Irgendwie und eigentlich

Irgendwie bin ich noch nicht so ganz im Jahr 2013 angekommen. Vor drei Wochen war Weihnachten. Vor zwei Wochen war Neujahr. Trotzdem ist schon wieder der halbe Januar vorbei. Die Zeit rast vorbei und ich steh da wie der Depp an der Bushaltestelle, den der Fahrer nicht gesehen hat. Grade ist alles irgendwie chaotisch. Meine Wohnung sieht…lustig aus, vor allem mein Schlafzimmer, auch wenn ich Sonntag schon mal die Hälfte des dort rumliegenden Krams weggeräumt habe. Ich müsste eigentlich mal den ganzen Tag aufräumen und putzen. Mir fehlt nur der ganze Tag. Seit der Herr Mitbewohner nun auch arbeitet und daher nicht mehr den Großteil des Einkaufens und Kochens übernimmt, wie er das vorher dankenswerterweise getan hat, merke ich, wie unfähig zu irgendwas ich bin, wenn ich nach der Arbeit  noch Dinge erledigen muss. Ich stehe um 17 Uhr im Supermarkt, irre durch die Regalreihen und denke darüber nach, was man kaufen und kochen und essen könnte. Es wird immer später, meine Motivation wird immer geringer und am Ende kaufe ich Tiefkühlpizza und Katzenfutter (für die Katze, nicht für mich…). Ich weiß gar nicht, wie viel Tiefkühlpizzen ich in den letzten 4 Wochen gegessen habe. Dabei kann ich eigentlich kochen. Verdammt gut sogar. Aber ich hab nach der Arbeit keine Lust mehr. Und Brot essen ist scheiße. Ich ess mittags schon Brot, meistens. Also, belegte Brötchen vom Bäcker. Jedenfalls, wenn ich doch mal Brot kaufe, esse ich davon die Hälfte und dann ist der Rest plötzlich verschimmelt, wenn grade nix anderes mehr im Haus ist und man Hunger hat. Das ist doch bescheuert.

Ich habe tausend Sachen vor, tausend Dinge zu tun, schreibe mir selber im Kopf To-Do-Listen und stelle dann irgendwann fest, dass ich trotzdem noch keine neue Creme gekauft habe, obwohl die Dose seit 2 Wochen leer ist. Und dass der Brief an die Krankenversicherung immer noch nicht erledigt ist. Und dass ich jetzt sofort Wäsche waschen und Teile davon auf der Heizung trocknen muss, wenn ich nicht am nächsten Tag im Schlafanzug ins Büro gehen will. Ich habe ständig Dinge vor und verplane mich und verabrede mich und freue mich dann am meisten auf den Tag, an dem ich nach der Arbeit einfach nach Hause gehen und mich aufs Sofa legen kann. Dann denke ich, ich sollte mich nicht ständig verplanen und in der nächsten Woche kann ich die ganze Zeit auf dem Sofa liegen. Dann langweile ich mich, weil ich lieber was machen würde.

Mein größtes Motivationshoch des Tages: Wenn ich in der UBahn sitze und nach Hause fahre. Der Tag ist noch jung, denke ich dann. Wenn ich zu Hause bin, kümmer ich mich endlich mal um diesen ganzen Kram. Oder ich fang endlich mal mit einer von den Sachen an, die ich schon die ganze Zeit machen will. 30 Minuten später sitze ich am PC, gucke Katzenvideos, hänge im Forum und im Skype rum und stelle irgendwann fest, dass ich jetzt wirklich ins Bett gehen muss.

Bekloppterweise würde ich nicht mal sagen, dass ich unorganisiert bin. Ich kümmer mich schon um Dinge, organisiere Termine, spreche Kram ab, weiß immer auswendig, wann was ansteht. Aber alles, was so banal ist, dass es nicht organisiert werden muss, weil nichtmal ich einen Ablaufplan für einen Einkauf im Supermarkt brauche oder mache, fällt irgendwie schwer. Vielleicht sollte ich anfangen, auch meine normale Woche durchzuplanen, aber argh! Irgendwo muss doch auch mal Schluss sein.

Jedenfalls treibe ich mich halbwegs selber in den Wahnsinn. Es ist immer was zu tun, nicht eine Sache, sondern 20. Ich habe ständig das Damoklesschwert des „Ich wollte eigentlich doch noch…“ über mir schweben. Und ich würde nicht mal sagen, dass das nur gerade so ist und alles anders wird oder anders werden muss, oder dass sich das alles nochmal ändert. Vielleicht ist das Leben einfach so. Vielleicht besteht das Leben zum Großteil eben nicht aus Tagen, an denen man alles geschafft hat und sich um 22 Uhr in sein frischbezogenes Bett schmeißt, während ein großer innerer Alles-erledigt-Smiley den letzten Rest vom jammernden Schweinehund beiseite fegt. Ja. So ist das wohl. Alles ist eben mehr „irgendwie“ und „eigentlich“ und „vielleicht“ als „tschakka“ und „geschafft“ und „auf jeden Fall“. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm. So lange man irgendwie am Ende alles Wichtige auf die Reihe kriegt. Vielleicht kann man einfach trotzdem ein glücklicher Mensch sein, auch wenn man an manchen Tagen morgens noch schnell seine Klamotten föhnen muss.

Oder?

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter blabla, Graaaah!

Eine Antwort zu “Irgendwie und eigentlich

  1. Hi 🙂

    Solche Tage gibt es immer wieder im Jahr. Mir geht es manchmal ähnlich – schon verblüffend! Kopf hoch, Kräfte sammeln und durch das Dickicht des Wahnsinns kämpfen.

    Gruß

    Dominik

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