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Mediengedöhns im … äh … Herbst, Teil 1

Gnarf gnarf. Das Blog liegt mal wieder brach ohnegleichen. Deshalb jetzt endlich mal ein Versuch, diesen Artikel hier in die Welt zu werfen, ich teile einfach mal auf und mache hier jetzt Bücher und Filme/Serien und dann einen weiteren Artikel mit gespielten Spielen und gehörten Podcasts, so.

Also. Medien von September bis … jetzt so.

Gelesen

An Büchern habe ich nur Roma Nova gelesen, und das habe ich ja neulich schon ausführlichst besprochen.

Ansonsten war ich leider wieder sehr lesefaul, was Bücher angeht. Ich hoffe, das ändert sich vielleicht doch noch, jetzt, wo ich diverse gemütliche Sitzgelegenheiten im neuen Wohnzimmer habe. Aber bisher war ich einfach weiterhin zu unmotiviert.

Allerdings möchte ich es beibehalten, im Mediengedöhns einige besonders im Gedächtnis gebliebene und lesenswerte Artikel zu verlinken, die ich in den letzten 2 Monaten gelesen habe.

Da ist zum Beispiel die Reportage über das Team, das den CumEx-Skandal recherchiert hat. Mit falschen Identitäten, Gesichtsmasken, einem übergelaufenen Insider und allem, was man sonst eher in einem Fernsehkrimi vermutet. Nur dass es hier echt ist. (Warum dieses Verbrechen in der breiten Öffentlichkeit so weitgehend unbeachtet bleibt – es ist mir ein Rätsel.)

Sehr, sehr lesenwert ist dieser Essay über das Erstarken der Rechten, den Wandel der Gesellschaft und wie das alles zusammenhängt.

Und passend dazu: Die Hans-Bremse, ein spannender Artikel über Frauen in der deutschen Politik. Woher der Titel kommt? Es gab von 1949 bis heute mehr verbeamtete Staatssekretäre namens Hans als Frauen in diesem Amt.

Dinge, über die man nie nachdenkt, und die dann doch einleuchten und nach einer sehr sinnvollen Änderung klingen: HBO hat jetzt eine Intimitäts-Koordinatorin am Set. Was das ist? Jemand, die drauf achtet, dass die Schauspieler sich mit den Sexszenen wohlfühlen.

Frauen müssen Wut zeigen dürfen, ohne dadurch als inkompetent, hysterisch oder lächerlich hingestellt zu werden. Jawoll, verdammt noch mal!

Politik und Fiktion gehen nie getrennte Wege: Das Märchen von der unpolitischen Fiktion.

Vordergründig ein Artikel zur Throne Room Scene aus The Last Jedi, vor allem in den letzten Absätzen aber eine Abhandlung darüber, warum man Dinge auch nicht mögen kann, wenn man sie mit eigenen schlechten Erfahrungen verbindet. Sehr spannend.

Und zum Schluss zweimal Fotos:

Portraits in Text und Bild von den großartigen Teilnehmerinnen der World Nomad Games.

Und ein Street Fotografer auf den Spuren der Vergangenheit.

Filme und Serien

Zweimal im Kino gewesen, beide Male sehr beeindruckt gewesen. Und zwar einmal zu Gundermann. Ja, den Namen kannte ich vorher auch nicht, auch wenn die Chance bei mir größer gewesen wäre, dass ich von dem schonmal gehört hätte, handelt es sich doch um einen bekannten DDR-Musiker. Allerdings war der in meines Vaters Ostrock-Sammlung nicht zu finden – mag damit zusammenhängen, dass nach der Wende rauskam, dass er für die Stasi gearbeitet hat. Und damit sind wir auch schon beim Film angekommen, denn der dreht sich unter anderem darum. Gerhard Gundermann (was ein Name!) war überhaupt eine ziemlich faszinierende Gestalt: Baggerfahrer im Tagebau und Musiker gleichzeitig, wegen Querulantentums aus der SED geworfen und später trotzdem von der Stasi angeworben. Der Film spielt in zwei Zeitebenen, einmal in den 70ern, als die Karriere von „Gundi“ so langsam in Fahrt kam, und einmal in den 90ern, als er nach der Wende fast noch richtig berühmt geworden wäre, bevor dann die Sache mit der Stasi rauskam.

