Krims, Krams und Krümel*

(* Copyright by Mitbewohner)

…oder: Meine Meinung zum heute erscheinenden DSA-Band “Krieger, Krämer und Kultisten”.

Heute erschien nun also der erste Band der neuen “Deluxe-Reihe” mit dem purpurnen Rücken in Vollfarbe und vielen neuen Bildern und überhaupt und so. “Krieger, Krämer und Kultisten” heißt er und wurde bereits vor Erscheinen ziemlich kritisiert.

Möchte ich der Kritik nun entgegentreten? Nein! Im Gegenteil, ich will meinen Teil dazu beitragen 😉

Zunächst mal ist KKK….nein, Moment. Ich kann gar nicht anfangen, ohne mich erstmal über den dämlichen Titel aufzuregen. “Krieger, Krämer und Kultisten?” Seriously? Ich meine, mal davon abgesehen, dass die Abkürzung KKK jetzt ja nicht mit den allertollsten Assoziationen behaftet ist, klingt das doch irgendwie bescheuert. Alliterationen mögen ja toll sein, aber eine Alliteration macht noch keinen guten Titel. Ganz ehrlich, da hätte ich ja sogar das ursprüngliche “Ohne Rang und Namen” besser gefunden. Oder was ganz anderes. Was weiß ich. “Alrik und Jobst – typisch aventurische Normalos” oder “Der große Band der unwichtigen Meisterfiguren” (vielleicht etwas zu negativ… *hust*) oder “Begegnungen am Wegesrand” oder was auch immer. Aber naja. Ich will mich ja nicht am Titel allein aufhängen.

Die Geschichte von KKK ist ja schon so eine Nummer für sich. Hervorgegangen ist das Ganze ja aus dem geplanten, halb fertigen, dann gecancelten Meisterfigurenband “Von Rang und Namen” – auch wenn man sagen muss, das VRUN und KKK noch ungefähr soviel miteinander zu tun haben wie Novadis mit Norbarden. Aber gut. VRUN sollte also ein Band sein, in dem die wichtigsten offiziellen NSCs Aventuriens vorgestellt werden, mit Werten, hübschem Bild, Hintergrund und so weiter. Ich bin ehrlich gesagt auch der Meinung, dass der Band vielleicht nicht so richtig gut funktioniert hätte und vor allem der Versuch, jedem NSC eine Planung für die nächsten 10 Jahre zu verpassen, war einfach zu viel des Guten. Außerdem sind ja die meisten wichtigen NSC schon im jeweiligen Regionalband drin…aber gut, für alle, die die Regionalbände nicht benutzen, wär es natürlich eine nette Alternative gewesen. Zumal fand ich einige der neuen Zeichnungen, die damals noch auf Alveran.org als Teaser veröffentlicht wurden, echt schick. Was aus dem Band wurde, ist ja hinlänglich bekannt: Mark Wachholz wurde gegangen, diverse Leute gingen freiwillig hinterher und der Band war nur das erste von einigen Sachen, die damit verschwanden (wie z. B. die Alveran-News und dann die ganze dazugehörige Seite).

Nach langem Hin und Her hieß es dann also irgendwann, es werde einen Band zu NSCs geben, aber nicht über die wichtigen und offiziellen Meisterfiguren, sondern über die kleinen, immer wieder auftretenden Figuren. Schon bei der ersten Ankündigung dachte ich: “Und wer soll das brauchen?”. Leider hat sich diese Auffassung meinerseits nicht verändert.

Vor ein paar Wochen gabs dann also den ersten Auszug des Bandes im Internet zu bewundern. Den hab ich mir dann angeschaut und hinterher war ich mir dann auch wirklich sicher: Das braucht keiner. Ich jedenfalls nicht, und auch niemand, den ich kenne.

Was ist also das Problem an KKK? Meiner Meinung nach: Das ganze Konzept. Der Band beinhaltet 60 Meisterpersonen, zu denen es jeweils eine Kurzgeschichte, eine Beschreibung, einige Ideen, sie ins Abenteuer einzubringen und einen Kasten mit Werten (mit 3 Versionen: unerfahren, erfahren, Veteran) gibt. Zu jeder Person gibts dann noch ein Bild. Sogar in Farbe und bunt.

