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Rezension: Roma Nova

Disclaimer 1: Ich habe ein Rezensionsexemplar erhalten. Ob das hier damit jetzt unter Werbung fällt, muss vermutlich jeder selbst entscheiden. Fühlt euch hiermit darauf hingewiesen.

Disclaimer 2: Ich kenne die Autorin. Wir ham da so nen Podcast zusammen. Ich würde trotzdem sagen, wenn ich das Buch doof fände. Ja ja, das müsst ihr mir jetzt einfach glauben.

Was wäre, wenn Rom keine Stadt, sondern ein Planet wäre, Gladiatorenkämpfe ein Hightech-Spektakel und der Spartacus-Aufstand eine Science Fiction-Geschichte? Das ist so ungefähr die Grundprämisse von Judith Vogts Roman Roma Nova, der auch keine ganz gewöhnliche Entstehungsgeschichte hat. Das Buch war eine Auftragsarbeit für einen Filmproduzenten, schaffte dann doch noch den Weg in den Buchhandel und wer weiß, vielleicht wird es ja irgendwann wirklich noch verfilmt. Auf jeden Fall gibt es sensationell coole Konzeptzeichnungen, die man sich hier angucken kann. Dort steht auch noch mehr dazu, wie es überhaupt zum Buch kam.

Das Setting von Roma Nova geht also nicht von der Prämisse aus, dass Rom nie aufgehört hat zu existieren und irgendwann den Weltraum erobert hat, sondern versetzt das römische Imperium einfach in ein SciFi-Setting. Rom ist zwar eine Stadt, nimmt aber den ganzen Planeten ein. Der Rubicon ist kein Fluss, sondern ein Asteroidengürtel, die römischen Kolonien sind andere Planeten und der gefürchtete Hades ist ein mysteriöses, von einem Schwarzen Loch dominiertes Weltraumphänomen. Es gibt alles, was man aus dem alten Rom so kennt, aber halt in einer SciFi-Variation: Prätorianer mit Energiefeldern als Schilden, Raumschiffe mit Rammspornen und Arenakämpfe, die an eine Mischung aus Castingshow und Hunger Games erinnern. Die Patrizier Roms nehmen ihre Tabula zur Hand – dahinter verbirgt sich dann aber eine Art Tablet/Smartphone mit Internet, Chatprogrammen und Fernsehsendern. Aber trotz dieser HighTech-Gesellschaft ist die Gesellschaft Roms so, wie man sie aus der Antike kennt. Reiche Patrizierfamilien streiten um Ansehen und politische Macht, es gibt – logischerweise, beim Thema Spartacusaufstand – Sklavenhaltung, Frauen gehören ihrem Vater, bis sie an ihren Ehemann übergeben werden und haben insgesamt wenig zu melden. Die Intrigen der Oberschicht vermischen sich hin und wieder mit den Machenschaften von Unterweltkartellen – und dazwischen wollen die meisten einfachen Bürger Roms einfach nur überleben. Und vielleicht das neue Spartacus-Parfüm zum Namenstag.

In dieses Antike-meets-SciFi-Setting mischt sich dann auch noch ein Schuss Fantastik und Übernatürliches, was vielleicht erstmal seltsam klingt, für mich aber sehr gut funktioniert hat. Immerhin war die römische Antike vom Glauben an diverse Götter, Heilige und Heroen bestimmt, und von da ist es nur ein kurzer gedanklicher Schritt zu Seherinnen mit prophetischen Fähigkeiten, mechanischen Herzen, die ihren eigenen Willen haben, und gruseligen kleinen Mädchen, hinter denen sich etwas ganz anderes verbirgt. Gerade der Mix aus Raumschiffen, Energieschilden und Hightech auf der einen und der römisch-antiken Glaubenswelt auf der anderen Seite hat dafür gesorgt, dass das Setting mich extrem begeistert hat. Ich glaube, ich habe alle 50 Seiten „ich will da ein Rollenspiel zu…“ vor mich hingemurmelt. Allein die verschiedenen Verbrecherkartelle in Rom! Die Cyprioten, die quasi Technomancer sind! Die verschiedenen Planeten mit ihren Eigenheiten! Rom als planetenumspanende Cyberpunkstadt! Der Hades! Ich habe da dringenden Bedarf an einem weiteren Roman oder einer Kurzgeschichtensammlung oder einem Rollenspielsettingband. Oder allem davon! Noch ist in die Richtung nichts angekündigt, aber ich darf ja hoffen.

