Reisebericht, Teil 3

Und der letzte Teil meines Reiseberichtes. Klickt auf Weiterlesen, wenn ihr mehr über Gummistiefelweitwurf, russische Bunker und lettische LKW-Fahrer erfahren wollt!

Tag 7 – Tallinn nach Riga

Heute haben wir, wie angekündigt, mal etwas länger geschlafen, denn das Frühstück im Hotel geht am Samstag und Sonntag bis 11 Uhr. Als wir dann gegen halb 12 Tallinn verließen, war die Stadt anscheinend sehr traurig darüber, denn es fielen ganze Wasserfälle vom Himmel.Wo das Wasser auf die Straße traf, fing es an zu schäumen. WTF? Shampoonieren die in Estland ihre Straßen, damit sie schön sauber werden, wenn es mal regnet? Ich weiß es nicht.

Der erste Teil der Fahrt war dann ziemlich anstrengend (schätze ich, denn ich war heute nur Beifahrer), denn es schüttete aus Kannen. Natürlich hielt das die lustigen estnischen und lettischen Fahrzeuge nicht davon ab, wie die bekloppten Irren zu fahren. Als es dann endlich aufhörte zu regnen, waren wir schon fast am Ziel. Letztendlich erreichten wir Riga und unser Hotel so gegen 17 Uhr. Nach einer Erholungspause ging es in die Stadt- umsonst, denn dieses Wochenende ist Stadtfest in Riga und alle öffentlichen Verkehrsmittel fahren umsonst. Unglaublich, was wir in diesem Urlaub für ein Glück haben.

In der Innenstadt wussten wir erstmal nicht, wo genau wir sind, suchten ein bisschen herum, landeten dann aber doch im Zentrum und gingen erst Geld holen und dann etwas essen. Ich hatte, als die Kellnerin kam, noch keinen Blick auf die Karte werfen können und bestellte dann spontan das erste, was mir ins Auge fiel, nämlich hausgemachte Limonade. Die Kellnerin meinte noch, das wäre aber „big“…ja ja, dachte ich, passt schon. Und so durfte ich dann alleine 1,5 Liter Limonade trinken! Die sehr lecker war. Und ich hab sie sogar geschafft. Zu essen gab es Pizza für CB und Lamm mit Kartoffeln und Salat für mich. War wieder sehr lecker. Der Nachtisch bestand diesmal aus süßer Pizza mit Vanilleeis. Nom, nom.

Mein kleiner Krug Limonade *hust*

Danach gingen wir noch ein wenig durch die Innenstadt, die sehr, sehr voll war. Das Fest zieht anscheinend Massen von Menschen an. Wir kamen an einigen Museen vorbei, von denen ein paar spannend klangen, aber leider hatten alle schon zu. So blieb es heute bei einer kurzen Runde durch die Stadt, ehe wir dann wieder mit dem Bus ins Hotel zurückfuhren.

Innenstadt von Riga.

Morgen steht dann die letzte Etappe an und wir fahren nach Liepaja. Und am Dienstag müssen wir dann einen ganzen Tag lang gar nicht autofahren! Das wird sehr seltsam…

 Tag 8 – Riga nach Liepaja

Eigentlich wäre heute eine relativ unspektakuläre Fahrt geplant gewesen, denn von Riga nach Liepaja führt eine Autobahn quer durchs Land. Aber das hier wäre ja kein Roadtrip, wenn wir einfach den kürzesten Weg nehmen würden, nicht wahr?  Also wagten wir uns – ohne dass die Straße, die wir nehmen wollten, dem Frollein überhaupt bekannt war – an das Unternehmen „wir fahren die lettische Küste entlang“. Immerhin konnten wir auf der Landkarte des Navis ja sehen, wo wir gerade sind, also war es nicht weiter schwierig. Und ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Die Strecke war zwar ab und an von der Straße her etwas weniger schön, aber dafür fuhren wir durch sehr schöne Landschaft und konnten wenigstens ab und zu das Meer sehen. In Kolka, einem kleinen Ort an der nördlichsten Spitze von Lettland, machten wir dann Pause, aßen etwas und bewunderten die Ostsee (und einen alten russischen Bunker, der dort mitten im Wald steht). Vorher waren wir noch in Roja, dessen Ortsschild Herr Blurrybeard für ein Foto zu „TROJA“ vervollständigte.

 

In Kolka.

