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Gelesen: „Die 13 Gezeichneten“ von Judith und Christian Vogt

Disclaimer: Ich kenne beide Autoren persönlich und bekam von ihnen ein Exemplar des Buchs geschenkt. Mit Widmung und so. Das hält mich aber, wie üblich, nicht davon ab, eine Meinung zum Buch zu haben. Auch wenn sie positiv ausgefallen ist, weswegen ich das hier jetzt auch nicht Rezension nennen mag, sondern mehr so … Fangirling. Was solls.

Man nehme also: Eine belagerte Stadt, einen kleinen Haufen entschlossener Rebellen, einen gewieften Agenten der Geheimpolizei und Handwerks-Magie. Das mixe man zusammen, gieße eine ordentliche Portion Kämpfe, Geheimnisse und Dialogkunst hinzu und garniere alles mit einer Prise Humor und ein paar Häppchen uralten Übels: Fertig ist der Roman Die Dreizehn Gezeichneten, dem neuesten Werk des Autoren-Duos Judith und Christian Vogt. Naja, ein bisschen komplizierter war die Entstehungsgeschichte des Romans vermutlich schon. Sie hat auch sicherlich gaaaaar nichts mit der Vorliebe für Rebellen gegen böse Imperien Kaiserreiche zu tun …

Egal.

Also, Die 13 Gezeichneten.

Nein, die haben auch nichts mit den berühmten 7 Gezeichneten von DSA zu tun.

Jetzt aber.

Ach, halt: Ich versuche, nicht zu viel zu spoilern, aber ein paar Ereignisse aus dem ersten Drittel des Buches werde ich schon verraten müssen. Ich bemühe mich aber, keinem den Spaß am Selber-Lesen zu verderben.

So.

Das Cover ist übrigens auch sehr schick.

MEINE GÜTE LENA!

Tschuldigung. Also nun wirklich.

Der Roman ist der Auftakt zu einer Trilogie und spielt in Sygna, einer uralten Handwerkerstadt, die weithin berühmt für ihre Erzeugnisse ist. Das liegt an den magischen Zeichen, mit denen die Sygnaer Handwerker ihre Produkte besonders wertvoll, haltbar oder kunstfertig machen können: Schwerter, die nicht rosten, Kleidung, die nicht schmutzig wird, Verbände, die magisch die Heilung verstärken und so weiter. Um das Monopol der Zeichenhandwerkskunst zu wahren, dürfen jene, die sie beherrschen, die Stadt nicht verlassen. Ebensowenig darf ein Handwerker zwei Zeichenkategorien gleichzeitig lernen. So wurde lange die Einzigartigkeit der Sygnaer Zeichenkunst gewahrt – bis blöderweise die Armee des Kaiserreichs Aquintien die Stadt eroberte, der Zunftrat kapitulierte und ein Gouverneur als Herr Sygnas eingesetzt wurde, der die Zeichenmagie in Manufakturen einsetzt, um damit massenhaft Kriegsgerät für die weiteren Eroberungfeldzüge des Reiches herzustellen. Die Bevölkerung leidet unter der Besatzungsmacht, sieht sich aber den Soldaten des Kaisers weitgehend machtlos gegenüber, zumal die Zunftmeister mit ihnen kooperieren.

Auftritt: Die Rebellen von Sygna. Diese rekrutieren am Anfang des Buches, sehr zu dessen Ungemach, den Fechter Dawyd, der sich eigentlich aus allem raushalten wollte, dann aber doch nicht wegschauen kann, als aquinzische Soldaten einem Straßenmädchen die Hand abschlagen wollen. Und zack, ehe er es sich versieht, ist er mittendrin: In der Rebellion und in einer Geschichte um uralte Magie, die gefährlicher ist als es die Bewohner der Stadt selbst ahnen.