Was ich nicht verstehe, wirklich so gar und überhaupt nicht: Was soll man bitte damit anfangen? Wenn ich einen Wirt, einen Gardisten, einen Wegelagerer, Bettler oder Krieger brauche, der im Abenteuer keine wichtige Rolle spielt, dann sollte ich als SL in der Lage sein, mir den eben schnell auszudenken. Und weil er ja im Abenteuer keine wichtige Rolle spielt, braucht er weder einen anderthalb Seiten langen Hintergrund noch genaue Werte noch sonst irgendwas. Überhaupt: Seit wann muss der Wirt in der Taverne genaue Werte haben? Gibt es tatsächlich Gruppen, die erstmal auswürfeln, ob der Wirt ein schmackhaftes Essen zustande bringt oder in der Lage ist, das Bierfass aus dem Keller zu schleppen?
Kampfgegner brauchen natürlich Werte, aber da kann man sich auch einfach an den Angaben zum Talentspiegel von NSCs orientieren, dann weiß man, dass der durchschnittliche Büttel einen Kampf-TaW von ungefähr 7 hat und kann sich den Rest ausrechnen.

“Aber Moment!”, heißt es an einigen Stellen, “Ich bin ja noch nicht so lange Spielleiter, ich find das super, wenn ich mir den Wirt nicht selber ausdenken muss, sondern das Buch benutzen kann.”
Klar, kann man. Dann hat man genau einen Wirt, den man als NSC verwenden kann. Der hat dafür ne komplette Lebensgeschichte, die die Helden übrigens mal so gar nicht interessieren wird, weil sie einfach nur ein Bier und einen Eintopf bei ihm bestellen wollen. Und dann gehn die Helden im nächsten Abenteuer in die nächste Kneipe – und dann? Hat der KKK-Wirt 374 Klone in ganz Aventurien oder klebt er sich nen falschen Bart an und setzt eine lustige Mütze auf, damit man nicht merkt, dass es in ganz Aventurien überhaupt nur den einen Wirt gibt?

Also, um es mal weniger polemisch zu sagen: Die Hintergrundgeschichte der vorgestellten NSCs wird in den seltensten Fällen ins Abenteuer zu integrieren sein, wenn die NSCs wirklich nur als Nebenfiguren auftauchen. Ebensowenig brauchen diese Figuren dann komplette Werte. Und noch viel weniger ist einem Jung-SL damit geholfen, ihm einen einzigen Wirt/Bettler/Büttel vorzugeben, den er dann nur einmal einsetzen kann.

“Aber!”, rufen dann wieder die nächsten, “Ich spiele ja keine offiziellen Abenteuer, in denen die wichtigen NSCs ausgearbeitet drinstehen. Und wenn ich mir selber ein Abenteuer ausdenken muss, dann kann ich ja einen der NSCs aus diesem Buch nehmen.”
Ebenfalls: Kann man. Muss man aber nicht, und in diesem Fall: Sollte man vielleicht auch gar nicht. Denn die im Buch angegebenen Personen scheinen mir anhand der Leseprobe reichlich klischeehaft und wenig originell zu sein. Eben der Standard-Wirt, die Standard-Kriegerin, etc. Und da sind wir dann wieder beim Problem: Wenn ein NSC im Abenteuer eine tragende Rolle spielt, dann reicht ein Klischee eben nicht aus. Dann muss mehr hinter dem Charakter stecken, damit er auch wirklich interessant ist. Insofern macht es vermutlich weniger Mühe, sich eine interessante Figur zu überlegen, als sie anhand der Personen aus dem KKK aus dem Klischee heraus zu entwickeln.

Da ich mir das Buch nicht kaufen werde, kann ich zu den anderen vorgestellten NSCs natürlich nichts sagen. Vielleicht gibt es auch einige, die etwas weniger „Standard“ sind oder vielleicht gibt es auch eine tolle Spielhilfe, wie man ineressante NSCs baut. Keine Ahnung, ich werde es wohl nur rausfinden, wenn es mir irgendwer, der das Buch kauft, erzählt.

In der Leseprobe ist die Aufmachung des Buches ganz nett und auch die Bilder finde ich gar nicht schlecht. Wobei: Wer ernsthaft eine Kriegerin im Kettenhemd mit wehendem langen Haar zeichnet, ist noch nie mit einem Kettenhemd ernsthaft in Berührung gekommen 😉

Im Großen und Ganzen ein Produkt, auf das ich gut und gerne verzichten kann, ich frage mich auch ein wenig, wer damit überhaupt was anfangen soll und was überhaupt die Intention war, das Buch zu machen. Durch die vielen Werte, Bilder und Kurzgeschichten war es sicher ein ziemlicher Aufwand, der aber meiner Meinung nach leider nicht in ein Produkt gemündet ist, das man am Spieltisch und zur Vorbereitung wirklich gebrauchen kann.

