens: Das Deutsch im Film war zwar manchmal etwas holprig, aber an allen Stellen als solches zu erkennen und meistens sogar korrekt. Dass ich das noch erleben darf!). Ich fand es gut, dass diesmal nicht ein noch mächtigerer Gegner aufgefahren wird, sondern einfach ein Mensch, der sich rächen will – und erkennt, dass seine beste Chance darin liegt, die Avengers gegeneinander aufzubringen. Sein Plan ist auch ziemlich geschickt und als er am Ende fragt, ob man denn wirklich glaube, er sei gescheitert … das war schon gut. Mal sehen, ob er noch mal wieder vorkommt.

Womit ich halt nicht ganz so glücklich war, waren Steve und Bucky. Wie gesagt, es gab nicht so schrecklich viel Screentime für Steve, was halt in einem Captain America-Film schon etwas schräg war. Und aus der Problematik, dass Bucky von Hydra so gründlich gehirngewaschen ist und Steve teilweise gar nicht wiedererkennt, hätte man auch noch mehr rausholen können. Irgendwie geht es schon recht schnell, bis er wieder normal drauf und zusammen mit Steve und Sam unterwegs ist. Achja: Und wo ist eigentlich das rote Buch geblieben, das Zemo benutzt hat, um Bucky wieder „einzunorden“? Das war auf einmal irgendwie weg. Ich mag ja Steve Rogers als Charakter nach wie vor gerne, und dass er für Bucky so ungefähr alles tun würde, kommt auch gut rüber und ist verständlich. Mir fehlt halt irgendwie so ein bisschen die „Closure“ für die ganze Captain-America-Reihe und seinen Charakter. Klar, er kommt in Avengers ja wieder vor, aber das tat Iron Man ja auch und Iron Man 3 bildete trotzdem einen Abschluss von Tonys Geschichte. Immerhin, am Ende hat Steve es geschafft, Bucky zumindest so ein wenig zu retten, aber nach Abschluss fühlte sich das für mich nicht an.

Der für mich traurigste und emotionalste Moment des Films war übrigens der Tod von Peggy Carter. Da bin ich, als Steve die SMS bekam, spontan in Tränen ausgebrochen. Peggy ist mir einfach in Cap 1, ihren Gastauftritten in den anderen Filmen und natürlich 2 Staffeln Agent Carter total ans Herz gewachsen und für mich eine der besten und großartigsten Charaktere des MCU. Da ist es auch traurig, wenn sie nach einem langen, erfolgreichen, erfüllten Leben mit über 90 im Schlaf stirbt. Wie schön, dass der Film Zeit hatte, ihre Beerdigung zu zeigen, auch wenn das natürlich dazu diente, Sharon Carter aka Agent 13 in die Story zu bringen. Ich weiß übrigens immer noch nicht, was ich von dem Kuss zwischen Steve und Sharon halten soll. Er kam so aus dem Nichts, wirkte irgendwie ein bisschen unbeholfen … und gleichzeitig fand ich es sehr rührend, weil es für mich irgendwie so rüberkam, dass Steve Sharon zwar mag, aber der Kuss schon eher Peggy gilt – und sie das auch weiß. Mal sehen, ob es zwischen den beiden noch irgendwie weitergeht. Im Übrigen ist es natürlich auch sehr geschickt vom Film, Steve und Tony gerade in dieser Situation ihrer moralischen Instanzen in Form von Peggy und Pepper zu berauben, so dass auch von dieser Seite keine Deeskalation möglich ist.

Insgesamt hat Civil War mir sehr gut gefallen. Er bringt viel aus den vorherigen Filmen mit rein und baut auf ihnen auf (z. B. die Steve-Bucky-Geschichte oder auch die Freundschaft zwischen Steve und Natasha – vermutlich wäre sie ohne die Ereignisse aus Winter Soldier weniger auf seiner Seite gewesen. Ja, sie ist auf den Fotos im Team Stark. Nein, das ist im Film nicht immer so.). Gleichzeitig befasst er sich – im Rahmen einer Comicverfilmung natürlich – doch recht gut mit der Frage, wie viel Verwantwortung Superhelden übernehmen müssen und ob sie kontrolliert werden sollten. Man hätte das noch weiter thematisieren können und vielleicht auch sollen, aber ich fand es schon in Ordnung so. Der Konflikt zwischen Steve und Tony ist weniger plakativ als es im Vorfeld rüberkam und eskaliert erst am Ende, da aber auf sehr nachvollziehbare Weise. Trotzdem wird am Ende noch eine kleine Brücke zwischen den beiden geschlagen, so dass eine weitere Zusammenarbeit der Avengers möglich scheint.

Im Verhältnis zu den anderen Filmen fällt es mir relativ schwer, Civil War einzuordnen. Er ist auf der Ebene der Team-Filme auf jeden Fall besser als Age of Ultron. Von den Captain America-Filmen gefallen mir die ersten beiden aber wohl doch einen Ticken besser, weil Cap1 so schön pulpig ist (und Peggy Carter hat) und The Winter Soldier einen ähnlichen Tiefgang hat, diesen aber auf weniger Charaktere verteilen muss (und es war halt großartig, wie die Story gleichzeitig im Film und in Agents of Shield erzählt wurde). Ich werd mir Civil War aber auf jeden Fall noch ein paar Mal auf DVD anschauen – und freue mich schon auf die 2 Avengers-Filme von den selben Regisseuren.

