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#RPGaday2015: Frage 8 bis 13

Nach einer etwas längeren Pause wegen der RatCon geht es nun weiter mit den Fragen.

Frage 8: Liebste Mediendarstellung von Rollenspiel?

Hah, das ist einfach: Die Community-Folge „Advanced Dungeons and Dragons“. (Eine der witzigsten Szenen daraus gibt es z. B. hier) Die besteht auch quasi nur daraus, dass die Charaktere Dungeons and Dragons spielen, und obwohl es keine sonderlich großen Special Effects gibt, ahnt man doch irgendwo den Reiz, der dabei entsteht. (Auch wenn ich die Art und Weise, wie amerikanische Rollenspielgruppen anscheinend DnD spielen, ja ganz schrecklich finde und da nie mitspielen wollen würde.) Man merkt jedenfalls an der Folge, dass Community-Schöpfer Dan Harmon selbst Rollenspieler ist und sein Publikum dafür begeistern möchte. (Während z. B. bei The Big Bang Theory Rollenspiel, so wie fast jeglicher Nerdkram, immer  ziemlich abwertend dargestellt wird, leider.)

So, und wer Community noch nicht kennt, guckt das jetzt gefälligst, es ist einer der innovativsten und tollsten Comedyserien, die ich kenne.

Frage 9: Welches mediale Gezeugs sähest du am liebsten in ein Rollenspiel umgesetzt?

Dank diverser Universalsysteme kann man sich das ja heutzutage tatsächlich fast alles selber basteln, da hat Judith schon ganz recht.

Aber trotzdem finde ich, dass bestimmte Settings sich geradezu dazu anbieten, ein Regelsystem um sie herum zu basteln, das die Besonderheiten der Welt und Fähigkeiten der Charaktere abbildet. Zum Beispiel wundert es mich nicht, dass es ein Rollenspielsystem zu Dresden Files gibt, weil das eigentlich schon beim Lesen schreit „Los, mach ein Rollenspiel aus mir!“.

Was ich cool fände, wäre ein Rollenspiel zur Serie Defiance – ein PC-Spiel dazu gibt es sogar, das kenne ich aber nicht – , weil die Welt einfach ziemlich cool ist und genügend verschiedene Spezies und Weltanschauungen mitbringt, zudem noch einige coole technische Gadgets hat und außerdem wenig definiert ist – es gibt die Stadt Defiance, ein wenig Info zum Land drum herum und hier und da mal kleine Andeutungen zum Rest der Welt – das wars. Da wäre viel Platz, sich auszutoben. Was ich an dem Setting außerdem so mag, ist, dass es sich gezielt in die Lücke zwischen „OMG Alieninvasion“ und „wir leben hier schon seit 500 Jahren zusammen“ ausgesucht hat und das unheimlich viel Potenzial bietet.

Frage 10: Liebster Rollenspielverlag?

Wie könnte ich hier einen anderen als den Uhrwerk-Verlag nennen? An deren Stand hänge ich auf Cons supergern rum, um mit den Leuten zu schnacken, außerdem gibt es da gelegentlich Kuchen. Und Schnaps. Oder beides. Außerdem find ichs super, dass man Patric und Uli in quasi jedem Rollenspielforum auffindet, wo sie Fragen der Spieler zu Verlagsprodukten meistens superschnell beantworten. Auch wenn ich jetzt nicht alles kaufen würde, was der Verlag so rausbringt, haben sie viel im Programm, was mich interessiert: Myranor, Tharun, HEX, Space 1889 und bald auch das deutsche Numenera, außerdem waren sie bekloppt genug, eine deutsche Übersetzung des besten Tieranwälte-Tanz-Rollenspiels der Welt ins Programm aufzunehmen.

So, und wenn euch das noch nicht überzeugt hat, guckt euch diese Video-Vorstellung des Uhrwerk-Verlags an. Wie kann man da widerstehen?

Frage 11: Liebster Rollenspielautor?

Spätestens seit seinem Workshop auf der HeinzCon 2015 bin ich Fangirl von Stefan Unteregger. Und das liegt auch wirklich, ganz ehrlich, nur zu 20 % an seinem wunderschönen Wiener Dialekt 😀 .

