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What goes around comes around (Blogstöckchen)

Ich warf also vor einiger Zeit ein Stöckchen nach zu Judith, diese antwortete, Meisterperson schnappte sich die Fragen, nominierte RPGnosis und der nominierte wiederum mich. Keine Ahnung, ob ich jetzt eigentlich raus wäre, weil ich irgendwo in der Stöckchenkette schonmal dran war. Die Fragen drehen sich diesmal aber eh um Rollenspiel und sind hinreichend anders und außerdem freue ich mich über die Nominierung, deswegen: Komm her, Stöckchen!

1. Welches Rollenspielprodukt hat dich persönlich am meisten geprägt?

Vermutlich, wie bei den meisten Leuten, das, was ich zuerst in die Finger bekommen habe. Ganz konkret dürfte das Aventurische Helden gewesen sein,  das Generierungsbuch für profane Charaktere nach DSA 4.0, damit habe ich damals nämlich mit dem Rollenspiel angefangen. Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie ich durch die vielen verschiedenen Kulturen und Professionen gestöbert habe – vor allem die großartigen Bilder von Caryad sind mir da im Gedächtnis geblieben und für mich bis heute noch ein Maßstab an guten DSA-Illustrationen. Ich war damals jedenfalls sehr schnell angefixt von den vielen Möglichkeiten der Charaktererschaffung und habe mir dann auch ziemlich bald selber meinen ersten Charakter gebaut.

Natürlich gab es auch noch andere prägende Produkte, z. B. das erste Buchabenteuer, das ich geleitet habe (ich kann mich leider nicht mehr erinnern, welches das war), das erste Buch, das ich für Nandurion rezensiert habe (Rahja-Vademecum), die Kampagne, über die ich das Spielleiten komplett an den Nagel hängte (Drachenchronik) und natürlich auch das erste selbstverfasste Abenteuer.  Ich würde auch gerne irgendwas außerhalb von DSA nennen, aber da will mir leider nicht wirklich etwas Prägnantes einfallen – wenn ich neue Systeme kennenlerne, dann meistens durchs Spielen und nicht durchs Lesen der Bücher. Wobei ich mich noch dran erinnere, wie ich zum ersten Mal das Legends of the Five Rings-Grundbuch aufschlug und dachte „boah, so optisch geil kann ein Rollenspielbuch aussehen??“ … das hat zumindest meine Einstellung zu vollfarbigen Rollenspielbüchern positiv beeinflusst.

2. Was ist die beste Regel, die dir je in einem Rollenspielsystem untergekommen ist, welches die schlechteste?

Urks. Ich und Regeln. Ich habe zwar durchaus eine Meinung zu Regeln, die aber in 99 % der Fälle total willkürlich ist und sich nicht auf irgendein fundiertes Urteil stützt, sondern mehr so auf meine Einschätzung, ob die Regel irgendwie cool ist und meiner Ansicht nach zum System und zum Hintergrund passt. Irgendwelche Überlegungen zum Balancing oder dergleichen kann ich dann zwar nachvollziehen, wenn sie mir einer aufzeigt, käme selbst aber weder auf die Idee sowas nachzurechnen noch wäre ich dazu in der Lage. Es gibt dann halt so Regeln, die so offenkundig Blödsinn sind, dass es selbst mir auffällt, z. B. diese Eisglyphe aus dem Elementare Gewalten, mit der man für einen supergeringfügigen Nachteil eidetisches Gedächtnis erzeugen kann. Aber darüber hinaus fallen mir Probleme mit Regeln meist erst auf, wenn irgendwer mit mehr Plan mich drauf hinweist.

That being said: Ich mag, ihr dürft mich jetzt schlagen, nach wie vor den Mechanismus von DSA4, alle möglichen Effekte durch Spaltenverschiebungen in der Steigerungskostentabelle abzubilden. Ich finde das nach wie vor sehr elegant, weil man so viele verschiedene Dinge (Begabung, Unfähigkeit, Lehrmeister, Bücher, besondere Erfahrungen, Hauszauber, usw.) mit dem selben Mechanismus darstellen kann. Daher für mich nach wie vor eine sehr gute Regel, ihr dürft mir jetzt gerne erklären, wieso das Unsinn ist, ich mag sie trotzdem. Als schlechteste Regel … pfuuuh. Ich finde ja z. B. die DSA5-Steigerungskostentabelle komplett kacke und würde niemals DSA5 spielen, so lange die in dieser Form existiert, aber ob das die Regel jetzt schlecht macht oder das mein persönlicher Geschmack ist – keine Ahnung. Wobei mir da gerade dann doch noch was einfällt: Die DSA5-Patzertabellen für Zauberei und Götterwirken. Die kegeln in einem Großteil der Fälle den patzenden Helden aus der Szene, dem Spielabend oder gar dem ganzen Abenteuer und das ist einfach schlecht. (Und ja, es gibt natürlich auch in DSA4.1 doofe Regeln. Schildspalter und so.)