Ich mag ja Bücher (und Filme und Serien) mit schönen Ensembles wirklich sehr gerne, und wo mir schon der reisende Zirkus aus der verlorenen Puppe gut gefallen hat, wissen mich auch die Rebellen zu begeistern. Keiner von ihnen ist DER Protagonist, sondern es kommen alle zum Zug: Der hartgesottene Ignaz Dreifinger, der träumerische Dichter Ismayl, der draufgängerische Dawyd, das gerissene Straßenmädchen Jendra, der starke Neigel und die Pläne schmiedende Elisabeda. Alle haben ihre eigene Vorgeschichte, ihre eigene Sicht auf die Dinge und ihre eigenen Probleme. Da ist es natürlich vorprogrammiert, dass es auch unter den Rebellen immer wieder zu Streit kommt, wenn es darum geht, wie denn nun die Befreiung der Stadt vorangebracht werden soll und welche Opfer dafür in Kauf genommen werden können. Jeder Bürger, der in Mitleidenschaft gezogen wird, gefährdet den Aufstand, denn die kaiserlichen Truppen nutzen Propaganda und Steckbriefe, um die Auführer als Verbrecher hinzustellen, die den Bürgern Sygnas mehr schaden als es die Soldaten tun. Die Frage, ob das Ziel die Mittel rechtfertigt, ist durchaus wichtiger roter Faden im Buch – durchaus gelungen, wie ich finde, und weitaus besser als die Rebellen als die strahlenden Helden und die Besatzer als die abgrundtief Bösen hinzustellen.

Apropos böse: Dann war da ja noch der fiese Möpp, äh, also, der Gegenspieler der Aufständischen: Lysandre Rufin, Chef der Geheimpolizei, der nicht nur dazu da ist, um den Rebellen das Handwerk zu legen, sondern gleichzeitig noch fasziniert von der Magie der Zeichen ist und zusammen mit einem Gelehrten im Auftrag von Kaiser Yulian weitere Erkenntnisse sammelt. Rufin ist ein in meinen Augen großartiger Antagonist, denn er hat seine eigene Agenda und Weltsicht, die im Buch auch soweit rüberkommt, dass man nachvollziehen kann, wie er tickt. Er ist ein klassischer Ich-tue-was-nötig-ist-Schurke, der sich keine Sentimentalitäten leistet, aber auch nicht in unnötige Grausamkeiten abgleitet. Ich habe ihn beim Lesen natürlich mehrfach verflucht, aber meine Fresse, ist der gut geschrieben. I love to hate him!

Und dann war da als letzter nennenswerter Hauptcharakter noch Kilianna Erdhand, auch eine meiner Lieblingsfiguren: Die ist nämlich die Tochter des obersten Zunftmeisters, hätte also ein schönes und bequemes Leben, wenn sie denn wollte. Will sie aber nicht, sie will Gerechtigkeit für Sygna und Gleichheit für die Frauen und dass ihr Vater endlich mal mit der Faust auf den Tisch haut und dem Gouverneur klarmacht, dass die Sygnaer Bürger nicht endlos ausgebeutet werden können. Da er das nicht tut, muss sie dann eben selbst aktiv werden. Charaktere, die sich nicht auf ihren eigenen Privilegien ausruhen und anderen helfen und das Richtige tun wollen: Yay. Und für die Umsetzung: Mehr Yay. Killiana ist einfach super.

Die Magie der Zeichen ist auch ein faszinierendes Konzept, was zumindest ich jetzt noch nicht aus Dutzenden anderer Bücher kannte. Zumal die Zeichen sich nicht nur auf reines Handwerk im Sinne von „Dinge herstellen“ beziehen. Es gibt z. B. auch die Wortzeichen, die Dichter und Schauspieler benutzen und die dazu eingesetzt werden könnnen, Lügen glaubhafter klingen zu lassen oder eine Menschenmenge in Bann zu schlagen (ratet, hinter welchen Zeichen der fiese Möpp besonders her ist…); oder die Verborgenen Zeichen, die Diebe und andere zwielichte Gestalten benutzen, um sich in Schatten zu hüllen oder Geräusche verschwinden zu lassen. Bei allem ist auch ziemlich bemerkenswert, wie der Umgang mit dieser mächtigen Magie ist: Die Sygnaer wissen selber nicht mehr so richtig, woher die Zeichen gekommen sind. Die Vergangenheit der Stadt ist in den Katakomben versiegelt, die Benutzung der Zeichen streng reglementiert. Und das rächt sich genauso sehr wie der Drang der Aquintaner, alles ausbeuten und ausbuddeln zu wollen.