Vor allem aber ist Gundermann mal wieder ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Geschichten von denjenigen erzählen zu lassen, die sie erlebt haben. Es gab schon einige berühmt gewordene Filme über das Leben in der DDR, zumeist jedoch erzählt von westdeutschen Regisseuren und Autoren. Die vermutlich nie einen Film über Gundermann gemacht hätten, weil sie ihn schlicht nicht kannten. Aber hier jetzt: ostdeutscher Regisseur, ostdeutsche Drehbuchautorin, und das merkt man. Ich habe von der DDR ja nicht sonderlich viel mitbekommen, beim Mauerfall war ich gerade mal 4. Aber wie z. B. diese Hochhaussiedlung in Hoyerswerda im Film aussieht – ja, genau so war das. (Lustigerweise wohnten Freunde meiner Eltern nach der Wende in genau dieser Stadt, in genauso so einer Hochhaussiedlung, es kam mir alles sehr vertraut vor.) Es sind ganz viele kleine Szenen, die ein Bild von der DDR zeichnen, das mir aus den Erzählungen meiner Verwandten vertraut vorkommt. Am schönsten finde ich das bei der Szene gelungen, in der, kleiner Spoiler, Gundermann seinem Kumpel die Frau ausgespannt hat und mit der jetzt zusammenzieht. Und dann treffen sich die beiden Typen, vor dem Hochhaus, jeder mit seinem Umzugskarton, denn natürlich tauschen sie jetzt einfach die Wohnungen, Betrug hin, Verrat her, man kam ja nicht so einfach an Wohnraum, da musste man halt praktisch denken. DAS war echt so der Moment, in dem ich dachte, „boah, da weiß jemand, wovon er erzählt“. Ich behaupte, dass es so eine Szene in einem DDR-Film von einem rein westdeutschen Teamnicht gegeben hätte.

Ansonsten hat der Film natürlich viel Musik, komplett neu eingespielt und eingesungen von Hauptdarsteller Alexander Scheer und seiner Band (gibt es auch als Album). Ich mochte die Lieder und vor allem die Texte fast alle sofort im Kino, ein paar hab ich mir auch danach nochmal angehört. Sind einige Ohrwürmer dabei und einige wirklich tolle Lyrics.

ich mache meinen frieden mit dir, du großer gott
ich nehm‘ was du mir bieten kannst, leben oder tod
ich will mich nicht mehr drängeln und will mich nicht verpissen
und wer mich angeschissen hat will ich auch nicht mehr wissen
so fülle meinen becher, ich trink ihn bis zur neige
nun gib mir schon mein kreuz, oder eine geige

(Gundermann, „Ich mache meinen Frieden“, vom Album „Der 7. Samurai, 1993)

Der Hauptdarsteller, ich kannte ihn vorher nicht, weil ich ja kaum deutsche Filme gucke, ist jedenfalls auch sensationell. Optisch wurde er wirklich krass dem echten Gundermann angepasst, und sächseln kann er auch gut. Achja, das war auch noch so ein Aspekt des Films, den ich sehr mochte: Fast alle Hauptfiguren sächseln mehr oder weniger. Und das ist einfach so und wird nicht einmal benutzt, um sie irgendwie blöd, lächerlich oder sonstwie negativ darzustellen. Super waren dann auch noch die unglaublichen und wirklich beeindruckenden Panorama-Aufnahmen aus dem Tagebau. Insgesamt also wirklich eine große Empfehlung für einen vielleicht ungewöhnlichen, aber in jeder Hinsicht beeindruckenden Film.

Ich verlinke hier einfach auch nochmal das Interview mit dem Regisseur, nach dessen Lektüre ich dringend ins Kino wollte.