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Gedanken zu „The Force Awakens“ (mit und ohne Spoiler)

Ich muss jetzt doch mal zu Star Wars bloggen. Eigentlich wollte ich meinen Eindruck von The Force Awakens nur im nächsten (längst überfälligen) Mediengedöhns-Artikel schildern, aber nun war ich schon zweimal im Kino und hab so viel Kram dazu im Kopf, dass ein eigener Eintrag wohl doch besser ist.

So, für alle, die den Film noch sehen wollen, erstmal spoilerfrei:

Mir hat The Force Awakens sehr gut gefallen (so gut, dass ich zum ersten Mal seit … ich weiß es nicht mehr, vermute aber: dem letzten Herr-der-Ringe-Teil, ein zweites Mal im Kino war). Er fühlt sich für mich einerseits typisch nach Star Wars an, ist andererseits aber auch natürlich – und zum Glück – sehr viel „moderner“ als die alte Trilogie. Optisch merkt man, wie viel mit Modellen und Kulissen statt CGI gearbeitet wurde, es wirkt alles sehr echt und gleichzeitig optisch total schick, ohne sich in Scenery Porn total zu verlieren. Das Zusammenspiel von alten und neuen Charakteren funktioniert für mich gut – und überhaupt, die Charaktere sind für mich einer der großen Pluspunkte am Film. Von dem gealterten Han Solo nebst Chewie über das neue dynamische Trio Rey (Liebe!!), Finn und Poe bis hin zum neuen Bösewicht … da konnte mich so gut wie alles begeistern. (Ja, auch Kylo Ren, aber das muss ich unten im Spoilerteil ausführen 😉 .)  Die Story ist zugegebenermaßen jetzt nicht unbedingt … neu, aber ich kann die Vorwürfe, der Film sei eine 1:1-Kopie von A New Hope, nicht nachvollziehen. Zumal man ja bei ANH nun nicht über das Schicksal 30 Jahre bekannter Charaktere spekulieren und mitfiebern konnte, die waren ja damals alle neu. Klar, viele Elemente sind bekannt, aber insgesamt ist der Plot für mich anders genug, wenn auch (in Teilen) einigermaßen vorhersehbar. Aber für mich passt das, denn es mussten erstmal die neuen Charaktere etabliert werden und in Episode 8 wirds hoffentlich dann auch plotmäßig noch etwas innovativer.

Die Musik – mir fällt Filmmusik ja selten wirklich beim Gucken auf, diesmal aber schon – ist jedenfalls wieder perfekt, die alten und neuen Themen passen gut zusammen, der Film hat für mich außerdem eine passende Mischung aus Humor und Spannung/Drama, zumal es auch glücklicherweise keinen Jar Jar Binks-Verschnitt gibt (tatsächlich ist das glaube ich der Stwar Wars-Film mit am wenigsten „lustiger Sidekick“-Screentime). Was der Film auch gut macht, ist, dass er einige Fragen zu den alten und neuen Charakteren beantwortet, aber noch viel mehr neue Fragen aufwirft und sich sehr viele Möglichkeiten offen lässt, diese in den folgenden Teilen zu beantworten. Insgesamt bin ich also sehr glücklich mit The Force Awakens und supergespannt auf den nächsten Teil.

So, das war der spoilefreie Ersteindruck, nun wird gespoilert, also flieht, ihr Narren, die ihr noch nicht im Kino wart 😉

So zur Einordnung – ich war jetzt eigentlich kein riesiger Star Wars-Nerd und habe die alten Filme zwar alle gesehen, aber nicht Dutzende Male (und Episode 1-3 inzwischen auch großteils aus meinem Hirn verbannt). Vorm ersten Kinogang zu TFA haben der Mitbewohner und ich Episode 4-6 nochmal angeschaut, insofern war ich da wieder auf dem Laufenden (und umso weniger kann ich „Der Film ist A New Hope in neu“ nachvollziehen). Die ganzen Dinge aus dem Extended Universe und die Serien kenne ich jedenfalls (noch) nicht. Als ich gelesen habe, dass Disney Star Wars gekauft hat und nen neuen Film macht, hab ich erstmal gedacht „na, was soll das denn werden“, dann kamen irgendwann die ersten Bilder und dann der erste Tailer (der mit „Chewie, we’re home“) und ich war dann doch ganz positiv überrascht und freute mich irgendwann auch auf den Film. Am Ende sogar so sehr, dass ich mich ärgerte, nicht gleich am Starttag, sondern erst 4 Tage später Karten zu haben. Aber zum Glück war meine Ecke des Internets sehr brav und spoilerte nix, so dass ich tatsächlich ohne eine Ahnung von der Handlung zu haben, ins Kino gehen konnte. Außerdem waren da die Trailer ja auch wirklich gut gemacht, die vermittelten imho total gut die Stimmung des Filmes, ohne zu viel zu verraten (z. B. wurde da immer nur Finn mit dem Lichtschwert gezeigt und nie Rey).