Über das, was im Buch genau passiert, will ich mich jetzt gar nicht weiter auslassen, um nicht zu viel zu verraten. Tatsächlich habe ich, wenn ich ans Buch zurückdenke (es ist schon ein paar Wochen her, dass ich es gelesen habe), auch eher das im Kopf, was über die Handlung hinausgeht: Die verschiedenen Charaktere und ihre Entwicklung, das Konzept der Zeichenmagie und die gesellschaftlichen Fragen, die der Roman aufwirft. Denn es ist immer wieder Thema, dass Kaiser Yulian mit seinem Umsturz in Aquintien eigentlich Gleichheit für alle wollte und dann doch zum Alleinherrscher wurde und, dass auch im Sygna vor der Besatzung nicht alles toll war, wenn man nicht zufällig ein Mann, ohne auffällige Hautfarbe und Mitglied in den Zünften war. Es ist natürlich auch kein Zufall, dass der „Cast“ des Buches nicht aus lauter weißen Dudes besteht, sondern sehr divers ist (und jeder Charakter, der eben nicht white male hetero ist, auch genau deswegen mit Problemen zu kämpfen hat, die die Kritik an der Sygnaer Gesellschaft deutlich machen). Aber auch andere übergreifende Fragestellungen, wie z. B. die, ob man eine gefährliche Vergangenheit lieber begraben oder bewahren sollte, ob es wichtiger ist, die Vergangenheit zu erforschen als die Zukunft zu gestalten und wie viele Opfer gebracht werden sollen und können, um der eigenen Stadt die Freiheit zu erkaufen,  ziehen sich durch das ganze Buch und machen es zu mehr als nur einer spannenden Geschichte.

Der Schreibstil ist, wie gewohnt bei den Vögten, auch wieder super, sowohl die Dialoge als auch die Beschreibungen der Stadt und die actionreichen Kampfszenen. Außerdem merkt man, wie gut Sygna durchdacht ist, denn selbst zu den obskuren Straßen- und Viertelnamen taucht immer irgendwo noch eine Erklärung auf, wo das herkommt und was es zu bedeuten hat.

So, hatte ich denn nun gar nix zu meckern? Ein bisschen schon: Das Ende ist schon wirklich SEHR offen, was einerseits natürlich schön ist und Lust auf Band 2 macht, mich andererseits aber auch ein bisschen unbefriedigt zurückgelassen hat, weil halt bei fast allen Handlungsfäden viele Fragen offen blieben. Und ein paar der geschilderten Verletzungen der Protagonisten waren irgendwie so krass, dass ich immer dachte „okay, der/die ist jetzt tot“ und dann gings ihnen 3 Tage später wieder super, das war mir auch bei aller Heilzeichenmagie manchmal etwas too much.

Ansonsten sind die 13 Gezeichneten jedenfalls ein sehr vernüglicher und spannender Roman, bei dem beim Lesen hinterher trotzdem noch was zum Nachdenken im Hirn zurückbleibt. Ich möchte Band 2! Jetzt!

So ganz nebenher bemerkt sei natürlich noch, dass es auf einer anderen Ecke der Welt noch die Beiden Reiche gibt – ein FATE-Setting mit Musketen, Kirchenschisma, slawisch inspirierten Mythen und Wort-Magie. (Übrigens machen mir die Zeichen auch, glaube ich, mehr Angst als anderen Lesern, denn die WORTE und ihre Nebenwirkungen durfte ich schon am Spieltisch kennenlernen.)

Den Roman findet ihr jedenfalls hier und das FATE-Setting Scherbenland dort.

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Rezension: Die Verlorene Puppe

puppe_cover2-191x300Disclaimer: Ich kenne die Autoren persönlich und sie waren so nett, mir ein Exemplar des Buches zuzuschicken.

Disclaimer 2: Ich versuche die Rezension spoilerfrei zu halten, was auf dem Klappentext steht, kommt hier aber auch vor.

