31-Tage-RPG-Quest: Frage 5 – 7

Langsam muss ich mich mal ranhalten, wenn ich noch zum aktuellen Tagesstand aufholen will. Außerdem sind solche Challenges ja immer ein schöner Grund, überhaupt mal wieder zu bloggen. Ist auch nicht so, dass ich sonst wirklich viel zu erzählen hätte. Letzte Woche lag ich 3 komplette Tage mit Migräne im Bett, was ich wohl einem weiteren Versuch des 3D-Kinos zu verdanken habe. Und dann war der Film auch noch echt mies („Gravity“).  Ich glaub, der nächste Kinobesuch kann jetzt erstmal ne Weile warten. Am Wochenende waren der Herr Mitbewohner und ich in Jever, das war sehr nett, aber allzuviel darüber zu bloggen gibts jetzt auch nicht. Die Dunkle-Zeiten-Runde ist nach wie vor cool und ich mag meine arrogante Kophta. Uuuuund am Samstag gehts endlich mit der Königsmacher-Kampagne weiter, worüber ich mich sehr freue nach 8 Wochen Pause. Ansonsten sinds noch 2,5 Wochen bis zum Urlaub, das ist auch schön. Ihr seht schon, mein Leben tobt und braust nur so vor sich hin. Also kommen wir lieber gleich mal zu den Rollenspiel-Fragen. Und Achtung, die Antwort auf Frage 7 enthält Spoiler zur Kampagne „Das Jahr des Feuers.“

Frage 5: Was ist deine Lieblings-Rollenspielklasse?

Huuuh, schwierig. Ich glaube, wenn man es auf eine bestimmte Klasse festlegen müsste, wäre es wohl am ehesten der Streuner. Ich habe zwar keinen einzigen Helden, der wirklich als Profession „Streuner“ auf dem Datenbogen stehen hat, aber ich habe eine Vorliebe für gerissene bzw. kluge Helden und eine gewisse Neigung zur Heimlichkeit, die man glaub ich mit „Streuner“ ganz gut zusammenfassen kann. Generell sind viele meiner Helden kluge Menschen, weil das einfach meinen Spielvorlieben entgegenkommt. Eine Idee zur Lösung eines Rätsels haben zu können und die dann nicht sagen zu können, weil man nen dummen Charakter spielt, macht mich ganz hibbelig. Außerdem überlege ich gerne, plane rum und beziehe mein Hintergrundwissen ein und das geht halt nicht gut mit dummen Helden. Trotzdem hab ich auch ein paar nicht so schlaue Charaktere, die mir auch Spaß machen, aber die meisten sind halt schon schlau. Genauso ist es mit dem Heimlichkeits-Ding: Einige wenige meiner Helden sind geradeheraus oder einfach zu naiv für Lügen und Gerissenheit, aber viele gehen schon so in die heimliche Schiene. Das kann man bei vielen schon aus der Profession ersehen (unter meinen Helden sind z. B. eine Diebin, eine Agentin, eine Taugenichtsin und eine Gauklerin), aber meine Schreiberin ist auch sehr verschwiegen und misstrauisch (geworden).

Ansonsten kann man viele meiner Charaktere mit „diejenige, die am meisten Ahnung hat, auf die aber keiner hört“ zusammenfassen. Passiert mir immer wieder. Ich hab auch irgendwie noch nie nen Charakter gespielt, der sich irgendwie wirklich durchsetzen konnte und auf den alle gehört haben. Das wäre vielleicht mal ein interessanter Versuch für die Zukunft.

Frage 6: Was für einen Würfeltyp verwendest Du am liebsten?

Ich mag den W20. Vermutlich deshalb, weil es der erste nicht-W6-Würfel ist, den ich kennengelernt habe und damit auch meine ersten Rollenspielabene bestritten wurden. So rein vom optischen her find ich aber auch den W8 ziemlich hübsch.

(Falls jetzt irgendwer erwartet hat, dass ich meine Entscheidung mit irgendwas außer „mag ich und ist hübsch“ oder gar irgendwelchen mathematischen Dingen begründe, wird jetzt leider enttäuscht, weil ich mir über sowas nie Gedanken mache.)

Frage 7: Erzähl von deinem Lieblings-Rollenspielcharakter.