Als wir dann wieder nach Süden fuhren, wagten wir es, das Frollein mal wieder nach einer Route zu fragen. Und der Vorschlag, den es uns machte, war wahrlich sensationell: Da es die geradewegs nach Süden führende Straße nicht kannte, schlug es vor, mit der Fähre nach Estland, dann über Tallinn und Riga (wo wir ja gerade herkamen) quer durchs Land zu fahren. Von hinten durch die Brust ins Auge, sozusagen. Wir folgten dann dem Vorschlag nicht und fuhren einfach weiter. In Ventspils hatten wir das Problem, dass wir auf der Straße nach Liepaja nur eine große Baustelle vorfanden. Doch ein sehr freundlicher lettischer Bauarbeiter half uns, indem er mit seinem Auto für uns den Lotsen spielte und uns um die Baustelle herumleitete. Sehr nett von ihm 🙂

Was das Navi wollte…. (leider etwas schlecht zu erkennen. Wir waren jedenfalls da, wo der rote Pfeil ist, und kurz darüber das Fähnchen war das Ziel…)

Ansonsten war ich ja etwas enttäuscht davon, dass in Ventspils nicht ein großes Gummistiefeldenkmal steht. Denn hier wurde 2004 die Weltmeisterschaft im – wait for it – Gummistiefelweitwurf ausgetragen. Nein, das denke ich mir nicht gerade aus. Diese Sportart gibt es wirklich und man kann sogar in Deuschland in 7 Vereinen diesem Sport nachgehen. Der Weltrekord liegt übrigens bei 67 Metern – und das ist, wenn man bedenkt, dass es sich um wenig aerodynamische Gummistiefel handelt, schon eine Leistung.

Anyhoo: Wir kamen dann nach ungefähr 8 Stunden Fahrt in Liepaja an, fanden mit einmal nachfragen unser Hotel und checkten ein. Das Hotel ist ziemlich witzig, denn alle Zimmer sind individuell nach einem Motto gestaltet. Wir nächtigen in „Uncle Tom’s Cabin“, die Wände und der Boden sind aus Holz, die  Tür zum Bad sieht aus wie ein Wandschrank und auch sonst  passt alles zum Thema. Sehr cool. Waren dann noch eine Pizza essen, werden morgen das Frühstück im Hotel ausfallen lassen und lieber ausschlafen und dann mal schauen. Mittwoch morgen um 2 Uhr (*uääääh*) geht es ja dann auf die Fähre.

Unser Uncle-Tom-Hotelzimmer.

Tag 9 – Liepaja

Der heutige Tag war nicht sehr spannend. Ich habe bis halb 11 geschlafen, dann gelesen, dann waren wir frühstücken (naja, okay, es war schon halb 3 Uhr nachmittags und es gab Kartoffelpuffer…), dann hab ich mich nochmal hingelegt und dann weitergelesen. Mein Buch („The Darkness that comes before“ von R. Scott Bakker) hat mich nämlich ziemlich gepackt und ich bin auch so gut wie durch damit. Abends waren wir dann nochmal was essen und jetzt warten wir auf die Fähre. In 2,5 Stunden werden wir losfahren zum Terminal.

Liepaja ist leider nicht sehr spannend. Irgendwie deprimiert mich die Stadt ein wenig, denn sie geben sich total Mühe, spannende Dinge für Touristen anzupreisen und haben sogar die ganze Stadt mit Noten versehen, denen man für einen Stadtrundgang folgen kann. Allerdings ist hier trotzdem nicht wirklich was los und die Stadt auch nicht sooo besonders hübsch. Der Strand soll ganz schön sein, aber da es heute grau und regnerisch war, hatte ich auch keine Lust, dort hinzugehen.

Joah. Das war es nun schon fast mit dem Urlaub. Die Fahrt mit der Fähre wird vermutlich einfach nur ätzend und langweilig sein und danach, hab ich festgestellt, sind wir vermutlich mitten im schönsten Hamburger Berufsverkehr und stehen erst nochmal ne Stunde im Stau…

Ein Resümee werd ich dann ziehen, wenn ich wieder zu Hause bin.

Tag 10/11 – Liepaja nach Hamburg

So, nun bin ich zwar wieder daheim angekommen, aber ich muss dann doch nochmal was zu der Rückreise schreiben. Ich ahnte ja schon, dass 27 Stunden Fähre mit lediglich einem Ruhesessel wenig erfreulich werden. Allerdings hatte ich es mir weniger nervig vorgestellt, als es tatsächlich war. Als wir um kurz vor 2 Uhr morgens auf die Fähre kamen, war ich erstmal ganz froh, dass alles geklappt hatte. Der „Silent Saloon“ mit den Ruhesitzen war dann schnell gefunden, es gab sogar ein Schließfach für den Rucksack und da ich ziemlich müde war, bin ich tatsächlich irgendwie eingeschlafen (quer über drei Sitzen liegend und mit einer Armlehne im Weg, aber es ging). Nach ungefähr 3,5 Stunden wachte ich dann wieder auf und es gab dann auch Frühstück, so dass ich mich hochquälte. Beim Anstehen fürs Frühstück stellten wir dann fest, dass außer uns vielleicht noch 10 Touristen auf der Fähre waren – der Rest der Passagiere bestand aus lettischen LKW-Fahrern. Entsprechend gab es dann auch gleich morgens um 8 Uhr Würstchen, Buletten und so was (was ich auch zu schätzen weiß, auch wenn ich kein Truckerfahrer bin 😉 )

Nach dem Essen setzen wir uns, jeder mit einem Buch bewaffnet, in die Lounge, in der immerhin ein paar bequeme Sofas rumstanden. Ich war so müde, dass ich mich nicht konzentrieren konnte und mich dann kurzerhand aufs nächste Sofa legte. Nach anderthalb  Stunden wurde ich dann geweckt mit dem Hinweis, ich dürfe da jetzt nicht mehr schlafen, die Bar mache jetzt auf. Das war ungefähr um 10 Uhr morgens und ja, die Bar hat auch um diese Zeit schon einen guten Absatz an alkoholischen Getränken gehabt.