Mit Die Verlorene Puppe von Judith und Christian Vogt ist vor ein paar Wochen der neueste Roman in der Welt von Eis und Dampf erschienen. Eis und Dampf ist ein Steampunksetting, angesiedelt in einem alternativen Europa, in dem seit Jahrhunderten eine Eiszeit herrscht und in dem Luftschiffe, Dampfmaschinen und das Streben nach technischen Errungenschaften den Weg darstellen, wie der Kontinent auf den ewigen Winter reagiert. Neben inzwischen zwei Romanen, einer Kurzgeschichtenanthologie und einem Groschenheft gibt es auch ein Rollenspiel-Settingbuch, in dem Welt nach FATE-Regeln bespielbar wird.

Ich habe letztes Jahr schon den ersten Roman, Die zerbrochene Puppe, gelesen und war da schon ziemlich begeistert von der Welt. Nun also Roman Nummer 2 – und dieser erweitert die bekannte Weltbeschreibung gleich mal ordentlich. Es geht nämlich für die Protagonisten über den Atlantik in bisher unentdecktes Land.

Wo in der zerbrochenen Puppe mit dem deutsche Künstler Nathan von Erlenhofen, der wissenschaftlichen Entdeckung seiner Frau Æmelie und dem Krieg der Lufthanse gegen die Friesen noch eher sehr klassische und europäische Themen im Mittelpunkt standen, geht es in der verlorenen Puppe von Anfang an noch fantastischer und (im positiven Sinne) abgedrehter zu. Im Mittelpunkt steht der Zirkus Apocalástico, der mit seinem bunten Luftschiff durch Europa und Afrika tourt und, wie es beim Zirkus so ist, ein buntes Sammelsurium an Menschen vereint. Verschiedenste Artisten aus aller Welt, ein leicht verrückter Zirkusmagier, eine bärtige Dame, ein echtes Mammut … eine absolut bunte Truppe eben, die mir auch gleich im ersten Kapitel ziemlich ans Herz gewachsen ist. Die Hauptfiguren sind Ferenc Badi, ein Roma-Trapezkünstler, und Yue, eine chinesische Akrobatin. Und die werden zusammen mit dem Rest vom Zirkus während eines Auftritts von seltsamen maskierten Fremden überfallen und gezwungen, selbige mit ihrem Luftschiff in deren Heimat zu bringen – über den Atlantik. Gleichzeitig ist auch ein Luftschiff der Friesen auf dem Weg zum selben Kontinent – an Bord unter anderem die Protagonisten aus dem Vorgängerroman. Deren Geschichte nimmt aber den kleineren Teil des Romans ein und wird vor allem in Logbucheinträgen des Schiffes erzählt.

Die Welt jenseits des Atlantik ist in der Welt von Eis und Dampf bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen, denn niemand, der dorthin aufgebrochen ist, ist je zurückgekehrt. Doch wie die Protagonisten des Romans feststellen müssen, liegt das nicht nur an den Gefahren der Reise, sondern vor allem an den Völkern, die den fremden Kontinent beherrschen. Wer hier jetzt „die zivilisierten Europäer entdecken die Wilden“ erwartet, könnte falscher nicht liegen, denn die Autoren präsentieren eine zwar fremdartige, teilweise äußerst blutrünstige, aber in jedem Fall hoch entwickelte Kultur auf dem amerikanischen Kontinent. Über die jetzt viel zu verraten, ist schwer, wenn man nicht den Inhalt des Buches vorwegnehmen will. Ich fand jedenfalls die Beschreibungen der Völker – die, soweit ich es mitbekommen habe, auch inspiriert von den tatsächlichen historischen Gegebenheiten sind – sehr gelungen und faszinierend.

Die Reise in die Fremde ist jedenfalls nicht das einzige Problem, was der Zirkus hat, denn wie sich bald herausstellt, sind längst nicht alle an Bord die einfachen Artisten, die sie vorgeben zu sein. Da gibt es Geheimnisse, überraschende Entdeckungen, unkonventionelle Verhörmethoden und immer wieder hochkochende Aggressionen, was das erste Drittel des Buches zu einem sehr gelungenen Closed-Room-Abschnitt macht, in dem alle zusammenarbeiten müssen, sich aber immer weiter gegenseitig misstrauen.

Auch an actionreichen Sequenzen spart das Buch nicht, von gefährlichen Reparaturarbeiten am Schiff inmitten eines Gewitters bis hin zu spektakulären Luftschiffschlachten. Diese Szenen sind auch immer so beschrieben, dass man sich beim Lesen sehr gut hineinversetzen und mitfiebern kann.