Frage 12: Liebste Rollenspielillustration?

Pfuh, okay, hier wird wirklich nach einem konkreten Bild gefragt, richtig? Also, es gibt diese wunderschöne Illustration einer Ashariel-Walküre in Myranische Magie von Mia Steingräber. Das ist eins der tollsten Rollenspielbilder, die ich so kenne, aber das kann man online nirgendwo finden. Aber guckt mal auf Mias Homepage, da sind ganz viele tolle Bilder von ihr und ich empfinde vor allem ihre Illustrationen in schwarz-weiß als die schönsten, die es im Rollenspielbereich gibt.

Frage 13: Liebster Rollenspiel-Podcast?

Da bin ich raus, ich kann mit Podcasts nichts anfangen. Generell nicht mit Inhalten, die ich mir nur anhören kann, ich höre auch keine Hörbücher oder Hörspiele. Funktioniert nicht bei mir, ich blende gewöhnlich jegliches Hintergrundgeräusch, auch Musik, entweder ganz fix aus oder es nervt mich.

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Rezension: „Die Pestflamme“ von Judith C. Vogt

Die PestflammeJudith Vogt und die Eifel, das gehört ja irgendwie zusammen. Nachdem sich schon die Protagonisten ihrer „Geister des Landes“-Reihe mit den lokalen Sagengestalten herumschlagen mussten, führt die Novelle „Die Pestflamme“ jetzt in die Vergangenheit ebenjenen Landstrichs. Es geht, big surprise, um die Pest. Die kommt auf die Kasselburg und rafft die Verlobte des Türmers Laurenz dahin, der daraufhin das Türmen aufgibt und ziellos durch die Lande zieht. Ich finde es im Übrigen sehr schön, dass Laurenz ausgerechnet ein Türmer ist, er hätte ja auch Bauer, Fuhrknecht,  Schneider oder Fischer sein können. Aber ein Türmer, das gibt es ja heute nicht mehr und das ist auch ein bisschen unbegreiflich, dass es wirklich mal Leute gab, die hauptberuflich auf Türmen rumhingen und die Umgebung im Auge behielten. Jedenfalls treffen Ex-Türmer Laurenz und sein namensinkonsistentes Pferd Jann-Peter-Theodor-Jockel (Yo-Saff-Bridge lässt grüßen) schließlich auf Heinrich. Dieser ist ein reisender Adliger mit düsterer Ausstrahlung und zunächst unbekannter Vergangenheit. Und wäre Laurenz eine Laurenzia und die Pestflamme keine historische Novelle, sondern ein Mittelalter-Liebesschinken, so verlöre die liebreizende Laurenzia, die dann aber nicht Türmerin, sondern …. sagen wir mal, Hebamme, wäre, natürlich ihr Herz an ihn. Doch zum Glück bleibt uns das allen erspart und unsere beiden Protagonisten nun also zu zweit durch die Lande, was an sich ja ganz vergnüglich wäre, würde die Pest ihnen nicht auf dem Fuße folgen. In fast allen Orten, in denen sie Halt machen, bricht die Pest aus und Laurenz, der ja seine Geliebte durch sie verloren hat, sagt der Krankheit quasi persönlich den Kampf an. Immer wieder stellt er bestimmte Phänomene fest, durch die die Pest sich verbreitet: Eine blaue Flamme (die namensgebende Pestflamme), Mäuse, falsch bestattete Leichen … und immer wieder fällt ihm ein Weg ein, die Pest durch Bekämpfung dieser Vorkommnisse zurückzuschlagen. Seine Erkenntnisse verarbeitet Laurenz zu Liedern und Gedichten, die er auf seinen Reisen vorträgt, um so die Pestausbrüche möglichst früh zu verhindern. Währenddessen findet er langsam mehr über seinen mysteriösen Begleiter Heinrich heraus, der vor seiner tragischen Vergangenheit davonläuft. Gegen Ende der Geschichte finden sich Laurenz und Heinrich auf Burg Nideggen ein, es gibt einen Maskenball und, wie das auf Maskenbällen so ist, zahlreiche Enthüllungen. Aber über die verrate ich jetzt nichts, dazu müsst ihr euch das Buch schon selber kaufen.

