Reisebericht, Teil 1

Endlich habe ich meine Urlaubsfotos auch auf dem Rechner, so dass ich jetzt mal meinen Reisebericht bloggen kann. Da er aber recht lang geraten ist, werde ich ihn in mehrere Teile aufteilen und dann an mehreren Tagen veröffentlichen. Also, wer wissen will, was ich im Baltikum und in Polen so erlebt habe, der kann nun weiterlesen 😉

Tag 1 – Hamburg nach Kolberg

Heute ist es also soweit. Statt wie andere Leute nach Malle zu fliegen oder Urlaub auf dem Balkon zu machen, fahre ich 10 Tage durch Polen und das Baltikum, zusammen mit Captain Blurrybeard.  Packen war wie immer nervig. Ich hasse packen. Ich denke immer, dass ich irgendwas vergesse und meistens ist es dann auch so. In diesem Fall mussten die Oropax dran glauben, die immer noch auf meinem Nachttisch liegen. Aber seis drum. Sowas wird es ja wohl auch in Polen geben.

Kurz vor 10 Uhr morgens stand ich dann also, nachdem ich mich noch vom besten Mitbewohner der Welt und Majestät verabschiedet hatte, vor der blurrybeardschen Auffahrt und wartete auf ihn. Währenddessen versuchte ich schon mal, die Zieladresse ins Navi einzugeben – leider mit mäßigem Erfolg, denn Navi kannte zwar Kolberg, aber leider nicht die Straße. Aber egal. So schwer wird das Hotel ja wohl nicht zu finden sein….

Nach einem kurzen Stopp bei Lidl – wir kauften wahnsinnig gesund ein. Kartoffeln und Mais. Also, Chips und Popcorn. Und Billig-Oreokekse. Und Energydrinks für 50 Cent. – waren wir auch schon auf der Autobahn gen Osten. Nach ein paar Stunden machten wir erstmal Mittagspause und aßen beim McDoof mit der langsamsten Bedienung, die ich seit langem erlebt habe. Danach ging es weiter. Bis auf eine Baustelle, die die Abfahrt, die wir hätten nehmen sollen, blockierte und damit erst das Navi und dann auch uns verwirrte, ging es gut voran. Wir hörten gregorianische Chöre, die Rocksongs sangen und dann meine zusammengebastelte Metal-CD. Anscheinend ist sie echt lahm, denn CB schlief dabei gnadenlos ein 😉

Irgendwann waren wir dann in Polen. Noch ehe wir die erste Geldwechselstation erreicht hatten, mussten wir erstmal tanken. Irgendwie ist Diesel hier anscheinend echt teuer. Jedenfalls habe ich fast 65 Euro bezahlt. Aber egal, Swafnir war wieder satt und zufrieden und weiter ging es. Allerdings sind hier wohl seit dem letzten Update des Navis neue Straßen gebaut worden, die das Navi nicht kannte. Nachdem es uns etwa 50 Mal gesagt hatte, wir sollen sofort wenden, bogen wir einfach mal irgendwo ab, wo es wohl grob in die Richtung ging, in die wir wollten. Wir landeten auf einer ziiiiiiemlich schmalen Straße, die mitten durch den Wald führte. Ich möchte jetzt hier nicht all die schlechten Witze über polnische Straßen aufführen, die wir gemacht haben, aber wir haben gut gelacht. Als wir dann irgendwann wieder auf eine größere Straße kamen, schaltete sich das beleidigte Navi dann doch mal wieder ein und berechnete eine neue Route. Und siehe da – wir hatten sage und schreibe 15 km abgekürzt. Ha! Mensch siegt über Technik. Oder vielmehr Bauchgefühl siegt über veraltete Landkarte. Aber naja.

Gegen 18 Uhr erreichten wir dann endlich Kolberg. Auf polnisch heißt das Kolobrezg. Eigentlich wollten wir fragen, wie das ausgesprochen wird, aber wir haben es vergessen. Und leider heißt es Kolberg und nicht Kohlberg. Ansonsten hätten wir den Ort kurzerhand in „Cabbage Mountain“ umtaufen können, was ziemlich lustig wäre. Aber so isses nun leider doch nicht.

