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Gelesen: Bücher im April

Na gut, einen Teil der Bücher hab ich auch noch  in der ersten Mai-Woche zu Ende gelesen. Aber da wollen wir ja mal nicht so sein, oder?

Margaret Atwood – The Year of The Flood

Abweichend von meiner Annahme in der Rezension zu Oryx and Crake handelt es sich tatsächlich nicht um eine Vorgeschichte zu letzterem, sondern spielt mehr oder weniger zeitgleich. Thematisiert wird diesmal nicht das Leben in den abgeschotteten Wohnräumen der Reichen, sondern das in den „Pleeblands“, also quasi den Ghetto-Bezirken. Im Vordergrund steht die Religionsgemeinschaft „God’s Gardeners“, die versuchen, mit den immer knapper werdenden Ressourcen der Erde klarzukommen und sich trotzdem rein pflanzlich zu ernähren und möglichst umweltfreundlich zu leben. Hauptfiguren sind diesmal zwei Frauen, die – wie schon Snowman in Oryx and Crake abwechselnd aus ihrer der Vergangenheit und der Gegenwart erzählen. Beide Charaktere sind auch wieder wirklich gut gezeichnet, zudem gibt es jede Menge interessante Nebenfiguren. Und tatsächlich gibt es auch Überschneidungen mit Personen aus Oryx and Crake, sogar mehr, als man am Anfang vielleicht denkt.

Auch dieses Buch habe ich wieder gern gelesen. Jedes Kapitel beginnt erstmal mit einer zitierten Predigt des Vorstehers der Regligionsgemeinschaft, die waren zwar auch immer recht interessant und manchmal sehr komisch, weil da irgendwelche Fakten wild durcheinandergeworfen wurden. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich sie manchmal nur quergelesen habe, weil ich wissen wollte, wie es mit der eigentlichen Geschichte weitergeht. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass das Buch nicht die Vorgeschichte darstellt, sondern zeitgleich spielt, denn ich hätte schon gern gewusst, wie die Welt so geworden ist, wie sie zu Anfang des Buches ist. Aber egal. Trotzdem eine klare Leseempfehlung für alle, die Dystopien mögen und Bücher ohne großen Actionanteil trotzdem gut finden.

Der dritte Teil der Reihe, Maddadam, liegt auch schon auf dem Lesestapel.

Zitate:

„Glenn used to say the reason you can’t really imagine yourself being dead was that as soon as you say, ‚I’ll be dead,‘ you’ve said the word I, and so you’re still alive inside the sentence. And that’s how people got the idea of the immortality of the soul – it was a consequence of grammar.“

„Maybe sadness was a kind of hunger, she thought. Maybe the two went together.“

Judith C. Vogt – Die Geister des Landes II: Gesichtslos

Weiter geht es mit den Abenteuern von Fiona, Gregor, Dora und Edi in der Eifel. Teil II knüpft mehr oder weniger nahtlos an den ersten Teil an (zu dem habe ich hier schon ausführlich geschrieben). Weiterhin ist die Sagenwelt der Eifel in Aufruhr und die vier Jugendlichen müssen zu retten, was zu retten ist. Diesmal gibt es gefühlt noch mehr mystische Wesen, außerdem einen Ausflug ins nächtliche Aachen auf der „anderen Seite“ sowie weiterhin sehr viel Action, lebendige Dialoge und ein hohes Tempo. Dabei bleibt aber das Persönliche nicht auf der Strecke, denn erstens geht der Kampf gegen die Monster nicht spurlos an den Charakteren vorbei und zweitens gibt es natürlich auch wieder ein bisschen Liebesdrama. Obwohl ich auf sowas eigentlich gut verzichten kann, schafft es Judith aber, dass ich mich wirklich brennend dafür interessiere, wer am Ende nun bei wem landet. Außerdem muss ich die Sexszene des Buches absolut loben: Die ist irgendwie ein bisschen unbeholfen, gleichzeitig aber schon irgendwie romantisch – und es wird auch nicht das Thema Verhütung einfach mal ausgeblendet, sondern die beiden benutzen ein Kondom. Danke dafür!

Teil 3 der „Geister“ ist leider noch nicht erschienen – ich warte sehr gespannt darauf, wie es weitergeht.