3. Wenn du heute nochmal eine Spielrunde starten könntest, die inhaltlich und vom Stil her genau so läuft wie deine allererste, würde das funktionieren? Warum?

Lustigerweise mache ich ja einmal im Jahr noch Rollenspielurlaub mit der Runde, in der ich vor fast 13 Jahren angefangen habe und die auch nach wie vor inhaltlich und stilistisch so spielt wie damals. Von daher kann ich sagen: Ja, es funktioniert schon, macht aber weniger Spaß als damals. Die Runde legt halt weniger Wert auf den offiziellen DSA-Hintergrund, das war mir damals wurscht, weil ich ihn halt nicht wirklich kannte. Inzwischen bin ich da sehr viel mehr drin und es stört mich auch, wenn dann allzu sehr mit den Setzungen gebrochen wird. Außerdem spielt die Runde mit fürchterlichen Kampf-Hausregeln, die die Kämpfe unendlich in die Länge ziehen und auch ohne Musik, was für mich inzwischen zum Spiel einfach dazugehört. Das ist alles kein Drama, ich spiele immer noch gerne mit den Leuten zusammen und freue mich, sie zu sehen, ich würde aber halt noch nicht mehr jede Woche spielen wollen.

4. Du beschließt nach reiflicher Überlegung, die nervige Spielrunde nebenan mit der Rollenspielpolizei zu SWATten – was haben sie angestellt?

Ich glaube, die Frage möchte von mir wissen, was mich an Runden total nerven würde. Ich hab da schonmal einige Beiträge zu verfasst: Dinge, die am Spielleiter nerven. Dinge, die an Mitspielern nerven. Dinge, die ich am Rollenspieltisch nicht hören will. Ich glaube, damit habe ich das irgendwie schon arg erschöpfend beantwortet. Aber wirklich SWATen würde ich wohl gerne Gruppen, die gegen- und nicht miteinander spielen und in denen eine oder mehrere Personen sich auf Kosten der anderen profilieren und in den Vordergrund drängen.

5. Was vermisst du heute am Rollenspiel, was vor 20 Jahren (bzw. in den ersten Jahren, als du angefangen hast) noch anders und viel besser war?

Vor 20 Jahren war ich leider noch Jahre davon entfernt, überhaupt von der Existenz dieses Hobbys zu wissen. Vor 13 Jahren, als ich angefangen habe … tja, da war halt alles neu und spannend und selbst das einfachste Abenteuer mit dem simpelsten „Rettet Jobst“-Plot hat Spaß gemacht und war total innovativ, weil das ganze Konzept von Rollenspiel eben neu war. Außerdem kannte ich halt viele Hintergrunddinge noch nicht und deshalb waren manche Plotelemente dann halt überraschend, bei denen ich heute schon viel früher kommen sehe, was wohl passieren wird und hinter bestimmten Geschehnissen steckt. Wobei ich sagen muss, dass ich zwar manchmal schon diese anfängliche „alles ist neu und spannend“-Sache vermisse, aber generell eigentlich sehr glücklich mit meiner aktuellen Runde bin. Und für das Entdecken von neuen Welten, über die man als Spieler noch nix weiß, gibt es ja auch noch so viele andere Rollenspiele.

6. Welche Settings sind im deutschsprachigen Raum deiner Meinung nach völlig unterrepräsentiert?

Kein Plan. Ich habe schlicht keine Ahnung, was es überhaupt alles an deutschsprachigen System schon alles gibt, weil mir schon die Zeit fehlt, mich auch nur mit den Systemen zu befassen, die in meinem Schrank herumstehen.

7. Du gewinnst ganz groß im Lotto und kaufst einen Rollenspielverlag deiner Wahl! Welchen und warum?

Puh. Also wenn ich so viel Geld hätte, würde ich vielleicht lieber einen neuen Verlag gründen … wobei ich nicht weiß, ob Verlagschefin in der Rollenspielbranche jetzt so mein Traumberuf wäre. Manche Kommentare auf Nandurion sind ausreichend um mich nicht in der Illusion zu wiegen, dass Rollenspieler stets angenehme und sachliche Diskussionspartner sind. Anyhoo. Aber gut, ich soll ja einen bestehenden Verlag kaufen. Und darauf gibt es jetzt eine maximal selbststüchtige und egoistische Antwort: Ich kaufe Ulisses und schenke als einzige Amtshandlung dem Uhrwerk Verlag die Lizenzen für Myranor und Tharun. Dann dürften die nämlich weiter DSA4.1-Produkte veröffentlichen und ich kann das nächste Myranor-Abenteuer nach 4.1-Regeln schreiben. Ich sagte ja, höchst selbstsüchtig.

8. Wenn du die Wahl hättest, würdest du auf 20% deiner Arbeitszeit und deines Gehalts verzichten, um mehr Zeit für Privates zu haben?

Genau das habe ich vor einem Jahr getan, es war die beste Entscheidung (auch gesundheitlich) meines Berufslebens, ich möchte nie nie nie nie NIE wieder Vollzeit arbeiten und wenn es ginge, würde ich noch weniger Stunden die Woche arbeiten (aber das würde mein Arbeitgeber nicht mitmachen und es wäre dann finanziell auch zu knapp).