Oh Hilfääääh. Also. Als ich die Frage zum ersten Mal las, dachte ich, dass ich die nie beantworten kann, weil ich keinen Lieblings-Charakter habe. Inzwischen ist mir aber doch aufgegangen, dass ich wenigstens von dem Charakter erzählen kann, zu dem ich sozusagen die stärkste Verbindung habe. Vorher will ich aber noch kurz sagen, dass ich tatsächlich nicht DEN Lieblingscharakter habe. Ich mag alle Helden, die ich spiele und bin auch immer traurig, wenn einer mal ein paar Monate nicht gespielt werden kann. Allerdings hab ich festgestellt, dass mir Charaktere meistens erst so richtig sehr ans Herz wachsen, wenn ich die Gelegenheit habe, sie über längere Zeit hinweg zu spielen. Also wenigstens in einem längeren Abenteuer, noch besser in einer Kampagne. Curima (also die Heldin dieses Namens, ne…) ist mir im Laufe von „Reise zum Horizont“ wirklich sehr viel lieber geworden und hat sich auch ein ganzes Stück weit entwickelt. Ich find es auch eh immer klasse, wenn Charaktere sich weiterentwickeln und das geht nun mal am besten in einer Kampagne. Insofern bin ich auch wirklich gespannt, was in der Königsmacher noch alles so mit meiner Agentin passiert. Aktueller Stand der Dinge: Im dämonenverursachten Drogenrausch mit dem (ebenfalls bedrogten) Gruppenmagier geschlafen, den sie eigentlich nicht sonderlich mag. Yay. Ich bin schon sehr gespannt, was das noch alles mit sich bringt.

Aaaaber kommen wir zu dem Charakter, von dem ich eigentlich erzählen will: Yasine.

Yasine war meine allererste Heldin und heißt eigentlich auch gar nicht Yasine, da sind wir schon wieder bei der Heimlichkeit. In den 6 Jahren, die ich sie gespielt habe, hat auch tatsächlich nur ein anderer Charakter jemals ihren wirklichen Namen erfahren. Jedenfalls war Yasine die Tochter eines Khunchomer Kaufmanns, sollte gewinnbringend verheiratet werden und verließ fluchtartig ihre Familie, um sich dann drei Jahre lang als Diebin durchzuschlagen. (Hey, das war mein erster Charakter und ja, meine Hintergrundstories sind im Laufe der Zeit origineller geworden…) Nachdem sie dann aus Khunchom fliehen musste, verschlug es sie weiter nach Norden. Das faszinierende ist, dass ich mit ihr tatsächlich nur 3 kleine One-Shot-Abenteuer gespielt hat und danach ging es schon los mit ihrem rasanten Aufstieg in die obersten Kreise des Mittelreiches. Sie wurde quasi von der Straße weg von der KGIA (dem mittelreichischen „Geheimdienst“) rekrutiert und auf geheime Mission nach Yol-Gurmakh geschickt, kehrte lebend und erfolgreich zurück, wurde zu ihrer eigenen großen Verwunderung auf einen Adelsgeburtstag eingeladen, geriet in das nächste große Abenteuer…und kaum 1,5 Jahre nach ihrem ersten Abenteuer (ingame wie outgame) hatte sie eine Einladung zum Kaiserlichen Frühjahrsturnier nebst in Aussicht gestellter Erhebung in den Adelsstand. Welche Kampagne damit anfing, wissen DSA-Kenner vermutlich.

Das „Jahr des Feuers“, also besagte Kampagne, war die erste lange Kampagne, die ich je gespielt habe, und Yasine war daher auch die erste Heldin, bei der ich diese Entwicklung miterlebt habe. Und passiert ist so einiges in den 4,5 Jahren, die wir die Kampagne gespielt haben. Yasine wurde in den Adelsstand erhoben, verlor ihn wieder (beziehungsweise schmiss ihren Ritterorden der zukünftigen Kaiserin vor die Füße…) und erlangte ihn am Ende doch noch zurück. Sie verknallte sich in einen unerreichbaren Hochadligen, begann eine Affäre mit ihm, gab nie zu, dass sie wirklich in ihn verliebt war und verheimlichte das Ganze wochenlang vor den Mithelden. Sie meisterte den Einbruch ihres Lebens, schloss Deals mit einer der berühmtesten Verbrecherbanden des Landes ab und tötete einige wirklich finstere Schurken. Allerdings starben auch immer wieder Leute, die eigentlich gar nichts dafür konnten oder nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren und das war keine schöne Erkenntnis für Yasine. Dazu kam das vor ihren Augen zerfallende Reich, Verrat hier und Intrigen dort und ganz nebenbei sollte sie noch eins der wichtigsten Artefakte der Boronkirche retten. Es gibt einen Text von mir, eine so nie passierte Szene aus der Kampagne, in der Yasine einem Palastdiener zu erklären versucht, was es bedeutet, ein Held zu sein.

