Ansprüche und warum sie manchmal nerven

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Monaten gehört habe, dass ich doch selber schuld bin. So schlimm ist das doch nun wirklich nicht und man kann sich ja auch anstellen und so isses doch auch ganz nett und überhaupt.

Worum es geht? Letztendlich natürlich um ein reines Luxusproblem, nämlich meine in den letzten Jahren doch sehr gestiegenen Ansprüche, wenn es um Bücher, Filme, Serien oder auch DSA (dazu aber vielleicht ein anders Mal) geht. Früher, so vor 10 Jahren, war das alles noch sehr anders. Serien wurden im Fernsehen geschaut, so wie sie grad liefen. In der Synchronfassung, mit Werbung, in völlig verdrehter Reihenfolge, völlig egal. Filme ebenso – im Kino halt, was so lief und gut klang, oft ging man auch einfach rein, weil man halt zusammen was unternommen hat. Ich kann mich dran erinnern, dass ich auch mal an einem schrecklich heißen Sommertag einfach mit 2 Freunden im Kino war, weil es da eine Klimaanlage gab 😉 Sonst guckte man halt, was im Fernsehen so lief. Klar, ab und zu ne DVD ausgeliehen habe ich auch, wenn der Film besonders toll war, auch eine gekauft.

Bei Büchern war ich früher auch sehr beliebig. Ich habe ja schon immer viel gelesen und gerade damals, als ich noch daheim wohnte, habe ich auch ungefähr drei Millionen Barbara-Wood-Charlotte-Link-Gedöns-Bücher gelesen (nicht, dass die immer und ausnahmslos schlecht wären, aber es ist halt schon eher was für „schnell gelesen, schnell wieder vergessen“). Sogar die ersten beiden Dan-Brown-Romane fand ich mal gut. Wobei ich da wohl „gut“ einfach mit „spannend“ verwechselt habe.

Und nun sitze ich hier und ärger mich zu Tode, weil ich nicht weiß, wie ich den neuen Star Trek-Film gucken soll.

Die Veränderung in den letzten Jahren war natürlich eher schleichend. Ich guckte ein paar Dinge im Original, ich ließ es wieder sein, ich las ein paar englische Bücher, dann wieder Übersetzungen. Ich las mehr und mehr Bücher und entdeckte mehr und mehr, dass es eben auch darauf ankommt, wie etwas geschrieben ist.  Ich  las George Martin (auf deutsch) und legte danach jedes andere Fantasybuch erstmal weit weg, weil es nicht an Song of Ice and Fire herankam [Disclaimer: Ja, ich weiß, ganz viele Leute mögen GRRMs Schreibstil nicht, ich finde ihn halt toll]. Dann passierten, es muss so 3 oder 4 Jahre her sein, mehrere Dinge in kurzer Zeit. Die Neuübersetzung von Song of Ice and Fire wurde angekündigt und ich fand die Eindeutschung der Eigennamen einfach gruselig. Die Serie Game of Thrones stand kurz vor der Ausstrahlung der ersten Staffel und ich wollte sie mir weder ein der Synchro-Version mit Jon Schnee anhören noch ein Jahr darauf warten. Während ich noch über dieses Problem nachsann, lief der Film The King’s Speech im Kino. Klang toll, wollte ich sehen. Aber: Ein Film über Sprache – in der Synchronfassung? Eigentlich ja ein Widerspruch in sich. Und so saß ich wenig später zum ersten Mal seit Jahren mal wieder in einem OV-Kino und stellte fest, dass meine eingerosteten Englischkenntnisse doch nicht so eingerostet waren, wie ich es befürchtet hatte. Begeistert fing ich an, immer mehr auf Englisch zu lesen und zu gucken und begriff im Laufe der Zeit zum ersten Mal, wie groß wirklich der Unterschied zwischen Originalfassung und Übersetzung sein kann und wie viele Dinge auch bei der besten Übersetzung verlorengehen. Wie sehr ein Schauspieler mit seiner Stimme eine Einheit bildet, wie viele Wortwitze man gar nicht übersetzen kann. Ja, und ich geb es zu, inzwischen bin ich einer dieser Menschen, die immer und ständig alles im Original sehen und lesen wollen.

Das Schlimme ist: Der Weg zum Original ist eine Einbahnstraße. Zumindest bei mir. Dinge, die ich im Orignal kenne, ertrage ich in der Synchro nicht. Schauspieler, deren Originalstimme ich kenne, kann ich mir mit der „falsche“ Stimme nicht angucken. Vielleicht gibt es Leute, die das können, ich gehöre nicht dazu.

Bei Büchern ist das ja gar kein Problem. Englische Taschenbücher kosten tollerweise ungefähr die Hälfte von deutschen Taschenbüchern und dank Amazon kann man sie auch problemlos beziehen. Und auch meine höheren Ansprüche an Sprache, Charakterentwicklung, Originalität und Konsistenz eines Buches sind nicht unbedingt ein Problem – ich lege öfter mal ein Buch beiseite, aber es gibt da draußen so viele gute Sachen, dass die Auswahl groß genug ist.