Und dann war ich noch in #FemalePleasure, (pro Tipp: Beim danach googlen das Häschtäg nicht vergessen…) davon habe ich neulich schon im Podcast erzählt. Großartiger Dokumentarfilm über fünf Frauen, die aus den Zwängen von Patriarchat und Religion ausbrechen und sich dafür einsetzen, anderen Frauen (und Männern) zu helfen. Der Film zeigt bemerkenswerte Parallelen aller fünf Weltreligionen auf, die alle mehr oder weniger die Rolle der Frau abwerten und Strukturen schaffen, die Macht zementieren und Missbrauch fördern, mal mehr und mal weniger. Dabei schafft die Doku es, einen gelungenen Tonfall einzuschlagen, der weder in rührseliges „diese 5 haben es geschafft, alles gut, keine weitere Tätigkeit nötig“ noch in fatalistisches „Menschheit kacke, bitte Komet, jetzt“ abdriftet, sondern mehr so in Richtung „der Anfang ist gemacht, jetzt müssen mehr Leute mit anpacken, um die Gesamtsituation zu verbessern“ geht. Hier ist die Homepage mit einem Trailer und einer Übersicht der vorgestellten Frauen. Läuft aktuell noch in den Kinos, nächstes Jahr kommt wohl die DVD (und hoffentlich auch die Verfügbarkeit über Streamingdienste). Wirklich sehr empfehlenswerte Doku, ich bin froh, dass ich mich noch zum Kinobesuch aufgerafft habe.

Und damit zuuuurüüüück zur Popkultur: Die dritte und letzte Staffel von Avatar – The Last Airbender habe ich inzwischen auch gesehen. Hach. So viel Liebe. Noch nicht mal unbedingt für das Finale, das war zwar nett und episch und so, aber im Prinzip wurde alles Wichtige ja vorher schon geklärt und musste dann nur noch ausgefochten werden. Aber die Folgen vorher! Da waren so viele großartige Sachen dabei, ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. (Auf Twitter entspann sich da neulich eine sehr lustige Diskussion, in der alle versuchten, möglichst ohne Spoiler ihre Lieblingsfolge zu nennen und ein Gif dazu zu posten.) Jedenfalls eine fantastische Serie, ich werd die bestimmt noch ein weiteres Mal gucken. Aber erstmal Legend of Korra.

Und tatsächlich hab ich von Legend of Korra auch schon Buch 1 und 2 gesehen, irritierenderweise bei Amazon Prime beides unter „Staffel 1“ geführt. Aaaaaah Korra. So. Viel. Liebe. Ich glaube, es gefällt mir fast noch besser als Avatar, weil die Charaktere ein bisschen älter sind und die Geschichte weniger klassisches Heldenreise-Weltretten ist. Außerdem finde ich es einfach so großartig, wie Personen und Familien und Themen aus Avatar weiterentwickelt werden und was da alles draus gemacht wird. Und dass es nicht nur um die jugendlichen Helden geht, sondern auch relativ viel um die ältere Generation, also die Kinder der Avatar-Protagonisten, finde ich absolut toll. Wann sieht man schonmal so viele coole Charaktere, die so um die 50 sind? Und dann noch der Jugendstil-Look. Und die unglaublich tolle Musik! Und Korra ist einfach so herrlich anders als Aang und dann auch noch ALL DAS LIEBESDRAMA, ich liebe es (und es passt hier auch viel besser – Aang fand ich für den ganzen Liebeskrempel ja immer etwas SEHR jung). Ich bin sehr gespannt auf den Rest der Serie.

Und jetzt komm mir keiner mit „da gibts doch ne neue Serie von den Avatar-Machern“, denn natürlich hab ich auch The Dragon Prince schon gesehen. Alle 9 Folgen an einem Tag, denn ich wollte nur mal reinschauen und konnte dann nicht mehr aufhören. Auch wieder wirklich sehr toll gemacht, wunderbare diverse Charaktere (Amaya!!!), tolles Worldbuilding und bisher eine schöne, spannende Geschichte, auch wenn sie noch nicht ganz die Epik von Avatar erreicht. Ist aber auch kein Wunder, war ja nur eine halbe Staffel – ich hoffe, die 2. kommt bald und mit mehr Folgen.