Die nicht verzeichnete Straße war jedenfalls verflucht schwer zu finden. Wir kurvten einmal durchs ganze Zentrum, landeten sonstwo, fragten nach dem Weg, bekamen eine Skizze, die uns leider nicht weiterhalf, fuhren aus Versehen erstmal wieder 3 Kilometer aus der Stadt raus und konnten schließlich an einem Imbiss die nötige Wegbeschreibung ergattern. Kurz vor 19 Uhr hatten wir das Hotel dann endlich gefunden. Für Swafnir haben wir auch noch ein Plätzchen gefunden – ich will schwer hoffen, dass der Parkplatz bewacht ist, was nicht so ganz zu durchblicken war. Er kostet jedenfalls 7 Euro für 24 Stunden und ich hoffe, dass er deshalb bewacht ist.

Damit wir wenigstens nochmal am Strand sind, haben wir uns dann dorthin aufgemacht, auf dem Weg noch ein paar Euro in Zloty gewechselt und eine Waffel gegessen. Am Strand selber gabs dann viel Wind, Sonnenuntergang, Bier und Abendessen. Der Strand ist echt schön, leider werden wir morgen nicht mehr wirklich dazu kommen, nochmal hinzugehen. Morgen geht’s nämlich nach Danzig und ich hoffe, dass wir dann gegen Mittag da sind und uns die Stadt ein wenig ansehen können.

Bisher ist das Autofahren sehr spaßig, wir erwehren uns der Lachanfälle, reden über DSA (Überraschung) und essen Kekse. Morgen sind es zum Glück auch nur etwa drei Stunden.

So. Und jetzt geh ich duschen, noch ein bisschen lesen und dann schlafen. Mal sehn, was der nächste Tag bringt.

 2. Tag – Kolberg nach Danzig

 Erkenntnisse des Tages:

1. Das Navi ist besser als ich dachte.

2. Man kommt niemals zu der Zeit an, die das Navi bei Abfahrt ausspuckt. Und wenn ich bedenke, wie lange wir heute auf irgendwelchen bekloppten Straßen im Stau gestanden haben, wundert es mich, dass wir nur eine Stunde später da waren als erwartet.

3. In Polen sind die Straßen so in etwa 1,5 Fahrstreifen breit und wenn man ganz nach rechts auf den halben Seitenstreifen fährt, um jemanden überholen zu lassen, bedankt sich der Überholende, indem er die Warnblinkanlage betätigt. Wir haben ewig gebraucht, um das zu kapieren, aber danach haben wir uns wie die kleinen Kinder gefreut, wenn wieder einer danke sagte 😉

4. Irgendwie gibt es hier ein seltsames System, bei dem die Straßen vor jeder Kreuzung eine Spur mehr kriegen und man da schneller fahren darf, nach der Kreuzung kommt wieder eine Spurverengung und so weiter. CB ist fast durchgedreht deswegen 😉

5. Ich bin sehr froh darüber, dass ich nicht die ganze Strecke fahren muss. Beifahrer sein macht zwar müde, ist aber entspannt 😉

6. Danzig ist sehr schön und ich hätte gerne mehr Zeit gehabt, mich umzuschauen, aber für einen ersten Überblick hat es durchaus gereicht. Sehr schöne Innenstadt.

7. Polnische Hotels stehen irgendwie auf rosa Klopapier und erachten die Möglichkeit, die Tür zum Bad abschließen zu können, anscheinend für genauso unnötig wie zwei Bettdecken für zwei Personen (zum Glück war noch eine zweite Decke im Schrank versteckt).

8. Polnisches Essen ist lecker. Wir haben heute Piroggen gegessen, die unglaublich gut geschmeckt haben. Und das andere Essen war auch lecker. Und wir hatten frittiertes Eis. Jawohl.

9. Ich tue hier lauter seltsame Dinge, die ich sonst nicht mache. Gestern und heute habe ich Bier getrunken. Und heute habe ich rote Beete gegessen. Aber nur wenig.

10. Morgen müssen wir fast 500 Kilometer fahren, um um Königsberg rumzueiern. Das wird aaaanstrengend 😉

Soweit das Update. Und jetzt: Duschen.

Tag 3 – Danzig nach Kaunas

Seit heute weiß ich wieder, wieso ich unbedingt einen Roadtrip machen wollte. Auf normalen Reisen, auf denen alles geplant ist, passieren nämlich nie solche Dinge wie heute.