Unheimlich positiv finde ich die neuen Charaktere. Rey ist einfach nur ganz große Liebe, ein toller Charakter, großartig gespielt von Daisy Ridley, ganz klar die Heldin des Films, ohne dabei aufdringlich zu wirken (wer jetzt rumheult, sie könne ja zu schnell zuviel, darf sich nochmal an 6-Jahre-alter-Anakin-gewinnt-das Rennen erinnern, ne?) – und zum Glück auf in keiner einzigen Szene mit „aus Versehen“ zerrissenem Bauchfrei-Outfit oder dergleichen Mist. Finn mag ich auch sehr gerne, zumal ich es sehr gut finde, dass mit ihm auch mal die Storm Trooper etwas genauer thematisiert werden – ich hoffe, es kommt noch ein bisschen was zu seinem Hintergrund. Bisher find ich ihn sehr sympathisch, zumal er auch irgendwie sehr bodenständig rüberkommt. Poe Dameron ist erstmal der klassische wagehalsige Pilot, zu dem man noch nicht so viel weiß, aber ich hoffe auf mehr Screentime für ihn im nächsten Film. BB8 ist als Droiden-Sidekick total knuffig, ohne dabei zu nerven – sehr schön. Und wie großartig, dass der Film ohne weiße, männliche Helden-Hauptfigur auskommt.

Dann wäre da noch Kylo Ren, der es vermutlich geschafft hat, in kürzester Zeit zu den umstrittensten Figuren des Star Wars-Universums aufzusteigen. Ich find ihn ja ziemlich gut und vermute, das ganze Gehate der Figur gegenüber kommt vor allem daher, dass viele einen durch und durch finsteren Gesellen bzw. einen Darth Vader 2.0 erwartet haben. Hatte ich nach den Trailern auch, aber ich finde die jetzige Lösung eigentlich besser. Kylo Ren als Darth Vader-„Fan“, der unbedingt so böse sein will wie sein Großvater, vom First Order nicht so richtig ernst genommen wird und am Ende den schrecklichen Mord an seinem eigenen Vater begeht, um endlich alles Gute in sich auszulöschen … ich finde das besser und vor allem interessanter als einen von vornherein überlegenen, superbösen Charakter. Zumal jetzt nach TFA eigentlich alle möglichen Charakterentwicklungen noch offen sind – Kylo könnte tatsächlich noch richtig böse werden oder sich eben doch noch zur Guten Seite bekehren lassen. Bei den fiesemiesen Charakteren bleiben ja dann noch Snoke (wer auch immer das eigentlich ist) und der First-Order-Kommandant, dessen Name mir grad nicht einfällt. Außerdem mag ich Adam Driver als Schauspieler sehr gerne.

Bei den alten Charakteren bin ich auch sehr zufrieden. Harrison Ford hat sichtlich Freude daran, noch einmal Han Solo zu spielen und gibt einen wunderbaren, gealterten, grummeligen Han ab. Carrie Fisher fand ich auch trotz der geringen Screentime absolut großartig, sie spielt Leia nach wie vor total … intensiv und auch ohne große Worte sehr eindrücklich. Ihre ohne eine Silbe Text gespielte Reaktion auf Hans Tod ist wirklich herzzerreißend. Und von ihr und Luke werden wir hoffentlich ja noch mehr im nächsten Teil sehen.

Wie gesagt, die Handlung … jaaaah, Todesstern Starkiller, drohender Angriff auf die Rebellenbasis, die wichtige Info ist im Droiden versteckt … es gibt durchaus Elemente aus ANH, aber das finde ich gar nicht schlimm. Ich glaube, mit der Wahl der Hauptfiguren hat sich Disney schon weit genug aus dem Fenster gelehnt, innovativer Plot ist dann (hoffentlich) nächstes Mal dran.

Und das Ende ist schon einfach episch … wie Rey die Treppen nach oben läuft und das Rey-Thema sich langsam mit dem The Force-Thema vermischt (und dumme Menschen im Nebensitz debattieren müssen, wo der Drehort ist – Skellig Islands in Irland, btw) und sie und Luke sich dann gegenüberstehen und sie ihm das Lichtschwert entgegenhält … aaaah, da will ich auf jeden Fall sofort den nächsten Film sehen!

So, und weil der Eintrag schon lang genug ist, jetzt noch ein paar lose Gedanken, die mir im Kopf rumgehen:

