Mein erstes Konzert

Liebes Tagebuch…ja, bla. Alberner Titel, ich weiß. Aber ich wollte trotzdem mal festhalten, wie es am Sonntag so lief.

Aufgeregt war ich natürlich, auch schon vorher. Wobei ich zum Glück nicht wirklich fünf Nächte vorher davon geträumt habe. Einen Traum hatte ich allerdings und der war so bescheuert, dass ich ihn kurz festhalten muss: Ich fuhr zum Konzert, soweit kam alles noch hin. Allerdings handelte es sich nicht um das tatsächlich stattfindende Konzert, sondern ich fuhr zu einer koreanischen Castingshow (Anna muss schuld an diesem Teil des Traums sein…). Auf dem Weg fiel mir ein, dass ich meine CD mit dem Playback vergessen hatte. Das war mir total peinlich, denn ich wusste, jetzt muss ich den Moderator in der laufenden Sendung fragen, ob ich nicht auch meinen Ipod an die Anlage anschließen darf, um so das Playback abzuspielen. Oh nein, oh nein, was würde er nur sagen? Als ich dann da ankam, stellte sich allerdings heraus, dass ich erst mal gegen eine Konkurrentin Limbo tanzen muss und nur die Siegerin überhaupt auf die Bühne darf. Doch auch dazu kam es im Traum nicht mehr, denn erstmal ging es in den Raum mit dem Catering und während ich, träumend, lecker frittierte Shrimps speiste, wachte ich dann auch auf.  Ja. Super Traum *ugly*.

In Wirklichkeit lief es dann zum Glück doch etwas anders. Samstag hatten wir noch DSA gespielt, da ich nicht einsah, wegen des Konzerts den Termin ausfallen zu lassen. Wir haben einfach eher aufgehört, der Heimweg dauerte dann aber etwas länger als geplant, weil es ziemlich stark schneite.

Das war dann der Sonntag:

08:00 Uhr. Wecker klingelt. Ürks. Nicht genug geschlafen. Ich stehe auf, schleiche unter die Dusche. Haare waschen ist angesagt.

08:30 Uhr. Klatsche Lockenschaum in meine Haare, damit ich Kringellöckchen kriege. Es stellt sich später heraus: Es war zu viel Lockenschaum. Föhne Haare. Rufe beim Taxidienst an. Die Dame von der Hotline berichtet, in ganz Hamburg ginge es nur im Schritttempo voran, da es die ganze Nacht geschneit hat. Mist. Bestelle das Taxi 15 Minuten eher als eigentlich geplant.

09:15 Uhr. Alles ist gepackt. Klamotten, Make-up, Schuhe, Essen fürs Buffet, Süßkram für die Gäste, Wasserkocher, Thermoskanne, Teppich für den Umkleideraum….
Mir ist schlecht. Ob vor Müdigkeit, vor Hunger oder vor Aufregung, weiß ich nicht so genau. Versuche, wenigstens den Hunger zu bekämpfen und stopfe unmotiviert Müsli in mich hinein.

09:25 Uhr. Das Taxi ist da. Die Müslischüssel ist noch halb voll. Egal. Ich schnappe meinen Krempel, eile nach unten, der Taxifahrer verstaut verwundert den Kram in seinem Auto, dann geht es los. So schlimm ist das mit dem Schnee auch gar nicht. Nix mit Schritttempo.

09.45 Uhr. Prima, die Viertelstunde Zeitpuffer wurde nicht verbraucht, nun bin ich die zweite, die am Veranstaltungsort ankommt. Zum Glück sind die Techniker schon da und schließen den Raum auf. Ich und die schon anwesende Kollegin tragen unseren Kram rein.

10:00 Uhr. Der Rest der Meute trudelt ein. Die Taxen fahren nicht in den Hof, sondern halten oben an der Straße. Ich schleppe drei Ikeatüten voller Gedöns durch den Schnee. Jetzt bitte nicht noch ausrutschen und mir was brechen. Passiert zum Glück nicht. Kram wird herumgeschleppt, verteilt, in der Küche stapelt sich das Essen, Kaffee wird gekocht, Leute tragen Dinge von A nach B.