Den Rest des Tages hab ich gelesen und aufs Meer geschaut und gegessen. Und gelesen. Und aufs Meer geschaut. Und gelesen. Ich hab anderthalb Bücher geschafft, während wir unterwegs waren. War ja sonst nicht viel zu tun. Beim Abendessen stellte dann Captain Blurrybeard fest, dass der Seegang ihm nicht bekommt und ihm nicht vor Hunger, sondern vor Schaukelei schlecht ist. Ich versorgte ihn mit einer Anti-Kotz-Pille aus meiner umfangreichen Reiseapotheke und kurz darauf schlief er auch schon tief und fest. Ich saß dann weiter rum, las noch ein bisschen, schaute aufs Meer, beobachtete die immer betrunkener werdenden Leute und versuchte dann so gegen kurz nach 21 Uhr, auch mal einzuschlafen. Allerdings war das alles andere als leicht, denn meiner Meinung nach sollte sich ein Silent Saloon nicht dadurch auszeichnen, dass von der einen Seite laute Musik hereindröhnt und von der anderen Seite durch die – nicht schließbare – Tür der Lärm der Leute an den Spielautomaten und dem Billardtisch, die schlauerweise direkt vor dem Raum stehen, hereindringt. Die unglaublich unbequemen Sessel taten ihr übriges dazu, dass ich nach 2 Stunden frustriert aufstand und wieder in die Lounge ging und mich da aufs Sofa packte. Ich hatte im  Kopf schon meine flammende Rede vorbereitet, die ich jedem an den Kopf werfen würde, der mich dort zu vertreiben suchte, jedoch, es war nicht nötig. Um drei Uhr morgens wankte ich verpennt Richtung Damentoilette und traf auf den inzwischen wieder erwachten Captain, der im Rauchersalon saß, Kaffee trank und sich russische Videoclips ansah. „Es gibt Kaffee“, offerierte er mir, ich sah ihn nur verwirrt an, murmelte irgendwas von lauten Billardspielen, scheißunbequemen Sesseln und „wenigstens noch 2 Stunden schlafen“ und wankte wieder zurück. Tatsächlich aufgewacht bin ich dann auch erst um 6 Uhr.

Nach einem Kaffee und ein wenig Wartezeit legten wir endlich in Travemünde an. Wir gingen dann runter ins Autodeck, wobei ich wenig darüber erfreut war, dass die Hälfte der LKW-Fahrer schon mal den Motor laufen ließen, während das Deck noch geschlossen war. Zum Glück wurde die Klappe runtergelassen, ehe wir an einer Kohlenmonoxidvergiftung sterben konnten…

Der Rest war dann unspektakulär: 45 Minuten Fahrt nach Hamburg, noch kurz Stau am Horner Kreisel und schon war ich wieder zu Hause.

Tja, und wie war nun der Urlaub? Interessant, anstrengend und lustig, würde ich sagen. Insgesamt sind wir 2.950 km gefahren (in de facto wenig mehr als einer Woche), was natürlich echt viel ist. Und das ganze mit sage und schreibe dreieinhalb Tankfüllungen! Ich liebe Swafnir! Das Autofahren hat aber eigentlich immer relativ viel Spaß gemacht, auch wenn die Straßen teilweise seltsam und die anderen Autofahrer öfter mal etwas…äh…wagemutig waren. Wir haben viel gesehen, teilweise hätte ich gerne in manchen  Orten noch mehr Zeit gehabt, andere Ziele würde ich kein zweites Mal ansteuern, weil es da einfach nichts Spannendes zu sehen gab. Die vier Länder, durch die wir gefahren sind, unterscheiden sich untereinander gar nicht sooo sehr, sowohl landschaftlich als auch von den Städten und den Menschen her. Wir haben sehr schöne Ecken gesehen, aber auch absolut hässliche Bauruinen und Plattenbausiedlungen. Es gab sehr nett und hilfsbereite Leute (allen voran die Polizei in Kaunas!) und andererseits wieder welche, die man sich kaum traute anzusprechen. Es konnten erstaunlich wenige Leute Englisch, dafür gab es aber eigentlich immer und überall auch eine englische und/oder deutsche Untertitelung von Schildern, Speisekarten und dergleichen. Am besten hat es mir eigentlich in Estland und im nördlichen Lettland gefallen, da war es landschaftlich sehr hübsch und Tallinn und Riga waren beides sehr schöne Städte, die ich gern nochmal besuchen möchte.

Also, insgesamt: War schön, viel erlebt, aber ich bin froh, mich jetzt noch 2 Tage zu Hause ausruhen zu können.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter blabla

Eine Antwort zu “Reisebericht, Teil 3

  1. Timmeh

    Vielen Dank für den tollen Reisebericht, hat auch beim Lesen viel Spaß gemacht =)

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