  • Die Frage nach Reys Herkunft finde ich natürlich sehr spannend … ich bin gespannt, ob die Lösung relativ langweilig ist, und sie einfach Lukes Tochter mit wem auch immer ist (womit dann aber wenigstens coolerweise wieder ein Skywalker unterwegs wäre) oder ob sie eine andere Herkunft hat. Und natürlich wieso sie auf Jakku abgesetzt wurde, ob sie schonmal im Jedi-Training war und nur ihre Erinnerungen gelöscht wurden und wieso die Macht so stark bei ihr ist.
  • Ich bin mir 1000 % sicher, dass Han wusste, wer sie ist. Er schaut so bedröppelt, als sie sich über das viele Grün auf dem Planeten bei Maz freut, als ob es ihm leid täte, dass sie auf Jakku gelandet ist. Dann wäre da noch das bewusste Wegblenden nach Maz‘ Frage „Who’s the girl?“ und den Job hätte er ihr vermutlich auch nicht einfach so angeboten.
  • Eigentlich bin ich mir recht sicher, dass Rey nicht auch mit Han verwandt ist (und somit nicht Kylos Schwester oder dergleichen), weil ich denke, dass Leia ihr das spätestens nach Hans Tod erzählt hätte. Andererseits wird auch dieses Gespräch wieder bewusst ausgelassen, man sieht Leia und Rey sich nach der Zerstörung des Starkillers umarmen (und dabei läuft dann auch das Han-und-Leia-Theme) und dann den Abschied von Finn und der Resistance, ohne dass man weiß, ob es noch ein Gespräch zwischen Leia und Rey gab.
  • Apropos Leia: Ich finde es großartig, dass sie weiterhin den Namen Leia Organa verwendet und somit ihre Adoptiveltern in Ehren hält und sich nicht Skywalker oder Solo nennt. Und dass sie wieder General bei den Rebellen ist, finde ich auch super, zumal Carrie Fisher im jetzigen Alter auch sehr viel Würde ausstrahlt. Und nee, ich sag jetzt mal nix zu den Flachpfeifen, die sich darüber echauffieren, dass eine Frau im Alter von 59 nicht mehr wie 25 aussieht.
  • Ebenfalls gefällt mir sehr, sehr gut, dass es für Han und Leia kein endgültiges Happy End gab … dass sie sich über ihren dem Bösen anheim gefallenen Sohn auseinandergelebt haben, sich am Ende doch wieder halb versöhnen und er dann stirbt, weil er doch noch versuchen will, Ben wieder nach Hause zu holen (vermutlich eher für Leia als aus eigener Überzeugung … und er hätte auch ungesehen verschwinden können stattdessen) … das ist alles so traurig und für mich mit der stärkste Teil des Filmes. Wenn Leia spürt, dass Han tot ist und Chewbacca anfängt, wie ein Wilder loszutoben, musste ich auch bei beiden Kinobesuchen heulen.
  • Ich bin sehr gespannt, wie Maz an das Lichtschwert von Anakin/Luke gekommen ist.
  • Der Film arbeitet sehr geschickt damit, viele Sachen gar nicht zu thematisieren. Das Abblenden nach „Who is the girl?“, das Nichtzeigen eines evtl. Gesprächs von Leia und Rey (das aber dennoch stattgefunden haben kann), etc. – theoretisch könnte Rey längst wissen, wo sie herkommt, nur der Zuschauer noch nicht. Ich finde das ganz gut, weil es das frustrierenden Gefühl von „OMG, wieso REDEN die Charaktere nicht miteinander“ vermeidet und trotzdem noch viel zum Spekulieren offen bleibt.
  • Ich frage mich, ob noch mal thematisiert wird, wieso ausgerechnet Finn of all Stormtroopers nicht mehr wollte und bei seinem ersten Einsatz durchgedreht ist. Der Herr Mitbewohner meint ja, vielleicht hat der ältere Jedi-Anhänger, der Poe den Datenträger gegeben hat, noch vor seinem Tod irgendwas gemacht, um Finn zu beeinflussen.
  • Es gibt einige sehr nette Details, die mir beim 2. Mal gucken aufgefallen sind. Zum Beispiel sieht man nach dem Absturz eines Tie Fighthers bei der Flucht von Jakku gleich die Scavengers hinstürzen und nach den besten Teilen suchen. Auch erst beim 2. Mal gesehen: Nachdem Han sich ja beschwert hat, dass es auf der Starkiller Base so kalt ist, hat Chewie ihm während der Suche nach Rey irgendwoher noch eine Jacke besorgt. Wie fürsorglich. Schnüff.
  • Es gibt weibliche Storm Trooper! Also noch mehr außer Captain Phasma, die bitte auch gerne noch mehr vorkommen darf nach ihrer epischen Flucht aus dem Müllschacht.
  • Ich bin sehr gespannt, wieso nun Kylo böse geworden ist. Und wer die anderen „Knights of Ren“ sind, die erwähnt werden. Und ob Kylos Böse-werden jetzt damit zu tun hat, dass Rey auf Jakku „geparkt“ wurde … eigentlich sind die beiden vom Alter her nicht weit genug auseinander, dass sie noch so jung gewesen sein kann wie in der Rückblende, während er schon alt und stark genug war, Lukes Schüler aktiv zu bedrohen.
  • Ob wohl der alte Jedi-Tempel, den Luke sucht, noch vorkommt?
  • Und wer zur Hölle ist Snoke? Hoffentlich nicht der olle Palpantine, den man irgendwie wieder zusammengekratzt hat. Das fände ich langweilig.
  • Ich fände es ja so schön, wenn Rey als weibliche Heldin der Filme ohne Lovestory auskommt … aber ich weiß nicht, ob Disney mir den Gefallen tut. Mein Lieblingsszenario wäre im Moment wirklich Liebesgeschichte zwischen Finn und Poe, aber ich fürchte, dass Finn doch eher an Rey interessiert ist.
  • Wie ich gestern auf Twitter gelernt habe, ist der Shipping-Name für Finn+Poe übrigens Storm Pilot 😀 .
  • Und zum Schluss: Wie wird Episode 8 wohl heißen?

Okay, ihr seht, ich hab wirklich viel STAR WARS im Kopf gerade. Wie passend, dass auf Netflix grade 6 Staffeln The Clone Wars aufgetaucht sind, dann kann ich ein bisschen weiter im Universum herumsuchten 😉 .

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Rezension: Die Geister des Landes 3 – Aus der Tiefe

Gdl coverTreffen sich ein Werwolf, eine Hexe und eine Juffer im Puff, um die Welt zu retten. Naja, oder zumindestens die Eifel. Und nein, diese Situation ist jetzt keine von mir erdachte Überspitzung, diese Szene gibt es wirklich im dritten und finalen Band der Geister des Landes-Trilogie von Judith C. Vogt. Aus der Tiefe ist schon vor mehreren Wochen erschienen und netterweise habe ich wieder ein Rezensionsexemplar erhalten.