10:30 Uhr. Besprechung. Alle sind da, jeder hat nen Kaffee, es kann losgehen. Ich erfahre, dass ich zuständig für die bunten Teller bin. Sehr gut. Sollte ich hinkriegen. Ich und meine Bunte-Teller-Kollegin holen uns nen Tisch und zwei Stühle (und die gefühlten 10 Kilo Süßkram). Wir werden verspottet, weil wir im Sitzen arbeiten wollen. „Du hast ja Illusionen“, kommentiert meine Lehrerin. Ja, hab ich eben nicht. Die Illusion, dass ich diesen ganzen Tag durchstehe, wenn ich mich nicht so oft wie möglich irgendwo hinsetze, ist nämlich nicht vorhanden :p Ich packe Lebkuchen, Zimtsterne, Dominosteine und sonstigen Süßkram auf Teller. Meditativ. Irgendwie. Die Aufregung schwindet.

11:00 Uhr. Soundcheck. Das Konzert wird einmal durchgeprobt, wenn auch nicht alle Lieder vollständig. Ich muss gleich als viertes. Hilfäh. Netterweise schweigt der Saal, als ich auf die Bühne gehe. Ist sonst nich so gut, wenn man so ne leise Ballade singt und im Hintergrund alles knistert und raschelt und labert. Ich singe los. Prima, gleich den Einsatz verkackt. Egal. Je schlechter die Generalprobe, desto besser die  Aufführung, right? Ich singe das Lied komplett durch. Die anderen klatschen. Wooohooo.

11:30 Uhr. Alle bunten Teller sind…bunt. Und bis zur Grenze der Belastbarkeit mit Keksen etc. gefüllt. Ich gehe mich nützlich machen und puste Luftballons auf. Darin bin ich sehr schlecht und im Zuknoten derselben noch schlechter. Aber ich bemühe mich.

12:00 Uhr. Alle Luftballons sind fertig. Ich muss wieder auf die Bühne, diesmal mit Duettpartner. Diesmal kein Versinger, alles klappt. Duettpartner wird noch drauf hingewiesen, am Ende angemessen entzückt zu schauen. Yeah.

12:30 Uhr. Ich suche nach neuer Betätigung und darf mich beim Zusammenstellen der Geschenke beteiligen. Danach helfe ich noch ein bisschen beim Saal dekorieren, danach wieder Geschenke einpacken. Mein Rücken tut weh.

12:40 Uhr. Letzter Soundcheck-Auftritt meinerseits. Diesmal nur das halbe Lied. Läuft.

15:00 Uhr. Es ist alles eingepackt, der Saal ist fertig dekoriert, die Stuhlreihen stehen. Anderthalb Stunden bis zum Einlass. Zeit, was zu essen, sich einzusingen, umzuziehen und aufzubrezeln.

15:30 Uhr. Keiner hat wirklich Hunger, obwohl das Buffet aus mitgebrachten Dingen sehr lecker ist. Kein Wunder. Es ist nichts mehr zu tun und die Aufregung steigt wieder. Eine SMS von zweien meiner Gäste. Sie kommen nicht. Grmpf.

16:00 Uhr. Noch eine Stunde. Ich fang schonmal an, mich umzuziehen. Dann ist Schminken angesagt. Ich finde immer noch, dass Bühnenmake-up in normalem Tageslicht furchbar aussieht, aber muss ja so. Ich benutze zum ersten Mal in meinem Leben eine Wimpernzange. Hm. Der Unterschied is ja nun nich so doll. Vermutlich hab ich es falsch gemacht. Egal.

16:30 Uhr. Ich tüddel meine Haare auf. Oh Gott. Viiieeel zu viel Lockenschaum reingeklatscht. Ich seh aus wie ein nasser Pudel. Was mach ich jetzt? Auskämmen? Dann seh ich mit den Locken aus wie ein explodiertes Huhn. Verdammt. Pudel – Huhn? Huhn-Pudel? Ach scheiß drauf, ich bleib bei Pudel.

