Captain America: Civil War (mit und ohne Spoiler)

So, der Film kriegt jetzt seinen eigenen Blogeintrag, statt im Mediengedöhns abgehandelt zu werden. Mein Kopf ist schon wieder zu voll mit Gedanken dazu.

Nachdem ich also eigentlich erst nach dem 3. Mai ins Kino gehen und vorher noch die 19. Folge Agents of Shield abwarten wollte, die vermutlich wieder ein Lead-in beinhaltet, war ich dann letztendlich doch viel zu neugierig und musste gestern schon ins Kino gehen. Natürlich auch, um nicht noch verspoilert zu werden.

Ich versuch mich dann erstmal an einem spoilerfreien Eindruck:

Civil War ist in der Tat eher Avengers 2.5 als Cap3, das ist einerseits ganz cool und andererseits ein bisschen schade, weil Steve Rogers in seinem eigenen Film doch ein bisschen zu kurz kommt. Civil War greift sowohl Handlungsstränge aus The Winter Soldier als auch aus Age of  Ultron wieder auf und läuft, wie man sich schon denken kann, auf den Konflikt zwischen Captain America und Iron Man hinaus – wobei zum Glück die Promobilder mit „Team Cap“ und „Team Stark“ doch recht übertrieben waren und es jetzt nicht darum geht, dass sich die beiden Teams da jetzt 2 Stunden lang die Köpfe einhauen. Wobei es natürlich wieder jede Menge Actionsequenzen gibt, die auch gut in Szene gesetzt und durchaus unterhaltsam sind. Es gibt aber gerade in der ersten Hälfte auch doch erstaunlich viele ruhigere Momente, auch zu Charakteren, für die ich es gar nicht so erwartet hätte (z. B. mehrere Szenen mit Vision und Scarlet Witch). Und auch nach dem finalen Konflikt nimmt der Film sich Zeit für ein wenig Ausklang. Klar, noch mehr charakterzentrierte Szenen wären auch schön gewesen, ich find das toller als Kämpfe, aber es ist und bleibt nun mal eine Comicverfilmung und dafür war die Anzahl der ruhigeren Momente schon okay.

Die ganze Geschichte mit „Die Avengers sollen von der Regierung kontrolliert werden“ hätte für mich auch ruhig noch etwas mehr thematisiert werden, als es letztendlich der Fall war, das ging ein wenig unter. Und so ein kleiner Schlusspunkt für Steve, der seine Geschichte abrundet, wäre auch nett gewesen. Sonst habe ich aber wirklich nicht viel zu meckern. Die neuen Charaktere wurden gut eingeführt – wobei ich Black Panther absolut groaßartig finde und von ihm jetzt sehr gerne mehr sehen will, Spiderman war so … okay. Ist irgendwie schon immer der Superheld, mit dem ich am wenigsten anfangen kann (das mag aber auch an diesen vielen schlächten Filmen liegen), dafür war die Umsetzung hier aber ganz niedlich. Der übliche Marvel-Humor war natürlich auch wieder vorhanden, hat für mich aber die ernsteren Szenen und Sequenzen nicht kaputt gemacht.

Und jetzt:

THERE WIL BE SPOILERS!!

Ich hatte vorher ja extra nochmal die ersten 2 Cap-Filme angeschaut, was sich auch als ganz gute Entscheidung herausgestellt hat. Einerseits führt einem das noch mal vor Augen, wie stark das Band zwischen Steve und Bucky ist und wieso Steve alles dafür tun würde, um Bucky zu retten. Andererseits ist es auch gut, sich nochmal ins Gedächtnis zu rufen, dass a) Steve seit Winter Soldier mehr oder weniger sicher weiß, dass Hydra Tonys Eltern umbringen ließ und b) dass nach dem Fall von Shield Steves Misstrauen gegen Behörden und Regierungen jeglicher Art noch gestiegen ist.

