Gelesen: „Oryx and Crake“ von Margaret Atwood

Man könnte ja öfter mal über die Bücher schreiben, die man gerade gelesen hat, dacht ich mir so. Also, wohlan:

Oryx and Crake von Margaret Atwood ist eine Mischung aus SciFi-Roman, Dystopie, Abenteuergeschichte und irgendwie auch schräger Lovestory. Es ist quasi der mittlere Teil einer Trilogie, der aber zuerst erschien, so dass ich ihn auch zuerst gelesen habe. Der im Nachhinein erschienene Vorgeschichte ist The Year of the Flood, der dritte Band heißt Maddadam und ist erst letzten Sommer erschienen. Die beiden werde ich auch noch lesen und dann sicherlich nochmal was zu schreiben, aber man kann ja ein Buch auch unabhängig von der Reihe besprechen. Außerdem funktioniert dieses hier auch allein.

Inhalt

So, worum geht es nun? Das ist nicht so einfach zu sagen. Es geht um Snowman, der eigentlich Jimmy heißt, und vermutlich der letzte lebende Mensch auf Erden ist. Oder zumindest dort, wo er sich befindet, nämlich vermutlich irgendwo in den ehemaligen USA. Dort haust Snowman wie ein Einsiedler und hält sich mit den Überresten der Zivilisation am Leben. Er kämpft mit der feindlichen Umgebung – Stürme, brennend heiße Sonne, gefährliche Tiere. Und ist irgendwie verantwortlich für die Crakers: Menschenähnliche Wesen, perfekt an die Umgebung angepasst und gleichzeitig kindlich und arglos, so dass er ihnen immer wieder die Welt erklären muss.

Im Verlauf des Buches entfaltet sich die Geschichte vor allem in der Vergangenheit, die in Rückblicken erzählt wird. Zwar passiert auch in der Gegenwart etwas und Snowman geht auf eine Reise, doch spannend ist natürlich vor allem, wie es dazu kam, dass alle Menschen verschwunden sind, komische mutierte Tiere durch den Dschungel rennen und eine neue Rasse entstanden ist. In diesen Rückblicken lernt der Leser dann auch Crake und Oryx kennen, wobei es sich bei Crake um Jimmys genialen, aber ziemlich durchgeknallten besten Freund handelt, während Oryx die Frau ist, die sie mehr oder weniger beide lieben. Es ist natürlich viel komplizierter als man es so zusammenfassen kann. Aber ich will ja auch noch nicht zu viel verraten. Das Setting, in dem die ganze Geschichte stattfindet, hat mir auch gut gefallen. Die Welt ist nämlich schon am Anfang der Handlung ziemlich aus den Fugen – wie es dazu kam, erfährt man, glaube ich, in „The Year of the Flood“ – und das zeigt das Buch immer wieder in skurrilen bis ziemlich garstigen Details. Allein die Wortschöpfungen für die ganzen Firmen, Lebensmittel und ähnliches aus Jimmys Kindheit sind großartig.

Als es dann auf das Ende des Buches zugeht und man schließlich die ganze Geschichte vor Augen hat, ist das irgendwie schon echt ein Knaller, und zwar nicht im positiven Sinn. Ich musste ganz schön schlucken über das, was der Menschheit so zugestoßen ist. Das Buch hat dann ein relativ offenes Ende, was man gut auch so hätte stehen lassen können, auch wenn es jetzt ja in dem dritten Teil, „Maddadam“, weitergeführt wird.

Sprache

Ich habe das Buch auf englisch gelesen und es hat mir auch sprachlich gut gefallen. Die Rahmenhandlung, also Snowman in der Gegenwart, wird im Präsens erzählt, der Rest im Präteritum. Mit Snowman/Jimmy gibt es einen Erzähler, der den Leser durch das ganze Buch begleitet. Wir sehen alles, auch die Hintergründe von Oryx und Crake, durch seine Augen. Besonders gefallen hat mir Snowmans Marotte, schöne und seltene Worte zu sammeln und im Kopf zu behalten. (Dazu gibt es unten auch noch ein Zitat.) Auch sonst ist er ein sehr greifbarer Charakter, dem man im Lauf des Buches sehr nahe kommt. Mir hat auch gefallen, wie beiläufig die Geschichte sich entfaltet, durch viele kleine Puzzleteile und ohne dem Leser jemals plakativ Fakten ins Gesicht zu klatschen.

Erster Satz

“Snowman wakes before dawn.”

Zitate

“When they’re gone out of his head, these words, they’ll be gone, everywhere, forever. As if they had never been.”

“You can’t buy it, but it has a price,” said Oryx. “Everything has a price.”

“So this was the rest of his life. It felt like a party to which he’d been invited, but at an address he couldn’t actually locate. Someone must be having fun at it, this life of his; only, right at the moment, it wasn’t him.”

Empfehlung?

Ganz klares Ja – vor allem an Leute, die SicFi und Dystopien mögen. Wobei ich denke, dass man das auch gut lesen kann, wenn man mit dem Genre sonst nicht so viel zu tun hat, da der Fokus eben nicht auf irgendwelchem Technobabble, Erfindungen oder Abhandlungen über die nicht so schöne neue Welt liegt.

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