16.45 Uhr. Seit 15 Minuten ist Einlass. Ob wohl schon jemand von meinen Leuten da ist? Ich trau mich nicht, nachzuschauen.

16:50 Uhr. In 10 Minuten gehts los. Wieso war das hier nochmal ne gute Idee??? Panik. Zum Glück geht es allen so, auch den Leuten, die schon das 5. Mal dabei sind. Wir beruhigen uns gegenseitig. Und hüpfen. Oder gehen armeschüttelnder Weise durch den Raum. Alle bekloppt. Was machen wir hier bloß?

17:00 Uhr. Das Konzert wird eröffnet. Ich kriege die Rede nicht mit. Ich stehe im Umkleideraum und sterbe. Sozusagen.

17:15 Uhr. Noch ein Lied, dann bin ich dran. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah.

17:19 Uhr. Ich werde angekündigt. „Sie steht heute zum ersten Mal auf der Bühne…“ Ja, das weiß ich. Das macht es nicht besser, es jetzt nochmal zu hören!!!

17:20 Uhr. Die Musik geht an. Ich schaffe es, alles auszublenden und singe einfach. Sehen tut man zum Glück ja eh nix. Nur Licht. 3 Minuten später: Das Lied ist aus, ich habe mich nicht versungen. Ich höre Klatschen und Gejohle und taumel vor Schreck von der Bühne, ehe überhaupt zu Ende applaudiert wurde. Lehrerin scheucht mich wieder nach oben. Ich knickse nochmal und flüchte. Aber: Geschafft! Gefühlte 15 Leute sagen mir, dass es gut war. Schön zu wissen – ich hab keine Ahnung 😉

17:40 Uhr: Schnell umgezogen und schon gehts wieder auf die Bühne. Diesmal das Duett. Das haben wir so oft geübt, ich könnt es wohl im Schlaf. Es läuft gut, wieder viel Applaus, Duettpartner und ich fallen uns glücklich in die Arme. Yay!

18:30 Uhr. Der letzte Auftritt. Diesmal versemmel ich am Ende ein paar Töne. Mist! Dann ist es geschafft – alle drei Lieder sind (fast) gut gelaufen und ich hab jetzt ein bisschen Freizeit. Ich zieh mir wieder das bequemere Outfit von Lied Nr. 2 an und geh ins Publikum, meine Gäste suchen. Tatsächlich sind 6 Leute gekommen und haben auf fleißig fotografiert und gefilmt 🙂 Ich unterhalte mich ne Weile mit ihnen, wir gehen kurz nach draußen, frische Luft schnappen, dann geh ich wieder nach hinten um zu schauen, ob ich gebraucht werde. Dem ist nicht so, also geh ich wieder raus zu den Gästen. Meine Füße tun weh. Mein Rücken auch. Ich esse ein bisschen Süßkram von den bunten Tellern, schaue den anderen beim Singen  zu und trinke Cola. Dann geh ich wieder nach hinten, noch etwas die Füße ausruhen, ehe ich filmen muss.

20:10 Uhr: Ich habe die unbequemen Schuhe wieder gegen meine Stiefel getauscht und mache mich auf zum Filmen. Wie man das Tape wechselt, haben wir am Vormittag zum Glück geübt. Altes Tape raus, neues Tape rein und schon hab ich die Kamera in der Hand und das Kabel über der Schulter. Neun Lieder muss ich filmen, plus Ansagen dazwischen. Mir graut jetzt schon.

20:20 Uhr. Mein Rücken. Meine Füße. Aua.