Aber erstmal zurück zum Roman: Im Mittelpunkt stehen die Gladiatoren der großen Arena Roms, die Patrizierfamilie der Mariner und Morisa, eine versklavte Seherin aus dem Volk der Thraker. Diese will sich an Familienoberhaupt Lucius Marinus nicht nur rächen, weil er sie seit Jahren als Sklavin hält und missbraucht, sondern auch, weil er ihren Ehemann Drennis ebenfalls versklavt und als Gladiator in die Arena befördert hat – wo er unter dem Namen Spartacus Ruhm und Ansehen der Mariner-Familie mehren soll. Da kommt es nur gelegen, dass Lucius mit seinem Party-Raumschiff gerade so weit draußen in der Galaxis kreist, dass ein Schiff des Hades die Prätorianer und Gäste mal so richtig aufmischen kann. Morisa nutzt also die Gelegenheit, nicht nur ihre Freiheit zu erlangen, sondern auch noch Einfluss auf einige wichtige Personen auszüben, die Spartacus auf Umwegen in die Freiheit verhelfen sollen. Der bekommt währenddessen gerade ein künstliches Herz eingepflanzt, um zum Star der Arena aufzusteigen. Und wenn das jetzt schon nach viel Action klingt: Das ist gerade einmal der Auftakt des Romans und damit geht es erst richtig los.

Auf den etwa 600 Seiten entwickelt Roma Nova dann eine Geschichte, die mich beim Lesen sehr mitgerissen hat: Das Leben der Gladiatoren in ihrem Zwiespalt aus Freundschaft und Konkurrenz, die spektakulären Kämpfe, die politischen Intrigen der Patrizier, die Mythen der künstlichen Herzen und des Hades, die ungewöhnliche Liebesgeschichte … es ist eine vielschichtige und actionreiche Handlung mit spannenden Protagonisten. Spannend sollte hier nicht mit sympathisch verwechselt werden, denn viele der Charaktere sind nicht unbedingt so drauf, dass ich gerne einen Tee mit ihnen trinken würde. Aber genau das macht für mich Roma Nova auch so glaubwürdig – die Protagonisten sind in ihrem Handeln, Glauben und Denken eben verstrickt in die Zwänge und Moralvorstellungen der römischen Gesellschaft und erliegen ihren eigenen Schwächen ebenso wie den unsichtbaren Fäden der Marionettenspieler im Hintergrund. Trotzdem macht es Spaß, mit ihnen mitzufiebern. Die meisten der Charaktere fand ich auch wirklich sehr cool, gerade bei den Gladiatoren gab es einige schräge Gestalten, aber auch die Patriziertochter Constantia, die unfreiwillig aus ihrem Leben ausbricht und das dann doch ganz gut findet, hat mir gut gefallen. Einzig der Handlungsstrang um Marius Marinus, den jüngsten Sohn der Familie, hat mich nicht ganz so sehr begeistert. Lange war mir nicht klar, auf was er sich denn da eingelassen hat, und letztendlich waren die Auswirkungen auf die gesamte Geschichte auch eher gering. Zwar bringt dieser Aspekt der Story noch mehr von den coolen Unterwelt-Dingen Roms ins Spiel, aber der Fokus des Romans liegt halt doch ganz klar woanders, sodass einfach zu wenig Platz war, seine Pläne und Geschäftspartner so richtig gut rüberzubringen. Auch das Ende seines Handlungsstrangs versandet dann eher – schreit natürlich nach einer Fortsetzung, aber darauf ist das Buch ja eigentlich gar nicht angelegt. Auch einige andere Nebenfiguren kriegen keinen so richtig runden Abschluss, da hätte für mich gerne noch ein paar Szenen mehr drin sein dürfen, die auch den eher unwichtigen Figuren noch einen Ausklang gönnen. Aber das tut dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch, denn gerade die Geschichte um Morisa, Drennis, Ianos und Constantia fand ich bis zum Ende hin großartig.