Zitate:

„Die Stimme in Fionas Traum sagte so nah an ihrem Ohr, dass sie seinen kalten Atem spüren konnte: „Ich habe alle Antworten, die du sucht. Und dafür verlange ich nur einen Tanz.“

Ken Grimwood: Replay – Das zweite Spiel
(deutsch von Norbert Stöbe)

Ein Science Fiction-Roman aus dem Jahr 1988, den ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich hatte noch nie davon gehört, es ist aber wohl ein recht bekanntes Buch und soll angeblich auch die Inspiration zum Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gewesen sein. Was passiert? Ein Mann stirbt im Jahr 1988 und sein Bewusstsein wird 25 Jahre in die Vergangenheit geschleudert, so dass auf einmal wieder am College ist, sich aber an alles erinnert.  Es geht im Buch dann darum, was er mit der Situation anfängt und was er aus seinem „zweiten Leben“ macht – allerdings passiert auch noch mehr, aber ich will das lieber nicht so genau verraten.

Die Thematik des Buches ist interessant, allerdings hat es mich nicht so richtig mitgerissen. Der Schreibstil ist sehr sachlich und es wird mehr beschrieben als erzählt. Auch die Charaktere sind zwar nicht unsympathisch, richtig nahe gekommen bin ich ihnen aber auch nicht. Gerade gegen Ende des Buches werden manchmal ganze Monate und Jahre einfach ein ein oder zwei Absätzen zusammengefasst. Das hat mir nicht so gut gefallen. Interessant ist das Buch durchaus. Ach ja: Wenn ihr die deutsche Ausgabe von 2005 (Taschenbuch) lesen solltet: Diese enthält ein Vorwort, was intelligenterweise den kompletten Inhalt des Buches spoilert *facepalm*. Also schnell überspringen.

Angelika Klüssendorf: Das Mädchen

Aufmerksame Leser erinnern sich – vor einer Weile war ich bei einer Lesung von Angelika Klüssendorf, bei der sie aus April, dem Nachfolger von Das Mädchen gelesen hat. Danach habe ich mir das erstmal den ersten Teil bestellt, weil es April auch noch nicht als Taschenbuch gibt. Das Mädchen ist ein sehr kurzer Roman und thematisiert die Kindheit eines Mädchens in der DDR, mit prügelnder und trinkender Mutter, abwesendem Vater, Kinderheim und anderen unschönen Sachen. Die Geschichte ist zumindest teilweise autobiographisch. Der Schreibstil ist sehr nüchtern und betrachtet das Mädchen, das nicht einmal einen Namen hat, stets auf einige Entfernung. Trotzdem kann man beim Lesen sehr viel Verständnis für den Charakter aufbauen. Es gibt hier keine große Handlung, keine Wunder, die irgendwie geschehen und die Protagonistin retten, und genau deshalb gefällt mir das Buch ziemlich. Es liest sich schnell weg, die Sätze sind klar und einfach. Aber es bleibt im Gedächtnis und ruft trotz der nüchternen Wortwahl bei mir Bilder im Kopf hervor.

Zitate:

„Das Herz pocht ihr den Hals herauf, sie schließt die Augen, eigentlich will sie nur davonkommen, und manchmal gelingt es ihr.“

Manchmal hebt sie einen Stein auf, trägt ihn ein paar Schritte bei sich, doch dann muss sie zurückgehen – in  ihrer Vorstellung hat sie den Stein seiner Familie entrissen, deshalb muss sie ihn an genau die Stelle zurücklegen, wo sie ihn gefunden hat.“

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Gelesen: „Oryx and Crake“ von Margaret Atwood

Man könnte ja öfter mal über die Bücher schreiben, die man gerade gelesen hat, dacht ich mir so. Also, wohlan:

Oryx and Crake von Margaret Atwood ist eine Mischung aus SciFi-Roman, Dystopie, Abenteuergeschichte und irgendwie auch schräger Lovestory. Es ist quasi der mittlere Teil einer Trilogie, der aber zuerst erschien, so dass ich ihn auch zuerst gelesen habe. Der im Nachhinein erschienene Vorgeschichte ist The Year of the Flood, der dritte Band heißt Maddadam und ist erst letzten Sommer erschienen. Die beiden werde ich auch noch lesen und dann sicherlich nochmal was zu schreiben, aber man kann ja ein Buch auch unabhängig von der Reihe besprechen. Außerdem funktioniert dieses hier auch allein.