20:30 Uhr. Die Musik ist grad gut zum Mitgehen. Blöd, dass ich ruhig vor der Bühne stehen und die Kamera halten muss…

20:40 Uhr. Aaaaargh. Alles tut weh. Bitte lass das letzte Lied umgehen…

20:45 Uhr. Ich bin erlöst. Ich übergebe die Kamera an den nächsten Helfer und eile auf die Bühne – Finale. Auf der Treppe trete ich auf meinen Rock – ratsch, ein Riss ist drin. Verdammt.

20:50 Uhr. Das Konzert ist vorbei. Es ist alles gutgegangen. Yeah 🙂 Wir holen das Buffet aus der Küche, die Gäste dürfen alle mitessen. Eigentlich sollte man meinen, dass man nun wieder Hunger hätte, aber dem ist nicht wirklich so. Ich esse trotzdem ein bisschen, trinke noch zwei Becher Cola und freue mich, sitzen zu können. Meine Gäste verabschieden sich und nehmen einen Teil meines Gepäcks mit. Ich sitze noch eine Weile mit einigen meiner Mitsängerinnen zusammen. Alle sind froh, dass es gut gelaufen ist, es wird gelobt und gefreut und überhaupt und so.

21.30 Uhr. Es geht ans Aufräumen. Keiner kann mehr wirklich laufen, ich erst recht nicht. Aber was solls.

22:45 Uhr. Es geht dem Ende zu. Die letzten Schüsseln, Löffel, Tassen, Brotkörbe usw. werden an den jeweiligen Besitzer zurückgegeben. Wir haben Getränke ohne  Ende übrig. 2 Kästen Bier werden an die Licht- und Tontechniker gespendet. Die rufen Kumpels an zur spontanen Saalparty. Cool. Wäre ich nicht so fertig, ich würde auch noch gern mit denen da rumhängen, die sind nett. Inzwischen haben wir die Zahlen von der Abendkasse. Ganze 66 zahlende Gäste waren da. Autsch. Das bedeutet Nachzahlung für alle. Aber jetzt ist das nicht mehr zu ändern. Erklärt aber, wieso noch so endlos viel Essen und Getränke da sind. Ich nehme noch ein Brot mit. Kann ja nicht schaden.

22:55 Uhr. Der Saal ist abgenommen und in Ordnung. Wir dürfen gehen. Ich rufe mir ein Taxi. Die Busse fahren zwar noch, aber die Haltestelle ist verlegt, wer weiß wohin, außerdem kann ich nicht mehr stehen und es schneit.

23:05. Noch schnell geholfen, Kram in Autos zu räumen, dann stehe ich mit meinem Restgepäck im Hof und finde mein Taxi.  Zum Glück. Ich lasse mich in den Sitz plumpsen. Der Taxifahrer ist nett, wir unterhalten uns über das Wetter und betrunkene Fahrgäste.

23:20 Uhr. Endlich zu Hause.

00:30 Uhr. Ich habe geduscht, den Nagellack abgemacht und die Schminke abgewaschen. Soooo viel besser. Ich schnacke noch ein bisschen mit dem Mitbewohner, der auch zugeschaut hat.

01:00 Uhr. Ich falle ins Bett. Und schlafe 12 Stunden. Wie ein toter Stein. Den Montag freizunehmen, war eine verdammt weise Entscheidung.

Ja, so war das. Ich habe von meinen Gästen – und auch von anderen Zuschauern, die ich gar nicht kannte – schon das ein oder andere Lob bekommen, was mich sehr gefreut hat. Auch die anderen Sänger haben mich gelobt 🙂 Das war auf jeden Fall toll. Insgesamt war es eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Trotzdem wird es für mich nicht ein weiteres Konzert in dieser Form geben. Es war im Vorfeld unglaublich anstrengend und unglaublich nervenaufreibend, noch dazu habe ich aus Spaß mal ausgerechnet, was ich bezahlen musste, damit ich 15 Minuten auf der Bühne stehen durfte. Und das war eine ziemlich hohe Summe – die Gesangsstunden an sich noch nichtmal inbegriffen. Daher wird das, so schön der Applaus auch war, nicht wiederholt. Weiter singen werd ich aber trotzdem.

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