Was Roma Nova für mich besonders stark macht, ist, wie politisch aktuell es sich anfühlt. SciFi hin und Gladiatoren her, viele Themen des Romans gehen über den eigentlichen Plot hinaus und ließen mich beim Lesen unwillkürlich immer wieder über aktuelle Politik und die darüber geführten Diskussionen nachdenken. Natürlich ist das Rom, das im Buch entworfen wird, in vielen Punkten anders als unsere heutige Gesellschaft. Aber viele der Konflikte und gesellschaftlichen Konstrukte gehen dann eben doch auf Einstellungen und Ansichten zurück, die auch heute immer noch verbreitet sind. Klar, heute gehört eine Frau nicht mehr ihrem Vater, bis er sie ihrem Ehemann übergibt – aber den unsäglichen Brauch, bei den Eltern der Braut um Erlaubnis für die Hochzeit zu fragen, gibt es eben doch immer noch. Klar, es kämpfen hier keine Gladiatoren live vor der Kamera um ihr Leben – aber ist es so viel anders, sich anzugucken, wie die Leute im Dschungelcamp Würmer fressen müssen oder sich darüber das Maul zu zerreißen, dass Schauspielerin X auf unvorteilhaften Paparazzi-Fotos ganz klar Cellulite hat?

Die in Roma Nova entworfene Gesellschaft ist nicht besonders nett. Da baut ein Konsul eben Scheiße und sorgt für den Tod unschuldiger Bürger – nicht so schön für ihn, aber natürlich verliert er maximal seinen Posten und wird ins Innenministerium befördert muss auf ein anderes Amt umziehen, oder sein Ruf ist ein bisschen in Gefahr, oder er muss mal ein paar mildtätige Gaben an die Armen spendieren und sich dabei filmen lassen. Trotzdem geht es ihm weiter gut, er hat nichts zu verlieren – die Mächtigen kreisen in ihrer eigenen Sphäre und sind unantastbar. Ebenso krass ist der Unterschied zwischen Sklaven und Bürgern Roms – während es für die Bürger Roms kein Problem ist, dass Sklaven sich zur Unterhaltung gegenseitig abschlachten, dass sie verkauft, missbraucht und vergewaltigt werden, haben die römischen Bürger ihre Rechte und auch die politische Oberschicht weiß, dass ein Bürgerkrieg droht, wenn die Prätorianer nicht nur Sklaven, sondern auch Römer töten, egal, wie niedriggestellt diese auch sein mögen. Diese Unterscheidung in zwei distinktive Gruppen, von denen die eine Menschenrechte hat und die andere eben nicht, ermöglicht erst die Grausamkeiten, die auch in unserer Zeit noch immer vorherrschen. Erst, wenn man vor sich selbst und seiner Peer Group gerechtfertigt hat, dass illegale Einwanderer eben keine Menschenrechte haben, kann man Kleinkinder in Käfige sperren und das als Lösung eines Problems ansehen.