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Previously on …

Wir erinnern uns: In der Eifel erwachen die Sagengestalten, unheimliche Männer und Frauen ohne Gesicht planen üble Dinge, und die drei Nerds Dora, Gregor und Edi werden von Fiona, die prophetische Träume hat, in all das hineingezogen. Am Anfang von Band 3 sind die vier Jugendlichen bereits ein eingeschworenes Team, auch wenn es immer wieder mal Streit, romantische Zerwürfnisse und anderen Ärger gibt. Und nun ist endlich die Zeit gekommen, um den Gesichtslosen endgültig das Handwerk zu legen oder dabei unterzugehen.

Finale, oooh-ohhhh…

Wenn das Erzähltempo schon in Band 1 und 2 hoch war, so legt die Autorin gerade zu Anfang von Aus der Tiefe nochmal eine ganze Schippe drauf. Im ersten Drittel des Buches überstürzen sich die Ereignisse geradezu und es passieren auch jede Menge Dinge, die ich so wirklich nicht erwartet hätte. Aber da ich hier nichts spoilern will, belasse ich es mal bei diesem vagen Hinweis. Ich WTF-te beim Lesen jedenfalls öfter vor mich hin, aber auf die gute Art und Weise, da die Wendungen zwar überraschend sind, aber dabei trotzdem plausibel und nachvollziehbar bleiben.

In der Mitte des Buchs wird das Tempo dann gedrosselt, die Handlung fächert sich auf und jeder der vier Protagonisten geht seine eigenen Wege. Außerdem passiert, was nach mehreren Monaten, in den die Sagengestalten durchs Land toben, passieren muss – es werden mehr Leute auf das Geschehen aufmerksam. Die vier Jugendlichen sehen sich mit Polizisten, Lehrern, Elternteilen und anderen Erwachsenen konfrontiert, von denen einige Helfer, die anderen eher Hindernisse darstellen. Ich finde es gut, dass diese logische und im Prinzip überfällige Entwicklung im Buch ihren Platz hat, es nimmt aber halt ein wenig die Geschwindigkeit und das „the four of us against the world“-Gefühl raus.

Das Finale findet dann an mehreren Schauplätzen und auf mehreren Ebenen statt. Jede der vier Hauptfiguren hat ihren eigenen Kampf auszufechten. Auch das war irgendwie anders, als ich es im Vorfeld erwartet hatte – ich hatte ja irgendwie mit einem coolen Dora-Edi-Fiona-Gregor-Slow-Motion-Walk in die Zentrale des Bösen gerechnet. Tatsächlich ist im Finale dann jeder erst einmal auf sich gestellt, was mir, als die Erwartungshaltung überwunden war, auch ziemlich gut gefallen hat. Es gibt also nicht den einen großen Showdown, sondern es passiert an verschiedenen Schauplätzen ziemlich viel, es gibt Action und Drama und am Ende dann doch – so viel sei verraten – ein ziemliches Happy End.

Durch die vier parallel ablaufenden Handlungsstränge musste ich tatsächlich, als ich das Buch zuklappte, erstmal kurz durchatmen und im Kopf sortieren, was im Finale nun alles passiert ist. Da geht es nämlich wirklich drunter und drüber. Wie ich das Ende nun finde? Da bin ich etwas zwiegespalten – einerseits freut es mich für die Charaktere, mit denen ich 3 Bücher lang mitgefiebert habe, dass alles am Ende doch gut wird, andererseits steh ich ja eher auf Enden, in denen eben nicht alles gut ist. Also wenns nach mir gegangen wäre, hätte das Ende ruhig noch etwas weniger glücklich sein können. Aber andererseits ist die Trilogie ja auch eine Jugendbuchreihe und vielleicht sieht die Zielgruppe das dann eben doch sehr viel anders als ich.

Apropos Jugendbuch: Nach wie vor finde ich, man kann die 3 Bücher auch als Erwachsener wunderbar lesen, weil es einfach nicht so wahnsinnig viele Dinge gibt, die man mit 16 vielleicht toll, mit 30 aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit scheiße findet. Es gibt keine „sie ist so toll und jeder liebt sie, aber sie merkt gar nicht, welchen Einfluss sie auf ihre Umwelt hat“-Protagonistin (ja, weibliche Form, in männlich kenn ich sowas gar nicht), es gibt zwar Liebeskuddelmuddel, aber kein Love Triangle, das sich über 3 Bände zieht. Und trotzdem sind die vier Hauptfiguren ganz unverkennbar noch sehr jung, was zum Glück aber eher amüsant als irgendwie nervig ist.

Wunderbares Lieblingszitat hierfür:

„Er war so verwegen, dass er auf ihre Schuhspitzen statt auf seine eigenen starrte.“

Etwas verschwommen, aber: Da steht mein Name :)

Etwas verschwommen, aber: Da steht mein Name 🙂

Last but not least ist da natürlich der Nerd-Content. Der ist auch im finalen Band wieder reichlich vorhanden, auch wenn die vier selbsternannten Helden nun wirklich keine  Zeit mehr haben, Rollenspiel zu machen. Das Buch geht schon sehr gut damit los, dass eins meiner Lieblingszitate aus Doctor Who als Einleitung verwendet wird (auch wenn – Achtung supernerdklugscheißen – „A good man goes to war“ in der Serie nicht von River zitiert wird). Auch im Rest des Buches wimmelt es vor nerdigen Zitaten und Anspielungen, was mich beim Lesen mehr als einmal schmunzeln ließ. Außerdem entdecken die 4 Nerds auch immer mehr das Internet für sich und weiten den Kampf gegen die Unscheinbaren auf die sozialen Medien aus. Highlight des ganzen Online-Krams war es natürlich, meinen eigenen Twitternamen im Buch zu entdecken! Ich hatte schon völlig vergessen, dass Judith mal gefragt hatte, wer sich denn freiwillig meldet, um erwähnt zu werden. Insofern war das eine schöne Überraschung beim Lesen 🙂 .