Und weil ich gerade so schön drin bin in animierten Serien, habe ich neulich, als ich migränig daheim herumlag, an einem Tag alle 13 Folgen der neuen SheRa-Serie geschaut. Aaaaaah! Schon wieder so viel Liebe. Ich kenne die alte Serie überhaupt nicht, die neue hat mich aber echt begeistert. Tolle Charaktere in toller diverser Optik, schöne Story, ganz viel Fokus auf Freundschaft und gegenseitiges Unterstützen, so viel queerer (Sub)-Text, dass ich nur am Grinsen war, und dann gab es EINE PROM-FOLGE. Mit Kleid-Aussuch-Montagen, Eifersuchtsdrama und plotrelevanter Tanzsszene, und allein dafür hat die Serie sich schon gelohnt, aber generell lohnt die sich, weil … einfach toll und bunt und bunt und divers und hach. Guckt das mal.

So und dann war da natürlich noch das MCU, was auf Netflix weiterging. Und jetzt reihenweise abgesetzt wird, gnarf.

Die zweite Staffel Iron Fist haben vermutlich viele erst gar nicht angefangen, weil die erste so schlecht war. Was der zweiten unrecht tut, denn die ist wirklich verdammt cool und hat mich am Ende ungläubig, aber hocherfreut zurückgelassen. Eigentlich macht die Staffel wirklich alles richtig. Danny entwickelt sich konsequent weiter und ist wesentlich weniger nervig und blöd als in Staffel 1, sondern kämpft mit seinem Dasein als Iron Fist und seiner Vergangenheit. Genauso wie Ward, der versucht, ein besserer Mensch zu werden, und dabei ziemliche Mühe hat. Es gibt Folgen, die sind so großartig deutlich in ihrer „toxic masculinity schadet Männern übrigens ebenso sehr wie Frauen“-Botschaft, ich hab es echt gefeiert. Und dann sind da natürlich Colleen Wing und Misty Knight, die einen guten Teil der Staffel als großartiges, kompetentes und witziges Duo unterwegs sind. Verdammt, Disney, wenn ihr schon alles absetzt auf Netflix, dann gebt mir wenigstens die Daughters of the Dragon-Serie auf eurem Streaming-Dienst, ey! In jedem Fall – die Staffel hat nur 10 Folgen, was ihr merklich gut tut, und auch wenn es nach der Staffel nicht weitergeht, kann und sollte man sie trotzdem schauen, wenn man das MCU generell mag. Es hört nicht so richtig mit einem Cliffhanger auf, sondern mehr mit einem einigermaßen okayen Abschluss, aber vielen Andeutungen, was noch kommen könnte. Das geht schon als Schlusspunkt. Sehr viel besser als der Cliffhanger in der 2. Luke Cage-Staffel, der jetzt nie aufgelöst wird … hab ich schon erwähnt, wie ich diese Lizenz-Geschacher-Absetzungsscheiße hasse???

So und dann war da noch Daredevil, Staffel 3. Meiner Ansicht nach auch die beste Staffel der Serie, weil sie es endlich hinbekommt, nicht das Finale total zu verkacken, das war in den ersten beiden Staffeln ja jedesmal der Tiefpunkt der Staffel für mich, vor allem in Staffel 2. Diesmal klappt aber auch das, und die Staffel ist total großartig. Fisk ist wieder dabei, es gibt eine Karen-Rückblicksfolge, es gibt ein paar neue, tolle Charaktere, es gibt noch irrwitzigere Hallway-Fights … tolle Sache. Und das Ende war für mich perfekt als Serienabschluss, auch wenn es bitter ist zu lesen, dass Staffel 4 schon komplett geplant war, als die Absetzung beschlossen wurde. Hab ich schon erwähnt….etc.pp???

Und dann natürlich noch: Die vierte Staffel von Better Call Saul. Irgendwie ist man bei der Serie ja schon fast gewohnt, dass sie eine irrsinnige Qualität in jeglicher Hinsicht hat. Trotzdem haben einige Folgen, Szenen und vor allem Montagen der 4. Staffel da nochmal eine ganze Schippe draufgelegt. Better Call Saul hat weiterhin ein gemächliches Tempo, viel Zeit für Charakterstudien und ist für mich gleichzeitig immer noch in jeder Folge von der ersten bis zur letzten Minute spannend. Unglaubliche Serie, ich hoffe, sie bekommt wenigstens noch eine Staffel. Von mir aus dürfen es aber auch gerne noch mehr sein.

Ich hab das dumpfe Gefühl, was vergessen zu haben, wenn es mir noch einfällt, wird es nachgeliefert.

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