Unter der Oberfläche der spannenden Geschichte brodeln da einfach unglaublich viele spannende Fragen und aufgezeigte Probleme. Kann man als privilegiertes Mitglied einer Gesellschaft etwas gegen deren Grundsätze tun? Sollte man es, auch wenn es das eigene Leben schlechter machen wird? Kann es zwischen Sklaven und ihren Besitzern je zu einer aufrechten Freundschaft kommen? Wieso stehen nicht alle Sklaven auf und wenden sich gegen ihre Besitzer, wo sie doch die Macht dazu hätten? Auch der ganze Komplex von Männlichkeit und Sexualität ist meiner Meinung nach gelungen abgedeckt, zumal mir nicht sehr viele andere Bücher einfallen, in denen Männer sich über ihre Kampffähigkeiten hinaus auch noch als irgendwie begehrenswert für irgendeine Zielgruppe vermarkten müssen, um Erfolg zu haben. Und auch so Dinge wie „natürlich schadet es dem Ruf eines Gladiators nicht, mit einem anderen Mann zu vögeln und sich dabei filmen zu lassen und das Video zu verbreiten – aber puuuuuh, er hat sich in die passive Rolle beim Sex begeben und das ist so weibisch und schadet seinem Ruf“ – eine absolut ins Setting passende Szene, die aber trotzdem Fragen zum Thema (toxische) Maskulinität aufwirft und deshalb auch über die eigentliche Story hinaus relevant ist. In eine ähnliche Richtung geht der Konflikt von Lucius Marinus und Spartacus, die sich vermutlich ähnlicher sind, als sie selber zugeben würden und die zeigen, dass ein gewaltsamer Konflikt im Grunde genommen immer gleich endet – egal, wie viele Sklaven, Soldaten und Unschuldige mit hineingezogen werden.

Insgesamt hat mich dieser Aspekt des Romans sehr beeindruckt. Er zeigt einmal mehr, wie gut und wichtig es ist, politische und gesellschaftliche Themen auch in der Science Fiction und Fantasy aufzuwerfen (zumal es keine nicht politische Unterhaltungsliteratur gibt, wozu ich demnächst nochmal einen Artikel verlinken werde). Dass das Ende des Romans dementsprechend auch eher realistisch ausfällt und zwar so mancher Charakter zu einem Happy End findet, aber sich nichts Grundsätzliches ändert, ist dann umso passender und war bei der historischen Vorlage natürlich auch irgendwo zu erwarten.

Ceterum censeo: Roma Nova ist ein spannender Roman mit einem saucoolen Setting – unterhaltsam und gleichzeitig mehr als nur eine aufregende Geschichte, da die beschriebene Gesellschaft des römischen Weltraumreiches in vielen Punkten zum Nachdenken anregt. Große Empfehlung.

(Und jetzt bitte Teil 2, lieber Bastei-Lübbe-Verlag, in dem Gaia Sabina endlich Twitter erfindet.)

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#RPGaday2015: Frage 18 bis 24

Ich hätte schon eher was geschrieben, aber bei einigen Fragen wusste ich nicht, was ich dazu schreiben soll, und 3 „ichweißnicht“s in Folge wären dann ja recht langweilig geworden.

Aber jetzt sind wieder ein paar mehr Fragen zusammengekommen, also denn:

Frage 18: Liebstes SciFi-RPG?

Hab ich nicht, ich würde Space 1889 nicht unter SciFi, sondern eher unter Pulp-Steampunk einordnen und was anderes, wo man mit Raumschiffen rumfliegt, hab ich nicht im Schrank stehen oder getestet. Ich würde aber unheimlich gerne mal das Firefly-RPG spielen. Und ich hab auch schon mehrfach in SciFi-Settings gespielt, aber dann immer mit GURPS oder The Pool oder Fate.

Frage 19: Liebstes Superhelden-RPG?

Hab ich nicht, ich kenn kein einziges. Auch ein Superheldenabenteuer haben wir mal gespielt, aber auch mit The Pool.

Frage 20: Liebstes Horror-RPG?

Hab ich, Überraschung, auch nicht. Wobei ich Judith damit recht gebe, dass man Horroratmosphäre in jedem Rollenspiel erzeugen kann, wenn die richtigen Leute mit am Tisch sitzen und der SL das gut macht. Ich habe schon ziemlich viele sehr gruselige DSA-Abenteuer gespielt. Ich grusel mich aber auch sowieso schnell. Ein Freund von mir hat mich früher immer gebeten, auf jeden Fall mitzuspielen, wenn er was eher gruseliges leitet, weil ich mich immer so fürchte und dann teilweise die anderen Spieler damit anstecke 😀 .

Frage 21: Liebstes Rollenspiel-Setting?