Wunderbares Lieblingsnerdzitat:

„Später. Später irgendwann, so, wenn alles in die Luft fliegt und wir an vereisten Klippen hängen. Dann sage ich: Ich liebe dich! Und sie sagt: You know nothing, Gregor Unger!“

Fazit

Es gilt, was eigentlich auch schon für Band 1 und 2 galt: Die Geister des Landes ist unterhaltsame und spannende Lektüre, von Nerds für Nerds und mit vielen interessanten Einblicken in die Sagenwelt der Eifel. Aus der Tiefe ist ein gelungener Abschluss der Trilogie – und ein bisschen traurig war ich schon, dass ich mich nun von Dora, Gregor, Edi und Fiona verabschieden muss.

Vielen Dank an Judith C. Vogt und den Ammianus-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Rezension: „Die Pestflamme“ von Judith C. Vogt

Die PestflammeJudith Vogt und die Eifel, das gehört ja irgendwie zusammen. Nachdem sich schon die Protagonisten ihrer „Geister des Landes“-Reihe mit den lokalen Sagengestalten herumschlagen mussten, führt die Novelle „Die Pestflamme“ jetzt in die Vergangenheit ebenjenen Landstrichs. Es geht, big surprise, um die Pest. Die kommt auf die Kasselburg und rafft die Verlobte des Türmers Laurenz dahin, der daraufhin das Türmen aufgibt und ziellos durch die Lande zieht. Ich finde es im Übrigen sehr schön, dass Laurenz ausgerechnet ein Türmer ist, er hätte ja auch Bauer, Fuhrknecht,  Schneider oder Fischer sein können. Aber ein Türmer, das gibt es ja heute nicht mehr und das ist auch ein bisschen unbegreiflich, dass es wirklich mal Leute gab, die hauptberuflich auf Türmen rumhingen und die Umgebung im Auge behielten. Jedenfalls treffen Ex-Türmer Laurenz und sein namensinkonsistentes Pferd Jann-Peter-Theodor-Jockel (Yo-Saff-Bridge lässt grüßen) schließlich auf Heinrich. Dieser ist ein reisender Adliger mit düsterer Ausstrahlung und zunächst unbekannter Vergangenheit. Und wäre Laurenz eine Laurenzia und die Pestflamme keine historische Novelle, sondern ein Mittelalter-Liebesschinken, so verlöre die liebreizende Laurenzia, die dann aber nicht Türmerin, sondern …. sagen wir mal, Hebamme, wäre, natürlich ihr Herz an ihn. Doch zum Glück bleibt uns das allen erspart und unsere beiden Protagonisten nun also zu zweit durch die Lande, was an sich ja ganz vergnüglich wäre, würde die Pest ihnen nicht auf dem Fuße folgen. In fast allen Orten, in denen sie Halt machen, bricht die Pest aus und Laurenz, der ja seine Geliebte durch sie verloren hat, sagt der Krankheit quasi persönlich den Kampf an. Immer wieder stellt er bestimmte Phänomene fest, durch die die Pest sich verbreitet: Eine blaue Flamme (die namensgebende Pestflamme), Mäuse, falsch bestattete Leichen … und immer wieder fällt ihm ein Weg ein, die Pest durch Bekämpfung dieser Vorkommnisse zurückzuschlagen. Seine Erkenntnisse verarbeitet Laurenz zu Liedern und Gedichten, die er auf seinen Reisen vorträgt, um so die Pestausbrüche möglichst früh zu verhindern. Währenddessen findet er langsam mehr über seinen mysteriösen Begleiter Heinrich heraus, der vor seiner tragischen Vergangenheit davonläuft. Gegen Ende der Geschichte finden sich Laurenz und Heinrich auf Burg Nideggen ein, es gibt einen Maskenball und, wie das auf Maskenbällen so ist, zahlreiche Enthüllungen. Aber über die verrate ich jetzt nichts, dazu müsst ihr euch das Buch schon selber kaufen.