Vor allem gepunktet hat der Roman bei mir aber mit seinen beiden Protagonisten, deren Beziehung zueinander und den verschiedenen Geheimnissen und Enthüllungen, die damit verbunden sind. Darüber zu schreiben, ohne zu spoilern, ist allerdings auch fast schon unmöglich. Jedenfalls hat es mir gut gefallen, welche fast schon philosophische Ebene der Roman teilweise erreicht und wie viele tiefgreifende Ideen und Fragen mit dem Schicksal von Ferenc und Yue verbunden sind. Und natürlich, so nebenher bemerkt: Ein Roma (auf dessen Leben als „Zigeuner“ und die damit verbundenen Vorurteile und Anfeindungen auch immer wieder eingegangen wird) und eine Chinesin als Hauptfiguren haben mir als grundlegende „Designentscheidung“ auch sehr gut gefallen. Außerdem stellt die bunte Welt des Zirkus eine wohltuende kleine Oase in der ansonsten doch sehr viktorianischen Welt (was so Themen wie Rassismus und Frauenbild der 1890-er angeht) dar. Wobei die Zirkustruppe ja, wie schon erwähnt, alles andere als perfekt ist und die Illusion von der gemeinsam reisenden, eingefleischten Truppe von Außenseitern während des Buches immer mehr in sich zusammenfällt.

Nach dem fulminanten Ende des Romans hatte ich jedenfalls noch mehr Lust, mal ein paar Abenteuer in der Welt von Eis und Dampf im Rollenspiel zu erleben. Oder ein bis fünf weitere Romane zu lesen – genug Anknüpfungspunkte und spannende Nebenfiguren sind jedenfalls vorhanden.

Insgesamt hat mir Die verlorene Puppe noch etwas besser gefallen als der erste Roman (den man übrigens nicht kennen muss, um diesen hier zu verstehen), weil ich den Erzähler sympathischer fand, der Zirkus mir einfach unglaublich gut gefallen hat und ich das sozusagen umgedrehte Kolonialsetting unglaublich spannend und gut gemacht finde. Außerdem hat das Buch einen total großartigen Storytwist, über den ich hier jetzt nix weiter sage, der für mich aber sehr gelungen ist und gut funktioniert hat. Fazit also: Daumen hoch, 10 von 10 Zirkusluftschiffen, gehet hin und leset das!

Kaufen könnt ihr das Buch zum Beispiel hier (Verlags-Shop) oder da (Amazon-Link).

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Mediengedöhns im Juli 2016

Da im August auch wieder die RPG-A-Day-Blogchallenge läuft und ich mit einem Stöckchen beworfen wurde, kommt heute noch schnell das Mediengedöhns für den vergangenen Monat dran.

Bücher

Meine Lesefaulheit wurde jäh unterbrochen, als ein paar Leute auf Twitter beschlossen, Die zerbrochene Puppe von Judith und Christian Vogt zu lesen – ein Buch, das bei mir seit ungefähr 3 Jahren oder so im Regal steht und was ich auch schon längst lesen wollte. Spontan wurde eine Leserunde gegründet, sogar mit entsprechender Seite auf LovelyBooks. Wer will, kann sich da noch meine ganz ausführliche Meinung zu den einzelnen Abschnitten reinziehen, die sind natürlich aber spoilerig.

Etwas kürzer und allgemeiner: Die zerbrochene Puppe ist ein Steampunk-Roman, der in einem alternativen Europa spielt, das sich in einer Eiszeit befindet. Ganz Skandinavien ist von Eis bedeckt, im Rest von Europa liegt die meiste Zeit Schnee. Statt über Wasserwege findet daher der meiste Reise- und Transportverkehr mit Luftschiffen statt. Hauptfigur des Buches ist Nathan von Erlenhofen, ein verarmter adliger Maler, dessen Frau eine revolutionäre Brennstoffzelle entwickelt hat – und dafür ermordet wurde. Zurückgeblieben sind nur einige technische Zeichnungen und eine alte Puppe, die allerdings mit der Stimme der Verstorbenen zu Nathan spricht und ihn dazu anhält, ihren Mord aufzuklären. Daraus entspinnt sich dann ein Abenteuer zwischen fiesen Wissenschaftlern, mechanisch betriebenen Zombie-Kämpfern, friesischen Luftschiffpiraten und konkurrierenden Politikern von Aesta, der Stadt auf dem Eisberg. Sehr spannend finde ich ja das ganze Setting, in dem der Roman spielt – zu dem gibt es inzwischen auch noch eine Kurzgeschichtensammlung und ein Rollenspielbuch nach den FATE-Regeln. Mehr dazu kann man auf der Eis und Dampf-Homepage erfahren.