Pfuh, die Fragen wiederholen sich aber doch ziemlich … ja, da DSA mein Lieblingsrollenspiel ist, mag ich logischerweise auch das Setting. Wenn man da jetzt konkreter werden will, wirds recht schwierig, ich kann tatsächlich eigentlich jeder derischen Region was abgewinnen, wenn sie im Spiel gut präsentiert wird. Was ich weniger mag, ist Wildnis, wenn sie langweilig ist. Also Reise durch die Eiswüste, die Khom oder dergleichen – yay; Reise durch die weidensche Einöde eher meh. Ansonsten spiele ich sehr gern in urbanen Umgebungen. Oder auf Schiffen. Dieser Mikrokosmos ist einfach super.

Frage 22: Perfekte Spielumgebung?

Der Raum meiner Rollenspielgruppe ist schon ziemlich perfekt: Ausgebauter Dachboden mit Schalldämmung, riiiiesiger Tisch, bequeme Sofas und Sessel, Bad direkt nebenan,  Kühlschrank in Griffweite, 2,50 m hohe Aventurienkarte über die ganze Wand und inzwischen diverse andere Poster und Dekosachen, neben der normalen Beleuchtung noch eine LED-Lampe mit veränderbarer Farbe für bestimmte Szenen, Boxen an der Wand für die Musikuntermalung. Und manchmal sind auch die Katzen da oben. Das ist schon wirklich ziemlich optimal.

Ansonsten fahre ich ja einmal im Jahr mit meiner Alt-DSA-Runde nach Dänemark, um eine Woche lang eigentlich nix zu tun außer Rollenspiel, essen und schlafen. Das ist auch immer sehr schön und man kommt wirklich raus aus dem Alltag, zumal wir auch meist in der Woche dann den Fernseher ausmachen und höchstens mal aufs Handy gucken. Das ist dann auch immer sehr entspannt da. Dieses Jahr hab ich mir aber vorgenommen, doch mal wieder das Haus zu verlassen, letztes Jahr bin ich da so krass versumpft, dass ich das Ferienhaus 6 Tage lang nicht verlassen habe …

Frage 23: Wie ist das perfekte Spiel?

Nicht so ganz einfach zu beantworten – ich nehme mal an, es ist nicht das perfekte Spielsystem gefragt, sondern nach einem möglichst perfekten Spielabend, so versteh ich es jedenfalls. Ein perfekter Spielabend ist für mich einer, an dem einerseits auch mal gelacht wird – am liebsten über Ingame-Situationen, nicht wegen ständigem outgame-Geblubber – und an dem andererseits auch etwas Spannendes oder Dramatisches passiert. An dem alle gut in ihrem Charakter drin sind, es keine langen Unterbrechungen wegen irgendeiner Diskussion gibt und einfach jeder in der Stimmung drin ist und wissen will, was als nächstes passiert.

Frage 24: Liebste Hausregel?

Die mir liebste DSA-Hausregel meiner Runde ist: Keine Kampferschwernisse durch misslungene Manöver. Zack, und schon klappt das mit dem Kampf. (Und ja, wir spielen auch ohne Ausdauer im Kampf. Aber wer tut das nicht?)

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Gelesen: „Oryx and Crake“ von Margaret Atwood

Man könnte ja öfter mal über die Bücher schreiben, die man gerade gelesen hat, dacht ich mir so. Also, wohlan:

Oryx and Crake von Margaret Atwood ist eine Mischung aus SciFi-Roman, Dystopie, Abenteuergeschichte und irgendwie auch schräger Lovestory. Es ist quasi der mittlere Teil einer Trilogie, der aber zuerst erschien, so dass ich ihn auch zuerst gelesen habe. Der im Nachhinein erschienene Vorgeschichte ist The Year of the Flood, der dritte Band heißt Maddadam und ist erst letzten Sommer erschienen. Die beiden werde ich auch noch lesen und dann sicherlich nochmal was zu schreiben, aber man kann ja ein Buch auch unabhängig von der Reihe besprechen. Außerdem funktioniert dieses hier auch allein.

