Non scholae, sed vitae…oder doch nicht?

Immer, wenn ich zwischendurch mal nichts zu tun habe bzw. nix an Arbeit rumliegt außer Dingen, die ich in Ruhe und am besten um 8 Uhr morgens machen muss, wenn mein Hirn noch etwas leistungsfähiger ist als an einem Donnerstag nachmittag in einer Woche, in der ich keinen einzigen Tag lang mal zu einer Zeit im Bett war, die zu ausreichend Schlaf geführt hätte…also immer, wenn ich mal gelangweilt bin, les ich ja liebend gern in den Lehrerblogs von Frau Freitag und Fräulein Krise. Irgendwie ist das wirklich unterhaltsam. Und man kann sich so schön drüber wundern, wie seltsam die Jugendlichen sich verhalten und wie die Lehrer es mit denen bloß aushalten.
Eigentlich juckt es mich dann immer in den Fingern, sowas zu sagen wie “damals (TM) bei uns, da war das gaaaaaanz anders.” Aber ich glaub ja eher, dass jede Schülergeneration sich über die vorherige beschwert und von sich selber sagt, dass sie viel netter und höflicher und schlauer waren. Außerdem kann man das auch gar nicht vergleichen. Ich war ja nicht auf ner Gesamtschule irgendwo im nicht so schönen Teil einer Großstadt, sondern schön idyllisch aufm Land, auf dem einzigen Gymnasium in 20 km Umkreis. Händys gabs damals natürlich schon, sie waren aber irgendwie noch nicht so spannend wie heute, weil man damit weder Fotos machen noch ins Internet gehen noch irgendwelche tollen Apps benutzen konnte. Die Schüler waren fast alle von der 5. bis zur 12. Klasse die gleichen, die Ausländerquote war quasi gleich null (nicht, dass ich das für erstrebenswert halten würde, aber es war einfach so.) und soweit ich es weiß, gab es auch kaum Schüler, deren Familien wirklich am Existenzminium lebten. Insofern ist meine Schulzeit so gar nicht vergleichbar mit den Beschreibungen in den beiden Blogs.

Naja. Geschimpft haben wir natürlich trotzdem. Über die Lehrer, die Klassenräume, den Stundenplan, darüber, dass der Sportunterricht in der Turnhalle einer anderen Schule stattfindet…und, und, und. Ich selber hab die meisten Lehrer ja eigentlich gemocht, was sicherlich daran liegt, dass es in meiner Familie sehr viele Lehrer gibt. Irgendwie hatte ich nie diese “der Lehrer ist böse”-Einstellung. Trotzdem mochte ich manche Lehrer und manche halt nicht. Wir hatten z. B. eine ganz schreckliche Musiklehrerin, die Musiknoten danach gab, wie toll jemand singen konnte und wie gut man sich irgendwelche klassischen Stücke merken und die auf einer CD erkennen konnte. Bei der durften wir auch nie englische Lieder singen. Sie konnte nämlich kein Englisch und verteufelte deshalb die Sprache. Wir sangen dafür auf russisch und französisch – das konnte zwar die gesamte Klasse nicht, aber Hauptsache, es war kein Englisch…
Wenn man nicht im Chor war, war es in der Oberstufe auch unmöglich, 15 Punkte zu kriegen. Das blieb den Chorleuten vorbehalten. Mich mochte die Frau ja so gar nicht, weil ich irgendwann vom Chor in die Theater-AG gewechselt bin….
Hach. Theatergruppe. Die war toll. Die einzige AG, bei der ich wirklich jahrelang mit Begeisterung dabei war. Wir haben so tolle Sachen gespielt…”Pension Schöller” zum Beispiel. Ich spielte diese Rolle, die kein “l” sprechen kann und durfte mich daher an so tollen Sätzen wie “Ich habe eine Fnnniege verschnnnuckt” erfreuen. War großartig. Der Sprachfehler ging zwar Stunden nach der Probe nicht wirklich weg, aber was solls. Besonders gut war die Sache mit dem Wandschrank: In einer Szene versteckt sich nämlich der Typ, den ich darstellte (bei uns wars dann eben eine Frau) in einem Knnnneiderschrank, äh, also Kleiderschrank. Da hatten wir eine Leinwand, auf die ein Schrank gemalt war und die an einem Kartenständer hing. Da ging ich also durch so einen Schlitz nach hinten. Einmal fiel mitten in der Vorstellung die Leinwand runter und mir auf den Kopf.
Aber das eigentliche Problem war, dass ich mir immer mein Textbuch hinter der Leinwand auf eine Lampe gelegt hatte, damit ich meinen Einsatz nicht verpasse. Das Licht war ja eh aus während der Vorstellung, da waren nur Scheinwerfer an. Tja, blöderweise ließ ich das Ding da irgendwann liegen. Als wir am nächsten Tag – bei normaler Beleuchtung – die Bühne aufbauten, roch es auf einmal so komisch…und dann rannte auch schon einer mit meinem brennenden Textbuch Richtung Waschbecken. Und am Ende des Schuljahrs kriegte jeder als Erinnerung eine Seite Textbuch mit Brandloch in der Mitte. Ich hab es immer noch.
Noch toller war allerdings “Der Besuch der alten Dame”. Das Stück find ich total klasse und ich durfte auch die “alte Dame” spielen. Sah supertoll aus: Ich mit dunkelroter Perücke, unfassbar schrecklichem Lippenstift und einem ans Bein gebundenen Stock unterm Rock, damit ich das steife Knie glaubwürdig rüberbringe. Yeah. Hat aber total viel Spaß gemacht.

Jaha. So war das damals. Zwischendurch haben wir natürlich auch mal was gelernt. Ganz schön viel sogar. Manchmal hab ich heute noch einen Albtraum, in dem ich mein Abi nochmal machen muss. Unglaublich, was man damals alles so wusste…das meiste davon hab ich wieder vergessen. Ich muss aber auch sagen: Unmengen von dem Kram, den man lernt, braucht man sowieso nie wieder. Was hab ich mit gequält mit so Sachen wie Wahrscheinlichkeitsrechnung, irgendwelchen komischen Funktionen und Gleichungen mit 3 Unbekannten. Und heute? Brauch ich hier und da mal ein wenig Prozentrechnung. Selbst fürs Zinsen berechnen gibts ja zum Glück eine Internetseite…

Ich könnte auch nicht mehr erzählen, wie eine Zelle aufgebaut ist, wie man ein Klimadiagramm liest oder wie man irgendwelche physikalischen Dinge berechnet. Keinen Plan. Manchmal wünschte ich mir allerdings, wir hätten mal ein bisschen was praktisches gelernt. Wie man eine Steuererklärung ausfüllt, zum Beispiel. Oder wie man Wohngeld beantragt. Vielleicht auch, wie man einen Kredit aufnimmt, wann das sinnvoll ist und wann man es besser lassen sollte. Oder was man macht, wenn der Vermieter Ärger macht, der Chef einen ungerechtfertigt kündigt oder man irgendeinen Vertrag geschlossen hat, den man nie haben wollte. Und wie man Reifen wechselt. Das könnte ich wirklich gern. Naja. Aber man muss ja auch als Erwachsener nochmal was dazulernen, nech?

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