„Die Pestflamme“ ist, ich erwähnte es ja bereits, eine Novelle. Und das finde ich ziemlich großartig, da, soweit es mir bekannt ist, es recht schwer ist, in Deutschland etwas Gedrucktes zu veröffentlichen, was nicht Zeitung/Zeitschrift oder Roman ist. Nun hätte man natürlich auch auf ein Buch mit knapp 150 Seiten Roman draufschreiben können, ich habe schon kürzere Romane gelesen, aber der Verlag steht hier zur Novelle und das finde ich prima. Außerdem hat er das Titelbild von der großartigen Mia Steingräber zeichnen lassen, was ich natürlich auch nur begrüßen kann. Das Cover zeigt den mysteriösen Heinrich in düsterer Klamotte, im Hintergrund eine Burg und herbstlichen Wald – und das ist auch ungefähr so die Stimmung, die das Buch vermittelt. Es ist alles sehr barock, überall Pest, Krieg und Tod (und vermutlich auch Hunger, wir wollen hier ja keinen apokalyptischen Reiter diskriminieren), und mittendrin die beiden Hauptfiguren, die ziellos durch das Land streifen. Die Beziehung der beiden zueinander hat mir gut gefallen. Sie tun sich am Anfang eher aus Zweckgründen zusammen, schließen aber dann doch so etwas wie Freundschaft, die, wie sich am Ende zeigt, doch recht tiefgreifend ist. Außerdem war ich als Leser, genau wie Laurenz als Erzähler, doch recht neugierig, was es mit Heinrich denn nun auf sich hat. Die Auflösung des Ganzen gefällt mir, denn sie war weder ab Seite 10 klar noch kam sie irgendwie wie mit dem Holzhammer, weil es keine Hinweise darauf gab. Auch die Gedichte von Laurenz haben mir gefallen, zumal auch immer wieder darauf eingegangen wird, wie er daran arbeitet, welche Versformen er verwendet und wie er zum Teil auch mit seiner Dichtung hadert. Und mit den wechselnden Namen des Pferdes und Heinrichs spöttischen Bemerkungen ist auch die ein oder andere witzige Stelle drin. Das Ende – nein, ich verrate es immer noch nicht – fand ich auch sehr gut. Gut, wer mich kennt, mag nun ahnen, dass ein Ende, das mir gefällt, nicht darin besteht, dass Heinrich und Laurenz zwei pestkranke Frösche küssen, die sich dann in wunderschöne Prinzessinnen verwandeln, mit denen sie gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten.

Einzig die Figur von Laurenz ist halt so ein wenig blass. Er liebt seine verstorbene Geliebte, mag Gedichte und kämpft entschlossen gegen die Pest, sehr viel mehr erfährt man aber nicht über ihn, obwohl aus seiner Perspektive erzählt wird. Heinrich ist demgegenüber die interessantere Figur, was mit Sicherheit auch so beabsichtigt ist. Trotzdem ist Laurenz nicht nur Erzählfigur, sondern in der Geschichte schon auch zentral wichtig, insofern hätte ein bisschen mehr über seine Interessen oder Vorlieben, Abneigungen oder seine Vergangenheit schon nicht schaden können. Aber so ein Ich-Erzähler sollte natürlich auch nicht ständig über sein eigenes Leben rumdenken, nur damit der Leser das erfährt. Ach, schwierig.

Die Eifel als Schauplatz hat mir wieder gut gefallen, ich weiß jetzt vermutlich mehr über lokale Sagen der Eifel als über die aus Hamburg oder dem Erzgebirge. Wie auch schon bei den Geistern des Landes ist es vermutlich noch cooler, das Buch zu lesen, wenn man die beschriebenen Orte kennt, aber sie nicht zu kennen, mindert den Spaß am Lesen nicht wirklich.

Insgesamt ist „Die Pestflamme“ eine spannende und unterhaltsame Lektüre, die die verschiedenen Pestsagen der Eifel zu einer schönen Erzählung mit viel Barock-Flair verwebt.

Judith C. Vogt: Die Pestflamme
Verlag Meyer & Meyer
144 Seiten
€ 9,95

Ich bedanke mich herzlich bei Judith Vogt und dem Meyer & Meyer-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Gelesen: Bücher im April

Na gut, einen Teil der Bücher hab ich auch noch  in der ersten Mai-Woche zu Ende gelesen. Aber da wollen wir ja mal nicht so sein, oder?

Margaret Atwood – The Year of The Flood

Abweichend von meiner Annahme in der Rezension zu Oryx and Crake handelt es sich tatsächlich nicht um eine Vorgeschichte zu letzterem, sondern spielt mehr oder weniger zeitgleich. Thematisiert wird diesmal nicht das Leben in den abgeschotteten Wohnräumen der Reichen, sondern das in den „Pleeblands“, also quasi den Ghetto-Bezirken. Im Vordergrund steht die Religionsgemeinschaft „God’s Gardeners“, die versuchen, mit den immer knapper werdenden Ressourcen der Erde klarzukommen und sich trotzdem rein pflanzlich zu ernähren und möglichst umweltfreundlich zu leben. Hauptfiguren sind diesmal zwei Frauen, die – wie schon Snowman in Oryx and Crake abwechselnd aus ihrer der Vergangenheit und der Gegenwart erzählen. Beide Charaktere sind auch wieder wirklich gut gezeichnet, zudem gibt es jede Menge interessante Nebenfiguren. Und tatsächlich gibt es auch Überschneidungen mit Personen aus Oryx and Crake, sogar mehr, als man am Anfang vielleicht denkt.

Auch dieses Buch habe ich wieder gern gelesen. Jedes Kapitel beginnt erstmal mit einer zitierten Predigt des Vorstehers der Regligionsgemeinschaft, die waren zwar auch immer recht interessant und manchmal sehr komisch, weil da irgendwelche Fakten wild durcheinandergeworfen wurden. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich sie manchmal nur quergelesen habe, weil ich wissen wollte, wie es mit der eigentlichen Geschichte weitergeht. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass das Buch nicht die Vorgeschichte darstellt, sondern zeitgleich spielt, denn ich hätte schon gern gewusst, wie die Welt so geworden ist, wie sie zu Anfang des Buches ist. Aber egal. Trotzdem eine klare Leseempfehlung für alle, die Dystopien mögen und Bücher ohne großen Actionanteil trotzdem gut finden.

Der dritte Teil der Reihe, Maddadam, liegt auch schon auf dem Lesestapel.