So – und als kleines Nachwort und um nicht nur zu meckern: Die gestern angekündigte “Splitterdämmerung”-Kampagne bzw. deren Einzelabenteuer – super! Erste Ankündigung seit langem, bei der ich mich richtig freue! Und das Cover von “Schleiertanz” ist wirklich, wirklich toll.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter DSA, Rollenspiel

6 Antworten zu “Krims, Krams und Krümel*

  1. Elch

    Die anfängliche Aufregung über den Namen kann man fast unkommentiert so stehen lassen, das spricht eigentlich ziemlich für sich. („Das schwarze Auge“? Seriously?…)
    Die restliche Aussage ist eigentlich nur „Ich finde den Band doof, weil ich ihn nicht brauche. Das kann man doch alles improvisieren.“ Das mit dem Improvisieren denken sich die offiziellen Abenteuer-Autoren auch immer…was dabei teilweise rauskommt ist mehr als hanebüchen. Auch dein Beispiel mit dem Gardisten zeigt, dass man das nicht einfach mal so aus dem Ärmel schütteln kann. Ein Gardist mit seinem Hauptwaffentalent (also einem Talent, das für seinen Beruf extrem wichtig ist) auf 7? Ohne Eigenschaftsboni hat unser Gardist eine maximale Basis-AT/PA von 8/8. Darauf verteilen wir dann die 7 TaP, damit hätte er eine AT/PA von 9/14 bis 14/9. Damit hat er eine Trefferwahrscheinlichkeit zwischen 45-70%, seine Verteidigung leidet unter hohen Angriffswerten. Wahrscheinlich ist also eher eine Verteilung von 12/11 (60%/55%). Damit kann er noch nicht einmal irgendwelche Kampfsonderfertigkeiten (die er eigentlich haben sollte) sinnvoll einsetzen.
    Ein frisch erstellter, kämpferisch orientierter Charakter hat in der Regel einen TaW zwischen 10 und 14, wenn er innerhalb der Regeln als halbwegs kompetenter Kämpfer funktionieren möchte.
    Die Einteilung „7 ist kompetent und 14/15 ist meisterlich“ stammt aus DSA 3 und funktioniert in DSA 4 einfach nicht.

    Was könnte ein Noname-NSC-Band für DSA leisten? Ein Bündel NSCs mit sinnvollen Werten zum selbst ausmalen. Ich brauche schnell Werte und Hintergrund für den Wirt in der Kneipe, weil die Spieler mit ihm reden und ihn überzeugen wollen, etwas für ihn zu tun? KKK Seite zehn aufgeschlagen, Werte notiert, in die Absätze mit den Inspirationsvorschlägen zu Hintergrund und Verhalten geschaut und schon haben wir einen brauchbaren, ausreichend tiefen NSC, mit dem die Spieler regel- und hintergrundtechnisch interagieren können und der, falls es sich ergibt, auch in späteren Abenteuern wieder eingesetzt werden kann. Schade nur, dass KKK, wenn man der Leseprobe trauen kann, das nicht leisten wird.

    • Was die Kampfwerte angeht: Ich leg jetzt nicht meine Hand ins Feuer für den oben genannten TaW von 7. Könnte bei nem Gardisten auch 10 sein. Aber generell gilt halt: Wenn man sich an den offiziellen Hintergrund hält, dann sind bei DSA normale Gardisten, Wegelagerer etc. meistens schlechter als der neu generierte Held, ja.

      Und klar ist die restliche Aussage „Ich kann den Band nicht brauchen und find ihn deshalb doof.“ – aber das hier ist ja auch nur mein persönlicher Blog und keine neutrale Rezension.
      Und ja, das mit dem Impovisieren sollte natürlich nicht für Autoren von offiziellen Abenteuern gelten – hab ich aber auch nie behauptet 😉

      @nützlicher No-Name-Band: Japp, das hätte man auch so machen können, wie du sagst, und es wäre auch durchaus was gewesen, was ich nicht schlecht gefunden hätte…

  2. Der Rhys

    So, nun habe ich auch mal die Muße, bei einem gemütlichen Glas Irish Whisky meinen Kommentar auszufomulieren.