Wie oben schon geschrieben, hatte ich auch eigentlich erwartet, dass der Film noch mehr auf die ganze Problematik eingeht, dass die Weltregierungen die Avengers kontrollieren wollen. Das kam irgendwie vor, dann wurde einmal drüber geredet, dann explodierte das Gebäude, in dem die Konferenz stattfand und fürderhin wurden alle, die so tendenziell dagegen waren, verfolgt. Aber halt auch nicht von einem irgendwie länderübergreifenden Gremium, sondern nur vom amerikanischen Secretary of State. Das fand ich ein wenig schade – man hätte da mMn gern auch noch abweichende Meinungen anderer Länder einbringen können oder allgemein mehr Szenen zu dem Thema. Keine Ahnung, ob im nächsten Avengers-Teil nochmal was dazu kommt.

Gut fand ich, dass der große Team vs. Team-Kampf nur einmal stattfand und das auch eher in der Mitte des Films, so dass sich das Finale dann auf Steve, Tony und Bucky konzentrierte. Der Kampf auf dem Flughafen war auch wesentlich weniger ernst und wirkte auch nicht so, als ob sich da jetzt Todfeinde gegenüber stehen. Auch durch Spidermans überdrehte Sprüche, den Riesen-Antman und dergleichen war das zwar ein actionreiches Highlight, aber halt nicht so superdramatisch. Man kann sich zumindest noch vorstellen, dass das Team wieder zusammenfindet, sofern Cap und Stark sich zusammenraufen. Sehr gut fand ich auch, dass War Machines Verletzung nicht durch jemanden von der „Gegenseite“ ausgelöst wurde, sondern durch The Vision – der sich dann auch gleich damit auseinandersetzen muss, dass er (zum vermutlich ersten Mal) einen Fehler gemacht hat.

Überhaupt, The Vision wie auch Scarlet Witch waren erstaunlich präsent im Film und ihre Verbindung zueinander (über Lokis Zepter bzw. den Stein) fand ich auch ziemlich interessant. Wobei Scarlet Witch für mich bislang leider der am wenigsten greifbare Charakter ist und ich gerne noch mehr von ihr sehen würde (zumal, wie Anna mir gestern auch nochmal erklärt hat, ihr Hintergrund in den Comics sehr interessant ist, aber aufgrund der Mutanten-X-Men-Studiobla-Geschichte nicht verwendet werden kann). Aber ein Scarlet Witch-Film dürfte wohl leider so ähnlich wahrscheinlich sein wie ein Black Widow-Film. Leider. Die anderen Charaktere tauchen teilweise nur sehr kurz auf, sind da aber gut in Szene gesetzt. Ant-Mans soziale Awkwardness, Hawkeye als Familienvater (und vermutlich auch leichten Vatergefühlen für Wanda), War Machine als treuer Soldat … das passt schon alles gut so und kommt auch in der kurzen Zeit, die der Film pro Charakter hat, rüber. Wobei man sich halt schon fragen kann, wieso genau Spiderman z. B. da jetzt in den Kampf rennt, nur weil Tony ihn nett fragt (oder vice versa mit Antman und Cap).

Die beiden neuen im Team: Black Panther fand ich, wie gesagt, sehr großartig. Toller Schauspieler, der Charakter wird hinreichend eingeführt und der Konflikt zwischen Krieger und König verspricht im Black Panther-Film auch noch interessant zu werden (und in dem möchte ich bitte mehr von seiner großartigen Leibwächterin sehen!). Sehr gut fand ich auch seine letzte Szene mit Zemo, in der sich zeigt, dass er schon während des Films eine gewisse Wandlung durchgemacht hat. Und außerdem ist sein Vibranium-Vollanzug halt schon cool. Bei Spiderman bin ich nicht ganz so begeistert, wobei ich mit dem halt auch noch nie was anfangen konnte. Seit dem ersten und ziemlich miesen Film mit Tobey Maguire hab ich Spiderman immer ignoriert. Dass er jetzt so jung und teeniemäßig dargestellt wird, find ich nicht schlecht, zumal ich da in dem Spiderman-Film so ne Art Mentor-Schüler-Beziehung zu Tony Stark kommen sehe, was ganz witzig werden kann. Den total überdrehten Spidey im Kampf mit seinem ganzen Gelaber hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber naja. Ich glaub, die Filmemacher wollten mit seiner recht langen Rekrutierungsszene schon auch irgendwo Publikum für den kommenden Film werben – hat auch funktioniert, ich bin zumindest nicht abgeneigt, mir den anzuschauen.