Los ging es heute morgen ja in Danzig. Das Frühstück im Hotel war so naja, also haben wir uns damit nicht lange aufgehalten und sind dann kurz nach 10 Uhr losgefahren. Nachdem wir erstmal das Frollein – wie wir unser Navi wegen seiner leicht bemutternden und etwas zu fürsorglichen Art und Weise – davon abgebracht hatten, uns einen riiiiesigen Umweg über Warschau fahren zu lassen, gondelten wir bald durch Ostpolen. Unsere Freude über die sich bedankenden Autofahrer vom Vortrag wurde bald getrübt, denn in Ostpolen scheint man das nicht zu tun. Wir haben trotzdem alle vorbeigelassen und sind lieber in Ruhe gefahren – vor allem auf den Straßen, die nur knapp zwei Autobreiten breit sind, links und rechts Bäume haben und bei denen man schon zu tun hat, den Schlaglöchern auszuweichen. Dafür war die Landschaft schön. Das Wetter war auch okay, nicht gerade strahlender Sonnenschein, aber das würde bei einer so langen Fahrt auch eher nerven.

Captain Blurrybeard ist tatsächlich die gesamte Strecke gefahren. Ich genoss mein Beifahrersein, reichte Getränke, wechselte die CDs und schaute aus dem Fenster.

Erstes Highlight war unser Mittagessen. Gegen 15 Uhr kriegten wir dann doch mal Hunger und fuhren einem Schild nach, auf dem ein Bestecksymbol abgebildet war. Keine Ahnung, auf welches Etablissement das bezogen war, wir fanden jedenfalls nur einen winzigen Laden, in dem es höchsten Brötchen ohne alles zu kaufen gab. Auf des Captains Frage nach einem Restaurant oder einem McDonalds schaute die Verkäuferin nur fragend. Mit den Englischkenntnissen war es nicht so weit her, nicht nur bei dieser Frau, sondern auch bei diversen anderen Personen. Wir also wieder rauf auf die Straße und dann bei der nächsten größeren Raststätte runtergefahren. Wir landeten in einem sehr nobel aussehenden Drei-Sterne-Hotel mit Restaurant, bei dem wir erstmal fragten, ob wir als Nicht-Hotelgäste da überhaupt reindürfen. Wir durften, und auch wenn ich mir irgendwie etwas underdressed vorkam, haben wir sehr, sehr lecker gegessen. Ich hätte ja Fotos vom Essen gemacht, aber sowas fällt mir immer erst ein, wenn ich aufgegessen hab…

Für Hauptgang, Nachtisch, Getränke und Kaffee haben wir zu zweit 40 Euro bezahlt. Ziemlich cool. Ich frage mich immer noch, was dieses Hotel da eigentlich macht, weil das wirklich absolut mitten in der Pampa war – aber egal.

Weiter ging es also durch die unendlichen Weiten von Ostpolen. Irgendwo haben wir noch ein Eis gegessen. Außerdem haben wir uns sehr über die Bushaltestellen amüsiert, die überall mitten in der Wallachei sind. Wirklich mitten im fucking Wald, kein Ort weit und breit und mitten an der Schnellstraße eine Bushaltestelle. Haben kurzfristig überlegt, Fotos von allen Haltestellen zu machen und ein Panini-Sammelalbum mit dem Titel „Die schönsten Bushaltestellen Polens“ rauszubringen. Sind vom Plan aber abgerückt, weil…na weil halt. Einmal mussten wir anhalten, weil eine Kuhherde die Straße kreuzte. War entzückt. So viel Abenteuer! Ich hatte ja keine Ahnung, was noch kommt…

Bushaltestelle im Nirgendwo.

Dann irgendwann, es dämmerte schon, Captain Blurrybeard hatte schon 2 Red Bull intus und wir hatten gerade das wundervolle Steampunkmusical durchgehört, erreichten wir endlich Litauen. Von der Grenze waren nur noch einige Gebäude zu sehen, es standen auch ein paar Grenzbeamte rum, die uns aber zum Glück nicht rauswinken wollten. Hinter der Grenze ging es im Wesentlichen so weiter wie vorher. Straße, Bushaltstellen, Felder links wie rechts…dann jammerte Swafnir, dass er Durst hat und wir hielten an einer Tankstelle. Da standen wir dann. Im Dunkeln, ohne zu wissen, ob die da Euro oder Karte nehmen und mit genausowenig Plan, wo man hier die Zapfsäule für den Diesel findet. CB wagte sich nach innen und fragte nach, allerdings verstand die Tankstellenlady auch kein Wort englisch und schaute außerdem so, als wolle sie gleich ihre Schrotflinte unter der Theke hervorholen. Ich stand da also. Tanken oder nicht tanken, das war die Frage. Ich nahm den Zapfhahn, auf dem ein großes D stand, schnupperte dran, schnupperte am Tank – roch zumindest gleich. Und ansonsten gabs da eh bloß noch 95er-Benzin, also mutig rein mit der Plörre in den Tank. Dann zur biestigen Tankstellendame und 190…äh…litauische Währungseinheiten (Litas, wie ich inzwischen weiß) bezahlt. Dann gebetet, dass es wirklich Diesel war. Bisher ist das Auto aber nicht explodiert. Hoffe, das bleibt so.