Aus welchen Gründen auch immer hatte ich vom Buch irgendwie eine etwas verklärtere, romantischere Darstellung von Steampunk erwartet, insofern hat mich überrascht, wie dreckig und böse die Welt von Eis und Dampf ist und wie actionreich es zum Teil im Roman zugeht. Aber als ich mich daran gewöhnt hatte, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Nathan, der ewig hadernde Antiheld, der im Verlauf des Buches über sich hinauswächst, wird zwar eher nicht meine liebste Romanfigur aller Zeiten, dafür gibt es aber eine sehr großartige friesische Piratin, die ich ins Herz geschlossen habe. Außerdem kommt Helgoland drin vor, das ist sowieso immer gut. Nach dem Roman hatte ich auf jeden Fall Lust, noch mehr aus der Welt von Eis und Dampf zu lesen und habe deshalb auch grad den Kurzgeschichtenband angefangen – da hänge ich nach 2 Geschichten aber grad irgendwie wieder in der Leseunlust fest. Aber bald geht es hoffentlich weiter.

Für alle, die Steampunk mögen, würde ich auf jeden Fall eine Leseempfehlung für Die zerbrochene Puppe aussprechen. Und wer Steampunk noch nicht kennt und kennenlernen will, findet darin sicher auch einen guten Einstieg.

Filme und Serien

Ich war mal wieder im Kino und habe Star Trek Beyond gesehen. Ich bin ja ein totaler Star Trek-Banause und kenne nur die neuen Filme und First Contact. Die Serien sind immer komplett an mir vorbeigegangen und die Ausschnitte, die ich im Fernsehen ab und an mal gesehen hab, fand ich jetzt auch nicht so schrecklich spannend. (Allerdings werden ja bald alle ST-Serien auf Netflix sein und im Januar kommt eine komplett neue Serie. Insofern werde ich wohl demnächst in irgendwas von den alten Sachen auf jeden Fall mal reinschauen, auch wenn ich des Mitbewohners „Dann gucken wir zusammen ALLE Star Trek-Serien!!!11elf“ noch etwas skeptisch sehe 😉 .) Jedenfalls kann ich also die Reboot-Filme gucken, ohne überhaupt zu wissen, was daran aus Sicht eines Alt-Trekkies alles schlimm und furchtbar ist, das ist doch sehr entspannt. Ich mag die Crew und die Schauspieler, ich mochte die beiden ersten Filme (auch wenn Into Darkness so seine Schwachstellen hatte). Beyond hat mir tatsächlich sehr gut gefallen. Natürlich wieder sehr viel Action und sehr viel Krawumms, leider auch mit teilweise sehr dunklem und verwackelten Bild, dieser Trend des Kinos könnte bitte mal wieder aufhören. 3 D hab ich wie immer mittels 2 D-Brille ausgeblendet, damit ich nicht ins Kino kotze. Aber optisch waren auch ein paar sehr schöne Dinge dabei, wie z. B. die Raumstation und der fremde Planet und so einiges andere. Der Antagonist war so naja und der Twist um ihn, der am Ende enthüllt wird, war halt leider schon sehr früh sehr offensichtlich, was ein bisschen schade war. Halt nur ein bisschen, weil es eigentlich vor allem um die Charaktere der Enterprise ging, und da waren wirklich viele schöne Charaktermomente dabei. Am schönsten fand ich die Interaktionen zwischen Spock und Bones, aber auch die anderen Charaktere hatten ihre Momente. Und mit Jaylah gab es auch noch eine sehr coole neue Nebenfigur, von der ich hoffe, sie nochmal in einem späteren Film wiederzusehen. Auch wenn ich die alten Sachen nicht kenne, hat man gemerkt, dass Beyond viele Anspielungen und Hommage-Momente reingebracht hat (wie das Foto der alten Crew). Auch das Versterben von Leonard Nimoy wird quasi im Film aufgegriffen, was mir auch gut gefallen hat. Sehr schön und sehr traurig fand ich auch das „In loving memory of Leonard Nimoy.“ + „For Anton.“ nach dem Abspann. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, ob noch weitere Filme mit der Besetzung geplant sind, aber wenn dem so ist, werde ich mir auch den nächsten wieder anschauen.