„Ein Held zu sein, Ravido…das heißt vieles. Es heißt, immer ein wenig länger mutig und standhaft zu sein als alle anderen und sich selbst niemals zu gestatten, aufzugeben. Es bedeutet, nie lange an einem Ort bleiben zu können und nie lange bei den Menschen, die man liebt, weil stets die nächste Aufgabe wartet. Und es ist nie gewiss, ob man zurückkehrt, denn jeder Tag, jeder Kampf könnte den Tod bringen. Ein Held zu sein, das heißt, den Menschen Hoffnung und Mut zu geben, auch wenn man selbst so traurig und wütend ist, dass man nicht mehr weiß, worauf man hoffen soll. Es heißt, Wege zu gehen, die andere nicht gehen können, sei es aus Angst, aus Stolz oder aus anderen Gründen. Von diesen Wegen kehrt man vielleicht zurück, doch jedes Mal verliert man etwas dabei…mit jeder Lüge, mit jedem Menschen, den man tötet, mit jedem Grauen, das man mit ansehen muss. Wenn man Glück hat, geht man diese Wege nicht allein, sondern beschreitet sie gemeinsam mit Freunden. Doch eines Tages kommt der Moment, eine Reise anzutreten, von der es keine Rückkehr mehr geben wird – und kein Freund kann dabei noch helfen. Aber ein Held…zögert nicht. Noch nicht einmal davor.“

Oder, um es mit Sin City zu sagen:

It’s time to prove to your friends that you’re worth a damn. Sometimes that means dying, sometimes it means killing a whole lot of people.

Passiert ist beides. Gut, das Sterben war nur eine Reise ins Totenreich, kein wirklicher Tod. Aber ihr merkts schon, sie wurde im Laufe der Zeit immer ernsthafter und ein bisschen schwermütig. Das ist so ein Beispiel einer Entwicklung, die einfach passiert, wenn man einen Helden lange in einer Kampagne spielt, denn gerechnet hätte ich mit dieser Art der Charakterentwicklung vorher nicht. Damit einher ging ein absolut tolles Spielgefühl, denn es funktionierte nicht nur die Heldengruppe großartig, sondern auch Yasine war immer präsent, immer da – ich musste nie darüber nachdenken, was sie jetzt wohl zu einer Situation sagen oder denken würde, weil ich es immer sofort wusste. Da war nie irgendwas Bemühtes dabei, den Charakter auszuspielen, das ging immer wie von selbst. Noch heute ist es teilweise so, dass ich über eine Entwicklung des Mittelreichs im Aventurischen Boten lese und mir sofort in den Sinn kommt, was Yasine wohl davon halten würde. In gewisser Weise ist sie also – auch 4 Jahre nach der Kampagne – immer noch „da“.

Was ich an Yasine und ihrer Entwicklung so mochte, war dieser Aspekt des „Spielstein der Götter“-Daseins. Sie war ein absoluter Niemand, stieg dann in kurzer Zeit in höchste politische Kreise auf, hatte Einfluss, trug ein unglaublich heiliges Artefakt mit sich herum und erlangte Einsicht in wichtige Kirchengeheimnisse. Ein paar Monate lang war sie Beraterin und Vertraute von hohen Geweihten und Adligen, Marschällen und zukünftigen Herrschern. Mir gefiel der Gedanke, dass die Götter einer so unwichtigen Person für eine kurze Zeit viel Macht und Einfluss schenken, damit sie in ihrem Sinne handelt, dies aber auch seine Schattenseiten hat. Yasine hatte außer den anderen Helden keine Bezugspersonen, keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern und keine Zeit, eine eigene Familie zu gründen. Sie hatte keine Heimat, kein Zuhause, sie war sozusagen perfekt, um kurz eine wichtige Rolle zu spielen und dann wieder zu verschwinden. Ich hatte mir für sie immer einen Tod im Finale der Kampagne gewünscht.
Leider kam es dann nicht so. Das Finale lief bei uns leider ziemlich überhastet und war für mich auch der Schwachpunkt der Kampagne. Kurz vorher hatte sich Yasine mit dem einen wie dem anderen Anwärter auf den Thron überworfen und harrte dann abseits der finalen Schlacht nur ihres Einsatzes mit dem wieder heilen Stab des Vergessens. Dieser war dann leider auch absolut unspektakulär und doof und hat mich ziemlich enttäuscht. Ich habe dann noch einen Versuch gemacht, Yasine ein letztes Abenteuer spielen zu lassen, doch „Donner und Sturm“ erwies sich als absolut ungeeignet, was allerdings vor allem an der zu großen Spielerzahl und am Spielleiter lag.

Nun liegt da also meine älteste Heldin seith Jahren in meiner Mappe und wartet darauf, dass es vielleicht doch nochmal die Möglichkeit gibt, ein würdiges Ende zu finden.

Ich hoffe, dass es eines Tages so kommt.

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