„Die Pestflamme“ ist, ich erwähnte es ja bereits, eine Novelle. Und das finde ich ziemlich großartig, da, soweit es mir bekannt ist, es recht schwer ist, in Deutschland etwas Gedrucktes zu veröffentlichen, was nicht Zeitung/Zeitschrift oder Roman ist. Nun hätte man natürlich auch auf ein Buch mit knapp 150 Seiten Roman draufschreiben können, ich habe schon kürzere Romane gelesen, aber der Verlag steht hier zur Novelle und das finde ich prima. Außerdem hat er das Titelbild von der großartigen Mia Steingräber zeichnen lassen, was ich natürlich auch nur begrüßen kann. Das Cover zeigt den mysteriösen Heinrich in düsterer Klamotte, im Hintergrund eine Burg und herbstlichen Wald – und das ist auch ungefähr so die Stimmung, die das Buch vermittelt. Es ist alles sehr barock, überall Pest, Krieg und Tod (und vermutlich auch Hunger, wir wollen hier ja keinen apokalyptischen Reiter diskriminieren), und mittendrin die beiden Hauptfiguren, die ziellos durch das Land streifen. Die Beziehung der beiden zueinander hat mir gut gefallen. Sie tun sich am Anfang eher aus Zweckgründen zusammen, schließen aber dann doch so etwas wie Freundschaft, die, wie sich am Ende zeigt, doch recht tiefgreifend ist. Außerdem war ich als Leser, genau wie Laurenz als Erzähler, doch recht neugierig, was es mit Heinrich denn nun auf sich hat. Die Auflösung des Ganzen gefällt mir, denn sie war weder ab Seite 10 klar noch kam sie irgendwie wie mit dem Holzhammer, weil es keine Hinweise darauf gab. Auch die Gedichte von Laurenz haben mir gefallen, zumal auch immer wieder darauf eingegangen wird, wie er daran arbeitet, welche Versformen er verwendet und wie er zum Teil auch mit seiner Dichtung hadert. Und mit den wechselnden Namen des Pferdes und Heinrichs spöttischen Bemerkungen ist auch die ein oder andere witzige Stelle drin. Das Ende – nein, ich verrate es immer noch nicht – fand ich auch sehr gut. Gut, wer mich kennt, mag nun ahnen, dass ein Ende, das mir gefällt, nicht darin besteht, dass Heinrich und Laurenz zwei pestkranke Frösche küssen, die sich dann in wunderschöne Prinzessinnen verwandeln, mit denen sie gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten.

Einzig die Figur von Laurenz ist halt so ein wenig blass. Er liebt seine verstorbene Geliebte, mag Gedichte und kämpft entschlossen gegen die Pest, sehr viel mehr erfährt man aber nicht über ihn, obwohl aus seiner Perspektive erzählt wird. Heinrich ist demgegenüber die interessantere Figur, was mit Sicherheit auch so beabsichtigt ist. Trotzdem ist Laurenz nicht nur Erzählfigur, sondern in der Geschichte schon auch zentral wichtig, insofern hätte ein bisschen mehr über seine Interessen oder Vorlieben, Abneigungen oder seine Vergangenheit schon nicht schaden können. Aber so ein Ich-Erzähler sollte natürlich auch nicht ständig über sein eigenes Leben rumdenken, nur damit der Leser das erfährt. Ach, schwierig.

Die Eifel als Schauplatz hat mir wieder gut gefallen, ich weiß jetzt vermutlich mehr über lokale Sagen der Eifel als über die aus Hamburg oder dem Erzgebirge. Wie auch schon bei den Geistern des Landes ist es vermutlich noch cooler, das Buch zu lesen, wenn man die beschriebenen Orte kennt, aber sie nicht zu kennen, mindert den Spaß am Lesen nicht wirklich.

Insgesamt ist „Die Pestflamme“ eine spannende und unterhaltsame Lektüre, die die verschiedenen Pestsagen der Eifel zu einer schönen Erzählung mit viel Barock-Flair verwebt.

Judith C. Vogt: Die Pestflamme
Verlag Meyer & Meyer
144 Seiten
€ 9,95

Ich bedanke mich herzlich bei Judith Vogt und dem Meyer & Meyer-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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