Serien! Ich dachte, ich könnte hier schon was zur dritten Staffel von The Musketeers schreiben, aber tatsächlich habe ich davon noch 3 Folgen vor mir.

Kommen wir also von Star Trek zu Star Wars: Trotz aller guten Vorsätze, die letzte vorhandene SW-Serie nicht viel zu schnell wegzuschauen, hab ich es doch getan (auch, um Spoilern zu entgehen) und in sehr kurzer Zeit 2 Staffeln Star Wars Rebels geschaut. Und liebe diese Serie jetzt so sehr, dass ich gar nicht so richtig weiß, was ich dazu schreiben soll. Wer sie schon inkl. des Staffel 2 – Finales gesehen hat, liest am besten einfach Judiths Gastartikel bei Wookiegunner. Da steht alles, was man wissen muss. Okay, aber da der Text voller Spoiler ist:

Rebels ist quasi animiertes Star Wars -meets -Firefly. Eine kleine Rebellentruppe tut Rebellendinge, am Anfang nur lokal auf Lothal (dem Planeten, auf dem quasi Staffel 1 komplett spielt) und später in größerem Rahmen. Die Gruppe besteht aus einem geheimen Jedi, der Order 66 überlebt hat, seinem Schüler, einem 15-jährigen Machtbegabten, der saucoolen Twi’lek-Pilotin (wer sich hier eine weniger düstere Version von Agent May aus Agents of SHIELD vorstellt, liegt nicht so schrecklich weit daneben), einer kunstbesessenen Mandalore-Dame mit einer Vorliebe für Explosionen und einem grummeligen Lassat (wer sich hier jetzt eine weniger düstere Version von Jayne Cobb aus Firefly vorstellt – nur halt als lila Katzenalien – liegt auch nicht so schrecklich weit daneben). Dann wäre da natürlich noch Chopper, der völlig überdrehte und leicht mordlustige Astromech. Wo R2D2 eine Art treuer Hund ist, ist Chopper quasi die Astromechversion von Simon’s Cat. Und er ist großartig! Der erste Droide, bei dem ich mich freue, wenn eine Folge sich nur um ihn als Hauptperson dreht.

Rebels ist bei all dem natürlich eine aufm Disneychannel laufende Kinderserie für Zuschauer ab 6 Jahren – es gibt also auch hier keine blutigen Kämpfe und es ist alles schon mehr oder weniger kindgerecht erzählt. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch, denn die Geschichten, die erzählt werden, sind einfach total gutes Star Wars. Wo ich schon Clone Wars vor allem dann mochte, wenn es die Gelegenheit nutzt, dem Zuschauer neue spannende Ecken der Galaxis zu zeigen und darauf einzugehen, dass man sich mit der Macht nicht nur prügeln kann, gefällt mir genau das an Rebels auch sehr gut. Dazu kommt, dass diesmal nicht alle 4 Folgen die Charaktere wechseln und auch Ereignisse aus alten Folgen immer wieder aufgegriffen werden. Die erste Staffel ist dabei noch eher leicht und lustig und hat ein paar unglaublich witzige Folgen, allen voran die mit Lando und dem aufblasbaren Space-Schwein. In Staffel 2 bekommt die Rebellion an sich mehr Screentime und es tauchen jede Menge Charaktere aus den Filmen und aus Clone Wars auf. Dabei stehlen sie den eigentlichen Charakteren aber nicht die Show – nicht mal, als im Finale etwas passiert, worauf man als Clone Wars-Fan schon sehr lange gewartet hat. Generell dürfte die zweite Staffel Rebels ziemlich gewinnen, wenn man Clone Wars (oder zumindest ausgewählte Folgen davon) geschaut hat. Also sie ist vermutlich auch sonst toll, aber wenn dann halt so Dinge und Personen wieder auftauchen, die man schon kennt, isses halt nochmal toller.