Dann irgendwann, es war schon nach 21 Uhr, erreichten wir endlich Kaunas. Wir hatten das selbe Problem wie am Montag in Cabbage Mou…äh, Kolberg. Nämlich, dass das Frollein nur einen Bruchteil der Straßen kannte. Wir fuhren also einfach mal wild drauflos. Irgendwo musste es ja ein Hotel geben…ja, dachten wir so. Irgendwann entdeckten wir nach langem Suchen ein Schild, das auf ein Hotel hinwies und fuhren dann irgendeine winzige Straße entlang, steil bergauf. Rumms! Swafnir rumpelte in ein Schlagloch und schrammte spürbar mit dem Unterboden auf dem Asphalt entlang. Mein armes Auto! Und, noch viel schlimmer, all das umsonst, denn das Hotel war nicht zu entdecken. Wir fuhren hin und her, fragten einige betrunkene Leute, die – wait for it – kaum Englisch sprachen und auch kein Hotel kannten. Wir hielten auf dem Parkplatz eines Restaurants/Clubs/Dingens und CB fragte auch dort, bekam eine Beschreibung, die aber ins Nichts führte. Man stelle sich dann bitte noch vor, dass wir die ganze Zeit durch ein total unheimliches, leicht verkommenes Viertel fuhren, das so ein bisschen aussah, als könne man dort gut einen Horrorfilm drehen. Wir sahen uns schon im Auto übernachten und mitten in der Nacht vom nächsten Axtmörder getötet werden…doch dann, die Rettung nahte: Ein Polizeiwagen! Dein Freund und Helfer, dachte sich CB und stieg aus. Der junge Polizist war wahnsinnig nett, sprach zumindest besser Englisch als alle anderen vor ihm und erklärte uns den Weg zum Zentrum. Dort sollten wir entweder selber suchen oder einen Taxifahrer fragen. Kurz darauf standen wir an einer Ampel, die uns sehr irritierte. Die war rot und blieb rot, egal, was alle anderen Ampel der Kreuzug machten. Da war so ein grüner Pfeil nach rechts, aber heißt das hier das gleiche wie in Deutschland? Verwirrt tasteten wir uns langsam auf die Kreuzung vor – da überholte uns links der Polizeiwgen. „Follow me!“, schrie der junge Polizist, der das Elend wohl nicht mehr mit ansehen konnte. Und so fuhren wir mit einer Polizeieskorte ins Zentrum und bis direkt vor ein Hotel. Danke, liebe Polizei von Kaunas – ihr seid unsere Helden des Tages!

Das Hotel selber sah ziemlich nobel aus, aber uns war bald schon alles egal. Wir spazieren also rein, fragen nach freien Zimmern und erfahren, dass nur noch ein Deluxe Room frei ist. 110 Euro die Nacht, also nicht unbedingt günstig. Aber uns war alles egal, Hauptsache, nicht zurück nach Haunted Hill und da im Auto schlafen müssen….wir buchten also den Raum, erzählten der supernetten Frau an der Rezeption noch kurz, dass wir schon seit 11 Stunden unterwegs sind und aus Danzig kommen…und, zweites Wunder des Tages, sie überließ uns den Raum zum Preis eines normalen Doppelzimmers, also für fast 20 Euro weniger. Hach. Zweite Heldin des Tages.

Dann kamen wir in das Zimmer. Ich weiß nicht, ob jemand von euch schonmal Germanys Next Topmodel gesehen hat und weiß, wie die Mädels da immer kreischen und hüpfen und sich auf die Betten schmeißen, wenn sie in die Villa in LA kommen…aber so in etwa sah ich heute auch aus. Alter, was für ein geiles Zimmer! Das ist ungefähr dreimal so groß wie mein Wohnzimmer zu Hause. Und hat ein riesiges Bett und ein Bad mit Wanne und ein superbequemes Sofa, auf dem ich gerade sitze und Lidl-Eistee aus einem Weinglas trinke.

Unser superschickes Hotelzimmer.

Mit Sofa!

So. Und nun wisst ihr, wieso ich Road Trips liebe. Sowas passiert einfach nur dann. Trotzdem hoffe ich, dass wir morgen ein wenig schneller ein Hotel finden und freue mich drauf, morgen weniger als 10 Stunden im Auto zu sitzen…mal sehen, was uns in Vilnius und in Daugavpils so erwartet.

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