9. Welches ist dein Lieblingswürfel und warum?

Der W20. Weils halt nicht der langweilige W6 ist und er zu meinem Lieblingsrollenspiel fest dazugehört.

10. Wenn die Rollenspielfee dir einen Wunsch gewähren würde, der alle Rollenspieler der Welt betreffen muss, welcher wäre das?

Mehr Toleranz und mehr Einsicht dafür, dass es nicht die eine richtige Art (TM) gibt, Rollenspiel zu machen und es total okay ist, dass verschiedene Leute an verschiedenen Aspekten des Spiels Freude haben. Leider gibts ja nur einen Wunsch, der zweite wäre dann: Mehr Feedback für Online-Content – es ist manchmal so deprimierend, wenn man Stunden an Zeit in eine Rezension oder eine Spielhilfe gesteckt hat und dann null Reaktion darauf bekommt.

Und das wars auch schon. Vielen Dank für die schönen Fragen!

Da mir nun nach dem Stöckchen-Fieber der letzten Tage und Wochen wirklich gar keiner mehr einfällt, den ich noch nominieren könnte, lasse ich das auch und stelle auch keine neuen Fragen. Aber Lust hat, ebenfalls die Fragen von RPGnosis zu beantworten, kann das ja trotzdem tun.

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#RPGaday2015: Frage 25 bis 28

Okay, das wird jetzt irgendwie kurz, schmerzlos und öde.

Frage 25: Liebster revolutionärer Spiel-Mechanismus?

Keine Ahnung, ehrlich. Ich bin viel zu wenig in so theoretischem Regelblubb drin, als das mir sowas auffallen würde und ich spiele bisher auch eher „klassische“ Sachen, keine wilden Freeform-Indie-Sonstwas-Rollenspiele. Kein Plan also. Der DSA4-Reiterkampf isses jedenfalls nicht :p .

Frage 26: Liebste Inspirationsquelle für Rollenspiele?

Hm. Vermutlich so das Übliche – Filme, Serien, Bücher. Ich muss mich aber auch eh nur zu Dingen für meine eigenen SC inspirieren lassen, ich leite ja selten bis nie. Und für Charaktere habe ich immer genug Ideen, wobei da schon immer wieder Einflüsse durch Charaktere aus oben genannten Medien hinzukommen.

Frage 27: Liebste Idee dafür, zwei Spiele zu einem zusammenzufügen?

Keine Ahnung.

Frage 28: Liebstes Spiel, dass du nicht länger spielst?

Kein Pen-and-Paper-Rollenspiel – ich fing ja mit DSA an und spiel es bis heute. Aber es gab mal einige Forenrollenspiele, also so quasi kooperatives Schreiben, davon hätte ich bei 3 Stück wahnsinnig gerne weitergemacht, allerdings ergab es sich aus verschiedenen Gründen nicht. Eins war eine SciFi-Geschichte, allerdings in einer Ära des Neoviktorianismus, also mehr oder weniger SciFi-Steampunk, da kamen wir nie über die ersten paar Posts, aber ich fand die Idee großartig und mochte meinen Charakter, einen pazifistischen russischen Dipolmaten, unheimlich gern. Das andere war ein Buffy-Rollenspiel, das gab es sogar in 2 Auflagen, wobei beide leider irgendwann scheiterten. Es spielte nach der 7. Staffel, also mit einer anderen Jägerin, und zwar in Cleveland. Mein Charakter war eine nerdige Hackerin namens Catrina, der ich übrigens auch meinen Twitternamen verdanke – Catrinity war nämlich ihr Online-Name. Ihr wisst schon, von Catrina und Trinity aus Matrix und so. Es war sehr cool, leider lief es nicht ganz so, wie es sollte, und wurde dann auch im 2. Versuch eingestellt, noch ehe ich meinen zweiten Charakter, einen drogendealenden Halb-Dämon auf der Suche nach seiner verschollenen Mutter, wirklich einführen konnte. Das dritte Forenspiel läuft sogar noch irgendwie, allerdings habe ich mich da irgendwann ausgeklinkt, als es sehr viel Stress und Streit deswegen gab. Da ging es um Menschen mit besonderen Fähigkeiten (so wie in Heroes oder X-Men) und es war wirklich sehr cool und auch immer gut geplant und geschrieben. Mein erster Charkater war eine indischstämmige Krankenschwester mit der Fähigkeit der biologischen Manipulation (also Menschen putt machen oder Menschen heile machen), ergänzt dann später um eine us-amerikanische Ex-Soldatin, die Supergeschwindigkeit als Fähigkeit hatte und einfach ne verdammt coole Sau war. Sofia, ich vermisse dich! Irgendwann werde ich hoffentlich diese ganzen Charakterideen nochmal in anderen Projekten verwursten können … mal sehen.

Das war jetzt ein kleiner Exkurs weg vom Thema, aber ehe ich zum vierten Mal „keine Ahnung“ schreibe … 😉

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