Bei Filmen und Serien hingegen…ach, es ist ein Elend. Serien, die ich toll finde, laufen in Deutschland Jahre nach der Erstausstrahlung oder gar nicht, DVDs gibt es meist erst nach Ausstrahlung im Free-TV zu kaufen, im Fernsehen gibt es nur Synchrofassung und Staffeln werden ständig unterbrochen – und jetzt nervt mich das. Ich will den Kram im Original, in der richtigen Reihenfolge und möglichst fix nach der Erstausstrahlung. Zum Glück gibt es immer mehr Möglichkeiten über I-Tunes, Videoportale und dergleichen. Bei Filmen kommt das Problem dazu, dass sie zu Anfang nun mal nur im Kino laufen. Und seit in Hamburg das Streits-Kino zugemacht hat, kann man die Originalversionen mit der Lupe suchen. Aktuell laufen in Hamburg ganze zwei OVs- Iron Man 3 und StarTrek:Into Darkness. Eine Vorstellung am Tag, an manchen Tagen gar keine und vor allem: Nur in 3 D. Nun gibt es ja genug Leute, für die das 3D-Kino die beste Erfindung seit geschnitten Brot ist. Ich gehöre nicht dazu. Mir wird von dem 3D-Bild schlecht, ich kriege Kopfschmerzen und nach dem Film fühle ich mich, als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen und hätte nebenher noch 3 Partien Schach gespielt. Umso mehr nervt es mich, dass man kaum an 3D vorbeikommt.  Ich werde mir jetzt so eine 2-D-Brille kaufen, mit der man angeblich dann wieder ein normales Bild sehen kann, aber irgendwie ist das doch der Gipfel der Idiotie: Da gehe ich ins Kino für den Preis, für den ich 3 englische Taschenbücher kaufen kann, bezahle noch drauf, weil es 3D ist und hab mir vorher für 12 Euro ne Brille gekauft, damit ich das 3D nicht sehen muss. Bescheuert.

Und ja, man kann ja auch warten und den Film auf DVD gucken. Tu ich in 90  % der Fälle ja auch, weil ich das mit dem Kino schon preislich anicht mehr einsehe. Aber manche Filme interessieren mich dann einfach so, dass ich sie gleich sehen will. Weil es scheiße ist, wenn alle über den neuen Star Trek reden und man ihn selber erst in 5 Monaten sehen kann. Weil ich keine Lust habe, bis zum Erscheinungstermin der DVD schon 37 Spoiler gelesen zu haben (und ja, das passiert auch, wenn man nicht aktiv danach sucht, verdammt).

Ist es denn wirklich so unglaublich seltsam, hirnverbrannt und abgehoben, wenn ich einen Film im Originalton und in 2 D ansehen will? Muss ich mir dann wirklich jedes Mal anhören, dass 3 D jetzt eben kommt und am Anfang auch alle über den Farbfilm geschimpft haben? Dass ich selber schuld bin, wenn ich nicht wie der Rest der Welt 3 D und Synchro gucken mag? Dass ich ja selber schuld bin, wenn ich im Internet surfe und dann über Spoiler stolpere?

Und um es nochmal klarzustellen, ich bilde mir nix drauf ein, dass ich Dinge im englischen Original lese/gucke. Wieso auch? Englisch kann heutzutage fast jeder und es ist die einzige Fremdsprache, die ich beherrsche. Kein Grund für Eitelkeiten. Ich versuche auch, mich zurückzuhalten und nicht ständig allen Leuten „Du musst das im Original gucken!!!111elf“ um die Ohren zu hauen (manchmal tu ich es doch, ich weiß).

Aber ich hab es satt, ständig irgendwelche Kommentare zu hören, bloß weil ich ein OV-Gucker bin. Argh.

So. First-World-Problems-Rant Ende. Curima out.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Fangirl, Graaaah!, Serien, Uncategorized

3 Antworten zu “Ansprüche und warum sie manchmal nerven

  1. Julie

    Gerade bezüglich des 3Ds kann ich deinen Frust mehr als verstehen und ich hoffe auch weiterhin darauf, dass sich das nicht als Standard durchsetzt. Selbst ich, die kaum Probleme mit Motion Sickness u.ä. hat, bin von 3D gestresst und vor allem finde ich es wahnsinnig überflüssig. Ich hab noch keinen Film gesehen, der durch das 3D besser geworden wäre.

    Und wenn man wie du dann auch noch echte körperliche Schwierigkeiten bekommt – umso beschissener. Von daher: vollstes Verständnis von meiner Seite aus.

  2. Der Rhys

    Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich 3D an sich schlecht finde. Allerdings ist 3D für mich überhaupt kein Mehrwert, so dass ich mich dann immer über den Preisaufschlag ärgere. Ich kann mich auch nur an eine Szene erinnern, in der ich den 3D-Effekt total geil fand. Das war der erste Auftritt der Grinsekatze in Alice im Wunderland.

    Zusätzlich habe ich die Befürchtung, dass 3D einen schlechten Einfluss auf die Filme hat. Zuletzt ist es mir beim Hobbit aufgefallen, dass der halbe Film nur aus einer losen Aneinanderreihung von Actionszenen mit möglichst viel Bewegungen bestand. Mein Eindruck ist; da wollte man nur möglichst viele 3D-Effekte unterbringen.

    Quintessenz: Ich mag auch kein 3D und wäre sehr für die Abschaffung, wenn auch aus anderen Gründen.

  3. @Julie: Danke 🙂

    @Rhys: Das kommt noch hinzu. Ich hab auch immer mehr das Gefühl: Früher hatte man Story, heute hat man 3D :p

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