Inhalt

So, worum geht es nun? Das ist nicht so einfach zu sagen. Es geht um Snowman, der eigentlich Jimmy heißt, und vermutlich der letzte lebende Mensch auf Erden ist. Oder zumindest dort, wo er sich befindet, nämlich vermutlich irgendwo in den ehemaligen USA. Dort haust Snowman wie ein Einsiedler und hält sich mit den Überresten der Zivilisation am Leben. Er kämpft mit der feindlichen Umgebung – Stürme, brennend heiße Sonne, gefährliche Tiere. Und ist irgendwie verantwortlich für die Crakers: Menschenähnliche Wesen, perfekt an die Umgebung angepasst und gleichzeitig kindlich und arglos, so dass er ihnen immer wieder die Welt erklären muss.

Im Verlauf des Buches entfaltet sich die Geschichte vor allem in der Vergangenheit, die in Rückblicken erzählt wird. Zwar passiert auch in der Gegenwart etwas und Snowman geht auf eine Reise, doch spannend ist natürlich vor allem, wie es dazu kam, dass alle Menschen verschwunden sind, komische mutierte Tiere durch den Dschungel rennen und eine neue Rasse entstanden ist. In diesen Rückblicken lernt der Leser dann auch Crake und Oryx kennen, wobei es sich bei Crake um Jimmys genialen, aber ziemlich durchgeknallten besten Freund handelt, während Oryx die Frau ist, die sie mehr oder weniger beide lieben. Es ist natürlich viel komplizierter als man es so zusammenfassen kann. Aber ich will ja auch noch nicht zu viel verraten. Das Setting, in dem die ganze Geschichte stattfindet, hat mir auch gut gefallen. Die Welt ist nämlich schon am Anfang der Handlung ziemlich aus den Fugen – wie es dazu kam, erfährt man, glaube ich, in „The Year of the Flood“ – und das zeigt das Buch immer wieder in skurrilen bis ziemlich garstigen Details. Allein die Wortschöpfungen für die ganzen Firmen, Lebensmittel und ähnliches aus Jimmys Kindheit sind großartig.

Als es dann auf das Ende des Buches zugeht und man schließlich die ganze Geschichte vor Augen hat, ist das irgendwie schon echt ein Knaller, und zwar nicht im positiven Sinn. Ich musste ganz schön schlucken über das, was der Menschheit so zugestoßen ist. Das Buch hat dann ein relativ offenes Ende, was man gut auch so hätte stehen lassen können, auch wenn es jetzt ja in dem dritten Teil, „Maddadam“, weitergeführt wird.

Sprache

Ich habe das Buch auf englisch gelesen und es hat mir auch sprachlich gut gefallen. Die Rahmenhandlung, also Snowman in der Gegenwart, wird im Präsens erzählt, der Rest im Präteritum. Mit Snowman/Jimmy gibt es einen Erzähler, der den Leser durch das ganze Buch begleitet. Wir sehen alles, auch die Hintergründe von Oryx und Crake, durch seine Augen. Besonders gefallen hat mir Snowmans Marotte, schöne und seltene Worte zu sammeln und im Kopf zu behalten. (Dazu gibt es unten auch noch ein Zitat.) Auch sonst ist er ein sehr greifbarer Charakter, dem man im Lauf des Buches sehr nahe kommt. Mir hat auch gefallen, wie beiläufig die Geschichte sich entfaltet, durch viele kleine Puzzleteile und ohne dem Leser jemals plakativ Fakten ins Gesicht zu klatschen.

Erster Satz

“Snowman wakes before dawn.”

Zitate

“When they’re gone out of his head, these words, they’ll be gone, everywhere, forever. As if they had never been.”

“You can’t buy it, but it has a price,” said Oryx. “Everything has a price.”

“So this was the rest of his life. It felt like a party to which he’d been invited, but at an address he couldn’t actually locate. Someone must be having fun at it, this life of his; only, right at the moment, it wasn’t him.”

Empfehlung?

Ganz klares Ja – vor allem an Leute, die SicFi und Dystopien mögen. Wobei ich denke, dass man das auch gut lesen kann, wenn man mit dem Genre sonst nicht so viel zu tun hat, da der Fokus eben nicht auf irgendwelchem Technobabble, Erfindungen oder Abhandlungen über die nicht so schöne neue Welt liegt.

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