Zitate:

„Glenn used to say the reason you can’t really imagine yourself being dead was that as soon as you say, ‚I’ll be dead,‘ you’ve said the word I, and so you’re still alive inside the sentence. And that’s how people got the idea of the immortality of the soul – it was a consequence of grammar.“

„Maybe sadness was a kind of hunger, she thought. Maybe the two went together.“

Judith C. Vogt – Die Geister des Landes II: Gesichtslos

Weiter geht es mit den Abenteuern von Fiona, Gregor, Dora und Edi in der Eifel. Teil II knüpft mehr oder weniger nahtlos an den ersten Teil an (zu dem habe ich hier schon ausführlich geschrieben). Weiterhin ist die Sagenwelt der Eifel in Aufruhr und die vier Jugendlichen müssen zu retten, was zu retten ist. Diesmal gibt es gefühlt noch mehr mystische Wesen, außerdem einen Ausflug ins nächtliche Aachen auf der „anderen Seite“ sowie weiterhin sehr viel Action, lebendige Dialoge und ein hohes Tempo. Dabei bleibt aber das Persönliche nicht auf der Strecke, denn erstens geht der Kampf gegen die Monster nicht spurlos an den Charakteren vorbei und zweitens gibt es natürlich auch wieder ein bisschen Liebesdrama. Obwohl ich auf sowas eigentlich gut verzichten kann, schafft es Judith aber, dass ich mich wirklich brennend dafür interessiere, wer am Ende nun bei wem landet. Außerdem muss ich die Sexszene des Buches absolut loben: Die ist irgendwie ein bisschen unbeholfen, gleichzeitig aber schon irgendwie romantisch – und es wird auch nicht das Thema Verhütung einfach mal ausgeblendet, sondern die beiden benutzen ein Kondom. Danke dafür!

Teil 3 der „Geister“ ist leider noch nicht erschienen – ich warte sehr gespannt darauf, wie es weitergeht.

Zitate:

„Die Stimme in Fionas Traum sagte so nah an ihrem Ohr, dass sie seinen kalten Atem spüren konnte: „Ich habe alle Antworten, die du sucht. Und dafür verlange ich nur einen Tanz.“

Ken Grimwood: Replay – Das zweite Spiel
(deutsch von Norbert Stöbe)

Ein Science Fiction-Roman aus dem Jahr 1988, den ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich hatte noch nie davon gehört, es ist aber wohl ein recht bekanntes Buch und soll angeblich auch die Inspiration zum Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gewesen sein. Was passiert? Ein Mann stirbt im Jahr 1988 und sein Bewusstsein wird 25 Jahre in die Vergangenheit geschleudert, so dass auf einmal wieder am College ist, sich aber an alles erinnert.  Es geht im Buch dann darum, was er mit der Situation anfängt und was er aus seinem „zweiten Leben“ macht – allerdings passiert auch noch mehr, aber ich will das lieber nicht so genau verraten.

Die Thematik des Buches ist interessant, allerdings hat es mich nicht so richtig mitgerissen. Der Schreibstil ist sehr sachlich und es wird mehr beschrieben als erzählt. Auch die Charaktere sind zwar nicht unsympathisch, richtig nahe gekommen bin ich ihnen aber auch nicht. Gerade gegen Ende des Buches werden manchmal ganze Monate und Jahre einfach ein ein oder zwei Absätzen zusammengefasst. Das hat mir nicht so gut gefallen. Interessant ist das Buch durchaus. Ach ja: Wenn ihr die deutsche Ausgabe von 2005 (Taschenbuch) lesen solltet: Diese enthält ein Vorwort, was intelligenterweise den kompletten Inhalt des Buches spoilert *facepalm*. Also schnell überspringen.

Angelika Klüssendorf: Das Mädchen

Aufmerksame Leser erinnern sich – vor einer Weile war ich bei einer Lesung von Angelika Klüssendorf, bei der sie aus April, dem Nachfolger von Das Mädchen gelesen hat. Danach habe ich mir das erstmal den ersten Teil bestellt, weil es April auch noch nicht als Taschenbuch gibt. Das Mädchen ist ein sehr kurzer Roman und thematisiert die Kindheit eines Mädchens in der DDR, mit prügelnder und trinkender Mutter, abwesendem Vater, Kinderheim und anderen unschönen Sachen. Die Geschichte ist zumindest teilweise autobiographisch. Der Schreibstil ist sehr nüchtern und betrachtet das Mädchen, das nicht einmal einen Namen hat, stets auf einige Entfernung. Trotzdem kann man beim Lesen sehr viel Verständnis für den Charakter aufbauen. Es gibt hier keine große Handlung, keine Wunder, die irgendwie geschehen und die Protagonistin retten, und genau deshalb gefällt mir das Buch ziemlich. Es liest sich schnell weg, die Sätze sind klar und einfach. Aber es bleibt im Gedächtnis und ruft trotz der nüchternen Wortwahl bei mir Bilder im Kopf hervor.

Zitate:

„Das Herz pocht ihr den Hals herauf, sie schließt die Augen, eigentlich will sie nur davonkommen, und manchmal gelingt es ihr.“

Manchmal hebt sie einen Stein auf, trägt ihn ein paar Schritte bei sich, doch dann muss sie zurückgehen – in  ihrer Vorstellung hat sie den Stein seiner Familie entrissen, deshalb muss sie ihn an genau die Stelle zurücklegen, wo sie ihn gefunden hat.“

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