    Wie wir schon im persönlichen Gespräch festgestellt haben, habe ich doch eine ein wenig andere Meinung zu dem vorliegenden Band. Die Diskussion in den einschlägigen Foren und Medien ist ja schon recht fortgeschritten, so dass ich den einen oder anderen Gedanken, der zu der Spielhilfe schon formuliert wurde, auch schon im Kopf wälzen konnte.

    Erstmal vorangestellt: Ich glaube, ich werde mir diesen Band zulegen. Damit muss ich diese Aussage: „Das braucht keiner. Ich jedenfalls nicht, und auch niemand, den ich kenne.“ ein wenig ergänzen. 😉 Brauchen zwar nicht, aber ich kann mir vorstellen, mit diesem Band einen Mehrwert für eine interessante Gestaltung des einen oder anderen Spielabends zu bekommen. Und wenn da der Spielspaß für ein paar Speilabende drinsteckt und ich noch ein paar schöne Stunden beim Lesen habe, wird sich die Anschaffung gelohnt haben. 😉

    Das Konzept deckt eigentlich das ab, was ich in erster Linie von einer Spielhilfe erwarte. Ich habe einen Haufen Input, aus dem ich etwas Tolles stricken kann.

    Da das Beispiel in der Diskussion schon an so vielen Stellen herbeigezerrt wurde, werde ich versuchen, das alles an dem Beispiel des generischen Wirts zu verdeutlichen. Natürlich brauche ich kein Buch, um mir einen generischen Wirt in einer Taverne auszudenken, die die Helden gerade aufsuchen. Das gleiche gilt für einen typischen Gardisten oder auch einen typischen Bettler. Und die genannten Personen werden auch, wenn ich sie mir spontan ausdenke, nicht immer gleich sein und nur einen anderen Namen tragen, der mir grad in der Liste ins Auge sticht. Mit den Worten deiner Polemik – bei der ich sehr gegrinst habe – augedrückt: Der klebt sich nicht immer nur nen falschen Bart an und setzt sich ne lustige Mütze auf. 😀

    Was ich mir von diesem Band verspreche, geht darüber hinaus und ist mit den Worten Inspiration und Ideen sehr gut umrissen. Es geht darum, den Wirt eben nicht in der Taverne auftauchen lassen kann, sondern in anderen Situationen. Wie kann ich ihn denn auch mal zu dem Mittelpunkt einer Geschichte machen. Gerade das ist es, was ich für meine aktuelle Gruppe (niedrigstufig/ lokal gebunden/ enge Bindung an das Setting) benötige. Allein aus der vorab veröffenlichten Leseprobe habe ich schon eine Idee, was ich noch einmal einbringen könnte.

    Das dieser Band an einigen Stellen deutlich über das Ziel hinausschießt und allein die Bezeichnung Veteranen-Wirt und Veteranen-Bettler besser im Bereich der Slapstik-Comedy aufgehoben ist, darüber muss niemand diskutieren. Damit gehen wir völlig d’accord.

    Viel der angebrachten Kritik an dem Band teile ich dabei. Ehrlich gesagt, finde ich die Kulturmodifikationen an Ende des Bandes auch recht amüsant. Aber gut, vielleicht ist es auch nur eine Hommage an „Mit Mantel, Schwert und Zauberstab“. 😀

    Zuletzt bleibt mir dann noch zu sagen: „ich werde es wohl nur rausfinden, wenn es mir irgendwer, der das Buch kauft, erzählt.“ Ich werde dir berichten.

    • Danke für den ausführlichen Kommentar 😉
      Hm, ich glaub, da kommen wir nicht mehr auf eine gemeinsame Meinung. Vielleicht kannst du mir nach Lektüre des Bandes ja mal erzählen, ob alle Charaktere so eher stereotyp sind wie der Wirt und der Bettler, oder ob es da auch noch interessantere gibt. Bzw. ob und wie und wo du mal welche von den Personen einbauen konntest.

      Ich bin gespannt 😉

  3. Der Rhys

    Auf eine Meinung müssen wir ja auch nicht kommen. 😉

    Der Erfahrungsbericht wird folgen, wenn ich das Buch gelesen habe. Die Bestellung wird aber noch ein paar Tage auf sich warten müssen, bis die aktuelle Kreditkartenabrechnung durch ist.

    Ich bin ebenfalls gespannt auf den Band und ob meine Erwartungen erreicht oder enttäuscht werden. 🙂

  4. Pingback: Der Nandurion Hesinde-Disput 2012: Was brachte das Jahr? | Xeledons Spottgesang

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