Inhalt

So, worum geht es nun? Das ist nicht so einfach zu sagen. Es geht um Snowman, der eigentlich Jimmy heißt, und vermutlich der letzte lebende Mensch auf Erden ist. Oder zumindest dort, wo er sich befindet, nämlich vermutlich irgendwo in den ehemaligen USA. Dort haust Snowman wie ein Einsiedler und hält sich mit den Überresten der Zivilisation am Leben. Er kämpft mit der feindlichen Umgebung – Stürme, brennend heiße Sonne, gefährliche Tiere. Und ist irgendwie verantwortlich für die Crakers: Menschenähnliche Wesen, perfekt an die Umgebung angepasst und gleichzeitig kindlich und arglos, so dass er ihnen immer wieder die Welt erklären muss.

Im Verlauf des Buches entfaltet sich die Geschichte vor allem in der Vergangenheit, die in Rückblicken erzählt wird. Zwar passiert auch in der Gegenwart etwas und Snowman geht auf eine Reise, doch spannend ist natürlich vor allem, wie es dazu kam, dass alle Menschen verschwunden sind, komische mutierte Tiere durch den Dschungel rennen und eine neue Rasse entstanden ist. In diesen Rückblicken lernt der Leser dann auch Crake und Oryx kennen, wobei es sich bei Crake um Jimmys genialen, aber ziemlich durchgeknallten besten Freund handelt, während Oryx die Frau ist, die sie mehr oder weniger beide lieben. Es ist natürlich viel komplizierter als man es so zusammenfassen kann. Aber ich will ja auch noch nicht zu viel verraten. Das Setting, in dem die ganze Geschichte stattfindet, hat mir auch gut gefallen. Die Welt ist nämlich schon am Anfang der Handlung ziemlich aus den Fugen – wie es dazu kam, erfährt man, glaube ich, in „The Year of the Flood“ – und das zeigt das Buch immer wieder in skurrilen bis ziemlich garstigen Details. Allein die Wortschöpfungen für die ganzen Firmen, Lebensmittel und ähnliches aus Jimmys Kindheit sind großartig.

Als es dann auf das Ende des Buches zugeht und man schließlich die ganze Geschichte vor Augen hat, ist das irgendwie schon echt ein Knaller, und zwar nicht im positiven Sinn. Ich musste ganz schön schlucken über das, was der Menschheit so zugestoßen ist. Das Buch hat dann ein relativ offenes Ende, was man gut auch so hätte stehen lassen können, auch wenn es jetzt ja in dem dritten Teil, „Maddadam“, weitergeführt wird.

Sprache

Ich habe das Buch auf englisch gelesen und es hat mir auch sprachlich gut gefallen. Die Rahmenhandlung, also Snowman in der Gegenwart, wird im Präsens erzählt, der Rest im Präteritum. Mit Snowman/Jimmy gibt es einen Erzähler, der den Leser durch das ganze Buch begleitet. Wir sehen alles, auch die Hintergründe von Oryx und Crake, durch seine Augen. Besonders gefallen hat mir Snowmans Marotte, schöne und seltene Worte zu sammeln und im Kopf zu behalten. (Dazu gibt es unten auch noch ein Zitat.) Auch sonst ist er ein sehr greifbarer Charakter, dem man im Lauf des Buches sehr nahe kommt. Mir hat auch gefallen, wie beiläufig die Geschichte sich entfaltet, durch viele kleine Puzzleteile und ohne dem Leser jemals plakativ Fakten ins Gesicht zu klatschen.

Erster Satz

“Snowman wakes before dawn.”

Zitate

“When they’re gone out of his head, these words, they’ll be gone, everywhere, forever. As if they had never been.”

“You can’t buy it, but it has a price,” said Oryx. “Everything has a price.”

“So this was the rest of his life. It felt like a party to which he’d been invited, but at an address he couldn’t actually locate. Someone must be having fun at it, this life of his; only, right at the moment, it wasn’t him.”

Empfehlung?

Ganz klares Ja – vor allem an Leute, die SicFi und Dystopien mögen. Wobei ich denke, dass man das auch gut lesen kann, wenn man mit dem Genre sonst nicht so viel zu tun hat, da der Fokus eben nicht auf irgendwelchem Technobabble, Erfindungen oder Abhandlungen über die nicht so schöne neue Welt liegt.

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