Kommen wir zum heimlichen Star(k) des Films: Tony. Irgendwie wurde der Charakter Tony Stark in dem Film für mich so greifbar und interessant wie in 3 Filmen Iron Man und 2 x Avengers nicht. Man sieht endlich mal mehr als nur den arroganten Playboy, und man merkt, dass die Ereignisse aus Age of Ultron ihre Spuren hinterlassen haben. Tony wirkt müde und zerschlagen und ernsthaft darum bemüht, die Welt auch abseits seines Iron-Man-Daseins zu verbessern. Da passt es dann auch, dass er sich die Vorwürfe einer Mutter, deren Sohn in Sokovia umgekommen ist, so sehr zu Herzen nimmt, obwohl man natürlich an sich auch argumentieren könnte, dass er und die Avengers schon mehrfach die Welt gerettet haben. Auch die Geschichte um seine Eltern und deren Ermordung durch Bucky fand ich sehr gut dargestellt und sehr emotional – gerade das „I don’t care. He killed my mom“ und das „You don’t deserve that shield. My father made that shield!“ fand ich wirklich sehr stark gespielt und geschrieben. (Wenn man vorher übrigens noch The Winter Soldier frisch gesehen hat, ahnt man schon bei der Anfangsszene mit dem Auto, dass hier die Ermordung der Starks gezeigt wird, da in Winter Soldier ein Zeitungausschnitt zum angeblichen Unfalltod zu sehen ist.) Die finale Konfrontation zwischen Tony und Steve war dann auch sehr verbittert und sehr emotional – zumal Steve ja erst im letzten Moment innehält und den Schild doch in den Anzug rammt, statt Tony damit zu töten.

Dann war da irgendwie auch noch ein Bösewicht, aber irgendwie war der diesmal halt gar nicht so wichtig. Zemo wird gut gespielt von Daniel Brühl, sogar mit einigen deutschen Sätzen (übrigens: Das Deutsch im Film war zwar manchmal etwas holprig, aber an allen Stellen als solches zu erkennen und meistens sogar korrekt. Dass ich das noch erleben darf!). Ich fand es gut, dass diesmal nicht ein noch mächtigerer Gegner aufgefahren wird, sondern einfach ein Mensch, der sich rächen will – und erkennt, dass seine beste Chance darin liegt, die Avengers gegeneinander aufzubringen. Sein Plan ist auch ziemlich geschickt und als er am Ende fragt, ob man denn wirklich glaube, er sei gescheitert … das war schon gut. Mal sehen, ob er noch mal wieder vorkommt.

Womit ich halt nicht ganz so glücklich war, waren Steve und Bucky. Wie gesagt, es gab nicht so schrecklich viel Screentime für Steve, was halt in einem Captain America-Film schon etwas schräg war. Und aus der Problematik, dass Bucky von Hydra so gründlich gehirngewaschen ist und Steve teilweise gar nicht wiedererkennt, hätte man auch noch mehr rausholen können. Irgendwie geht es schon recht schnell, bis er wieder normal drauf und zusammen mit Steve und Sam unterwegs ist. Achja: Und wo ist eigentlich das rote Buch geblieben, das Zemo benutzt hat, um Bucky wieder „einzunorden“? Das war auf einmal irgendwie weg. Ich mag ja Steve Rogers als Charakter nach wie vor gerne, und dass er für Bucky so ungefähr alles tun würde, kommt auch gut rüber und ist verständlich. Mir fehlt halt irgendwie so ein bisschen die „Closure“ für die ganze Captain-America-Reihe und seinen Charakter. Klar, er kommt in Avengers ja wieder vor, aber das tat Iron Man ja auch und Iron Man 3 bildete trotzdem einen Abschluss von Tonys Geschichte. Immerhin, am Ende hat Steve es geschafft, Bucky zumindest so ein wenig zu retten, aber nach Abschluss fühlte sich das für mich nicht an.