Die (neuen und alten Charaktere) sind jedenfalls absolut großartig und mir alle in kurzer Zeit ans Herz gewachsen. Es geht auch schon irgendwie darum, wie sich ein Haufen Leute in einer verdammt schweren Zeit zu einer kleinen Space-Familie zusammenfindet und das ist immer wieder schön. Außerdem hat die Serie auch wirklich viele lustige Momente, aber genauso viele sehr epische oder, für eine animierte „Kinderserie“, traurige und düstere. Außerdem hat man im Gegensatz zu Clone Wars auch endlich aufgehört, alles, was mit inneren Konflikten und der Macht zu tun hat, als komischen bunten Manga darzustellen, das ist auch schonmal viel wert.

Das Finale von Staffel 2 war dann … pfuh, ich weiß immer noch nicht, was ich dazu schreiben soll, vor allem ohne Spoiler. Anna hat es als einen der emotional besten Momente Star Wars bezeichnet und dem würde ich zustimmen. Nach dem Schauen war ich erstmal etwas verwirrt – ich hatte nach gewissen Schilderungen *hust*, dass das Finale so schlimm ist, eigentlich damit gerechnet, dass mindestens 3 Hauptcharaktere sterben und die Rebellenbasis gepsprengt wird oder so. Das wars dann doch nicht, aber es ist schon verdammt krass, was da passiert und die Charaktere nachhaltig beeinflusst. Und man kann, wie man an zahllosen Videos und Artikeln sieht, wirklich sehr lange und gründlich an dem ruminterpretieren, was da passiert ist.

Das Wochenende habe ich dann auch zu einem Großteil damit verbracht, mir Interviews und Panels zu Rebels anzuschauen, ungefähr 5 Mal den Trailer zu Staffel 3 zu gucken (den man sehr dringend erst schauen sollte, wenn man Staffel 2 schon kennt), traurige Musikvideos zum Staffelfinale zu schauen und mir mehr Star-Wars-Dinge im Internet zu bestellen. Und jetzt möchte ich bitte sehr schnell sehr viele neue Folgen Rebels!

Achja: Ich hatte total vergessen, dass ich noch gar nix zur 6. Staffel von Clone Wars geschrieben hatte. Die wurde ja noch nachgeschoben, nachdem es schon so aussah, als ob nach Staffel 5 Schluss wäre. Deswegen beinhaltet sie aber auch nur 13 Folgen und zwar die, die schon am weitersten produziert waren. Da gibt es dann einen 4-Teiler um einen Klon, der sich thematisch schon mit Order 66 befasst (sehr großartige Folgen!), einen Dreiteiler über den Bankenclan (featuring ätzende Ani-Padme-Beziehung und Anakin being an asshole again), 2 Jar-Jar-Folgen (die durch ein Team-up mit Mace Windu noch ganz okay-ish sind) und dann einen abschließenden Vierteiler mit Yoda in der Hauptrolle und vielen Bezügen zu Episode 3 und 4 (auch ganz cool, wenn auch zwischendurch wieder zu mangaesk und schwurbelig für meinen Geschmack). Ansonsten gibt es inzwischen ja auch noch jede Menge Infos darüber, was in Staffel 6-8 noch passiert wäre, wenn sie denn gedreht worden wären (kann man sich z. B. hier ansehen) und bei einigen Sachen finde ich es doch sehr bedauerlich, dass es nicht mehr gedreht wurde. Vor allem den Storybogen Siege of Mandalore würde ich sooooo gerne sehen. Aber immerhin kommt irgendwann (ich wüsste ja gerne, wann genau) ein Ahsoka-Roman. Auf den freu ich mich schon sehr.

So, genug zu Star Wars. Gespielt hab ich diesen Monat auch wieder nix. Vielleicht sollte ich einfach doch Fallout 4 erstmal beiseite lassen und mit Knights of the Old Republic anfangen.

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