Der für mich traurigste und emotionalste Moment des Films war übrigens der Tod von Peggy Carter. Da bin ich, als Steve die SMS bekam, spontan in Tränen ausgebrochen. Peggy ist mir einfach in Cap 1, ihren Gastauftritten in den anderen Filmen und natürlich 2 Staffeln Agent Carter total ans Herz gewachsen und für mich eine der besten und großartigsten Charaktere des MCU. Da ist es auch traurig, wenn sie nach einem langen, erfolgreichen, erfüllten Leben mit über 90 im Schlaf stirbt. Wie schön, dass der Film Zeit hatte, ihre Beerdigung zu zeigen, auch wenn das natürlich dazu diente, Sharon Carter aka Agent 13 in die Story zu bringen. Ich weiß übrigens immer noch nicht, was ich von dem Kuss zwischen Steve und Sharon halten soll. Er kam so aus dem Nichts, wirkte irgendwie ein bisschen unbeholfen … und gleichzeitig fand ich es sehr rührend, weil es für mich irgendwie so rüberkam, dass Steve Sharon zwar mag, aber der Kuss schon eher Peggy gilt – und sie das auch weiß. Mal sehen, ob es zwischen den beiden noch irgendwie weitergeht. Im Übrigen ist es natürlich auch sehr geschickt vom Film, Steve und Tony gerade in dieser Situation ihrer moralischen Instanzen in Form von Peggy und Pepper zu berauben, so dass auch von dieser Seite keine Deeskalation möglich ist.

Insgesamt hat Civil War mir sehr gut gefallen. Er bringt viel aus den vorherigen Filmen mit rein und baut auf ihnen auf (z. B. die Steve-Bucky-Geschichte oder auch die Freundschaft zwischen Steve und Natasha – vermutlich wäre sie ohne die Ereignisse aus Winter Soldier weniger auf seiner Seite gewesen. Ja, sie ist auf den Fotos im Team Stark. Nein, das ist im Film nicht immer so.). Gleichzeitig befasst er sich – im Rahmen einer Comicverfilmung natürlich – doch recht gut mit der Frage, wie viel Verwantwortung Superhelden übernehmen müssen und ob sie kontrolliert werden sollten. Man hätte das noch weiter thematisieren können und vielleicht auch sollen, aber ich fand es schon in Ordnung so. Der Konflikt zwischen Steve und Tony ist weniger plakativ als es im Vorfeld rüberkam und eskaliert erst am Ende, da aber auf sehr nachvollziehbare Weise. Trotzdem wird am Ende noch eine kleine Brücke zwischen den beiden geschlagen, so dass eine weitere Zusammenarbeit der Avengers möglich scheint.

Im Verhältnis zu den anderen Filmen fällt es mir relativ schwer, Civil War einzuordnen. Er ist auf der Ebene der Team-Filme auf jeden Fall besser als Age of Ultron. Von den Captain America-Filmen gefallen mir die ersten beiden aber wohl doch einen Ticken besser, weil Cap1 so schön pulpig ist (und Peggy Carter hat) und The Winter Soldier einen ähnlichen Tiefgang hat, diesen aber auf weniger Charaktere verteilen muss (und es war halt großartig, wie die Story gleichzeitig im Film und in Agents of Shield erzählt wurde). Ich werd mir Civil War aber auf jeden Fall noch ein paar Mal auf DVD anschauen – und freue mich schon auf die 2 Avengers-Filme von den selben Regisseuren.

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Eingeordnet unter Fangirl, Mediengedöhns, Rezension

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